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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 15.10.1921
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- 1921-10-15
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- 15.10.1921
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X- 242, 15. Oktober 1921. Redaktioneller Teil. vörsenriatt f. d. Dtschn. Buchhandel. wie das der Vergangenheit an uns richtet. Er kann wirken, daß der Geist der Männer und Frauen, die ihn erquickt haben, auch andere erquicke und in ihnen lebendig werde, indem er leise da und dort Fäden ankniipft: diese Fäden lausen ja zumeist über bedrucktes Pa pier. Das ist nicht nur Träger der Gedanken jener, ihrer An schauung von Welt und Lsben, sondern es vermittelt sie auch und übt so mit oder ohne Willen des Schöpfers Wirkungen auf die Weltan schauung und damit auf die Lebensgestaltnng der Mitmenschen wie der Nachwelt tatsächlich aus; denn Gedanken find ja die Erreger von Handlungen. Gerade der Buchhändler kann also der Betätigen des Geistes der Großen werden in der Gegenwart. Ist es ein erhebendes Gefühl, Mitvollstrecker ernster Testamente zu sein, so kann der Buch händler des stolzen »Ich dien'« am meisten genießen. Wenn er sich vor Augen hält, daß Geist auch in schlichtester Hülle, an rechter Stelle recht zugeleitel, gestaltend wieser befruchten kann weit über eigenes Erkennen hinaus, wird er seines Handelns Werts und damit auch seines eigenen sich kräftiger bewußt werden: nicht zuletzt ist er der Verwalter dessen, was uns als das Edelste erscheint, der Schatzmeister unserer Reichsten, der Beauftragte unserer Größten, der Vermittler der Vergangenheit an die Zukunft. Was er geborgen hat als Frucht, davon genießen seine Mitmenschen und die kommenden Generationen, daß es Fleisch und Blut werde in ihnen, davon streuen sie aus als Saat. Fehlte der Buchhändler, die Ernte könnte nicht weiter fruchten. Nütze der Buchhändler seine Macht, nütze er sie zwiefach durch sein Bermittleramt: Dort, woher er nimmt, dort, wohin er gibt! Sei er im besten Sinne »modern«, nicht in dem jener Fanatiker, die mit stolzem Mute die wahren Gattungen übersehen: »gut« und »schlecht«, jener Flachköpfe, über die sich Grillparzer lustig macht mit den Worten: »Romantisch, klassisch und modern Scheint schon ein Urteil diesen Herrn«, sondern insofern, als er stets eingedenk sei, daß das »Moderne«, will sagen, das heute Lebende und Wirksame sich keineswegs mit dem Schaffen der letzten zehn Jahre deckt, daß sich vielmehr das lebendige Schrifttum unserer Zeit nicht weniger aus dem Erbe der hervorragen den Epochen der Vergangenheit als aus den Leistungen der Gegenwart zusammensetzt. Das Entscheidende ist die innere Wahrhaftigkeit des Künstlers, die ihm sein Werk eingegeben hat. Kein Zugeständnis an einen bestimmten Zeitgeschmack wird jemals ein Werk am Leben erhalten können, das nicht mit der innersten Persönlichkeit seines Schöpfers zu uns redet. Gestaltet der Künstler dagegen wirklich empfundenes Leben, läßt er in seiner Kunst das Ideal seiner Zeit, ihre Vor stellungen von der Schönheit der Natur, des Menschen und seines Daseins Gestalt gewinnen, dann ist cs wahrhaftig gleichgültig, welcher Richtung sich ein solches Werk zuneigt. Wir sollten uns vor allem Wahren und Lebendigen ehrfurchtsvoll verneigen, sei es vor 200 Jah ren oder gestern erst geschaffen worden, so wie wir das Unwahre und Unechte unbeachtet lassen müßten, einerlei, ob cs sich in der Perrücke unserer Voreltern oder mit der allerneuestcn Jakobinermütze auf dem Kopfe uns vorstellt. Ohne die Gestalten des Achilleus und Sieg fried wäre uns das Wesen des Helden verschlossen, vermöchten wir einen Bismarck nicht zu verstehen. Das Dunkel dämonischer, nach Erkenntnis ringender Seelen hat erst der »Faust« für uns erhellt. »Hamlet«, »Richard III.