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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 25.11.1922
- Strukturtyp
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- 1922-11-25
- Erscheinungsdatum
- 25.11.1922
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- Deutsch
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274, 25. November 1922. Redaktioneller Teil. liü>e -Opfer- Vertrauen und Kaufkraft der Kundschaft stark ge- kräftigt werden kann. Die neuerlichen Geschäftsberichte aus den Kleinstädten zeigen deutlich genug, wie wichtig die Beachtung dieses letzten Punktes jetzt in zwölfter Stunde wird. Von praktischen Arbeitsmöglichkeiten der kulturellen Sorti mentergilde in Gemeinschaft mit der kulturellen Berlegergruppe wären weiterhin zu nennen: 1. Zusammenstellung von Wanderausstellungen einzelner Verleger, di« bei den Gildeangehövigen die Runde machen und automatisch an den Nachbarort weitergehen. (Porto trägt zur Hälfte der Verlag. Pflicht der vierzehntägige» Fensterausstellung beim Sortiment. Weit wirkungsvoller als die Prospektüberschwcmmung, die allmählich sinnlos und überteuernd wird.) 2. Vortragsabende. (Darüber ist letzthin verschiedentlich aus führlich geschrieben worden Wichtig ist engere Zusam menarbeit von Sortiment und Verlag. Richtunggebend ist der Grundsatz: nicht danach fragen, welcher Autor den Saal garantiert füllen wird, sondern danach, wen müssen die Leute hören und kennen lernen.) Eingeschoben werden können sehr gut und wirkungs voll Lichtbildvorträge über Buchkunst und Buchherstel lung. In Kleinstädten kann ein tüchtiger Angestellter selbst einmal Vorlesungsabende geben, um Reise und Honorarkosten zu sparen. 3. Gemeinsame Aufklärungsarbeit in der Presse und beim Publikum. Die kulturelle Gilde veröffentlicht ihre Grund sätze und die Liste der angeschlossenen Firmen in den füh renden literarischen und kulturellen Blättern, bringt mit Firmeneindruck eigene, mit strengster Wertung zusammen- gestellte Neuigkeitsblätter und Nachrichten heraus, um sich von den breiten, alles bringenden Prospekten der Barsor timente u. ä. zu lösen. 4. Gründliche und erbarmungslose Bekämpfung des Schund- und Kitschbuches, alles dessen, was als überflüssiger Lese brei des Empfehlen? unwert erscheint. 5. Ausbauende Förderung und Helfcrdienste an behelfsmäßi gen Außenseiter-Bücherstuben der Jugendbewegung und der Arbeiterschaft. 8. Heranbildung eines kulturdurchdrungenen buchhändleri schen Nachwuchses mit Berufsadel. In allen Punkten engstes Hand-in-Handarbeiten mit den Verlegern, mit der aufbauwilligcn und fähigen Jugend, mit den aufstrebenden geistigen Kräften aller Kreise und Schichten. Möglichkeiten sind noch viele, aber es genügt nicht, bei ihrer Aufreihung stehen zu bleiben. Gehen wir an die Arbeit ! Fange jeder bei sich zu Hause an. Die Zeit verlangt Entscheidung. Die Jugend hat sich entschieden. Und im deutschen Buchhandel ist sie lebendig da. Sie wird den eingeschlagcncn Weg stark und gläu big in der Zielrichtung vorwärts gehen, die als kommende deutsche Kultur vor unserem geistigen Auge steht, und der gegen über alle Kleinnot des Alltags und Enge der Anschauung Sinn und Recht verlieren. Wir wissen, daß viele, viele noch gleichen Weges gehen, und rechnen aus jeden einzelnen. Das Echo der Lauensteiner Tagung. Von Theodor Marcus. (Wgl. Bbl. Nr. 227, 235, 258, 2M und Mg.) In Nr. 259 des Börsenblattes stellt Herr Eugen Drede- richs fest, daß das Echo der Lauensteiner Tagung nicht sonder lich groß gewesen ist. Er vermißt eine großzügige national ökonomische Debatte mit weiten Gesichtspunkten und stellt er neut fünf Fragen zur Diskussion. Wird dieser neue Ruf an den Buchhandel wieder ungehört Verhallen? Wann wird in unfern eignen Reihen der Papiermarkgeldsimmel aushören? Wann wer den wir das Leben von der Hand in den Mund aufgeben, um zum Handeln für die Zukunft wieder zuriickzulehren? Die Einstellung der Menschheit in der heutigen Zeit ist eine zweifache. Di« einen glauben, und dies ist leider immer noch die Mehrzahl, rückwärts schauend gut disponiert zu haben, wenn sie ihr Leben auf kurze Zeit gesichert haben. Die anderen, leider noch die Minorität, bemühen sich aus den letzten acht Jahren das herauszunehmen, was