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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 29.07.1922
- Strukturtyp
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- 1922-07-29
- Erscheinungsdatum
- 29.07.1922
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SIckaUla,». Redaktioneller Teil. >L 175, LS. Juli 1922. Als erster berichtete Herr Hans L ich l eny ah n-Basel über die Lage im schweizerischen Buchhandel. Er beionie, dag ihm Aufklärung umso notwendiger erschiene, als gerade in Deutschland Anschauungen über »das reiche Vatutaland- herrsch ten, die von der Wirklichkeit zum Teil sehr weit entfernt seien -Gewiß sind uns«, so führte er aus, »während des Krieges die schwersten Opfer, die Sie haben bringen müssen, erspart gemie den, und wir konnten, wenn auch unrer mannigfachen Erschwe rungen und Hindernissen, unsere Volkswirtschaft bis zu einem gewissen Grade erträglich über die Kriegssayre hinüberdringen. Dagegen sind alte diejenigen, die sich von den NachtriegSjaycen einen starken Aufschwung versprochen halten, gründlich gelauscht worden. Konnten unsere Industrien bis zum Jahre 1919 noq einigermaßen günstig arbeiten und, was für unser Exportland von ausschlaggebender Bedeutung ist, noch exportieren, so be gannen seit Anfang 1920 die Verhältnisse immer trostloser zu werden, und jetzt stehen wir mitten in einer Wirtschaftskrise, wie sie unser Land noch nie gesehen hat. Die hauptsächlichsten Indu strien stocken vollständig, und die Arbeitslosigkeit hat einen Um- fang angenommen, wie Sie ihn sich nicht Vörstetten können. Mehr als ein Drittel der in unseren Industrien beschäftigten Arbeite» ist ganz oder teilweise arbeitslos und muß deshalb von Stacn und Gemeinde unterstützt werden. Denken Sie, bitte, einmal dar über nach, welche Verhältnisse bei Ihnen entstehen würden, wenn in Deutschland ein Drittel der gesamten Jndustriearöeuerschaft arbeitslos würde! Dieser Jndustriekrise entspricht nun natür lich auch die starke Lahmlegung von Handel und Gewerbe. Da unserem Handel das Ausland ebenso verschlossen ist wie der In dustrie, so herrscht auch da überall Stagnation und Mutlosigkeit. Dazu kommen noch folgende Begleiterscheinungen, die schwer aus das wirtschaftliche Leben drücken: Der Krise entsprechen natür lich auch di« enormen Verluste aus unsere schweizerischen Jndu- striepaptere, ich möchte nur an die Nestle- und Chamer-Milch- aktien erinnern, deren Kurssturz innerhalb weniger Monate einen Verlust von über 100 Millionen Franken für unsere Volkswirt schaft brachte und für gewisse Gegenden geradezu katastrophal wirkte. Andere bisher gut fundierte große Jnüustrieunternch mungen haben das gleiche Schicksal erlitten, und vielerorts kreis» der Pleitegeier und droht der Nachiaßvertrag. Dazu kommen noch die enormen Verluste, welche das schweizerisch« Volksver- mögen durch den Kurssturz der ausländischen Valuten erleiden mußte. Es waren doch sehr große Beträge, man spricht von Mil- liarden, in deutschen und österreichischen Staats- und Industrie- papieren angelegt, denn in der Schweiz hatte man von jeher volles Vertrauen in die Sicherheit dieser Titel. Meine Herren, sc sieht es in Wirklichkeit dei uns, und wenn Sie unser Volk und seine wirtschaftlichen Verhältnisse nur nach den unerfreulichen Leuten beurteilen, die sich die niedere deutsche Valuta zunutze machen und es sich für wenig schweizerische Franken bei Ihnen wohl sein lassen, so tun Sie uns unrecht«. Im Anschluß daran ging Herr Lichtenhahn auf die besonderen Verhältnisse im schweizerischen Buchhandel über. Er wies daraus hin, daß die Zahl der im Jahre 1921 erschienenen Publikationen des Schwei zer Verlags laut der Statistik der schweizerischen Landesbiblio- theken gegenüber dem Jahre 1917 um ein volles Viertel zurück gegangen sei, was nicht zu verwundern wäre, wenn man bedenke, daß der Absatz ins Ausland sozusagen unmöglich sei. Schweize rische Bücher, namentlich wissenschaftliche, könnten nach Deutsch land, das doch früher recht guten Absatz aufgewiesen habe, gar nicht mehr verkauft werden. In welchem Kontakt der deutsch schweizerische Sortimentsbuchhandel von jeher naturgemäß zum deutschen Verlage gestanden habe, sei bekannt. Die Schweiz war, und ist wohl auch heut« noch, einer der besten ausländischen Ab nehmer deutscher wissenschaftlicher und belletristischer Literatur. Darum sei das schweizer Sortiment in hohem Maße an der Preispolitik des deutschen Buchhandels interessiert, deren Ge staltung zum Glück oder Unglück für es ausfallen könne. Dem gemäß ging der Redner nun ausführlicher auf die deutsche Aus landverkaufsordnung ein. Er betonte, daß Aufschläge von 100 