Suche löschen...
Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 07.11.1924
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1924-11-07
- Erscheinungsdatum
- 07.11.1924
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- LDP: Zeitungen
- Zeitungen
- Saxonica
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id39946221X-19241107
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id39946221X-192411073
- OAI-Identifier
- oai:de:slub-dresden:db:id-39946221X-19241107
- Nutzungshinweis
- Freier Zugang - Rechte vorbehalten 1.0
- Lizenz-/Rechtehinweis
- Urheberrechtsschutz 1.0
Inhaltsverzeichnis
- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Jahr1924
- Monat1924-11
- Tag1924-11-07
- Monat1924-11
- Jahr1924
- Links
-
Downloads
- PDF herunterladen
- Einzelseite als Bild herunterladen (JPG)
-
Volltext Seite (XML)
M 262, 7. November 1924. Redaktioneller Teil. Börsenblatt f. d. Dlschn. Buchhandel. 16597 an prompt zahlende Sortimenter (das sind die,'die ohne Auf forderung spätestens drei Tage nach Termin bezahlen) als Be lohnung eine angemessene Umsatzbonifikation am Schluß des Jahres zu vergüten. Aber meine Mahnungen richten sich auch an den Verlag. Auch der Verlag muß sich daran gewöhnen, kaufmännisch korrek ter zu arbeiten. Ich habe manchmal den Eindruck, als ob das Geschäftshaus mancher Verleger 1V Inn hinter dem Blonde läge, so langsam wird gearbeitet. Es geht nicht mehr an, eilige Bestellungen dadurch zu erledigen, daß dem Besteller über Leipzig mitgeteilt wird, daß das Buch vergriffen ist. Ebensowenig ist es angängig, Bestellungen aus irgend welchen unerklärlichen Gründen monatelang liegen zu lassen. Es geht nicht, weil wir froh sind, wenn wir überhaupt eine Be stellung kriegen. Der Verlag muß dem Sortiment die Arbeit durch prompte, zuverlässige und sichere Lieferung erleichtern. Weiter ist es eine sehr zu beachtende Beschwerde, die von vielen Sortimenterkollegen nicht mit Unrecht geäußert worden ist, daß der Verlag einen Teil der Arbeit das Sortiment machen läßt und dann die oingegangene Bestellung selbst ausführt. Das geht nicht. Als ich daran dachte, was ich Ihnen über die notwendige Einigkeit zwischen Verlag und Sortiment sagen sollte, da ist mir der alte Spruch aus meiner Kindheit eingefallen: »O, daß ich tausend Zungen hätte und einen tausendfachen Mund.« Vorwärts kommen wir nur, wenn wir eine absolute Einig keit erzielen, wenn wir Frieden schließen zwischen Verlag und Sortiment, weil wir wissen, daß wir nur aus diesem Frieden heraus leben können. Ich kenne alle Ihre Beschwerden, meine Herren vom Sortiment, und ich empfehle Ihnen, dem Beispiel Horst Kliemanns folgend, der zehn Gebote für Autoren auf stellte, auch einmal 10 Gebote für die Verleger aufzustellen, die Ihnen wahrscheinlich ebenso prompt mit den zehn Geboten für Sortimenter antworten werden. Zusammenfassend lassen Sie mich sagen, daß meiner Ansicht nach der heutige Verkehr zwischen Verlag und Sortiment noch Ersparnismöglichkeilen bietet, an denen Sie nicht Vorbeigehen dürfen. Setzen Sie keine Kommis sion ein, sondern helfen Sie mit dazu, daß sich aus dem Verkehr zwischen Verlag und Sortiment jetzt, wo wir zu normalen Zeiten kommen, wieder der billigste, reibungsloseste Weg herauskristalli sier!. Probieren Sie es in Ihrem eigenen Geschäft aus und sorgen Sie dafür, daß wir Leipzig als Umschlagshafen wieder gewinnen. Was Herr Focken über das Thema »Werbung« gesagt hat (Bbl. Nr.258), kann ich nur voll und ganz unterstreichen. Aber ein größe rer Umsatz läßt sich nur dadurch erreichen, daß wir mehr, als es bisher der Fall war, werbend auftreten. Wenn ich auf dieses Thema zu sprechen komme, dann wünschte ich mir wirklich die Beredsamkeit all der Tausende, die an dieser Frage so brennend interessiert sind, nicht um Sie mitzureißen und zu spontaner Bei- fatlsLutzerung zu veranlassen, sondern um Sie alle, ich nehme keinen aus, davon zu überzeugen, daß die Frage der Werbung für uns von lebenswichtiger Bedeutung ist. Es handelt sich nicht um die Liebhaberei eines Verlegers oder eines Sortimenters, sondern es handelt sich um Aufgaben, die mit der Zeit gewachsen sind, die nun brennend vor uns stehen und der Erfüllung harren. Ich habe nicht in Amerika studiert, und es liegt mir ferne, Ihnen amerikanische Vertriebsmethoden anzuempfehlen, aber wer sich einmal davon überzeugen konnte, auf welch inten sive Art und Weise dort drüben in Amerika ganz praktisch Lese propaganda im weitesten Sinne getrieben wird, der kann sich der Einsicht nicht verschließen, daß in dieser Beziehung von uns noch ganz besondere Aufgaben zu erfüllen sind. Amerika den Amerikanern!, das ist