«, »Macbeth« haben ganze Menschenklassen für uns neu entdeckt. Vor 140 Jahren sahen die Menschen eine Seite ihres Wesens, die sie mit unbehaglicher Dumpfheit ahnten und emp fanden, durch den »Werther« mit einem Schlage klar wie in einem reinen Spiegel vor sich hingestcllt. Und heute vermag der, der Dickens kennt, eine große Zahl von Typen und Erscheinungen des modernen Lebens mühelos und schnell zu verstehen. In unserer großen Literatur — das müssen wir endlich erkennen — gibt es keine Vergangenheit und Zukunft, sondern nur die eine schöne, edle Gegen wart, in der sich die Großen, Wahren und ewig Lebendigen friedlich die Hand reichen. Aufgabe des idealen Buchhändlers muß es sein, für diese Erkenntnis dem Herrn Public» mit seinen tausend Köpfen un>d Köpfchen gegenüber einzutreten. Sein durch stetes und enges Zusammenleben mit den Geistesfchätzen der Menschheit gereiftes Verständnis, sein vor ihren Werken geschärfter Blick muß ihm hierbei der zuverlässigste Ratgeber sein: Auge und Herz müssen empfänglich sein für alles, was in der Literatur nach Leben ringt; so wird er befähigt sein, durch das Dornengestrüpp der Massenproduk tion hindurch denen, die bewußt oder unbewußt seiner Leitung sich anvertranen, den Weg zu weisen zu den blühenden Gärten unseres Schrifttums und dem einzelnen Literaturfreunde ein willkommener Helfer zu sein bei der Zusammenstellung oder dem Ausbau seiner Privatbücherei. Dabei ist cs nicht erforderlich, die Richtung einer persönlichen Neigung beeinflussen zu wollen; als gewissenhafter Be rater soll er vielmehr nur erweiternd in diesem, beschränkend in jenem Falle eingreifen, wenn er erkennt, daß der noch unerfahrene oder irregeleitete Käufer einen Fehlwcg zu betreten im Begriff steht. Glücklicherweise ist auch in der Gegenwart der Buchhändler nicht selten, der neben einer gediegenen Charakterbildung über eine tiefe, zuverlässige Bildung des Geistes verfügt, der geschätzt wird von allen, die er mit seinem Wissen befruchtet, die seiner Rede unbedingt glau ben. Im deutschen Buchhandel ist der Idealismus, der die deutsche Arbeit so hoch brachte, noch nicht durch nackten Egoismus verdrängt. Der deutsche Buchhändler, der seine Arbeit nicht rein mechanisch erledigt, sondern dem seine Tätigkeit ein innerstes Be dürfnis ist, gehört zu den besten Erziehern nnseresVolkes! Wir wissen durch Goethe und Schiller und durch die Meister der deutschen Musik von Bach bis Schubert, welch göttliche Welt unter kleinlichen, ja kläglichen Verhältnissen die Deutschen zur Wirklichkeit zu machen vermochten. Sollte das nicht auch heute gelingen? Trage der deutsche Buchhandel dazu bei! Erfülle sich jeder Buch händler mit dem Bewußtsein der Bedeutung, der Würde, aber auch der Verantwortung seines Berufs! So dient er nicht nur sich selbst, sondern der deutschen Kultur und dem deutschen Geiste! Allgemeiner Deutscher Buchhandlungsgehilfen-Verband zu Leipzig. Hauptversammlung am 8. und 9. Oktober in Leipzig. Der Allgemeine Deutsche Buchhandlungsgehilsen-Verband (Fach gruppe Buchhandel im D.H.V.1 hielt am 8. und 9. Oktober 1921 seine 38. ord. Hauptversammlung im Buchhändlerhaus zu Leipzig ab. Die Versammlung war namentlich