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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 11.01.1882
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1882-01-11
- Erscheinungsdatum
- 11.01.1882
- Sprache
- Deutsch
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- Saxonica
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>- 8, II. Januar. Nichtamtlicher Theit. 13S Leider muffen sich aber die Verleger sagen, daß sie die Vortheile dieser Mittel nicht verstehen oder zu gut verstehen, beides ist gleich verderblich. Mit einem Wort, wir müssen uns sagen, daß wir mit der Presse — Mißbrauch getrieben haben. Was stellen denn nun die Verleger an, um die Kritik zu ihrem Vortheil auszubeuten und damit gleichzeitig herabzuwürdigen, und inwieweit kommen ihnen die Zeitungen entgegen? Wir brauchen das nicht zu erörtern! Jeder Verleger wird sich an die Brust schlagen und sagen: „wir sind allzumal Sünder". Für ihn ist es also nicht nöthig — sür Andere erst recht nicht! Wenn ich aber constatire, daß die Sucht nach Reclamc undSpectakel in der Presse bei einer großen Anzahl von Verlegern Mode geworden ist, daß dadurch die anständige Kritik beengt und der ganze Apparat der Zeitungspressc für den Verlagsbuchhandel Wohl kostspielig, aber unnütz wird, so glaube ich bei keinem Unterrichteten Widerspruch zu finden. Wir selbst müssen uns sagen: Die Leute haben Recht, wenn sie nach Zeitungskritiken nichts fragen, sie haben Recht, wenn sie ihr Urtheil nicht unter den Hochdruck der Reclame, wie er jetzt stellenweise von den Verlegern geübt wird, beugen, sie haben Recht, wenn sie ihre literarischen Bedürfnisse nicht nach den Aeußerungen irgend eines „Schweinsknöchel-Moniteurs", sondern nach eigenem Urtheil befriedigen, — und endlich geschieht es uns Recht, wenn sich diesem Treiben gegenüber im Publicum eine abwehrende Reaction geltend macht, wenn die große Maschinerie der Publicistik wohl unser Geld verschlingt, aber nicht mehr in beabsichtigter Weise functionirt! Mit dem geflügelten Wort, daß die Dummen nicht alle werden, hat es seine eigene Bewandtniß und mancher Ver leger hat gefunden, oder wird noch finden, daß die gepriesene Species doch auch einmal ausgeht, oder vielmehr er selbst uner warteter Weise dazu zählt. Diese Zustände haben aber noch weitere Consequenzen, die nicht nur den Verleger angehen, sondern auch den Sortimenter und das Publicum! Wie kommt es, fragt man oft von Seiten des Publikums und auch des Sortimentes, daß Antiquare ganz neue Bücher billiger, als selbst der Verleger offeriren? Biele, nament lich die „guten Freunde" des Leipziger Buchhandels antworten: Da müssen Sie die Leipziger Markthelfer fragen! Ich glaube, es ist in vielen Fällen richtiger, wenn man antwortet: Da müssen Sie den Verleger fragen! Denn wo neue Bücher zu Hunderten von Exemplaren vom Verleger an Presse und „Preßknappen" verschenkt werden, muß Wohl der Preis imaginär werden. Zu dem Capitcl „Inserate", was ebenfalls hierher zählt, komme ich vielleicht später zurück, für heute nur noch einige kurze Bemerkungen. Die Erfolge, für den Geschäftsmann natürlich die Hauptsache, welche aus dieser Parforce-Reclame erblühen, lassen sich muthmaßen, namentlich, wo es sich um offenbare Marktschreierei handelt und die oben erwähnte abwehrende Reaction im Publicum geradezu provocirt wird, aber Nachweisen läßt sich nichts. Wem's weh thut, der sagt nichts, und hört man anderseits von großen errungenen Erfolgen, so wird nicht erwähnt, was sie gekostet haben. Wer aber von der Reclame, von der ich hier spreche, die Erfolge erlangt hat, die er erwartet hat, der ist gewiß eine Seltenheit und kann sich sehen lassen. Ich komme nun nochmals aus den Correspondenten der „Grenzboten" zurück, welcher seinen Artikel folgendermaßen schließt: Liese nicht tief unter der äußerlich sichtbaren Fluch der Tageskritik, der