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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 25.11.1922
- Strukturtyp
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- 1922-11-25
- Erscheinungsdatum
- 25.11.1922
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- Deutsch
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Redaktioneller Teil. ^ 274, 25. November 1922. Gegen die Not des deutschen Schrifttums! — Unter der Führung des Reichspräsidenten Ebert, Reichskanzler a. D. vr. Wirlh, Neichs- tagspräsident Lobe, Gcrhart -Hauptmann und Thomas Mann hat sich ein Komitee gebildet, das einen Aufruf »Deutsches Schrifttum in Not« er lassen hat und sich an alle Persönlichkeiten, Gesellschaften usw., die noch eine ideelle Verantwortlichkeit gegen das Ganze des Volkslebens emp finden, wendet und um Unterstützung bittet. In dem Aufruf heißt es: »Die Katastrophe des Weltkrieges hat Deutschland auf seine inneren seelischen Kraftquellen zurückgcworfen. Unsere geistige Kultur ist die einzige uns noch gebliebene Autonomie. Trotz seines uuerschUttcrten Glaubens an die Bestimmung einer großen Nation in der größeren Familie der Menschheit ist das deutsche Geistesleben mit dem baldigen Untergange bedroht, weil seine Vertreter, seine Erhalter und Führer von der Arbeit nicht mehr loben können, für die M leben sie bestimmt sind. Dem deutschen Schriftsteller, dcr das ehrwürdige Erbe unserer Muttersprache verwaltet und vermehrt, muß eine Hilfe geboten werden, wenn Deutschland nicht noch erleben will, daß auch sein kulturelles Dasein in jedem höheren Sinne dahin- zusiechcn droht. Unter dem Schutze der Neichsregierung ergeht daher der Aufruf T e u t s ch e s Schr i f t t u m in Not! an alle noch nicht von der äußersten Not ergriffenen Kreise, an Persönlichkeiten, Gesell schaften, Unternehmungen, die noch eine ideelle Verantwortlichkeit gegen das Ganze des Volkslebens empfinden. Der große Ernst dcr Lage läßt uns hoffen, daß alle Angerufenen mit verständnisvoller Opfer-Willigkeit dcr Verelendung auch unseres geistigen Daseins zu- vorkommcn wollen.« Ter Ertrag der Sammlung, von dem ein Drittel der »Notgemein schaft der Kunst« bestimmt ist, wird durch den Schutzverband Deutscher Schriftsteller verwaltet. Abführung der Spenden erbeten an Dresdner Bank, Ber-lin, Dcp.-Kafse L, Potsdamer Straße 29, Konto Schutzverband Deutscher Schriftsteller, Sep.-Konto »Deutsches Schrifttum in Not«. Verleihung des Kleistprciscs 1922. — Der Vertrauensmann der Kleiststiftung, Herbert Jhering, hat den Kleistpreis dieses Jahres Bert hold Brecht für die drei Dramen »Trommeln in dcr Nacht«, »Baal« und »Im Dickicht« zucrkanut. Er hat ferner ehrende Erwäh nungen ausgesprochen, und zwar für Ernst Barlach mit seinen Dramen »Dcr arme Vetter«, »Tie echten Scdemunds« und »Der tote Tag«, ferner Ernst Weiß mit seinem Drama »Olympia« und Uli Kl im sch für sein Trauerspiel »Der Toten -Heimkehr«. Herbert Jhering begründet fein Urteil wie folgt: Bcrthold Brecht wurde 1898 geboren. Als Zwanzigjähriger schrieb er das Nevolutionsdrama »Trommeln in der Nacht«, das die Stücke seiner Generationsgenossen schon dadurch übertrisst, daß die Revolution hier nicht herausspringende Tendenz, sondern Hintergrund für eine menschliche Handlung geworden ist. Wenn Brecht im ersten Akt