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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 25.11.1922
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- 1922-11-25
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- 25.11.1922
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>6 274, 25. November 1922. Redaktioneller Teil. selbst eine erneuerte Anteilnahme sichern wird. Denn die »Gesichte« find neben Grimmelshausens Simplicissimusbuch die beste Sittenschilde rung Deutschlands in dem Zeiträume, den man allgemcinhin den des dreißigjährigen Krieges zu nennen pflegt, dve unser Schrifttum auf bewahrt. Die buchgewerbliche Verworrenheit, die in den deutschen Landen im siebzehnten Jahrhundert Buchhandel und Buchvcrlag kenn zeichnet, entsprach der wirtschaftlichen Lage der Zeit. Die geistigen Güter wurden von den Räubern nicht geschont, mehr noch, der Nach druck galt als ein ehrliches Geschäft; der geschicktere Kaufmann, der mit Vücherware handelte, war häufig der Nachdruckcr, der seinerseits einen Anklang findenden Artikel aufnähm, ihn absatzfähiger durch bessere Ausstattung machte, ihn durch andere Schriftsteller als den B-crfasser selbst vermehren und weiterführcn ließ. Andererseits herrschte tu der staatlichen Aufsicht des Buchgewerbes und in seiner Unter stützung Willkür. Daraus bildeten sich dann um ein Buch oft Kampf gruppen uns heute seltsam erscheinender Art: der Verfasser wendete sich gegen seincu Verleger (wie denn auch Moscherosch seinen Verleger mit einer lateinischen, damit der sie nicht verstehen sollte, Schmühredc ln einem Vorworte apostrophierte) und der Verleger gegen den Ver fasser, indem er Nachschußausgabcn veranstaltete. Beide gemeinsam nahmen den Kampf gegen die Nachdrucker auf, sie alle wichen den ge- bietendercn Mächten geistiger und weltlicher Zensur. Anonymität und Pseudouymität benutzte man bald als Schutzmaskcn, bald aus modischer Freude an solchem Spiel. Die Titelblätter wurden zu Rätseln, die Auflagendruckc zu Ausgabenvermeugungen. Und das Buchbild war ein Vcrbrauchsgegcnstand; die alten Holzstöcke, die ein Verleger auf Lager hatte, mußten aufgearbeitct werden, der Verfasser um diese Illu strationen hcrumschreiben (was einmal, wie Bechtold zeigt, auch Mo scherosch mit viel Geschick und Glück gelang). In einem derartigen bibliographischen Labyrinth, das aus seiner jahrhundertelangen Ver staubung ausgegraben wird, sich zurechtfinden, ist nicht leicht. Bechtold hat dabei die Führung der Mcßkataloge nicht verschmäht, eine müh selige Arbeit, die^ihrer Schwierigkeit wegen allzu oft vernachlässigt wird. Aber diese Mühewaltung hat sich reichlich gelohnt. Ihr Er gebnis ist der Hinweis auf bisher noch unbekannte Schriften Mosche- roschs; ob sie wirklich erschienen sind, ob sie nur Pläne waren oder ungedruckt blieben, ist ungewiß. Immerhin weisen sie den Schartckcn- jügcr auf neue Fährten. Damals, als Herr von Meusebach seine Fischartstudien trieb, war das Fundemachcn für den Sammler leichter. Doch auch heute noch sind bibliographische Entdeckungsfahrten möglich, mag ihre Beute vielleicht auch nur in der Feststellung einer bisher unbekannten Zuweisung dem erfreuten Händler oder Sammler den Lohn spenden, wenn ein vergilbtes Blatt ober Büchlein sich so als Originalcdition erweist, das bisher Mißachtete in die Rarität verkehrt. In sichereren Bahnen kann sich die Bibliographie des neunzehnten Jahrhunderts bewegen; die Bibliotheken, die genauen und gründlichen Nachschlagewerke lassen den Suchenden nicht mehr