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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 07.05.1925
- Strukturtyp
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- 1925-05-07
- Erscheinungsdatum
- 07.05.1925
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- Deutsch
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Redaktioneller Teil. 106, 7. Mai 1925. folgte, oder besser gesagt, so gut wie gar nicht erfolgte, das ist gerade wieder in letzter Zeit in den Tageszeitungen wiederholt gebrandmarkt worden, und es ist hier nicht der Ort, dieses An- tlagelied nochmals anzustimmen. Die italienische Regierung ver fügte später, daß das sogenannte »kleine Eigentum» im Werte bis zu 50 000 Lire freigcgeben und den Besitzern zurückerstattet werde, soweit es überhaupt noch vorhanden war. Objekte über diesen Betrag, also Geschäfte, Fabriken, Villen usw., gingen in die Hände der Bereinigung der Kriegsteilnehmer, der »Oxers nario- osls ckei combattsnti» über, die sie nun so vorteilhaft wie möglich an die Meistbietenden zu verkaufen sucht und sich dieserhalb meist in erster Linie an die bisherigen Besitzer wendet. Vieles, sehr vieles hat sich begreiflicherweise in diesen 10 Jah ren auch in Italien geändert, und dadurch, daß es zu den Sieger staaten zählt, hat es nicht allein seine Landesgrenzen und seine Einwohnerzahl um ein beträchtliches erweitert, es hat auch sonst in vielfacher Beziehung gewaltige Fortschritte gemacht, und dank einer energischen, ziclbcwußten Regierung steht ihm nach mensch lichem Ermessen eine Zukunft bevor, die das Land auf weiten Gebieten zu einer großen Entwicklung bringen wird. Seine Wäh rung ist zwar gegenwärtig noch unter der französischen, und es fehlt nicht an Pessimisten, die eine Inflation nach deutschem oder österreichischem Beispiel Voraussagen. Prophezeiungen haben sich aber gerade auf diesem Gebiete bisher meist glücklicherweise als falsch erwiesen, und es bleibt eben abzuwarten, wie weit es den geheimen Mächten, die hier arbeiten, gelingen wird, ihren Inter essen zu nützen und denen der Allgemeinheit zu schaden. Für uns Auslandsbuchhändler ist diese Frage natürlich von großer Bedeutung: steht doch der Absatz unserer Erzeugnisse im engsten Zusammenhänge mit der zugrunde zu legenden Umrech nung. Nachdem die vom Auslande kommenden Werke in Italien außerdem mit einem zum Teil recht hohen Zollsätze belegt worden sind, je nachdem, ob geheftet oder gebunden, ob Tafel- oder Bild werke, ob mit oder ohne italienischen Text, bis zu 200 Goldlire für den Doppelzentner, entstehen oftmals Verkaufspreise, die eben von vielen als »trvxxo coro» nicht bloß beklagt, sondern einfach abgelehnt werden. Fast alle deutschen Erzeugnisse stehen jetzt in dem wenig angenehmen Rufe, zu teuer zu sein, und das deutsche Buch darunter besonders, sodaß Absatz durchweg schwer, ja vielfach unmöglich geworden ist. Ohne hier irgendwelche Vorwürfe nach dieser oder jener Seite machen zu wollen, muß zugegeben wer den, daß diese Klage bei einem Vergleich mit den Preisen der italienischen Bücher in vielen Fällen zutreffend ist. Ich greife ganz willkürlich einige Bücher heraus und stelle deren Preise gegenüber: Mann, Der Zaubcrberg. 2 Bdc. Broschiert Mk. 16.—, jeder Band 600 Seiten stark, also Mk. 8.— — Lire 48.—. D'Annunzio, I-e kuvilo ckol inaxlio. Brosch. 650 Seiten Lire 25.—. Der gewiß preiswerte »Neue Roman» von Kurt Wolfs, durch schnittlich 300—350 Seiten stark, kostet Mk. 3.50 — Lire 21.—. Gotta, I-L Luksrs Internal, 340 Seiten stark, kostet Lire 9.—. Die Beispiele ließen sich (an Hand der neueren Erscheinungen nicht etwa nur belletristischen Inhaltes) leicht vermehren. So kostet die Originalausgabe des Werkes Papini, Lebensgeschichte Christi, Umfang 550 Seiten, brosch. nur Lire 10.—, die deutsche Übersetzung gebunden M. 8.— — Lire 48.—. Ebray, I-u xslx wsl- propre (in Italien erschienen) brosch. Preis für Deutschland Mk. 8.—. Das gleiche Werk übersetzt: Der unsaubere Frieden brosch. Mk. 12.—. Dabei können italienische Verleger, allerdings mit Ausnahme des Werkes von Papini, von dem bereits 100 000 abgesetzt wurden, selten oder nie mit dem Absatz rechnen wie ihre deutschen Kollegen. Die Zeitschrift: lUustrurions Italian», die äußerlich und inhaltlich etwa der Leipziger Jllustrirten Zeitung gleichgestellt werden könnte, kostet bei einem Umfange von wöchentlich 36 Seiten im Einzelverkauf nur Lire 3.—, im Abonnement jährlich Lire 122.