sie für den Aufbau, für die Neuzeit glauben verwerten zu können. Das Handeln dieser wenigen ist nicht bedingt vom augenblicklichen Geldmark-Verdienst, sondern hat weitere, höhere Ziele. Es versucht, den düsteren Schleier der Zukunft zu lösen und für sich und die Allgemeinheit einen Weg über die Katastrophe zu finden. Denn darüber muß man sich klar sein, wir stehen im Augenblick in dem letzten krank haften Auflösungsprozesse unserer augenblicklichen Währung. Die Zeit der Not, di« Zeit des Wiederaufbaues steht nahe vor der Tür. Nur durch neue Gedanken werden neue Wege in neuer Zeit möglich sein. Herr Dieder-ichs hat erfreulicherweise mitgeteilt, daß der Grrrppengedanke im Verlag wie Sortiment marschiert, und daß schon in Kürze über einzelne Gesellenstücke des Lauensteiner Arbeitsberichtes die Allgemeinheit wird mehr erfahren können. Es wird nun daraus ankommen, diese Einzelersahrungen, die die regionalen Keimzellen von Lauenstein quasi als Versuchsballon losließcn, praktische Arbeit leisten zu lassen und ihre Erfahrungen dann auszutauschen, damit die Allgemeinheit sehen kann, inwie weit der Gruppengedankc heute eine Umstellung rechtfertigt, in wieweit er lebensfähig ist als Eckpfeiler des W i ed e r a u f - baue s. Aber dann ist erst der erste Schritt getan, negative Kritik ist in den letzten Jahren schon zuviel geboten worden. Die Fragen, die Herr Diederichs in dem oben ungezogenen Artikel stellt, müßten von den verschiedensten Gesichtspunkten aus beantwortet werden. Es wäre zu wünschen und kann der Allgemeinheit nur nützlich sein, wenn in diesen Spalten hier die divergierendsten Ansichten zutage träten. Debatte klärt. Klarheit stärkt. Aus Stärke kann Wiederaufbau werden. Wird das Volk ärmer, so wird auch der ein zeln e ä r m e r. Es ist seine verdammte Pflicht und Schuldig keit, das ohne Wehklagen zu tragen. Er muß sich nur bemühen, seine schließlich noch vorhandene Vcrmögenssubstanz einmal über die Katastrophe hinwegzubringen. Wenn der Verlag seine Valuta- und etwaigen Konjunkturgewinne in seine Rechnung ein- stellt und in Gestalt niedrig gehaltener Jnlandpreise der Allge meinheit zugute kommen läßt, so ist es nur ein Gebot der Billig, keit, wenn er ein Gleiches, besonders im Punkte der Konjunktur gewinne, vom Sortimenter verlangt. Tut das Sortiment dieser berechtigten Forderung des Verlages nicht endlich Genüge, so darf es sich nicht wundem, wenn Verlag und Sortiment von nun an behorchten, daß ihre Kalkulationen auf verschiedener Grundlage basieren. Erst in diesem Augenblick wird für den wirklich tiefer Denkenden die Frage des Sortimentcr-Teuerungszuschlages akut, denn erst dann wird feststellbar sein, mit welchem Prozentsatz der Verlag auch bei den erhöhten Preisen liefern mutz, damit er sich auf ein kaufkräftiges und gut fundiertes Sortiment verlassen kann. Von einem Führer der Gilde ist diese Forderung, die ich in privatem Gespräch ihm stellte, als vorläufig indiskutabel ab gelehnt worden. Man kann nicht alle Verlagsarbeiten kauf- männisch organisieren. Es bleibt individuelle Verlagstätigkeit übrig. Man kann sich aber auch seiner kulturellen Pflichten, die heute zu betonen mehr denn je notwendig ist, nur dann voll be wußt sein, wenn man von den rein kaufmännischen Kalkulationen absieht, wenn man sich damit absindet, daß im Verlagsbuchhan del weniger verdient wird als in anderen, oder richtiger als in den kaufmännischen Branchen. Papiergeldansammlung kann uns nicht glücklich machen. Der Großhandel verkauft zurzeit nur so viel, wie er für die Aufrechterhaltung seines Betrieber unbedingt notwendig hat, und hofft, mit einem großen Warenlager in die neue Zeit hinübergehen zu können. Dies wird nur für die Verlagsbetriebe möglich sein, deren Werke Monopolwerke sind, deren Absatz sich nicht allein auf Deutschland erstreckt. Unbe dingte Notwendigkeit ferner scheint mir im Augenblick, die Ver lagstätigkeit so weit wie möglich, wenigstens für den komm mdcu Winter, einzuschränken. Hier kann uns aber nur gruppen, weise Verständigung helfen, wir müssen zueinander so viel Zutrauen haben, daß nicht der Kollege B. im Augenblick der- legt, wo es A. auf Grund seiner Vereinbarrmg zurückstellt. Wir 1855
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