so oft im Stich. Die Spczialbibliographie ist trotzdem nicht überflüssig. In Goedekes Grund riß verzeichnen anderthalb Seiten die Hölderlin-Literatur; ihre Auf zählung, die Secbaß ordnet und vor allem kritisch wertet, reicht an das Seitenhundcrt heran. Die Anlage seiner Arbeit (I. Die Drucke der Werke und Briese. II. Gcsamtliteratur an Aufsätzen über den Dichter. HI. Hölderlin in Kunst und Dichtung. Anhang (Denkmäler und Er innerungsstätten. Übertragungen. Aufführungen)) wird durch eine klare typographische Gliederung gut verdeutlicht, wodurch ihre Benutzung ebenso wie durch die Inhaltsverzeichnisse sehr erleichtert wird. An Vollständigkeit läßt sie nichts zu wünschen übrig. Berichtigungen und Ergänzungen bleiben kaum einer Bibliographie erspart, ihre gelegent liche Notwendigkeit ist kein Vorwurf gegen den Fleiß und die Ge nauigkeit ihres Verfassers. Eine jede Bibliographie braucht ihre frei willigen Mitarbeiter. (So sei zu S. 34 erwähnt, daß Grisebach nicht Waiblingers »Werke« herausgcgeben hat, und ein kleiner Privatdruck aachgetragen: Hans Wolfgang Rath, Ein Bild von Hölderlins Jugcn-d- land. Ludwigsburg, 1922. mit einer Handzcichnungs- und zwei Hand- schristcnnachbildungen. S. 19 muß cs Witkowski heißen.) Auch die Autogrammkataloge sind nicht ganz und gar übersehen worden. Diese meist zu Unrecht vergessene Quelle zu erschließen ist schwer, weil die älteren von ihnen großenteils fast unauffindbar geworden sind. (Viel leicht entschließt sich einmal die Deutsche Bücherei, eine Katalogbibliothck zusammenzubringcn. An der Unterstützung des Buchhandels würde es ihr gewiß nicht fehlen, und der wissenschaftliche Nutzen würde nicht gering sein.) Ist doch auch die bibliographische Monographie, als systematische Bücherkiste angelegt, ein J'dcalkatalog. Und ein gewissen hafter Katalogleser, der eine gute derartige Bibliographie wie die an- gezeigte Hölderlinbibliographie in ein bis zwei Stunden dnrchgelesen hat. wird davon nicht zum wenigsten den Gewinn haben, daß er sehr viel Arbeitskraft und Arbeitszeit, und wenn er Händler oder Sammler ist, auch Geld gespart hat. Nicht allein dem Literaturforscher, dem öitcratursreunde hilft sie in ihren Studien weiter, sie besorgt auch die Dienste einer stets bereiten Auskunftsstclle. Hätten wir ähnliche Biblio graphien wenigstens für alle bedeutenderen deutschen Dichter und Schriftsteller, so könnten wir sehr zufrieden sein. Aber leider bleibt das hier Geleistete noch weit hinter dem erst zu Leistenden zurück. G. A. E. Bog eng. Meine Mitteilungen. Der Valutaausschlag für Österreich. (Siehe Bbl. Nr. 261, Seite 1581.) — Am 9. November fand im Saale der Handelskammer eine außerordentlich" Korporationsversammlung der Wiener Buch-, Kunst- und Musikalienhändler mit der Tagesordnung: »100°/ovger Valutaausschlag für Österreich« statt, und der Besuch dieser Versammlung war infolge der Wichtigkeit des Gegenstandes gleichfalls außerordentlich stark, Ho- daß der Saal überfüllt war und die sehr lebhaft geführte Debatte stellenweise einen höchst erregten Charakter annahm. In den ersten Novcmbertagen waren bereits Büchersendungen aus Deutschland angelangt, auf welchen der 100"/oige Valutaausschlag be rechnet erschien, und die amtliche Stelle, die die Reverse für die inländi schen Bezieher ausstcllen sollte, hatte ihre Tätigkeit in ihrem Bureau in der Hofburg bereits begonnen; allerdings waren die Drucksorten, die vielbesprochenen Reverse, noch nicht in Wien eingetroffen, sodaß, wie man mir mitteilte, die Abwicklung der Geschäfte