—, woraus der Sortimenter, soweit er hierfür in Anspruch genommen wird, einen Nachlaß von 10A erhält; die Zustellung erfolgt dann fast ausnahmslos direkt vom Verlag durch Postüberweisung an den Kunden. Tageszeitungen kosten bei einem Umfange von 4 bis 10 Seiten, ohne größeren Jnseratenanhang durchweg 20 cts., also noch keine 5 Pfennig. Dabei wird das Papier mit hohem Ein gangszoll zum Teil von Deutschland eingeführt. Die italienische Post ist überhaupt dem Buchhandel holder gesinnt als die deutsche und kommt einem ihrer hauptsächlichsten Kunden, wie das ohne Zweifel der Buchhandel ist, weitestgehend entgegen. Büchersendungen, die von anerkannten Buchhändlern (Verlegern wie auch Sortimentern) verschickt werden, genießen ein um 25?s billigeres Kreuzband- und um 40A ermäßigtes Paket porto. Bücherzettcl kosten im Lande 5 cts. (etwa 1 Pf.!), nach dem Auslande 15 cts. Für Versendung von Katalogen, regel mäßig erscheinenden Preisverzeichnissen und dergleichen, sowie auch für Tageszeitungen besteht ein besonders ermäßigter Tarif. Man macht sich in Deutschland vielfach einen falschen Begriff über die Absatzmöglichkeiten deutscher Werke in Italien, besonders belletristischer. Eher kommen Tafel- oder Vorlagcwerke, Wörter bücher, Atlanten und dergleichen in Frage, weil sie weniger unter der italienischen Konkurrenz leiden, sodaß sich mit ihnen bei tat kräftiger Verwendung leichter ein größerer Absatz erreichen läßt. Vielfach ist auch die Fülle des Gebotenen zu groß. Wir erleben es zurzeit wieder an den vielen Veröffentlichungen, die das »Heilige Jahr» betreffen. Hier können schlechterdings nur wirk lich gute Werke einen größeren Erfolg haben, und auch dann nur, wenn der Verleger es richtig anfaßt und zusammen mit einer ansässigen zuverlässigen Firma den Vertrieb organisiert. Die Kaufkraft oder Kauflust der Pilger wird dabei ebenfalls meist überschätzt, denn wenn sie auch in großen Massen ankommen, so kann doch nicht davon die Rede sein, daß sie »das Land über schwemmen werden wie ein Heuschreckenschwarm», wie kürzlich ein Verleger schrieb, der wohl wähnte, dieser Schwarm habe in Italien nichts anderes vor, als nun gerade sein umfangreiches, ziemlich teures Werk zu kaufen und sich mit diesem auf der Reise herum zuschleppen. Wenn ich eingangs meines Berichtes von einem erfreulichen Aufschwung Italiens sprach, so darf dies entschieden auch vom italienischen Buchhandel gesagt werden, der heute viel mehr als früher Veröffentlichungen hervorbringt, die sich auch außerhalb Italiens sehen lassen können. Ich hebe hier besonders die Veröffentlichungen hervor, die ins Gebiet der Kunst- oder Borlagcnwerke fallen, die in den letz ten Jahren von einer Reihe Firmen veröffentlicht wurden. Sie fanden und finden den erforderlichen Absatz, weil viel weitere Kreise als früher Freude und Gefallen an einem schönen Werke haben. Diese Werke sind außerhalb Italiens entschieden noch zu wenig bekannt, und den Sortimentern unter den Lesern des Bör senblattes kann der Vertrieb solcher wirklich schön ausgestatteten und dabei meist sehr preiswerten Werke nur anempfohlen wer den. Eine besonders beachtenswerte Veröffentlichung dieser Art, die aber auch jeden Verleger interessieren muß, der auf Buchaus stattung Wert legt, ist die des Mailänder Druckers und Verlegers Raffaello Bertieri: I-'Lrts cki Oianibuttisia Lockoni"). Das schöne Werk enthält 66 Reproduktionen und 25 Tafeln bodonianischer Buchausstattung in einer typographischen Gediegenheit, die volle Bewunderung verdient. Als eine weitere Veröffentlichung ähn licher Art nenne ich: Oii Lckornatori ciel 1-idro in Italiu (Die Aus schmückung des Buches in Italien), 2 Bde., mit gegen 800 klei neren und größeren Zeichnungen auf mehr als 300 Tafeln, Ent würfen und Projekten, die sicherlich auch im Auslande jedem Ver leger, Drucker oder Zeichner eine Fülle von Anregungen bieten. Weitere Bände dieser von der Buchdruckerschule Bologna heraus- gsgebenen Sammlung sind in Vorbereitung. Auf eine Sammlung kleinerer Werke über italienische und ausländische Maler und Bildhauer sei hiermit ebenfalls hinge wiesen: »Lrte dlockerna italiuna», die in kleinen handlichen, gut ausgcsührten Bändchen erscheint, und von der bisher das erste vorliegt: Arturo Tosi, von Hugo Bernasconi. Zum Schluß aber sei ein groß angelegter Verlagsplan er wähnt, mit dem sich auch wiederholt schon die Tageszeitungen des Landes beschäftigten (siehe auch Bbl. Nr. 96). Er betrifft die Schaffung einer »Lvcicloxsckia Italiaua», die in 32 umfang- -s Giamdattista Bodoni <* 1740, f 181I), Strmpelfchnei- der und Buchdrucker, druckte eine Reihe lateinischer, griechischer und italienischer Werke, die ihrer herrlichen Type» wegen heute noch außer ordentlich geschätzt sind.
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