noch manchmal in einer typisierenden Charakteristik befangen zu sein scheint (Sternheim, Kaiser), so kündigt sich sein Aufstieg schon darin an, wie er noch innerhalb dieses Dramas die Typisierung überwindet und in eine individuelle, sprachlich sinnbild liche, szenentragendc Charakteristik hineinsteigcrt. — Brechts sprachliche Kraft entfaltet sich noch reicher im »Baal« und in dem Drama »Im Dickicht«. Gründung einer ungarischen Goethe-Gesellschaft. — In Budape st wurde kürzlich in einem Saale dcr Akademie der Wissenschaften die ungarische Goethe-Gesellschaft gegründet, die sich außer dom Goethe-Kult die Pflege der deutsch-ungarischen literarischen Beziehungen zur Auf gabe stellt und mit der deutschen Goethe-Gesellschaft in steter Kühlung arbeiten will. Zum Vorsitzenden der Gesellschaft wurde der Abgeordnete dcr ungarischen Nationalversammlung päpstlicher Prälat vr. Gieß- wcin gewählt. Briefe von Walther Rathenau. — Zwecks Herausgabe solcher Briefe von I)r. Walther Rathcnau, die für die Allgemeinheit von Inter esse sind, ergeht an deren Besitzer hiermit nochmals die Bitte der Mutter um umgehende leihweise Überlassung in Original oder Abschrift an das Sekretariat Rathenau bei der AEG, Berlin NW. 40, Friedrich Karl-Ufer 2—1. Eine Iboro-^morieaua«. — In Berlin ist die Schaffung einer Zentralstelle, in der alle wirtschaftlichen, geistigen und kulturellen Fäden zusammenlausen, die Deutschland mit Spanien und den latein-amerikanischen Republiken verbinden, ge plant. Für diese Zentralstelle, die »Oasa Ibero-^meiieaim«, deren Gründung seitens der in Betracht kommenden offiziellen Stellen Spa niens sowohl wie dcr ehemals spanischen Kolonialländcr Amerikas befürwortet und unterstützt wird, ist die Errichtung eines Hauses ge plant. Der Entwurf des Architekten Stahl-Urach sieht ein Turmhaus 1662 mit 14 Stockwerken vor. In demselben sollen die Räume für ständige Ausstellungen der gewerblichen und Bodenprodukte Spaniens, Portu gals, Mittel- und Südamerikas, sollen eine H a n d c l s a u s k u n f 1 e i. eine Firmenkatalog- sowie eine umfassende wissenschaftliche und lite rarische Bibliothek, eine Verkehrsabteilung, ferner eine großzügig organisierte Presse- und Propagandastelle, Bureauräume, Vortrags- und Festsäle sowie eine Kapelle untcrgebracht werden. Der nach Berlin kommende SUdamerikaner, ob Privat- oder Ge schäftsmann, soll in der »Ossa Ibero-^mericonL« alles zur Orien tierung über die deutschen Verhältnisse Notwendige finden. Es werden ihm kostenlos Auskünfte über Eisenbahn- und Hotelvcrhältnisse erteilt und Dolmetscher, Mcfscbcgleiter, Stcnotypisten, Konferenz- und Diktat räume zur Verfügung gestellt werden. Ebenso wird auch der Deutsche, der nach Spanien oder Mexiko oder Argentinien reisen oder in einem dieser Länder Geschäfte abschl'ießen will, in dcr »Essa« erschöpfende Auskunft und jede erdenkliche Unterstützung erhalten. Tie Zentralstelle, deren Gründung von spanischer Seite aus ange regt wird, ist auch mit spanischem, bzw. südamerikanischem Geld finan ziert. Die konstituierende Generalversammlung dcr »Oasa Ibero- .