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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 28.01.1922
- Strukturtyp
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- 1922-01-28
- Erscheinungsdatum
- 28.01.1922
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- Deutsch
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Nr- 24 (R. 18). Leipzig, Sonnabend den 28. Januar 1922. 89. Jahrgang. Redaktioneller Teil. Das Weihnachtsgeschäft 1921. VI. (Fortsetzung zu Nr. S, 12, IS, 18 und 21.) Wortlaut der Fragen: 1. Welchen Einfluß hatten die Bücherpreise auf den Absatz? 2. Welche Litevaturgattungen wurden besonders bevorzugt und welche Preislagen meist gewählt? 3. Welche einzelnen Bücher standen im Vordergrund des Interesses? 1. Fanden Jugenbschriftcn und Bilderbücher lebhaften Absatz? In welchen Preislagen? 5. Fand ernstere oder leichtere Literatur größeren Anklang? s. Was ist sonst noch Bemerkenswertes über das Weihnachtsgeschäft zn berichten? Halle a. d. S.: Auf die Anfrage betr. Art und Umfang des Weihnachts geschäfts teilen wir mit: Die Preise der Bücher hatten auf den Absatz absolut keinen Einfluß, es wurde bezahlt, was verlangt wurde. Die Preise wurden häufig als billig empfunden. Be vorzugt wurde natürlich schöne Literatur! außer den Neuigkeiten gingen besonders Bonsels, Paul Keller, Lienhard usw. Jugend- fchriften und Bilderbücher wurden gleichfalls stark gekauft. Meist verließen sich die Käufer auf unsere Empfehlung. Der Umsatz im Dezember war höher als ein Jahresumsatz im Frieden. Soviel Bücher wie diesmal wurden noch nie verkauft. Tausch L Grosse. Hamm i. W.: Das Weihnachtsbarometer stand zumeist aus »ruhig«, auch in den letzten Tagen kam es über hoffnungsvolle Ansätze zum »Sturm» nicht hinaus. Mehr Angestellte als Käufer, wenigstens zeitweise. 1. Die erhöhten Bücherpreise, die teilweisen Teuerungszu schläge haben auf den Büchcrabsatz keinen oder doch nur ge ringen Einfluß ausgeübt. Wer Geld hatte und an Bücher über haupt dachte, hat gekauft, ohne Rücksicht auf den Preis. Aber die guten, bekannten Kunden von ehedem, also die Bücherfreunde, die Beamten, deren Wünsche man genau kennt, die sah und sicht man nicht mehr im Buchladen. Denen war das Geld auf dem Wege dahin für dringende Bedürfnisse viel zu früh ausgegan gen: selbst sür billige Bücher reichte es nicht mehr. Ich habe das schmerzlich empfunden. (Vergl. auch unter 6.) 2. Erzählende Literatur wurde bevorzugt, eingcschlossen Naturschilderungen, Reiscwerke. Alle andere, früher im Mit telpunkt stehende Geschenkliteratur blieb wenig gefragt. 3. Frenssen, Pastor v. P. — Bloem, Herrin — Gjcllerup, Alles — Ganghoser — Voß, Zwei Menschen — Fedcrer — Ros- ner, König — Laufs, Sinter Klaas — Schauwecker, Ghavati und Hilde Roxh — Berger, Ein Rosentraum — Scherer, Fraue V.Jngel- heim — Löns — Finckh — Herzog — Ernst, Hermannsland — Lienhard — Bonsels — Eyth — Freytag — Bonne, Im Kampf um die Ideale; natürlich auch Bismarck Bd. 3. Tie Anhänger der Jugendbewegung kauften: Prellwitz, Drude — Prellwitz, Ruth — Brausewetter, Mehr Liebe — Josten, Holdselige — Du und die Welt von Merlan, sowie alle Matthcsschen Zweifäustcr-Drucke (Storm, Reuschle, König usw.), auch Dichtungen. Abgetan: Tagorc. Gern nahm man auch ein gutes Buch heiteren Inhalts mit, so Gantzer, Rosenhaus — Clausen, Haus am Markt — Dornau, Killmans. Gangbarste Preislage: 25.— bis 50.—. Aus Einband, Druck, Papier wurde mehr geachtet als früher. 4. Backfischerzählungen, Knabenbücher alten Stils wurden ausfallend wenig gekauft. (Beachte Hinweis aus Jugendbewe gung). Gute Jugendschriften für Jüngere, hauptsächlich die klas sischen, sodann die der Verlage von Schneider — Loewe — Thiene- mann — Franckh — Union und gute Bilderbücher wurden gern gekauft, besonders aus Kreisen der Arbeiter. Hier kommt der Wille des Kunden gar nicht in Frage, sondern der des Bcr- käufers. 5. Diese Frage ist beantwortet durch Titelangabe unter 3. Im allgemeinen wurde ernstere Literatur, die Kops und Seele beanspruchen, »für später» borgemerkt. 6. Was bemerkenswert ist? Der alte Kundenstamm ging verloren. Ersatz ist noch nicht vorhanden, aber meines Erachtens auf dem Wege. Erfreulich ist, daß heute mehr Bücherkäufer im Arbeitsrock kommen; feine Charakterköpfe sind darunter, die recht ernste, schwere Literatur (im Gegensatz zu 5) kauften und auch ihre Jugend mit guten Büchern bedachten. — Das Lesebedürfnis der »neuen Reichen« ist recht schwach Und füllt die Lücken im Ab satz nicht aus. In der Jugendbewegung sehe ich die Schrittmacher für eine neue deutsche Buchkultur. Diese Jugend ist gut beraten, hat Sinn für das Schöne; was sie kaust, ist gut und wertvoll; das Streben dieser stürmenden, auswärtsstrebenden Jugend, das Herz voller Ideale, wirkt befruchtend, nicht nur in ihren Krei sen, ihr Einfluß zieht große Kreise und wirkte sogar auf die Eltern, was nicht zu verachten ist. Ich habe mancherlei mit Freu den feststellen können. Bemerkenswert mag auch Folgendes sein: Ich lege vor Weihnachten auf Tischen, allen Kunden zugängig, die Bücher in großen Stapeln auf, je 10—30 Stück, die ich vorzugs weise vertreibe. Die Neuheiten (teuere Bücher über -A 25.—) und die guten älteren (unter ^ 25.— bis 3.—) habe Ich getrennt. Dieselben Bücher liegen mit Preisen im Fen ster. Durch Plakate mache ich besonders auf die billigen Bücher aufmerksam. Das Publikum bedient sich meist selbst, wählt selbst, und zwar unter den ausgelegten Büchern. Der Absatz der billigen Bücher war auffallend gering. Also ist die Annahme, der hohe Preis der Bücher sei ein Hindernis, nicht zutreffend. — Wohltuend wirkten die Aufklärungen über das preiswerte Buch (Skizzen v. Ernst, Molo u. a.) in der Tagespresse. Zu Ausein andersetzungen kam es nur vereinzelt. In solchen Fällen for dere ich nur Gerechtigkeit; gerecht ist, wenn der Kunde bei Beurteilung der Bücherpreise denselben Zuschlag in Rechnung stellt, den er auf jede andere Ware, die er täglich kaust, bezahlt. Stetige Antwort: Schweigen. Übel bemerkbar macht sich die Bücherbeschasfung in hiesigen Beamtenkreisen, die anfänglich auf Fachliteratur sich beschränkte, heute aber alles, auch Unterhaltungsschriften, Zeitschriften um faßt, und die obendrein I0?Z unter Ladenpreis geliefert werden. Die liefernde Handlung konnte nicht festgestellt werden.
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