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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 19.02.1927
- Strukturtyp
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- 1927-02-19
- Erscheinungsdatum
- 19.02.1927
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- Deutsch
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X- 42,19. Februar 1927. Redaktioneller Teil. Börsenblatt f. d. Dtschn. Buchhandel. bekannt ist. Bet einer genaueren Untersuchung des Typenbestandes dieses auf den Meridian von Wien berechneten Einblattkalenders hat Haebler die Überzeugung gewonnen, daß er von demselben Drucker herrtihrt, der die Sieben Freuden Mariä und das Leiden Christi her- gestellt hat. Allerdings ist die Übereinstimmung der Typen der ver schiedenen Drucke nicht vollkommen; auch hier zeigen sich kleine Ab weichungen; aber Haebler hat auf Grund seiner umfassenden Kenntnis der ältesten Druckertechnik doch sehr wahrscheinlich gemacht, daß die Drucke sämtlich aus der gleichen Presse hervorgegangen sein müssen, die ihren Typcnvorrat im Laufe der Zeit ergänzen und damit in Einzelheiten umgestalten mußte. Die Bedeutung dieses typographischen Zusammenhangs liegt auf der Hand; Haebler gewinnt durch seinen Nachweis eine Zeitbestimmung für die Drucke, denn der Kalender für 1462 muß Ende 1461 oder Anfang 1462 gedruckt worden sein; die Ent- stchungszcit der beiden anderen Drucke ist demnach gegeben, sie wird sich nicht allzuweit von dem Jahr 1462 entfernen können. In welchem Verhältnis steht nun das italienische Fragment', dessen literarischer und ikonographischer Zusammenhang mit dem Leiden Christi schon fcstgestellt wurde, in typographischer Hinsicht zu dem Drucker des Almanachs von 1462? Wie man aus den von Haeb ler gebrachten Abbildungen ohne weiteres ersehen kann, ist der Ge samteindruck der Typen des italienischen Fragments ein völlig ande rer als der der deutschen Drucke. Diesem Eindruck kann sich natür lich auch Haebler nicht entziehen; er weist aber darauf hin, daß die allerdings sehr eigenartige, primitive Buchstabenbildung sowie die »auffallende Anordnung von Text und Abbildung auf gesonderten Bogen, der mangelhafte Zeilenschluß, dem in italienischen wie m deutschen Texten durch das zum Teil sinnwidrige Einsetzen von Punkten abgeholfen wird« und andere Übereinstimmungen ähnlicher Art doch wohl als Anzeichen gemeinsamen Ursprungs gedeutet werden können. Dieser gemeinsame Ursprung ist nach Haebler die Presse eines Wander druckers, der zunächst auf oberdeutschem Gebiet die Freuden Mariae und das Leiden Christi druckte, in der Wiener Gegend den Kalender für 1462 fertigstellte und dann nach Italien zog. In einer Stadt »zwischen der Poebcnc und dem Arno«, diese Ortsbestimmung wird aus dem Sprachgebrauch erschlossen, soll dann die italienische Aus gabe der Leiden Christi entstanden sein. Daß ein italienischer Text auch unter allen Umständen in Italien gedruckt sein muß, ist nämlich für Haebler so selbstverständlich, daß er es gar nicht für nötig hält, auf diesen Punkt näher einzugehen. Ich kann ihm darin nur bei pflichten; wir kennen zwar deutsche Drucke, die in Italien hergestellt sind, aber eine in Deutschland gedruckte Schrift in italienischer Sprache aus dem fünfzehnten Jahrhundert ist bisher nicht bekannt geworden. In einer anderen Frage hat Haebler mich allerdings nicht völlig über zeugen können. Es ist mir nämlich zweifelhaft, ob man wirklich bei der großen Verschiedenheit der Typen lediglich aus