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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 22.07.1926
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- 1926-07-22
- Erscheinungsdatum
- 22.07.1926
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168, 22. Juli 1826. Redaktioneller Teil. Bekanntmachung. Vom W ür t te m bergis ch e n Buchhändl«r-Ver- e i n (E. B.) erhielten wir 25».— Mark als Anteil aus einer Sammlung anläßlich der Stuttgarter Juni- Mess e. Allen Spendern herzlichsten Dank! Der Vorstand des Unterstützungs-Vereins Deutscher Buchhändler und Buchhandlnngs-Gehülsen. Di. GeorgPaetel. Max Schotte. MaxPaschke. Rein hold Bor stell. Friedrich Fedder'sen. Das gesprochene Buch. Eine Umsrage der Süddeutschen Rundsunkzeitung. Von vr. Ernst Hei me ran. Der Münchner Sender, bzw. dessen Zeitschristenorgan, ver anstaltet von Zeit zu Zeit Rundfragen, um mit seinen Hörern enger Fühlung zu nehmen. Als zweite Umfrage lief nun in der letzten Zeit bas Thema: »Rundfunk und Buch», dessen Bearbei tung ich übernommen hatte. Das Ergebnis dürfte allgemein interessieren. Um zunächst darüber zu orientieren, wie das Thema ausgefaßt war, wiederhole ich die gestellten Fragen. Die erste Frage lautete: »Befriedigt derRundsunk Ihre literarischen Bedürfnisse oder regt er Sie zu weiterer Lektüre an?» Es war des näheren ausgeführt, daß mit »befriedigen» nicht etwa die Qualität des Gebotenen gemeint war, sondern daß es sich darum handle, zu erfahren, ob der Rundfunk die literarischen Bedürfnisse des Ein zelnen decke oder nicht. Es sollte bei dieser Gelegenheit auch festgestellt werden, wie die literarischen Bedürfnisse des Einzelnen liegen, ob sie nach leichter Unterhaltung, nach praktischer Be lehrung, nach Erlebnis oder Vertiefung gehen. Es war endlich, was den Buchhandel besonders interessieren muß, zu erörtern, ob die Sendeprogramme dazu Lust machen, sich weiterhin mit Büchern zu beschäftigen oder nicht. Um Mitteilung war ferner gebeten, ob bei entsprechender Anregung durch den Rundfunk sich diese Lust zum Buche nur auf die Wiedererweckung eines etwa schon vorhandenen Besitzes erstrecke oder ob man sich auch Bücher leihe oder endlich lause. Diese zweite Frage: »Haben Sie sich durch Len Rundfunk schon einmal zum Kauf eines Buches bestimmen lassen?» sollte möglichst persönlich gegeben werden, damit man einen Einblick in die bevorzugten Literatur gattungen bekäme. Es war ferner nach den Beweggründen eines solchen Dauses geforscht. Die dritte Frage: »In welcher Form wollen Sie von Büchernnnterrichtet sein?» sollte den Einsendern Gelegenheit geben, sich darüber zu äußern, ob die Bücherbesprechung, die der Münchner Sender bisher nicht kennt, eingeführt werden oder ob es bei literarischen Darbietungen in der bisherigen Weise verbleiben soll und welche praktischen Gesichtspunkte, wie Zeitdauer, Tageszeit usw., dabei zu berücksichtigen wären. Die Beteiligung an dieser Umfrage war gering. Es braucht daraus aber nicht geschlossen zu wenden, daß für die literarischen Darbietungen im Rundfunk überhaupt wenig Interesse besteht, sondern es können verschiedene äußere Gründe mitgesprochen haben. (So waren gerade in jener Zeit an die Mitarbeitsfreudig- kcit der Hörer bzw. Leser durch Preisraten usw. ziemliche An forderungen gestellt.) Dadurch aber, daß die Einsendungen aus den verschiedensten Kreisen kamen (Schüler, Studenten, einfache Arbeiter, Schauspieler usw.), wurde das Material für eine syste matische Betrachtung wertvoll. Die erste Frage wurde in allen Fällen dahin beantwortet, daß der Rundfunk literarisch anregend sei. Die Meinung, die man sich als Außenstehender gerade auch im Buchhandel gebildet hat, daß nämlich der größte Teil der Hörer seinen Literaturbedars im Rundfunk vollkommen deckt, erwies sich auf Grund dieser Zu schriften als vollkommen irrig. Allerdings ist bei den Beant- g>8 Wortungen merkwürdig, daß diese Anregung als Zeichen eines mangelhaften literarischen Sendeprogramms aufgefaßt wird. Es scheint gerade so, als ob man sich am liebsten dem Rundsunk ganz und gar auch in seinen literarischen