der Grundsatz der planmäßigen amerika- Nischen Buchpropaganda. Ich sage Ihnen: Deutschland den Deutschen! Und damit spreche ich keine nationale Phrase aus, sondern wenn wir in diesen ernsten Zeiten, wo es sich um Sein oder Nichtsein des deutschen Volks- und Reichsgedankens handelt, ein Mittel in der Hand haben, um unser Ziel zu erreichen, so ist cs dieses, das deutsche Volk planmäßig, systematisch zum Bücherleser zu erziehen. Ich erschrecke oft darüber, in welch geistloser, gewaltsamer Form wir in Deutschland darangehen, eine neue Kultur zu schaffen. Daß wir an der Grenze zweier Zeitalter stehen, fühlen wir alle mehr oder minder deutlich. Kultur kann aber nicht gemacht werden, sondern ist etwas, das wachsen will. Sie ist eine religiöse Angelegenheit, die von innen heraus zuersk den einzelnen Menschen und dann das ganze Volk formt. Wir haben die nicht wegzuleugnende Aufgabe, dieser Formung, die sich nur durch den Geist vollzieht, Mittler zu sein, und welche praktische Propagandaideen wir auch in die Tat um- setzen, sie mögen dem einzelnen erfolgbringend sein, sie sind aber von oben besehen unnütz vertan, wenn sie nicht der großen reli giösen Idee dienen, Wegbereiter der deutschen Renaissance zu sein. Eine Forderung großzügiger Propaganda ist es, die ich an Sie stellen möchte, meine Herren, daß an sämtlichen Volkshoch schulen über das gute Buch gesprochen wird. Die Hilflosigkeit, mit der die unteren Schichten dem Buch gegenüberstehen, muß beseitigt werden. Ferner müssen wir unbedingt eine Arbeiter- Propaganda betreiben, denn sonst werden die Parteibuchhand lungen, die schon in einzelnen Städten vorbildlich organisiert sind, diese Propaganda an sich reißen, und es liegt in der Natur der Sache, daß sie einseitige Ziele und Pläne dabei verfolgen. Sportveranstaltungen, Theater, Konzerte, kurz alle diejenigen Veranstaltungen, die von solchen Menschen besucht sind, die an irgendeinem Thema interessiert sind, müssen weit mehr durch Buchpropaganda ausgenützt werden. Ich denke nicht an die wahllose Ausschüttung von Prospekten, sondern ganz im Gegen teil an die intensive Zusammenfassung der in Frage kommenden Verleger, die dann von sich aus durch das ortsansässige Sorti ment diese Propaganda in die Wege leiten. Das intensive Bestreben der Werbestelle ist, die Verbindung mit der Presse mehr und mehr anzubahnen. Ich empfinde es als eine Schmach, daß irgendein lächerlicher Film in der Zeitung seitenlang besprochen wird, daß aber ein wertvolles Buch nicht einmal einer kurzen Notiz gewürdigt wird. Unsere Vorstands mitglieder gehören in die Organisation der Zeitungsverleger, sie müssen dort wirken für uns; sie müssen den Zeitungsver legern klar machen, daß die Propaganda für das deutsche Buch nicht eine rein kaufmännische, sondern eine nationale Angelegen heit ist, der sie sich nicht entziehen dürfen. Horst Kliemann hat in feinem Aufsatz über den Vertrieb wissenschaftlicher Bücher in Nr. 211 des Börsenblattes eine Reihe von Anregungen gegeben, auf die ich noch einmal mit Nachdruck Hinweisen möchte. Wieviel Geld und Zeit werden heute noch damit verschwendet, daß einer Reihe von Interessen ten dieselben Prospekte oft in fünf- und sechsfacher Anzahl zugehen! Diese Verschwendung muß aufhören. Wir müssen hier zu neuen Formen der Propaganda 'kommen, die nur gemeinsam ausgeführt werden können. Alles, was an neuen Ideen sich Bahn bricht, weist immer mehr auf die Gemeinsamkeit hin. Der einzelne steht allein. Wir müssen uns darauf besinnen, daß wir nicht kleinliche, egoistische Ziele verfolgen. Nur gemeinsam werden wir zu dem Ziele kommen, das wir alle im Auge haben, zur deutschen Buchwerbung. Es werden sich in allernächster Zeit schon Sortimenter und Ver leger, die sich nicht als feindliche Brüder ansehen, zu dieser Propaganda zusammenschließen. Ein mutiger Ortsverein wird einmal damit den Anfang machen, alle Interessenten gründlich zu erfassen, und die Prospektkarte, wie sie Kliemann schildert, wird ein wirkungsvolles Werbemittel in den Händen aller der jenigen werden, die wissen, worauf es bei der Propaganda an kommt. Noch bleibt bei unserer Werbung eine ganze Reihe von Buchinteressenten unberührt, weil das richtige Buch nicht den Weg zum richtigen Menschen findet. Nur eine planmäßige Durch dringung aller am Buchkaus interessierten Kreise kann hier Ab hilfe schaffen. Wir können uns nicht mehr den Luxus erlauben, Bücher in den Regalen verstauben zu lassen. Wir müssen sie mit allen Mitteln, die uns zu Gebote stehen, an den Mann zu bringen trachten. so»s
- Aktuelle Seite (TXT)
- METS Datei (XML)
- IIIF Manifest (JSON)
- Doppelseitenansicht
- Vorschaubilder