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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 09.07.1927
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- 1927-07-09
- Erscheinungsdatum
- 09.07.1927
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158, 9, Juli 1927, Redaktioneller Teil. Börsenblatt s. d. Dtschn. Buchhandel» sorgung und Steigen der Zinssätze als ihre Folgen aus der anderen Seite charakterisieren die wirtschaftliche Entwicklung im ersten Halbjahr 1827. Die Kapttalverwendung dieses Halbjahres über steigt die Kapitalerzeugung um einen Betrag von mehr als 114 Mil liarden Mark. Daß ein solcher Betrag in einer Volksivtrtschast von der Größe, dem Umsatz und dem technischen Ausbau der deut schen zu einer Verknappung am Kapitalmarkt geslthrt hat, ossenbart erneut den Mangel an Elastizität, unter dem die deutsche Wirtschaft leidet. Dieser Mangel resultiert aus dem Fehlen jeglicher Zins- liberschlisse und dem gleichzeitigen Zwang zu bedeutenden Repara tionsleistungen. Die Dauer des Konjunkturzpklus wirb maßgebend von der Fähigkeit bestimmt, die Elastizität zu vergrößern. Er tragssteigerung in Industrie und Landwirtschaft, Realisierbarkeit des aus der Ertragssteigerung entstehenden Zuwachses an Produk tion zu gewinnbringenden Preisen sind die einzigen Mittel, die ein endgültiges Gelingen erhoffen lassen. Nur für eine Zwischen zeit können sie durch Reserven des Auslandes ersetzt werden, aller dings können Sparsamkeit in der Kapttalverwendung, Verzicht aus eine Lagerhaltung, die größer ist, als die reibungslose Abwicklung des Umsatzes erfordert, und rechtzeitige Zurückhaltung bet der Er stellung von Anlagen, die nur spät eins» Ertrag versprechen, in ländisches Kapital srsimachen. Ohne dem würde eine längere Fort bauer der allgemeinen GeschästSbelebung, wie sie dieses erste Halb jahr zeitigte, kaum zu erwarten sein. Von dem Umfang, in dem ausländisches Kapital herangezogen wird, hängt daher auch zu einem Teil die Fortdauer des gegenwärtigen Beschäftigungsgrades ab. Kapitalverwcndung und Kapitalvcrsorgung müssen nach Um sang und Art miteinander in Einklang gebracht werden. Nur dann lassen sich Irtsenartige Spannungen vermeiden. Mit Recht ist auch hier wieder aus die Last der Re parationsleistungen hingewiescn. Dabei ist aber zu be denken, daß diese für die nächste Zeit noch immer größer zu werden droht. Finanzminister vr. Köhler hat in seiner Etat rede im Februar, wie die Frankfurter Zeitung vor einiger Zeit hervorhob, zum ersten Male offiziell den Zweifel geäußert, daß diese Haushaltsbelastung im nächsten Jahre überhaupt aufzu bringen sei. Im laufenden .(dritten) Rcparationsjahre beträgt die eigentliche Haushaltsbelastung nur 110 Millionen Mark, dazu kommen 290 Millionen aus der Beförderungssteuer und 300 Millionen als Abgeltung für den sogenannten kleinen Gesse- rungsschein, der ohne das bekannte Abkommen zwischen Rein hold und Gilbert im vierten und fünften Reparationsjahre eine zusätzliche Belastung von je 250 Millionen Reichsmark bewirkt hätte. Nach dem jetzigen Stand beträgt die gesamte Annuität also 1500 Millionen Mark, wovon 700 Millionen direkt den Reichsetat belasten, während die anderen 800 Millionen von der Reichsbahn und der Industrie getragen werden. Im vierten Jahre steigt die Belastung aus 1750 Millionen Mark, wovon den Reichshaushalt 790 Millionen treffen (290 Millionen Befördc- rungssteuer und 500 Millionen eigentlicher Haushaltsbcitrag). Im fünften Jahre, dem ersten Normaljahre, das am 1. Septem ber 1928 beginnt, steigt di« gesamte Annuität auf 2500 Mil lionen; auf den Beitrag des Reichshaushalts entfallen hiervon 1250 Millionen, aus die Beförderungssteuer 290 Millionen. Da mit tritt in der Belastung des Reichshaushalts vom vierten auf das fünfte Reparationsjahr ein Sprung von 750 Millionen Mark ein. Bedenkt man nun, daß der Haushalt für das Rech nungsjahr 1927 (in das fünf Monate des dritten und sieben Mo nate des vierten Reparationsjahres fallen) nur durch die Ein stellung von Einnahmen einmaligen Charakters in den ordent lichen Etat ausgeglichen werden konnte (Münzgewinn, Uber schuß von 1926 und Betriebsmittelfonds), daß aber im Laufe dieses Jahres noch versucht werden muß, Deckung für die ver sprochene Besoldungserhöhung und die Abfindung der Kriegs und Liquidationsgeschädigten zu finden, dann ist der Ausblick in das Jahr 1928 in jedem Falle beunruhigend. Während im Reichsetat für das Rechnungsjahr 1927 die eigentliche Belastung des Etats mit der Annuität nur 639,2 Millionen Mark aus macht (dazu allerdings 192 Millionen für die Restabgeltung des kleinen Besserungsscheines und 67,5 