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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 30.09.1922
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- 1922-09-30
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- 30.09.1922
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Am 15. Juli des genannten Jahres ging das Geschäft von Emil Noth auf dessen einzigen Sohn Otto Roth über, der die Firma des Vaters beibehielt. Inzwischen hatte die neue Zeit, namentlich durch die Wiederaufrichtung des Deutschen Reiches, durch die veränderte Stel lung der Einzelstaaten zum Gesamtvaterlande, durch die einschneidenden Reformen in der Gesetzgebung, in der Kreis- und Gemeindeverivaltung, in der Verwaltung und Umgestaltung des Unterrichtswesens auch an den Verlagsbuchhandel neue und erhöhte Anforderungen gestellt; es galt, mit sicherem Blick auf dem Gebiete der Literatur die Lücken zu erkennen, welche sich bei dem Übergänge in die neue Zeit auf dem Felde der Belehrung und des Unterrichts mit Bezugnahme auf die veränderten politischen und sozialen Verhältnisse eingestellt hatten. Insbesondere waren in den 1870er Jahren die Errungenschaften des hessischen Schul verlags und die literarischen Unternehmungen für den Unterricht auf ein Minimum herabgesetzt. Als daher im Jahre 1874 mit Einführung des neuen Schulgesetzes auch das Bedürfnis kiach zeitgemäßen Unter richtsmitteln für die hessischen Volksschulen eintrat, war das neuge- bildete Großherzogliche Ministerium des Innern und der Justiz, Ab teilung für Schulangelcgenhciten, genötigt, bei dem gänzlichen Mangel an geeigneten hessischen Schulbüchern auf preußische, sächsische und andere außerhessische BerlagÄmchhandlungen für den Bezug von Lehr mitteln für die hessischen Volksschulen hinzuweiscn. Die Summe, welche damals und in der Folge dem hessischen Buchgewerbe (Verlag und Sortiment, Buchdruck, Buchbinderei usw.) verloren ging, resp. in andere Staaten floß, war eine sehr hohe. Eine ähnliche Tatsache hat sich in dieser un-verhältnismäßigen Ausdehnung in keinem anderen deutschen Staate gezeigt. Die Einführung der norddeutschen Schul bücher im Großherzogtum Hessen war jedoch auch nach der didaktischen Seite hin nicht glücklich. Schon nach kurzem Gebrauch zeigten sich allerlei damit verbundene Mißstände und Unzuträglichkeiten, und aus der Mitte des hessischen Lehrerstandcs gab sich in erster Linie das lebhafte Verlangen kund nach Beschaffung eines Lesebuchs für die hes- ftscheVoltsschule, das, weit entfernt von einseitigem, überwundenem Parti kularismus, den historischen Verhältnissen des Hessenlandes Rechnung tragen, die heimatlichen Anschauungen ergänzen und berichtigen und den Anschluß an das große Gesamtvaterland in Bild und Wort pflegen sollte. Diese Stimmung gab dem Inhaber der Firma Emil Noth die Anregung, mit praktischen hessischen Volksschulmännern in Verbindung zu treten und den Plän zu entwerfen zu einem dem amtlichen Lehr plan entsprechenden Lesebuch, welches die Verfasser mit dem Erscheinen einer »Hessischen Fibel« einleiteten. Diese liegt heute in der 37. Auslage, deren jede in 10 006 Exemplaren erschien, vor. Hieran reihte sich in aussteigender Folge das »Hessische Lesebuch«, welches in vier Ausgaben (^, IZ, 6, O) in einer Reihe von Auflagen, jetzt in neuester Recht schreibung, in fast allen Schulen des Großherzogtums in Gebrauch genommen ist. Die pädagogische Presse des In- und Auslandes hat den hessi schen Lesebüchern sowohl nach der pädagogischen Seite hin, wie auch wegen ihrer vorzüglichen Ausstattung einstimmig ihre Anerkennung eutgegengebracht und sie als mustergültig und den besten