durchaus uicht glatt von statten ging. Es wiederholte sich eben jener bei Ausstellungen so oft bemerkbare Umstand, daß am Tage der Eröffnung die Aussteller mit dem Auspacken und Aufstellen ihrer Waren nicht fertig sind. Fünf Wochen vorher, am 30. September, hatte eine freie, ebenfalls sehr stark besuchte Buchhändlerversammlung stattgefunden, welche sich mit der Frage der Errichtung -einer Außenhanüelsnebenstelle in Wien zu beschäftigen hatte und in der als Gäste die Herren Hosrat 1)r. Meiner und Ncichskom-missar Selke erschienen waren. Die Redner, die in der Debatte das Wort ergriffen, die Herren Goldschmidt (i. Fa. Gilhofer L Nanschburg), vr. Ignaz Schwarz, E. Engel (i. Fa. A. Mejstrik), sprachen sich mit der größten Deutlichkeit gegen die Errichtung einer Außenhandelsnebcnstclle aus, und es gelang auch Herrn Hofrat Or. Meiner nicht, die Bedenken gegen das Bevormundungssystcm, welches durch die Außenhandclsncbenstelle ausgedrückt iväre, zu zerstreuen; etwa 100 von 110 Anwesenden stimmten gegen die Errichtung einer Außeu- Haudelsnebcnstelle. Die Antwort auf diese Abstimmung wurde von einer Reihe maß gebender, reichsdeutscher Verleger durch den Beschluß auf Einhebuug eines 100°/oigcn Valutaausschlags erteilt, und über diese neue Sach lage hatte sich die Versammlung vom 9. November zu äußern. Seit dem Umsturz handelte es sich bei nahezu allen buchhändlcrisch-en Fragen nur um die Wahl des kleinere» Übels; auch diesmal drehte sich die ganze Debatte um die Erwägung: Was ist unangenehmer, störender, für den Verkehr schädlicher, erbitternder? Ter Valutazu schlag oder die Außenhande-lsnebeustelle? Wiederum war es Herr Goldschmidt, der die Sachlage ausführlich erörterte; er wies darauf hin, daß Österreich im Begriff ist, ein valutastarkcs Land zu werden, daß die reichst» kutschen Bücher zu niedrig im Preise sind (sowie auch Lebensmittel, Schuhe, Kleider in Deutschland etwa ein Fünftel des Preises kosten, den sie in Österreich haben), daß wir also den 100°/oigcn Aufschlag brauchen und ihn mit Freude begrüßen sollten, daß die um ständliche Beschaffung der Reverse nicht unsere Sorge zu sein brauche, sondern die unserer Wiener Bücherkäuscr usw. Die übrigen Redner, die Herren Kammerrat Wilhelm Müller, Direktor Bayer, Abheiter, waren der entgegengesetzten Meinung; sie schilderten den höchst un günstigen Einfluß, den der Valutaausschlag auf den Absatz der wissen schaftlichen Werke in Österreich haben müsse, und forderten die Ver sammlung auf, die Resolution vom 30. September zu widerrufen und alle Schritte zur Anfhebung des Valutazuschlags zu tun, demgegenüber die Errichtung einer Außenhandelsnebcnstelle das geringere Übel wäre. Der als Gast anwesende Herr vr. Becker, Leiter der Kontrollstelle zur Ausgabe der Reverse, bemühte sich, die Angriffe gegen diese Ein richtung zu entkräften, und versicherte, daß der Wiener Buchhandel dort mit größter Rücksicht und mit Schonung seiner berechtigten Inter essen behandelt werden würde. Die Versammlung entschied im Sinne der Redner, die sich für die Errichtung einer Außenhandelsnebenstelle ausgesprochen hatten, und es sollen die dahin zielenden Schritte unverzüglich eing.leitct werden. Wie ich erfahre, haben viele Wiener Firmen ihren Leipziger Kom missionären den Auftrag erteilt, Pakete mit Berechnung des Valuta zuschlags nicht zu übernehmen, und viele andere lassen ihre Verlang- zcttel mit der Bemerkung drucken: »Nur ohne Valutazuschlag«. Friedrich Schiller. 1659
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