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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 02.02.1928
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- 1928-02-02
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- 02.02.1928
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F: 28, 2, Februar 1928, Redaktioneller Teil. Herzog, daß das unnötige Schriftchen unter seinem Namen aus gegangen sei, Culmann wurde einem strengen Verhör unter worfen, konnte aber erklären, daß der Druck ohne sein Wissen und wider seinen Willen erfolgt sei. Aus dem Briefwechsel Herzog Christophs mit Graf Ulrich erfahren wir, daß Lindener sich um diese Zeit zu Lechhausen bei Augsburg auf gehalten hat, in demselben Orte, wo "sich sein trauriges Schick sal erfüllen sollte. Wahrscheinlich hatte er bereits damals eine Schulmeisterstelle an St, Ulrich und Afra in Augsburg inne. Wehe der Jugend, die solch zweifelhafter Obhut anvertraut war. Meist waren es fremde Schriften, die Lindener mit Vor reden und Widmungen an Gönner herausgllb. In solcher Art erschien im Jahre 1558 eine heute wiederum vergessene »Christen- liche Frag und Antwort, den Glauben und die Lieb betreffend, wie einer den anderen treulich unterweisen soll, zu den zwölf Artikeln des heiligen Mannes I>, Urbani Regii nützlich-. Die fromme Ausgabe ist dem Ulmer Ratsherrn Georg Besserer ge widmet und sollte dessen Gottesfurcht und Treuherzigkeit künden. Der Herausgeber meint, er habe zwar drei Werklein zur Hand, aber da keines noch ganz fertig sei, widme er ihm das vorliegende Büchlein, das ihm von einem guten Freunde zur Drucklegung zugekommen sei. Er wüßte den Namen des gelehrten Verfassers wohl zu nennen und werde ihn in dem geplanten Katalog der Gelehrten mit großem Lob und Ruhm verzeichnen. Für seine Ausgabe verweist Lindener aus ein ihm von der Obrigkeit für seine und fremde Bücher im »Augurieren, Declarieren, Reno vieren und Zuschreiben« erteiltes Privileg. Weiter vermahnt er den Leser, die Mühseligkeit und das Elend dieses Jammer tales, das »ein Lumpenwerk und eine rechte Bachanterei« sei, zu betrachten und sich zum Schatze des göttlichen Wortes zu halten. Es zeugt von den tiefen Abgründen des menschlichen Her zens, daß derselbe Mann, der immer die reine Religion, die Ver gänglichkeit des Irdischen, das drohende Ende der Welt, er mahnende Weisheitssprüche und fromme Reden im Munde führte, der gern Namen wie Eoban Hesse, Martin Luther, Philipp Melanchthon als ihm besonders vertraut und befreundet nannte, in üblen Schenken sein Unwesen trieb, dem Trinken frönte und Freude an den schmutzigsten und unflätigsten Reden verworfener Gesellen hatte. In solchem Verkehr und Umgang entstanden seine berüchtigten Zotenbücher, das »Rastbüchlein- und das Schriftchen »Katzipori«, Werke, die zu den unflätigsten gehören, die je gedruckt worden sind. Einen gleichgestimmten Gönner fand er in dem liederlichen Augsburger Ratsherrn Anton Baum gartner, Ihm widmete er statt einer angeblich noch nicht fertigen »Chronika für den gemeinen Mann- sein »Rastbüchlein, darin schöne kurzweilige, lächerliche und lustige Possen und Fabeln, welche Historien gleich sind, verfaßt und beschrieben sind, den feiernden oder sonst ruhenden lieblich zu lesen und anzu hören-. Zwei andere ähnliche Büchlein kündigte er in Vorrede und Text an, »daß die guten Schlucker, die sonst gern närrisch Possen hören, zu lachen haben«. Solche Schwänke und Possen, führt er in seiner Widmung aus, frischten die Leber aus und erquickten das Geblüt, worauf ein Trinklein aus einem Vene- dischen Glas, da ein Maß roter Wein eingshe, wohl und natürlich schmecke. Und bald darauf erschien, mit einem frechen Titelholzschnitt eingeleitet, »der erste Teil Katzipori, darin neue Mucken, seltsame Grillen, unerhörte Tauben, visierliche Zoten versaßt und be griffen sind, durch einen guten Cumpanen, allen guten Schluckern zu gefallen, zusammengetragen«. Der Verfasser nennt sich nicht, ist aber unschwer an den zahlreichen Anspielungen zu erraten; schon Johann Fischart wußte ihn. Gewidmet ist das. Büchlein dem Landsberger Bürger Hans Greüther, der sich voller Schwänke gebe wie der Verfasser, der auch der guten Gesellen einer sei, die man die freien Knaben nenne, die sich nicht viel sorgten, was das Korn gelte, sondern mehr Lust und Lieb hätten zu guten Grillen und visterlichen Schwänken, womit man die Zeit und Weil zu vertreiben pflege und daneben den Wein ver daue. »Und bin-, bekennt der Verfasser von sich, »mein Leben lang nit fröhlich