Tagesstimmung und des Tagesersolgs eine unsichtbare, aber starke Strömung privaten Urtheils, von Mund zu Munde vermittelter Kritik, so wäre der gegenwärtige Zustand unserer Literatur jedenfalls noch weit heilloser, als er es ist. Das Beste, was man der deutschen Literatur wünschen kann, bleibt, daß dies private Urtheil gebildeter und noch wahrhaften Anthcil nehmender Minoritäten wiederum zum öffentlichen Ausdruck komme und der Anarchie der Kritiklosigkeit in doppeltem Sinne, nach oben und unten, entgegentrete. Nach oben, indem cs sich gegen die kritiklose Schcinkriti! erhebt, deren Zweck einsach die persönliche Verherrlichung des Kritikers ist und deren letztes Ziel der Krieg Aller gegen Alle und die gegenseitige Zersleischung sein würde, wie sie ja aus ein paar wissenschaftlichen Gebieten schon seit längerer Zeit trefflich im Gange ist. Nach unten, indem sich die thatsächlich noch vorhandene Bildung kräftig gegen die Herrschaft der hohlen, phrasenhaften Reclame der Literaturvertretung durch Leute er hebt, deren ^ganze Literaturkenntniß nicht^ ülwr ^ gestern zurück und^über Der Verlagsbuchhandel ist nicht der letzte, welcher die Er füllung dieser Wünsche, die doch gerade ihm in erster Linie zu gute kommen, fördern Helsen kann. Rühmt man nun aber einerseits die Würde des Verlagsbuchhandels, so soll man anderseits nicht in den Tagesblättern rc. mit Wunderdoctoren, Kurpfuschern und der gleichen Gelichter rivalisiren. Jeder Verleger soll an seinem Platze und nach seinen Mitteln eingreifen, um eine Freibeuterei und Jnseratenjagd, die manchmal geradezu lächerliche Dimensionen annimmt, in die ihr gebührende Grenze zurückzuweisen, keiner sollte sich einer Strömung zur Verfügung halten, welche zugleich unserem Geldbeutel, dem Ansehen unseres Standes und der Literatur überhaupt unverbesserlichen Schaden zufügt. v. Miscellen. Neue Bezugsquelle für Jugendschristen! — Bei Hrn. Otto Drewitz in Berlin erschien vor Weihnachten das Buch: „Derboeck, Prinz Heinrich's Weltumsegelung" zum Ladenpreise von 4 M. 50 Ps. Es wurde mit 3 M. ä cond. berechnet und mit 1 M. 75 Pf. baar. Von diesem Buche hat das Weißwaarengeschäst von Lubasch, Oranienstr., vor Weihnachten einige Hundert Exemplare sür den Preis von 1 M. 70 Ps. an das Publicum ver kauft. Wer von den College« also in der Nähe der Oranienstraße wohnt, thut besser, seinen Bedarf an Drewitz'schen Jugendschriften aus dem Weißwaarengeschäst von Lubasch zu beziehen, welches viel leicht Wiederverkäufe!:» noch Rabatt gibt und 7 pro K liefert, als von Hrn. Drewitz selbst. Mir lachte Jemand geradezu ins Gesicht, als ich von ihm einen höheren Preis verlangte, als 1 M. 70 Pf., und meinte, da kaufe er künftig seine Bücher lieber in Wäschehand lungen. Bezöge nun auch umgekehrt der Betreffende seine Wäsche durch den Buchhandel, so machten wir vielleicht noch einen ganz guten Tausch. — Wenn aber Hr. Drewitz nächstes Jahr seine Jugendschriften offerirt, rathe ich Jedem, sich erst zu versichern, ob er sie anderwärts nicht billiger bekommen kann, bevor er bestellt. Am besten wäre es vielleicht, den Verkauf der Drewitz'schen Jugend schristen ganz und gar aufzugeben und wieder zu den früher belieb ten, gut und solide hergestellten Stuttgarter Ausgaben zurückzu kehren, mit denen solche Erfahrungen nicht gemacht sind. Berlin. N. as- Beiträge zur Geschichte des Buchhandels und der Buch- druckerkunst — Biographisches — Aussätze aus dem Gebiete der Pretzgesetzgebung, des Urheberrechts und der Lehre vom Ber- lagsvertrag — Mittheilungen zur Bücherkunde — Schilderungen aus dem Verkehr zwischen Schriftstellern und Verlegern — sowie statistische Berichte aus dem Felde der Literatur und des Buch handels finden willkommene Aufnahme und angemessene Honorirung. — Die gewöhnlichen Einsendungen aus dem Buchhandel werden nicht honorirt.
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