-VmerieLva« fand am 21. November statt. Anfragen von Interessenten sind an die derzeitig« Geschäftsstelle W. 10, Genthiner Straße 40, zu richten. Tabelle der Ladenpreise aus Grund der jetzt gültigen Schlüsselzahl 400. — Auf dem heutigen Bestcllzettelbogen finden die Herren Sorti menter die bereits in Nr. 271 abgcdruckt« Tabelle in kleinerem Maß stabe wiederholt abgedruckt. Die Ladenpreise sind einschließlich eines 20prozentigcn Deueruugszuschlags berechnet worden. Die T-abelle soll ausgeschnitten und auf Pappe geklebt zum Handgebrauch im Ladcn- verkchr dienen. Bestellungen auf Sonderdrucke der künftigen Tabellen bitten wir uns zu melden. Red. PersolialMrWeii. Adolf Bcckcr-Teplitz f. (Vgl. Bbl. Nr. 258.) — über den am 30. Oktober verstorbenen Buchhändler Adolf M. Becker in Tcplitz-Schönau wird uns noch geschrieben: Adolf M. Becker be suchte zuerst das Gymnasium in Egeer und erlernte vom Jahre 1874 an bei der Buchhandlungsfirma Graser in Annabcrg in Sachsen den Buch handel. Nachdem er noch einige Jahre bei dieser Firma als Gehilfe verbracht hatte, begannen nach gutem alten Brauch die Wanderjahre, die ihn zunächst nach Leipzig zur Firma Strcller und dann bis nach Paris führten, wo er bei der Firma David Pugno tätig war. Becker kehrte dann nach Sachsen zurück, arbeitete in der Firma Gemeinhardt in Strehlen und begab sich dann später nach Ncgensburg in die Dienste der Buchhandlung Coppenrath. ÜbcOall bewährte er sich als tüchtiger, fleißiger Buchhändler. Im Jahre 1889 übernahm er die Filiale der Prager Buchhandlung H. Tominicus in Tcplitz-Schönau, welche Stadt ihm zu seiner zweiten Heimatstadt wurde. Durch Umsicht und emsigen Fleiß brachte er sein Geschäft bald zu achtunggebietender Höhe. Büsonderes Zlugenmerk wandte er der montanistischen Literatur zu, von der er zahlreiche Werke verlegte, die besonders im nordwestböhmi- schen Kohlenrevier, aber auch darüber hinaus große Verbreitung fanden. Daneben befaßte er sich auch mit dem Vertriebe theologischer Literatur und zählte groß« Klöster und Seminare Nordwcstböhmens zu seiner Kundschaft. Er war auch durch Jahre hindurch an dcr Leitung des Teplitzcr Stenographenblattes beteiligt. Neben seiner Handlung in Teplitz gründet« er schon im Jahre 1891 in Aussig die Buchhandlung Ad. Becker, die später in den Besitz des Buchhändlers Herrn Ed. Miksch überging, mit dem er gemeinsam im Jahre 1914 die Buchhandlung Becker L Miksch in Bodenbach ins Leben rief. Im Jahre 1919 zwang ihn zunehmende Kränklichkeit, sein Teplitzcr Ge schäft abzustoßen, und er behielt nur seinen montanistischen Verlag und sein Antiquariat, besonders sein Kunstantiquariat, in dem er als Kenner und Sammler alter Drucke, Städteunsichtcn usw. weithin bekannt war. Im gleichen Jahre gab er auch das Bodenbacher Geschäft in andere Hände. An seinen Berufsoriganisativnen nahm Becker stets den regsten An teil. Am 29. September 1907 führte er den Vorsitz in der gründenden Versammlung des Vereins deutscher Buchhändler Nord- und Nordwest böhmens (des jetzigen Vereins deutscher Buchhändler in Böhmen, Sitz Dux), dessen langjähriger Obmann und späterer Ehrcnobmann er war. Er gehörte auch zu den Anregern der im Jahre 1915 in Neichcnberg gegründeten »Genossenschaft der Buch-, Kunst- und Musikalienhändler für den Reichcnberger Handclskammerbezirk« (die sich 1920 auch auf den Egerer Kammerbczirk ausdehntc), und war in deren Ausschuß, von 1918—4920 auch als Vorsteherstellvertreter, eifrigst tätig. 1920
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