Übereinstimmung in der Buchstabenbildung und Setzertechnik auf Entstehung in ein und derselben Presse schließen darf. Wir haben bisher daran fcstgehaltcn, Laß nur bei Gleichheit der Typen auf einen gemeinsamen Ursprung verschiedener Druckwerke geschlossen werden darf. Gerade Haebler hat sich durch die unendlich mühsame Herstellung des Typenreperto riums, das auf diesem Grundsatz aufgebaut ist, die allergrößten Ver dienste erworben. Vornehmlich dank seiner Arbeit ist es gelungen, unzählige Inkunabeln, deren Urheber sich nicht genannt hat, bestimm ten Pressen zuznweisen. In allen diesen Fällen beruhte aber die Zu weisung auf dem Gebrauch der gleichen Type; war eine zweite Ver wendung der Type nicht nachweisbar, und das ist hier der Fall, dann mußte man sich mit einem non liguet begnügen. Es ist gewiß mög lich, daß der Drucker des Almanachs auch die italienischen Fragmente gedruckt hat, es spricht sogar manches für diese Vermutung; aber es handelt sich doch eben nur um eine Vermutung, die nicht sicher zu be weisen ist. Auf der Herkunft aus der Presse des Druckers des Al manachs beruht aber die zeitliche Festlegung der Fragmente auf die Jahre 1462 oder 1463, denn wenn Haebler eine nur wenig spätere Entstohungszeit annimmt, dann kann er nicht mehr mit Sicherheit behaupten, daß die Fragmente älter sind als die Drucke von Snbiaco, da dicise sich bis in den Anfang des Jahres 1465 zurück verfolgen lassen. Dem Lactantius vom 29. Oktober 1465 gehen nämlich noch zwei Drucke, ein Cicero, Vs vratore, und der schon erwähnte ver schwundene Donat zeitlich voran. Wenn ich cs also auch nicht für zweifellos erwiesen und, solange Nicht neues Material zur Klärung des Sachverhalts auftaucht, auch nicht für erweisbar halte, daß unsere Fragmente das älteste in Italien hergestellte Druckwerk sind, so gebe ich doch gern zu, daß der Verlauf der Ereignisse sich so abgespielt haben kann, wie Haebler ihn darstellt. Mir scheint sein Lösungs- versnch sogar höchst plausibel und wahrscheinlicher als die sonst er forderliche Annahme eines zweiten Druckers, der im Besitz eines Teiles der Metallschnitte unter Beobachtung einer sehr ähnlichen Setzerpraxis den italienischen Druck herstcllt. Durch seine Überaus eingehende und mustergültige Untersuchung des Typenbestandes der Fragmente, die eine Fülle feiner Beobachtungen enthält, hat Haebler außerdem unsere Kenntnis der Praxis des ältesten Buchdrucks so wesentlich bereichert, daß der Wert dieser Abhandlung mehr in den Einzelergebnissen dieser Untersuchung liegt als in den Schlußfolgerungen, di« aus ihnen ge zogen werden. Auch auf das Verhältnis, in dem die einzelnen Frag mente der deutschen Ausgabe des Leidens Christi zueinander und zu dem einzigen vollständigen Exemplar in München stehen, fällt durch Haeblers erstmalige Zusammenstellung und Vergleichung des gesamten Materials neues Licht. Ich fasse zusammen: Ein Druckfragment in italienischer Sprache legt durch die Anordnung des Textes und die Verwendung eines Metallschnitts den Zusammenhang mit dem Münchener »Leiden Christi« nahe. Die Untersuchung ergibt, daß der Metallschnitt von der gleichen Platte herrührt, der Text eine freie Übersetzung des deutschen dar stellt; nur die Drucktypen weichen ab. Das führt zu einer eingehenden Prüfung der Drucktechnik und Setzerpraxis sowohl des italienischen Fragments wie der deutschen Drucke; für letztere kann ein Zusammen hang mit einem Wiener Almanach auf das Jahr 1462 nachgewiesen und damit ein Annäherungsdatum