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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 03.04.1922
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- 1922-04-03
- Erscheinungsdatum
- 03.04.1922
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In der ersten Hälfte des Jahres war die Nachfrage verhält- nlsmäßig ruhig, das Sinken des Markkurses führte aber gegen Ende des Jahres zu vermehrtem Absatz, der die Preiserhöhungen nur mit beträchtlichem Abstand folgten. Denn immer wieder ließen sich die Verleger durch die Mark entwertung und ihre Folgen überraschen. Sie übersahen, daß nicht mehr die einstigen Herstellungskosten (in einer Währung, die mit der augenblicklichen nur die Bezeichnung gemeinsam hat) die Grundlage für die Verkaufspreise bilden darf, sondern die Wiederbeschassungskosten. Und diejenigen, die die Sachlage rich tig einschätzten, konnten vielfach wegen direkter Konkurrenzzwecke der Zögernden oder aus Rücksicht auf den von diesen dem Publi kum suggerierten »angemessenen« Preis der Bücher nicht wagen, die Preise ihrer Verlagswerke entsprechend in die Höhe zu setzen; daß mitunter diePreiserhöhungen auf deuWiderstand der Autoren stoßen, die zufolge der einseitig juristischen Denkweise der -gebil deten« Deutschen es als zustimmungspflichtige Preiserhöhung bezeichnen, wenn der Verleger nicht damit zufrieden ist, für einstige Goldmark Zweipsennig-Mark zu erhalten, mag in man- chen Fällen als Entschuldigung dienen. Jeder Verleger sollte aber bedenken, daß nur steter Tropfen den Stein höhlt, und daß, auch wenn das finanzielle Interesse im Einzelfalle verhältnis mäßig gering ist, es notwendig ist, die Mühe der Aufklärung um der Allgemeinheit willen auf sich zu nehmen. Die lebhaste Verkaufstätigkeit hat nicht nur Außenstehende, das Publikum und vielleicht auch das Sortiment, getäuscht über die wahre Wirtschaftslage des Verlags, sondern auch viele Ver leger selbst. Diese erkennen nach einigen »erfolgreichen» Jahren plötzlich, daß ihr Kapital nicht mehr ausreicht, um die frühere Tätigkeit zu entfalten. Fusionierungen und Gesuche um kapital- kräftige Teilhaber sind an der Tagesordnung. Um sich selbst nicht zu täuschen, ist daher sehr anzuempsehlen, einmal eine Bi lanz nicht in Mark, sondern in Werten aufzustellen. Etwa so: Wieviel verkausssähige Druckbogen besaß der Verlag am Bilanz tage im Vergleich zu der entsprechenden Anzahl des Jahres 1914? Dann dürfte mancher Verleger zu der Erkenntnis kommen, daß er seine Steuern aus dem Kapital gezahlt hat, und die Tatsache der Notlage des Verlags wird verständlich werden. Die Leipziger Messen zeigen eine erfreuliche Entwick lung. Es handelt sich bei ihnen ja nicht nur um die Höhe des Absatzes, die für den Buchhandel nie die Rolle spielen kann wie für die eigentlichen Meßindustrien. Wichtiger ist die Möglichkeit für den Sortimenter, einen Überblick über die vorhandenen Waren, ihre Ausstattung usw. zu erhalten, für den Verleger, An regungen insbesondere für die Ausstattung seiner Produktion zu finden. Der ständig wachsende Zustrom der Aussteller läßt ver muten, daß auch die getätigten Abschlüsse nicht ganz unbefrie digend sind. Die Bedeutung der Verkaufsordnung für Aus- landlieferungcn ist im abgelaufenen Jahre stärker in die Erscheinung getreten. Die dem Verlag aus dieser Quelle zu- sließenden Mehreinnahmen haben es ihm vielfach ermöglicht, die Preise seiner Neuerscheinungen auf einem erträglichen Niveau zu halten: der ohne solche Verrechnung für den inländischen Bücherkäufer prohibitiv werdende Ladenpreis hätte sonst das Er scheinen vieler Werke unmöglich gemacht. Die Verkaufsordnung selbst erhielt eine neue Fassung, die den Aufschlag grundsätzlich in Mark bematz. Sie ließ jedoch dem ein zelnen Verleger die Freiheit, höhere Markaufschläge zu nehmen oder auch weiterhin feste Auslandpreise festzusetzen. Diejenigen Verleger, die dies taten, handelten so nicht aus übertriebenem Eigennutz, sondern weil sie voraussahen, daß die beiden haupt sächlichsten Zwecke (der Schutz vor einem Ausverkauf Deutsch lands und der Schutz des Auslandsortiments) durch die ueue Regelung in Zeiten eines erneuten Marksturzes nicht gewähr leistet würde. Die Entwicklung hat ihnen rechtgegeben. Denn als im Oktober—November die Mark erneut ins Bodenlose stürzte, erhöhte nicht nur die größte Zahl der Verleger den Auf schlag von IVO auf 2007-,, sondern eine erhebliche Anzahl namentlich wissenschaftlicher Verleger kehrte