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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 18.02.1922
- Strukturtyp
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- 1922-02-18
- Erscheinungsdatum
- 18.02.1922
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- Deutsch
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, 4L, 18, Februar 1922, Redaktioneller Teil. Wie dem aber auch sei: Trotz allen Schwierigkeiten bei der Papicrbeschafsung, Drucklegung usw. sind die Jahre 1918—20 für den Buchhandel säst ohne Ausnahme nicht unbefriedigend ge wesen, und 1921 stand trotz dem stillen Sommer nicht viel nach. Der gute Absatz seil 1917/18 jedoch ist zweifellos auf die billigen Bücherpreise zurückzuführen, und die Höhe des Umsatzes hat es geschafft, was an Gewinn beim einzelnen Buch vielleicht fehlte, sowohl beim Verleger als auch beim Sortimenter. Sind aber bisher die notwendigen Erhöhungen fast reibungs- los überwunden worden, wobei der Bücherpreis allmählich auf das Fünf- bis Siebenfache gegen 1917 gestiegen ist, so bringen die letzten Verteuerungen des Papiers sums Doppelte!) und der gesamten Herstellungskosten uns unverkennbar eine G e« fahr. Der Sprung ist zu grotz! Jetzt in Arbeit befindliche Bücher müssen etwa das Zehnfache des früher normalen Preises erreichen — bei bescheidenerer Ausstattung, Der Umsatz droht deshalb zurllckzugehen. Aber noch schwerwiegender ist eine andere Sorge: das Betriebskapital reicht bet vielen Unterneh mern — namentlich Verlegern mit langsamem Umsatz — allmäh lich nicht mehr aus, um die gewohnte Anzahl der so plötzlich und stark verteuerten Auslagen angreisen zu können. Also droht ein Geschäftsrückgang! Der einzige Verdienst steckt schließlich allein in den (ach, so schwer einzutreibenden) Außenständen und dem Lager, Lager wert, du nie gelöstes Rätsel! Keine noch so lange Erfahrung reicht dazu aus, um dich auch nur annähernd richtig cinzuschätzm. Jetzt aber wirst du mißachtetes Anhängsel der Inventur — nicht verwunderlich bei der zeitgemäßen Umwertung aller Werte — erhöht und erhoben zum Stern der Hoffnung, der der immer schwieriger werdenden Kalkulation strahlt! Es regt sich da und dort die Meinung, und auch der eingangs erwähnte Aufsatz sagt es, daß es falsch sei, den Lagerbestand billiger herzugeben- als sich das betr. Buch beim jeweiligen Tagespreis stellen würde. D, h. die Preisbildung älterer Bestände soll so getroffen werden, als ob sie heute neu hergestelll seien; denn sonst reiche der Erlös dafür nicht aus, und auch der Sortimenter müsse einen Wertzuwachs haben. Folgen wir dem Gedankengang: Ein Buch etwa, dessen Her stellung im Sommer ,1t 6—7 kostete, hat jetzt den Ladenpreis von 20,—, Eine Neuauflage desselben Buches würde heute etwa .tk 12,— an Herstellungskosten verursachen, also wäre ejn Ver kaufspreis von 35,— nach jener Folgerung angemessen. Und der Verleger, der vor 3 Jahren den Fehler sozusagen nach unten machte, will jetzt alles gründlich nachholen und erhöht sein Lager in oben angedeuteter Weise — vorausgesetzt, daß die Autorenverträge das erlauben. Das Zahlenbeispiel ist dem tat sächlichen Preisverhältnis von heute entnommen, und auch der Nichteingeweihte kann daraus ersehen, daß die verteuerte Neu auflage aus dem Erlös des Bestandes — ohne Preiserhöhung — ungefähr zu bestreiten wäre. Denn der Verleger erhält bei 40?L Durchschnittsrabatt von »tt 20.— die nötigen »Ä 12.— netto wieder. Allerdings mutz er in diesem Falle den ganzen Gewinn neu anlegen, und somit ist eine die Differenz deckende Erhöhung des fraglichen Lagers gerechtfertigt, die heute entsprechend den höheren Betriebsspesen mit etwa 20—257» richtig getroffen wäre. Welche Folgen zeitigte jedoch eine Erhöhung auf den soge nannten Tagespreis? — Sollte dasselbe unveränderte Buch, das gestern noch »ti 20,— kostete, heute ein« Aufwendung von »tk 35.