Leistungen auf diesem Gebiete als gleichwertig bezeichnet. Als Schlußstein haben die Herren Verfasser des Hessischen Lese buchs noch das »Hessische Lesebuch für Fortbildungsschulen« bearbeitet. Dieses Buch ist von acht deutschen Schulministerien zur Einführung empfohlen worden, liegt bereits in vierter Auflage vor und genießt eine beachtenswerte Verbreitung in Hessen wie im übrigen Deutsch land. Für außerhessische Schulen wurden einige Lesestücke, welche speziell für hessische Schüler bestimmt sind, weggclassen und durch solche von allgemeinem Interesse ersetzt und dadurch das »Deutsche Lesebuch« geschaffen, das ebenfalls allseitig«: Anerkennung gefunden hat und in verschiedenen deutschen Schulen sogar des Auslandes eingeführt ist. Einen gleich glücklichen Griff tat die Emil Noth'sche Verlagsbuchhand lung mit der gründlichen Umarbeitung des schon von dem Gründer des Verlagsgeschäfts erworbenen »Niepoth'schen Rechenbuches«, das be reits in 19. und 23. Auflage in zwei Ausgaben (^ und ö) erschienen ist. Ein vortreffliches Werk, das nach den Urteilen pädagogischer Fach männer den besten Rechenbüchern, welche die deutsche Schulbuchlitcratur aufweist, zur Seite steht. Auch diesem Werke dient noch als Schlußstein das »Rechenbuch für Fortbildungsschulen«, das zugleich einen Wegweiser darbietet zur Einführung in die soziale Neichsgesetzgcbung. Um ihren Schulbuchverlag, soweit er sich auf die Unterrichtsgegcu- stände der Volksschule bezieht, vollständig auszugestalteu, trat der Verleger Otto Noth noch mit einem nach den neuesten Forderungen der wissenschaftlichen Pädagogik bearbeiteten »Nealienbuch« auf den Plan. Der vortreffliche Lehrstoff des Buches, der sich auf sieben einzelne Hefte verteilt und -durch ca. 400 Illustrationen belebt ist, wird in so ansprechender Weise dargcboten, daß das Werk sich schnell, nicht allein in den hessischen, sondern auch in vielen außerhossischen Volksschulen bereits in dritter Auflage eingeführt hat. Fügen wir noch hinzu, daß 1372 der Nothschc Verlag auch in der Kartographie in der jüngsten Zeit große Ausdehnung gewonnen hat und besonders in den Schulwand karten des Prof. Wämser (Hessen, Deutschland, Europa), in den Hand- kartcn, Krciskarten, Stadtplänen und Umgebungs- und Touristenkarten desselben Autors hervorragende kartographische Leistungen autfweist ! und endlich noch ein sehr empfehlenswertes Merkchen in »Döll's Lieder- ' sammlung« sowie »Klein's Biblischer Geschichte« besitzt, so dürfen wir ^ sagen, daß die Verlagsbuchhandlung Emil Noth sämtliche Unterrichts- ! gegenstände, die das hessische Volksschulgesetz vorschreibt, mit Aus nahme von Turnen (das nur durch die Turnübungen von Schmuck im Verlage vertreten ist) und Zeichnen, in anerkannt vorzüglicher Weise pflegt und mit Recht auf den Namen eines »hessischen« Schul- buchverlags Anspruch machen darf. Die beste Anerkennung für die Tüchtigkeit gerade des Pädagogischen Verlags wurde der Firma Emil Noth auf der Weltausstellung in St. Louis durch die Zuerken- uung der Goldenen und der Silbernen Medaille für Pädagogik, Schul bücher und Lehrmittel zuteil, ein Beweis, daß die Schulbücher der Firma Roth in der gesamten Schulbuchliteratur zu den besten gehören müssen. Die Verlagsbuchhandlung Emil Roth wird nicht mit Unrecht als hessische Verlagsbuchhandlung par exeelleved angesehen, weil ihr Inhaber alle literarischen Unternehmungen, die darauf gerichtet find, neben der Begeisterung für das große Vaterland die Liebe zur engeren Heimat, die Treue zum angestammten Fürstenhaus, die Anhänglichkeit au hessisches Laud und hessische Leute wachzuhalten, mit ausgesprochener Vorliebe unterstützt und zum Mittelpunkt seiner Verlagsuntcrnehmun- gen gemacht hat. Als ein äußeres Zeichen der Anerkennung für diese intensive hessische Verlagstätigkeit darf die Auszeichnung gelten, die dem Inhaber Otto Roth durch die Verleihung des Ritterkreuzes II. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen seitens Sr. Kgl. Hoheit des Großhcrzogs von Hessen 1895 zuteil wurde. Der Verlagskatalog weist eine stattliche Reihe von Verlagswerken auf, die sich ohne Hcrvorkehrung eines einseitigen Partikularismus in edler Form in den Dienst der Pflege und der Erhaltung der Gefühle für Heimat und Vaterland stellen und denen seitens des hessischen Volkes allzeit eine außerordentlich freundliche Beachtung zuteil geworden ist. Auf den weiteren reichhaltigen Inhalt des wissenschaftlichen und künstleri schen Teils des Emil Nothschen Verlags einzugehen, müssen wir uns leider mit Rücksicht ans den Raum versagen. Aber nicht etwa der pädago/vsche Verlag hat als der überiviegende Teil zu gelten, sondern daß gerade Jurisprudenz, Medizin und- Naturwissenschaft als die Hauptwissenschaf- teu auftraten, geben dem Verlage Ansehen und Bedeutung. Von größeren Unternehmungen mögen hier besonders genannt sein die her vorragenden Verlagserscheinungen der Jurisprudenz und der Staats wissenschaft, die in der ganzen Welt ihre Erfolge gefunden haben, so die »Fuchsberger'schen Entscheidungen des Reichsgerichts«, die rechtS- wisscnschaftlichen Werke des berühmten Universitätsprofessors Geh. Justizrat Gareis, die Lehrbücher des Kirchenrechtslehrers von Schulte und rn neuerer Zeit die Veröffentlichungen des bekannten National- ökouomen Prof. I)r. Biermer. Ferner auf dem Gebiete der Medizin und Naturwissenschaft die Werke eines Moleschott, Ludwig Büchner, Eckhard und Kehrer, die dem Verlage den Namen einer bedeutenden Verlagsbuchhandlung im deutschen Buchhandel verschafft haben. Neben der Wissenschaft ist auch die schöne Literatur nicht zu kurz gekommen, wie die Gedichte des Waldpfarrers Knodt, das Goethebrevier des Prof. Heiucmann, Schlägers Schillerworte, die vaterländischen Romane von Bechtolshcimer, Becker, Buxbaum und Francke zur Ge nüge dartun. In den deutschen Familien ist der Verlag von Emil Roth wegen seiner Jugendschriften gern gesehen; hat doch kaum ein Jugend buch sich einen solchen Namen gemacht wie Kleinschmidts »Im Forst haus Falkenhorst« und »Aus deutscher Vorzeit«. — Ein junger, aber gut gepflegter Zrveig des Verlages, der der persönlichen Vorliebe deS Besitzers entsprang, ist der bereits 10 Nummern umfassende Fllhrer- verlag »Roth's illustrierte Führer«, dem sich die dem Verlag zugefllgtc Odenwaldgruppe in charakteristischer Weise anschließt. Neben den aus führlich bezeichnten Hauptzweigen hat sich der Verlag auf verschiedenen Gebieten bewegt, und selbst auf dem Gebiete der Landwirtschaft ist er nicht stehen geblieben; jedes Gebiet ist ausgebaut und mit glücklichen Erfolge gepflegt worden: Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen. Im Jahre 1902 erwarb der Besitzer Otto Noth die bereits im 20. Jahrgange stehende »Hessische Feuerwehrzeitung« und vereinigte sich unter der Firma Verlag der Hessischen Feucrwehrzeitung (Kindt K. Noth) mit dem Buchdruckereibesitzer Kindt zur Wciterführung dieser Zeitschrift, welche fast in allen Gemeinden des Großherzogtums bis in die kleinsten Orte hinein gehalten wird und der edlen Sache des Feuerlöschwesens in vorzüglicher Weise dient. Im Jahre 1904 gliedert? der Besitzer Otto Noth seinem Verlage eine Neugründung an, die, wiederum dem hessischen Schulwesen dienend, die weitestgehende Be-
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