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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 04.01.1923
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1923-01-04
- Erscheinungsdatum
- 04.01.1923
- Sprache
- Deutsch
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Redaktioneller Teil. dem Sortimenter immer wieder vorgelegt. Sie hat insofern eine Berechtigung, weil eben die Bücher viel zu lange unter dem Her stellungsnennwert verkauft wurden. Die Schuld daran tragen in erster Linie die Verleger und namentlich solche, die nicht selbst drucken'und von ihren Druckereien nicht aus dem laufenden gehal ten wurden. Der Bäckermeister braucht nur einen Blick in den Handclsteil der Zeitung zu werfen, Tort findet er die täglichen Mehlpreisnotierungen und richte! seine Backwarenpreise dement sprechend beinahe von Woche zu Woche ein, nachdem er mit seiner Innung Fühlung genommen hat. Der Börsenverein hat nun mit der Schlüsselzahl, der sich unbegreiflicherweise noch nicht alle Verleger angeschlossen haben (wie könnte es auch unter Buch händlern anders sein!!), etwas Ähnliches in dankenswertester Weise geschaffen. Der Verleger fand auch den Sommer über immer wieder in Unserem Börsenblatt Notizen über die Papier preise und Buchdruckerlöhne bzw, -tarife, Darnach hatte er seine Preise allmählich höher heraufsetzen können, AVer wann und von wem werden diese wichtigen Mitteilungen, wie so Vieles andere, was unser Fachorgan bringt, gelesen? Unter Berück sichtigung dieser Tatsache hatte ich allmonatlich den Auftrag gebern meiner Druckerei eine kurze Übersicht über die Preisgestal tung zugehen lassen, sodaß sie ihre Bücherpreise darnach einrich ten konnten und nicht aus allen Wolken zu fallen brauchten, als die ini Sommer nur langsam verkauften Bücher jetzt zu Ende gingen und neue Auflagen notwendig wurden. Andere Verleger sahen nun erst bei Einforderung der Neukalkulation, daß sie ihre alten Auflagen verschleudert hatten. Nun sollte durch großen Prcisaufschlag mit dem letzten Tausend der Verlust wettgemacht werden. Ich kann nur allen Herren Kollegen raten, soweit sie ihre Werke nicht selbst drucken, sich mindestens allmonatlich von ihrem Drucker und Buchbinder Berechnungen geben zu lassen. Durch die Schlüsselzahl wird ja jetzt allerdings bis zu einem ge wissen Grade — richtige Grundzahl vorausgesetzt — dies Kalku latorenamt vom Börsen- und vom Verlegerverein übernommen. Nur dadurch, daß die Bücher lange Zeit hindurch zu billig waren, ist jetzt erneut im Publikum das Märchen vom teuren Buch entstanden, und der Sortimenter spielt nun mehr oder weniger die Rolle desjenigen, der den ersten Sturmlauf auszuhalten hat. Ihm wird aber dadurch auch die nicht leichte, aber im Interesse des Gesamtbuchhandels außerordentlich wichtige Aufgabe, das Publikum davon zu überzeugen, wie billig das Buch auch jetzt noch ist. Daß man da mitunter zu recht drastischen Beispielen greifen muß, davon nur ein paar Fälle aus eigener und fremder Praxis: Es ist ja ziemlich allgemein bekannt, daß vielerorts die Ärzte, um eine entsprechende Bewertung ihrer »nicht produktiven« Arbcit zu erreichen, der Landbevölkerung gegenüber nur in Lan- desprodukten unter Zugrundelegung der jeweiligen Roggenpreise liquidieren. Mein Freund, der Zahnarzt in einer kleinen benach barten Stadt mit großer ländlicher Umgebung, läßt die Leutchen vom Dorfe erst auf dein Schmerzenssluhl Play nehmen und sagt ihnen dann sehr höflich, aber mit Bohrmaschine oder Zange je nach Bedarf bewaffnet, daß er nicht gegen Papierscheine, sondern zum Friedenspreise gegen Lebensmittel behandle und darauf 50^ Rabatt gebe, z, B, die Porzellanplombe 5 Mk,, gegen 5 Pfund Butter oder Schlackwurst a I Mk, mit 50"/°, also je 2>/2 Pfund, Er lud mich neulich mal aus altem kriegskamerad- schastlichen Gefühl heraus zum Abendessen ein! Leider verfügen wir Buchhändler ja über keinen Operations stuhl, auf dem sich die Begriffe wieder so rasch zurückwandeln wie bei dem Landpatienten meines Freundes. Aber gelernt habe ich aus diesem Vorkommnis, Kommt da neulich ein Gutsbesitzer vor meinem Laden vorgefahren und verlangt »Des Landwirts Ratgeber in guten und bösen Tagen«, ein Buch eignen Verlages, auf Grund eines früheren Inserats meines Sortiments. Der gute Mann legt einen Fllnszigmarkschein auf den Tisch und be kömmt einen roten Kopf vor Empörung, als ihm gesagt wird, das über 300 Seiten starke, reich illustrierte Buch koste mit drei Viehmodellen gebunden 1350 Mk. Als das Wort Wucher fällt, mische ich mich in die zwischen dem Landwirt und meinem Mit arbeiter in Gang gekommene Unterhaltung, »Verehrter Herr S,, ich gebe Ihnen das Buch für 7,50 Mk,, das ist der Vorkriegspreis, Aber, Verzeihung, was kostete doch damals ein Pfund Butter? Ich glaube l Mk, Geben Sie mir also für das Buch 7 ff- Pfd, But ter zum Friedenspreise in Zahlung, Tann sind wir beide über den Wucherverdacht erhaben!