von den auswärtigen Vertrauensmännern stark besucht. Der erste Vorsitzende des Verbandes, Herr Richard Hintzschc, begrüßte die Erschienenen, darunter als Vertreter der Verwaltung des Deutschnattonalen Handlungsgehilfen-Verbandes Herrn Herrn. Miltzow. Der Verband hatte sich bet seiner diesmaligen Tagung mit rein geschäftlichen Angelegenheiten zu befassen, um so mehr lag aber Verhandlnngsstoss für die Hilsskasseu des Verbandes vor. Der gedruckte Jahresbericht des Vorstandes über die Geschäftsjahre 1919 und 192V wurde vorgelesen und dann der Bericht des Geschäfts führers entgegeugenommcn. Die gedruckt vorliegenden Jahresabschlüsse wurden zur Kenntnis gebracht, und die Entlastung des Vorstandes ein stimmig ausgesprochen. Eine Reihe von Wünsche» und Anregungen von den Vertrauensmännern wurde dem Vorstand zur weiteren Behand lung überwiesen. Die vom Wahlausschuß vorbereiteten Wahlen zum Vorstand und den Ausschüssen gingen glatt vor sich, der Vorsitzende ge dachte dabei in anerkennenden Worten des nach 27sährigcr Tätigkeit aus dem Vorstände ausscheidendcn Herrn Nich. Hohlseld. Als nächster Tagungsort wurde einstimmig Berlin gewählt. Zu den Hilfskasscn- Hauptversaininlungen lagen eine Anzahl Anträge vor, die erhebliche Veränderungen, vor allem in der Ausdehnung der Leistungen, herbei- fllhren sollten. Als Sachverständiger nahm Herr Direktor Riedel an den Sitzungen teil. Ein Antrag aus Auflösung der Krankengeld zuschußkasse fand nicht die Dreiviertelmehrheit aller Mitglieder und wurde deshalb nicht angenommen. Eine Trennung der bisherigen Kranken- und Begräbniskasse in eine Krankenkasse und eine Bcgräbnis- kasse fand allscitige Zustimmung. Die Beiträge und Leistungen der Krankenkasse wurden verdoppelt. Die Höchstgrenze des Versicherungs betrages In der Begräbniskasse wurde von 1VVV .11 auf 1VVV9 .11, dazu die alten Leistnngssätze um 502 .71 erhöht. Der Beitrag für jeden Anteil beträgt jetzt vierteljährlich 3 .71, bisher 1.25 .11. In der Witwenkassc des Verbandes wurden Beiträge und Leistungen verdop pelt, dazu die Erhebung eines Zuschlages zur Erhöhung der laufende» Renten einstimmig beschlossen. Dieser letzte Beschluß ist besonders zu begrüßen,' es wird dadurch der großen Notlage der Witwen und Waisen wenigstens etwas gesteuert. Kür die Jnvalidenkasse sind ähnliche Be schlüsse gesaßt, dort werden Beiträge und Leistungen verdreifacht, außer dem wird ein Zuschlag erhoben, nach dem die lausenden Renten vervier facht werden sollen. Diesen alten, nicht mehr arbeitsfähigen Berufskol legen zu Helsen und für sie ein Opfer zu bringen, war ein einmütiger Wunsch der Versammlung. Alle Änderungen sollen mit dem 1. Januar 1922 in Kraft treten. Über der ganzen Tagung lag der feste Wille, den Verband zu einer wirklich leistungssähigcn Organisation zu machen. Die Beratungen waren auch von einer Einmütigkeit beseelt, die zu den besten Hoffnungen berechtigte. Der Tagung des Verbandes schloß sich an die 9. Hauptversammlung der K r a n k e n k a s s e D e u t s ch c r B u ch h a n d l u n g S g e h t l f c n, Ersatzkassc, zu Leipzig. Auch aus dem Jahresbericht dieser Kasse ist ein Aufschwung zu ersehen. Trotzdem will mau weitere Kreise heran zuziehen versuchen, um dadurch die Kasse noch leistungsfähiger zu machen. Der Verband vertritt heute über KSVÜ Buchhandlungsgehilfen, die Krankenkasse Deutscher Buchhandlungsgehilfen, Ersatzkasse, zählt rund 1590 Mitglieder, daneben etwa 490 Kamilienversichcrunge». 1529
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