Bedürfnissen anver- trauen wollte und nur die bisher mangelnde Ausführlichkeit und Konsequenz der Darbietungen dies verboten hätten. Auch die Vorschläge, die dieser Überlegung folgen, zielen mehr oder weniger dahin, den Rundfunk zu einem großen literarischen Institut zu machen. Häufig geht die erste Frage unmittelbar in die zweite über; so heißt es in einer Zuschrift aus Nürnberg: »Ich denke zurück an den Winter 1825, wo öfters in den Sonntagmorgenselcrn Lescstunden eingelegt waren. Ich kann versichern, daß wir stets vollzählig hörten, wenn etwa eine der Volkserzählungen von Tolstoi gelesen wurde. Dies hatte zur Folge, daß wir uns diese in Reclam anschafsten (folgt ein Loblied ans die Reclam-Heftchen). Auf solche Weise wurden wir zum erstenmal auf den Menschen anwalt Tolstoi aufmerksam, kannten bald dessen Biographie und weitere Werke. Auch andere russische Schriftsteller, wie Dosto jewski, Turgenjew, Gorki, Tschechow, wurden uns auf diese Weise bekannt.» Der Einsender stammt, wie er selbst sagt, aus Prole tarierkreisen. Auch die Mehrzahl der anderen Zuschriften weiß die Frage unter bestimmten Angaben zu, bejahen. Außer den oben genannten Russen werden angeführt: Gotthelf (Ult der Knecht), E. T. A. Hoffmann, Hoffmann von Fallersleben, Seidel (Leberecht Hühnchen), Storm (Jmmcnsee), Thoma. Der Kauf dieser Bücher läßt sich unmittelbar ans der Anregung des Scnde- Programms Nachweisen. Außerdem wird als Selbstverständlich keit der jeweilige Erwerb von Textbüchern und Führern erwähnt. Zur eingehendsten Beschäftigung hat die dritte Frage ver anlaßt: »In welcher Form wollen Sie von Büchern unterrichtet sein?« Im Anschluß an die Erfahrungen im Berliner Sender dürste Wohl interessieren, wie die Einsender über das übliche Be sprechen von Büchern denken. »Ich stehe auf dem Standpunkt, der neulich bei der Nürnberger Tagung des Mittelfränkischen Volksbildungsverbandcs eingenommen wurde», heißt es bei einer Zuschrift aus Neustadt, »daß Buchbesprechungen die Gefahr einer allzu persönlichen Auffassung des Berichterstatters droht. Sehr begrüßenswert sind wirklich sachliche Übersichten und Schrifttum zusammenstellungen, die neben dem Inhalt die Grundeinstellung des Verfassers bieten». Solche sachliche Orientierung wird auch von anderer Seite als ideale Lösung hingestellt. Es soll dabei ausdrücklich der Verlag und der Preis angegeben werden, heißt es bei einer Zuschrift aus München. Die Begründung dafür ist höchst überraschend. Der Einsender behauptet, daß er die Laus bubengeschichten von Thoma infolge Unkenntnis des Verlags nirgends bekommen hätte. Wird bei solchen Bücherlisten, deren bisheriges Fehlen ein Mangel sei, kurze Sachlichkeit verlangt, so erwartet man andrer seits von den Darbietungen 'der Bücher selbst größere Ausführ lichkeit und Reichhaltigkeit. Vorlesungen seien schon deshalb un schätzbar, weil sich das gesprochene Wort tiefer ins Bewußtsein grabe als das gelesene, besonders auch in der Erwägung, daß cs gleichzeitig von Tausenden mitgclebt, mitgelcrnt und mitsmpiun- den werde. Daneben wohne ihm ein »moralischer Vorteil» inne; der Käufer habe nach der Darbietung das Gefühl, unbeeinflußt entscheiden zu können. Besondere Wünsche gehen nach Autoren wie Eichendorsf, Keller, Löns, Raabe, Rosegger, Thoma; Litcra- turgattungen wie Lyrik, Bücher der Besinnung, Gegenwartsdich tung seien zu sehr vernachlässigt. Die letzte soll durch »den Autor selbst aufgeführt» werden. Geklagt wird auch über die für Litera tur ungünstige Zeiteinteilung; es sollten mehr Abendstunden hcran- gezogen und umfangreichere Vorlesungen geboten werden. Allen diesen Meinungen ist 'das Verlangen nach Gleichbe rechtigung des rein gesprochenen Programms neben dem musi kalischen und sonstwie unterhaltenden gemeinsam. Die Ernsthaftig keit, die bei der Diskussion zum Ausdruck kommt, zeigt, daß der Buchhandel den Rundfunk noch stark unterschätzt. In England hat der Absatz, und zwar gerade von ernster Literatur um 25A zngenommen, seitdem der Rundfunk tätig ist. Man ziehe die Kon sequenzen.
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