auch wieder zu den festen Auslandpreisen zurück. Da diese die Möglichkeit haben, 12« jeder Erhöhung der Jnlandpreise eine Herabsetzung des Um rechnungskurses folgen zu lassen, so bleiben die Auslandpreise konstant. Nachdem im Frühjahr und Sommer bezüglich der Druck- und Papierpreise eine gewisse Stetigkeit eingetreten war, die zu besseren Hoffnungen für die Zukunft Anlaß geben konnte, brachte schon die drohende Papierpreiserhöhung im Spätherbst des Jah res neue Beunruhigung. Die Druckpreise und die Buchbinder preise gingen gewaltig in die Höhe, und die Papierpreise erreich ten mit Ende des Jahres einen Hochstand, wie er in den letzten Jahren der wechselnden Konjunktur llberhaript noch nicht zu ver- zeichnen gewesen ist. Der Abschluß des Jahres I92l ist somit für das Fachzeitschristengewerbe ein denkbar ungünstiger gewesen,weil die Fachzeitschristen nicht in der Lage sind, ihre Preis bildung den sprungweise emporschnellenden Herstellungskosten anzupassen. Eine naturnotwendige Folge von deren Erhöhung ist zwar die Verteuerung der Seitenpreise gewesen, die vom Spät herbst 1921 an um 50^ und teilweise noch mehr gesteigert werden mußten. Die Wirkung der Jnseratpreise ist aber vielfach im Fachzeitschriftengewerbe eine sehr problematische, weil bei den länger laufenden Abschlüssen die erhöhten Preise zwar auf dim Papier stehen, aber in absehbarer Zeit überhaupt nicht in die Erscheinung treten. Es sollte zwar auch jeder Fachzeitschriften- Verlag sich auf den Standpunkt stellen, entweder langfristige Ab schlüsse überhaupt nicht mehr anzunehmen, oder aber solche Ab schlüsse nur freibleibend zu treffen. Nur wenn allgemein dieser Standpunkt erreicht werden könnte, würde eine Gesundung des Fachzeitschriftenwesens möglich sein und einer katastrophalen Wirkung plötzlicher Preissteigerungen vorgebeugt werden. Die Beunruhigung im Fachzeitschriftengewerde durch die Druck- und Papierpreis-Erhöhungen wurde noch erhöht durch die Ende des Jahres auftauchende Gewißheit über eine noch nie dagewefene Portoerhöhung. Inwieweit die Fachzeitschristenverlage sich mit diesen neuen Lasten werden abfinden können, muß die Zukunft lehren. Trotz mannigfacher Schwierigkeiten, Preisschwankungen und schlechter Lieserungsmögltchkeiten des Verlags, die es zu über- winden galt, war der Geschäftsgang des Sortiments wie in den Vorjahren ein lebhafter. Wieder hatten die Messen, hatten die landwirtschaftliche Ausstellung im Juni, die Universiiätswoche und andere Veranstaltungen zahlreichen Besuch auch aus dem Ausland nach Leipzig geführt, der nicht ohne Buch aus der Bücherstadt heimkehren wollte. Das Weihnachtsgeschäft setzte in diesem Jahre bereits mit Ende Oktober ein, um in unver minderter Lebhaftigkeit bis zum Fest anzudauern. Die Zahl der Käufer sowohl wie die der verkauften Werke dürfte die der Vor jahre nicht übersteigen, wenngleich die Umsatzziffer infolge stetiger Preissteigerungen wesentlich emporschnellte. Sehr groß war wie der die Zahl der Preisnachfragcn seitens der Kundschaft von nah mid fern, und nur selten folgten auf diese oft mühevollen und kostspieligen Vorberechnungen die erhofften Bestellungen. Zu Preiserkundigungen verführte sehr auch der bedauerliche Mangel der Einheitlichkeit des Ladenpreises in unserer Stadt, in der zu dem die Warenhäuser mit Rieseninseraten und schreienden Schau fenster-Auslagen darauf hinwicsen, daß ihre Buchabteilunge» Teuerungszuschläge nicht berechneten. Auch die geringe Zuver lässigkeit der Mehrzahl der in diesem Jahre erschienenen Weih nachtskataloge, die gerade über die Neuerscheinungen mangelhast unterrichteten, veranlaßte viele Erkundigungen. Die Kund m aus dem Mittel- und Arbeiterstande bildeten auch in diesem Jahre den Hauptteil der Abnehmer, der die gegenwärtigen Preise der Bücher, soweit ihre Ausstattung befriedigte, bereitwillig bezahlte. Fast ausnahmslos wurde auf gutes Papier und gediegene Einband art großer Wert gelegt; Werke wertvollen Inhalts, die nur auf schlechtem Papier oder in dürftiger Ausstattung Vorlagen, abzu setzen, gelang selten. Besonders in den letzten Monaten des Jahres war die Nach frage nach gutausgestatteten Werken so groß, daß Wochen vor Weihnachten die Sortimcnterlager bereits wesentliche Lücken auswiesen, die auszusüllen nicht mehr möglich war, da eine große Zahl der schöngeistigen Verleger im Dezember nur noch den ge ringsten Teil ihrer Produktion zu liefern vermochte.
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