festgelegt werden. Darüber hinaus ergibt sich, daß der Drucker des italienischen Fragments sich bei der Buchstabenbildung u. a. so ähnlicher Praktiken bedient wie der Drucker des Almanachs, und infolgedessen wird der Schluß auf die Identität dieser Personen und damit eine Entstehungszeit kurz nach 1462, also früher als die Drucke von Snbiaco, gezogen. Doch steht den Analogien in der Buchstabcnbildung und Setzerpraxis der völl ig andere Gesamtei ndruck der Type gegenüber, sodaß dieser Schluß nicht als durchaus zwingend angesehen werden kann. Zuzngeben ist aber, daß eine große Wahr scheinlichkeit für den von Haebler gegebenen Sachverhalt spricht, daß wir somit in der Tat möglicherweise in dem Fragment wenn nicht den ältesten, so doch einen der ältesten Drucke Italiens besitzen. Zirm Schluß möchte ich meiner Freude darüber Ausdruck geben, daß die Firma Jacques Nosenthal ihre durch Inhalt und Ausstattung rühmlich bekannten »Beiträge zur Forschung«, deren Weitererscheinen durch den Krieg und seine Folgen leider in Frage gestellt war, mit dieser trefflichen Arbeit wieder aufgenommen hat. ^dressbucli des l)eul8c1ien kuctikandels 1927. 89. dakrgang. dlk. 12.— dar, kür Lliedtmitßl. dlü. 15.— bar. Das neue Adreßbuch ist diesmal etwas später als sonst erschienen, dafür trägt cs aber mit voller Berechtigung die Bezeichnung 1927, denn es sind tatsächlich alle Änderungen bis zum Ende des Jahres 1926 berücksichtigt. Wie groß diese Zahl der Veränderungen ist, zeigt ein Blick in die auch sonst aufschlußreiche Statistische Übersicht. Der neue Jahrgang verzeichnet 469 neue Firmen, 1329 sind erloschen oder haben den Verkehr mit dem Buchhandel aufgegeben, 1027 haben sich verändert. Im ganzen annähernd 3000 Verorderungen, d. i. fast ein Viertel des gesamten Inhalts. Es wäre also falsche Sparsam keit, wollte man sich in einzelnen Abteilungen eines größeren Be triebes oder überhaupt mit dem alten Jahrgang begnügen. Wieviel Bestellungen würden umsonst oder mit falscher Anschrift ausgeschrie ben, wieviel direkte Bestellungen gingen unnützerweise an den Ver leger, der jetzt in Leipzig ausliesern läßt usw. Noch manches ans dieser Statistischen Übersicht verdiente hier erwähnt zu werden, da aber das Adreßbuch in aller Hände ist, mag der Hinweis, daß diese Angaben auf Seite XXX zu finden sind, hier genügen. Nicht ver gessen sei auch ein Hinweis auf das alphabetische Schlagwortverzeichnis als Schlüssel zum Adreßbuch. So oft wird nach der Adresse dieses oder jenes ausländischen Vereins, einer Sachverständigenkammer usw. angefragt, hier erfährt man schnell, wo das Gewünschte zu fin den ist. Ein dldreßbuch ist nicht ein Werk, das sich jedes Jahr ummodeln oder beliebig erweitern läßt. Viele Verbesserungsvorschläge erweisen sich bei näherem Zusehen als undurchführbar oder sind doch nicht für alle Benutzer gleich wichtig. Ein Beweis, daß aber unablässig an der Ausgestaltung des Adreßbuchs gearbeitet wird, ist u. a. das B e z u g s q u e l l e n r e g i st e r. Es ist ein Adreßbuch im Adreßbuch, und wenn cs notwendigerweise auch nur auf Selbstanzeigen der Firmen aufgebaut ist, so erreicht es doch schon eine solche Vielseitig keit, daß cs unbedingt ans jode Frage, die man an ein solches Register stellen kann, Antwort gibt. Es kann nur empfohlen werden, erst einmal hier nachzusehen, wenn sich Anschaffungen oder Neueinsüh- rungen notwendig machen; man kann sich oft zeitraubendes Suchen 205
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