— erfordern, so bedeutet das eine Geldentwertung von etwa 40^, Und da der merkantilisch-kategorische Imperativ der All gemeinheit gestatten muß, was der Einzelne für sich in Anspruch nimmt, so würde unser doch mehr ideeller als streng materieller Berus plötzlich lebhaft — wie es zu unserm Unheil schon vor Jahren andere Branchen weidlich taten — an der Entwertung der Mark mehr Mitarbeiten, als cs nötig ist. Und der erhoffte Erfolg, durch die Verteuerung der Bestände das Kapital zur vollen Deckung einer Neuauflage zu erhalten, dürfte ausbleiben. Erfahrungsgemäß wachsen die Unkosten schon deshalb proportional jeder Preiserhöhung, weil der Umsatz durch eine solche zurückgeht. Mit jeder Warenverteuerung ist bekannt lich auch eine entsprechende Steigerung der Löhne und Gehälter verbunden, was schon psychologisch begründet ist, und dabei zieh! ein Erwerbszweig den andern rasch mit sich. Also würde eine allgemeine, über das Notwendige gehende Verteuerung der Bücher nur verursachen, daß die etwaige nächste Auflage und überhaupt die Herstellung wesentlich teurer würde, als es ohne diese Preisheraufsetzung der Fall wäre. Der Verleger stünde da mit bei Aufgabe des Neudrucks vor einer noch größeren Differenz als ehedem. Überdies spricht nur immer ein Bruchteil der Auflage mit, da diese ursprünglich doch zum Tagespreis eingesetzt war und zu Anfang am flottesten zu »gehen» pflegt. Was soll ein kleiner Teil also an dem ganzen Ergebnis retten? Und bei Büchern, die schwer absetzbar sind, macht der Preis nach keiner Seite etwas aus. Ferner bietet das empfohlene Programm kaum überwindbare Schwierigkeiten in konsequenter Ausführung, Mit dem Tages preis etwa stets auf dem laufenden zu sein, ist säst unmöglich. Der Verleger müßte dann ständig Offerten einholen und alle 3—4 Wochen seine Preise ändern. Ein sehr unerquicklicher und kost spieliger Briefwechsel würde sich mit den Kunden ergeben. Und daß unverhältnismäßig hohe und häufige Preissteigerungen von Durchschnittsromanen den Absatz stark hemmen, kann sich kein Sachkundiger verhehlen. Sagten auch mehrere Berichte kürz lich, daß beim Weihnachtsgeschäft die Preisfrage keine ausschlag gebende Rolle spiele, so lag das eben an der Zeit und dem Zweck des Einkaufs. Im allgemeinen aber spricht es sicher sehr mit, ob ein Buch »st 20,— oder 30.— kostet. Bei den enorm gestiegenen Spesen des Verlegers und den kaum erfüllbaren Rabattwünschen des Sortiments strotz dem 20prozentigen Zuschlag!) ist eine Preiserhöhung auch der Be stände, die ja übrigens schon seit langem üblich ist, durchaus ge rechtfertigt — wie bereits erwähnt; aber ihr darf nicht alsZiel der jeweilige Tagespreis vorschweben, sollen wir nicht ruinöse Verhältnisse bekommen. (Rein propagandistisch verträgt eine Neuheit weit eher einen teureren Preis als ältere Bücher.) Die Preisbildung muß vielmehr immer von den ursprünglichen Her stellungskosten ausgehen, denen notwendige Zuschläge hinzu zurechnen sind. Beim obigen Beispiel wäre also jetzt eine Er höhung von »K 20.— auf »K 24,— bis 25,— gerechtfertigt und empfehlenswert. — Die Verkünder der Tagespreispolitik sagen übrigens übereinstimmend, daß die Praxis im Buchhandel der vollen Verwirklichung ihres Programms entgegensteht. Warum also ein Ideal aufstellen, das doch nicht erreichbar ist?! Freilich wird das Betriebskapital, bis die Preise — wie im Frühjahr 1921 — wieder stabil werden, sehr stark angespannt. Darunter leidet der Sortimenter nicht minder als der Verleger, doch nur vorübergehend, weil der Erlös aus der teureren Neu auflage entsprechend größer wird. Und einmal muß ja die Schraube ausgedreht sein, soll nicht unser ganzes Wirtschafts leben zusammenbrechen — zumal da ja die Notenpresse jetzt langsamer gehen soll. Gestattet das verringerte Betriebs kapital dem Verleger vorübergehend nicht, ein so reichhaltiges Programm wie üblich zu bringen, so zwingt ihn das zu besonders vorsichtiger Auswahl und Hilst wahrscheinlich mit zur Gesundung unseres Berufs, der seit Jahren an Überproduktion leidst. Das kulturell und literarisch Wertvoll« wird bet dem heutigen Ge schmack der Leser darunter nicht leiden. Der Verleger hat auch zu bedenken, daß der Sortimenter den ständigen Preiserhöhungen nicht mehr folgen kann, und die etwa allgemeine und wiederholte Heraussetzung aller Bestände würde den fe st en Ladenpreis völlig illusorisch machen, würde den Lagerwert des Sortiments kaum verbessern, diesem aber jede Preisgrundlage bet Einzelbestellungen rauben und sehr viel An fragen zeitigen. Der Mittelweg ist auch hier der beste und dem andern vorzuziehen, der einen höheren Gewinn (den gleichen Umsatz vorausgesetzt) nur vortäuscht und zu weiterer Geldentwertung und dadurch zur Steigerung der Unkosten und Verteuerung der Herstellung führen muß. Der Absatz wird hingegen — wie in den letzten vier Jahren — um so eher den Etat balancieren, je weniger die Käufer berechtigt über zu teure Bllcherpreise klagen. Neben den Neuheiten, die nun einmal leider so wesentlich mehr kosten müssen, ist es ratsam und notwendig, einen billigeren alten 215
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