« Der Mann ist leider auf den Handel nicht eingegangen, hat aber seine 1350 Mk. bezahlt und bei seiner Weihnachtsbestellung kein Wörtchen über teure Bücherpreise ge sagt. Da er Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Vereins ist, belehrt er hoffentlich auch seine Kollegen, Ein Dresdner Kollege erzählte mir bei dem letzten Reise besuch folgendes. Ein Herr entrüstet sich über den Preis des von ihm verlangten Kommersbuches und geht, ohne es zu kaufen, da von, Nach ein Paar Tagen erkundigt sich der Kollege nach dem 'Verlauf des Kommerses, »Glänzend, das Bier war gut, Eis bein und Sauerkraut dito, die Portion 800 Mk, Mit verschiede nen Halben hat der Spaß gegen 1300 Emmchen gekostet. Na das ist mal für so einen Abend nicht schlimm, das kann man schon ausgeben!« Mit freundlichem Gesicht greift der Kollege ins Regalsach und meint, das Kommersbuch vor den Kunden hin legend, harmlos: -Das kostet nur 1000 Alk, und trägt an vielen Abenden zur Fröhlichkeit bei«. Der Herr ist nicht mehr hochge- gangen, sondern hat das Liederbuch in die Aktentasche gesteckt und bezahlt. Als ganz vorzügliches Propaganda mittel haben sich die kleinen Sentenzen über den Wert und die Billigkeit des Buches, die das Börsenblatt wiederholt gebracht hat, bewährt. In jeder zweiten Nummer der von mir verlegten Ortszeitung wurde einer der Sätze oder kurzen Reime gebracht. Sie haben den lästigen Fragen wegen der Bücherteuerung gegenüber vorbeu gend gewirkt und auch das Interesse für das Buch bei Fernstehen den geweckt. Kollegen eines Ortes sollten sich znsammentun und eine Reihe dieser Schlagworte in ihrer gelesensten Lokalzeitung zum Abdruck bringen lassen. Der Bruchteil an Jnseralkost-m, der aus jede Firma fällt, ist gering und die Wirkung nachweisbar für alle Buchhändler am Ort eine recht erfreuliche. Auch mit Jugendschriftenausstellungen im Verein mit Lehrerverbänden meines Wohnortes und der nächsten Umgebung ist ein gutes Ergebnis erzielt worden, das sich noch zum Fest auswirken wird. Diese Veranstaltungen verursachen allerdings ziemlich viel Arbeit, Gut ist es, wenn einer der Rektoren oder Lehrer für einen kurzen etwa halbstündigen Vortrag über »das gute Buch und das Schundbuch«, »Heimatdichter« usw, gewonnen wird. Auch der Buchhändler selbst oder ein redegewandter Mitarbeiter kann das Wort nehmen, Tlpnnen: »Wie ein Buch entsteht« (mit lcihbarcn Lichtbildern) oder einzelne Dichter und ihre Werke, Fremde Vortragende sind wegen der sehr hohen Reisekosten recht teuer. Die Zusammenarbeit mit Lehrern ist schon deshalb zu empfehlen, weil die Herren bekanntlich oft das Bedürfnis haben, selbst solche Ausstellungen zu veranstalten, und den Buchhändler dabei über gehen; durch ihre Heranziehung bekommt die Ausstellung aber auch ein gewisses Ansehen bei Schülern und Eltern, und viel fach spart man durch Zurverfügungstellung der Aula oder Turn halle den Saal, dessen Kosten sich häiGg selbst in kleinen Orten auf 3—5000 Mk. mit Heizung und Licht für einen Tag belaufen. Wie schon in früheren Aufsätzen von mir ausgeführt, mutz auch heute wieder gesagt werden, daß die Propaganda des Buchhandels noch immer im Vergleich zu anderen Branchen ziemlich im argen liegt. Der Verleger ist ja mehr oder weniger quf Börsenblattanzeigcn und Prospekte beschränkt, denn das Rei senlassen wird bald völlig zur Unmöglichkeit werden, dafür sorgt schon unsre wirtschaftsseindliche Verkehrspolitik, Und wenn ein Reisender fünf, sechs, ja bis zu einem Dutzend Verlagsfirmen ver tritt, dann bringt er meist nur für die zuerst empfohlene einen Auftrag nach Hause, die anderen zahlen die Spesen, Aber auch Prospekte und Anzeigen kosten viel Geld, das notgedrungen in die Buchkosten mit hineinkalkuliert wird und sich auf die Bücher preise auswirkt. Wenn daher das Börsenblatt genau auch in seinem Anzeigenteil dnrchgesehen wird, jeder, auch der kleinste Prospekt Beachtung findet — und sei es auch nur, daß man daraus lernt, wie man die Reklame nicht machen soll —, dann wird der Verleger Geld für immer wiederholte Propaganda sparen und dafür, wenn er einsichtsvoll ist, lieber besser rabat- tieren. Gerade bei der volkstümlich-wissenschaftlichen Literatur il
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