gewesen, denn da ich alle Nacht mit der Lauten ging und den Ovidium unter dem Arm trug, aus hölznen Kan nen trank und papierne Fenster hatte«. Er habe oft aus der Frankfurter Messe als Buchführer zu tun gehabt, der Buchdrucker Hans Daubmann sei sein Herr gewesen. Noch ist es ihm mit seinem schmutzigen Zeug nicht genug, ein unflätiges Flugblatt und zwei weitere Schriften »Uaucki mau«- und »Der Mönch und Nonnen Fahrt« werden in Aussicht gestellt; andere unsaubere Verse zu einem groben Bilderbogen hat er bereits verfertigt. Von sich selber, einem »leidigen guten Kumpan-, bekennt der Verfasser: »Derselbig Poet war fromm, aber wenn er einen Trunk hatt, war er ein Unflat«, Kein Wort könnte des Mannes Wesen und Schicksal so grell beleuchten wie dieses inhaltsschwere Selbstbekenntnis, Daneben beschäftigte sich Lindener auch wieder mit ernsteren Stoffen, Im Jahre 1558 brachte er die genealogische Schrift »Anti quität und Ursprung des uralten und sehr edlen Stammes der Herren und Grasen von Otlingen«, ein paar Jahre daraus folgte eine bis jetzt unbekannte »Unterweisung von der Beicht und dem hochwürdigen Sacrament des Altars, unsers Herrn Jesu Christi, von dem hochgelehrten Philippe Melanchthon kurz vor seinem Absterben in latein gestellet und jetzund durch Michaelem Lindener Poeten verdeutschet». Gemäß der Vorrede an den Augsburger Patrizier Lukas Rehm will er die Schrift von einem befreundeten Mann geschickt bekommen haben, Melanchthon wird als gelehrter, gottesfürchtiger, christlicher Mann gerühmt, was er, Lindener, selber zu bezeugen wisse, »nachdem er in seiner Jugend fünf ganze Jahr sein Commensalis gewesen, von dem er über Tisch und in den Lectionen, auch anderen Gesprächen viel wichtiger herrlicher Consilia und Declarationes gehöret, darüber sich oft gelehrte Leut hoch verwundert haben«. Was Lindener in diesen Jahren hauptsächlich getrieben hat, erzählt er selbst in seiner Widmungsvorrede zur Übersetzung von Savonarolas »Grund und Bericht von Gewalt und Ansehen der Obrigkeit und schuldigen Gehorsam der Untertanen«, »Nachdem ich bisher«, berichtet er da, »ein frei Person, daß ich mit Diensten niemand verhaft noch unterworfen gewesen, Hab ich auch nichts anderes getan, denn allein meinen Studiis ausgewartet und den selben mit Fleiß und Lust obgelegen und bisweilen durch Reisen bei gelehrten Leuten und in Libereien etliche Lntiquitates blsto- riaruin gesucht und die mit großer Mühe zusammengetragen, auch vieler Fürsten und Herren Genealogias und Stemmata be schrieben und etliche Versiones in facultate Theologica Publicieret und an Tag geben-. Jetzt habe er alte Historien und ein Opus Ldixmiicoiuill unter der Hand und wolle sich dem Ansbachec Stift St. Gumbert, diesem ist die Schrift gewidmet, bekannt machen, um von dem Stifte mehr zu erfahren. Über den Namen Ans bach werde er in einem demnächst erscheinenden »Traktätlein von dem Ursprung und Namen der Städte in Germania- genugsam berichten. In einem kurzen Anhang gibt Lindener eine kleine Abhandlung Melanchthons über den »Unterschied zwischen reiner göttlicher Lehre und der abgöttischen Widerwertigen-, wie er an dem Beispiele Herzog Heinrichs von Sachsen erkannt werden könne. Ein zweiter Anhang zeigt Linnener als Theologen und gibt Erläuterungen über den Willen Gottes, über die Zwing gewalt der Obrigkeit in Religionssachen, endlich über ein Wort des 50, Psalms von Mop. Immer voll neuer Pläne und Versprechungen, durch die er sich bei seinen Gönnern in Ansehen und Gunst erhalten wollte, hat es Lindener nur mehr zu kleineren Veröffentlichungen ge bracht, Dem Propst Urban von Rottenbuch widmete er seine Übersetzung der mittelalterlichen »Wunderbarlichen Historia von dem Ursprünge und Namen der Guelphen« von Atranus Gebula, die er auf einer Reise nach etlichen Historien und Antiquitäten gefunden habe, dabei erwähnend, daß er auch im Kloster Stein gaden Studien gemacht und die Weingartischen Annalen einge sehen habe. Vor allem hat es ihm Savonarola angetan; von ihm gab er im Jahre 1562 eine dritte Schrift »Der kurze uns güldene Griff der ganzen hl, Schrift» mit einer Widmung an Graf Ladislaus zum Hag heraus, mit dem er vor »Verschiener« Zeit bekannt geworden war. In dem Vorwort wird der Wert der Muttersprache für die religiöse Unterweisung des Volkes be tont, Sonst sind noch ein paar fliegende Blätter Lindeners überliefert, Bilderbogen, wie sie auf den Jahrmärkten verkauft wurden, darunter »Eine uralte und wunderbarliche Historia, 119
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