Millionen Mark für den Reservefonds des Kommissars), steigt diese Belastung im Rech nungsjahr« 1928 bereits auf 1227,5 Millionen Mark, das heißt um fast 600 Millionen Mark. An sich haften für die Haushalts beiträge zur Annuität die Erträge der verpfändeten Abgaben. Sie find hoch genug, auch im Normaljahr die eigentliche Haus- haltsbelastung von 1250 Millionen Mark jährlich zu decken, aber sie wurden bisher dringend benötigt zur Deckung anderer Haus- haltsabgaben, und sie waren dafür auch verfügbar, weil ja die direkt« Haushaltsbelastung ganz erheblich unter dem Auskom men der Zölle und anderen verpfändeten Abgaben lag. Auch im Normaljahr würde für den Reichshaushalt noch ein erheb licher Uberschuß zur Verfügung stehen, aber 1250 Millionen müssen vorweg für die Reparationen abgezweigt werden. In voller Schwere wird sich dies zum ersten Mal« im Rechnungs jahre 1929 geltend machen, aber natürlich müßte schon im Som mer des Jahres 1928 dafür Vorsorge getroffen werden. Schon vorher wird der Ausgleich im Haushalt für 1928 auf größte Schwierigkeiten stoßen, weil für die Ausgaben, die bisher aus den Überschüssen der verpfändeten Abgaben über den Haushalts- anteil an der Annuität bestritten wurden, in Höhe von 600 Mil lionen nunmehr neue Deckung gejucht werden muß. Es ist aber, so hebt die Frankfurter Zeitung hervor, bei der heutigen Finanz lage des Reiches schwer, zu sehen, woher neue Einnahmen in solchem Umfang genommen werden sollen: ob die Möglichkeit be steht, die allgemeinen Ausgaben um den Betrag zu senken, der für die Reparation neu benötigt wird, erscheint ihr mehr als zweifel haft. An den Stellen, die für die Durchführung des Dawesplanes verantwortlich sind, also nicht nur bei der Reichsrcgierung, sondern auch bei den internationalen Kontrollorganen, ist man sich, wie die Frankfurter Zeitung annimmt, über den Ernst dieser Aus sichten durchaus klar. Die Reichsregierung wird sich selbstver ständlich nach wie vor aufs äußerste bemühen, den Dawesplan zu erfüllen. Die Heranziehung neuer Lastenträger, wie z. B. der Post, die nur durch einen neuen internationalen Pakt mög lich wäre, würde kaum ihre Zustimmung finden. Ein dahin gehendes Gerücht ist ja auch von allen Seiten dementiert wor den. Aber daß von außen her eine Initiative zur Änderung des Planes wirksam werden sollte, etwa wegen Transserschwierig- keiten, dafür fehlt bisher jeder Anhaltspunkt. Maßgebende Stel len gerade in Amerika vertreten vorläufig im Gegenteil den Standpunkt, daß die Dawesverpflichtungen erfüllbar sind. In diesem Zusammenhang verdient auch der letzte Bericht des Repa- rationsagentcn insofern besondere Beachtung, als er nicht nur nachteilige Wirkungen der von ihm vorgenommenen Transferie rungen leugnet, sondern auch an der deutschen Finanzgebarung scharfe Kritik übt und zu größerer Sparsamkeit der öffentlichen Wirtschaft mahnt. Erleichterung ist also vorläufig nicht zu er warten. Soll dann aber »die Konjunktur auf Borg- weitergehen und der Zufluß der vorläufig leider unentbehrlichen Auslands kapitalien tragbar blciben/so muß unbedingt die Außenhandels bilanz, die wieder steigende Passivität aufweist, günstiger gestaltet werden, und zwar selbstverständlich durch entsprechende Ausfuhr steigerung. Wohin unter diesem Gesichtspunkt die Entwicklung gehen soll, das lassen die drei Tagungen der letzten Zeit von Gens, Hamburg und Stockholm einigermaßen ahnen. In Genf hat sich der Reichsaußenminister vr. Stresemann im An schluß an die Ergebnisse der Genfer Weltwirtschaftskonfcrcnz in einer groß angelegten Resolution vor dem Völkerbundssorum zu der Notwendigkeit eines Abbaues der internationalen Han- delshemmnifse, die sich besonders in der Krankheit der Hochschutz- zollsysteme äußern, bekannt. Diese Stellungnahme vr. Strese- manns, so hebt die Industrie- und Handelszeitung hervor, war, wie sich zeigte, nur der Auftakt zu der in Hamburg abgehaltenen Vollversammlung des Deutschen Industrie- und Handelstags. Das Ereignis dieser Tagung war die Rede, die Reichswirtschafts minister vr. Curtius hielt, in der er in Übereinstimmung mit den Anregungen der Genfer Weltwirtschastskonserenz das aus führliche Programm vorlegte, das sich die Regierung als neue Grundlage staatlicher Wirtschaftspolitik gestellt hat. Als Kern punkt dieses Programms ist — wir folgen dabei dem Bericht der Industrie- und Handelszeitung — die Ankündigung zu betrach ten, daß die zugegebene Ungleichheit zwischen den landwirtschaft lichen und den Jndustriezöllen nicht durch Erhöhung der Agrar-, sondern durch Abbau der Jndustriezölle zu beseitigen sei, die ja 84Z
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