Prozent in der Schweiz weder vom Publikum noch vom Buchhandel beanstandet würden, wendet sich jedoch gegen höhere Aufschläge. Ebenso erkennt er an, daß die Festsetzung von beson- 10»t deren Frantenpreisen den Vorteil Halle, daß sie stabile Verhält- nijse schasse, äußerte aber entschieden Bedenken gegen zu hoch an gesetzte Franlenpreise, und zwar vor allem deswegen, weil eine zu große Spanne zwischen diesen Preisen und den deutschen Jnlandpreisen naturnotwendig den Anreiz zu Schiebergeschäften und zum Schmuggel erhöhe. Seiner Ansicht nach sollte bei den gegenwärtig deutschen Jnlandpreisen der schweizer Franken- Preis nicht höher angesetzt werden als unter Zugrundelegung eines Umrechnungskurses von 100:6. Der Redner führt dann ausführlich noch aus, wie die Schweiz durch umfangreiche Valuta- freie Lieferungen aus Österreich bedroht sei, wie dadurch auch die festgesetzten übermäßig hohen Frankenpreise völlig illusorisch gemacht würden, wie das schweizer Sortiment seine Kundschaft verliere und den Ruf der Solidität cinblltze und wie dadurch auch der deutsche Verlag letzten Endes geschädigt würde. Er schloß, indem er seine Ausführung in die Warnung zusammen- satzte, sich mit Aufschlägen von 100 Prozent zu begnügen und oei der Festsetzung von Frankenpreisen das erwähnte Umrech nungsverhältnis nicht zu überschreiten. Den zweiten Bericht erstatteten zwei Vertreter des saarlän dischen Buchhandels. Der erste üderbracht« die Grüße der Kol- .egenschaft von der Saar, die sich zum »Verein der Buchhändler an Saargebiet» zusammengeschlossen haben. Er wies aus die ichwere Notlage des im Kampfe um sein Deutschtum stehenden Gebietes hin. Fast jeder Tag bringe neue Verordnungen und Einrichtungen, die das Gebiet immer mehr vom Mutterlande aü- .ösen und einem fremden Geiste das Eindringen in das wirt schaftliche und kulturelle Leben des rein deutschen Saarland«? erleichtern sollen. In der vom Völkerbund eingesetzten Kommis lion, deren Oberhaupt ein Franzose und deren ganze Regierung westlich orientiert sei, sitzt nur ein einziger Deutscher. Ein Par- .ament, wie es heutzutage jedes monarchisch regierte Land auf- weist, hätten sie nicht. Nach langen Erwägungen sei ihnen ein Landesrat zugedilligl worden, der in nächster Zeit gewählt wer- oen soll. Diese Körperschaft habe aber keinerlei beschließende oder bestimmende Gewalt, sondern nur das Recht, Gutachten ab- ^ugeben und Vorschläge zu machen, und der Regierung steht es frei, davon Gebrauch zu machen oder nicht. Die Bergwerke, der Lebensnerv des Saarlandes, seien in französischen Händen, die olllhende Eisenindustrie der Saar habe sich zum großen Teil französischem Kapital verschreiben müssen, um die zum Betriebe unentbehrlichen Kohlen zu erhallen. Post, Eisenbahn, Zoll und alles, was damit Zusammenhänge, müßte mit Franken bezahlt werden, trotzdem sich der ganze Handel in Markwährung abspiele, überall seien scanzösische Kontrollbeamte, und eine gewaltige Invasion von französischen Geschäftsleuten und Unternehmern, namentlich von ausländischen Bankgeschäften, habe slatlgefun- den. Wer ohne Kenntnis der näheren Verhältnisse das Saarland betrete, höre daher überall französische Laute und könne den An schein gewinnen, als betrete er tatsächlich französischen Boden. Die Lage würde sich noch verschlimmern, wenn nach 2-4 Jahren aus der bisherigen Zollbehandlung eine wirkliche Zollgrenze wird und die gänzliche wirtschaftliche Abtrennung vom Mutter lands erfolgen würde. Gleichwohl sei aber die saarländische Be völkerung treu deutsch und entschlossen, am alten Vaterlande sest- zuhallen; das gelte insbesondere vom Buchhandel, der sich in seinem rein deutschen Aufbau und nach den Bedürfnissen der ein heimischen Bevölkerung niemals nach Westen orientieren könne, sondern immer organisch mit dem deutschen Gesamlbuchhandel verbunden bleiben müsse. Dazu müsse er aber um Unterstützung bitten, und alle müßten helfen, auch wenn es kleine Opfer und die Aufgabe von System und Prinzipien in diesem Sonderfalle kosten sollte. Sie hätten das bolle Vertrauen zum deutsche» Buchhandel, dessen Glied sie seien, daß er sie in der Stunde der Not nicht im Stiche lassen werde, und dieses Vertrauen sollte nicht zuschanden werden. Der zweite Vertreter des Saargebtetes schloß daran nähere Ausführungen über wirtschaftliche Verhältnisse. Er teilte u. a. mit, wie vor allem die Einführung der Frankenwährung von de» allerbedenklichsten Folgen begleitet sei, die Regierung bezahle die Staatsbeamten, Bergarbeiter usw. mit Franken und treibe da durch einen Keil zwischen die verschiedenen Berufe. Man finde
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