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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 14.09.1921
- Strukturtyp
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- 1921-09-14
- Erscheinungsdatum
- 14.09.1921
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- Deutsch
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Redaktioneller Teil. 215, 14. September 1821. DieNormungsclemenle der Farbstoffe sind nun naheliegenderweise durchaus an die Bedingungen geknüpft, wie sie in den einzelnen Techniken, Gewerben und Industrien be stehen. Man wird hier von vornherein des Guten nicht zuviel tun dürfen, um nicht die sarbstofserzeugenden Kreise abzuschrck- ken und mit ihnen Gegner der Normungsarbeit zu erziehen. Aus dieser Erwägung heraus hat sich der Normenausschuß für das graphische Gewerbe zunächst daraus beschränkt, die Lichtecht- heitderDrucksarbenzu normen, d. h. für die Lichtechthcit jedes Farbstoffes einen Gradwcrt anzugeben, ferner die Deck - sähigkeit der Druckfarben gleichfalls zu normieren. Scheinen diese Fragen nun in erster Linie den Drucker anzu gehen, so ergibt doch bereits einiges überlegen, daß der Verleger als Drucksachenverbraucher und der Sortimenter als Aussteller und Verkäufer von Gedrucktem in gleichem Matze an diesem Problem interessiert find, wie später noch ausgeführt werden soll. Aus dem Gesagten ergibt sich aber allgemein, daß vieles, was bisher als Mangel beim Gebrauch von Farbstoffen oder bei der Beurteilung von Farben empfunden wurde, durch eine geeignete Normung beseitigt werden kann. Ein streng begrenztes Norme nsyst cm der Farben einerseits, das mit einer erheblichen Beschränkung der Zahl der Farben eine ebenso klare wie ausreichende Bezeichnung verbindet, dazu andererseits eine Normung der Lichtechtheit und anderer Eigenschaften der Farbstoffe, wie sie den einzelnen Vcr- brauchsgruppen wünschenswert erscheint, stellt einen in seiner Bedeutung nicht zu unterschätzenden Fortschritt dar. Zu diesen Überlegungen ist man bereits früher gelangt, und aus diesem Grunde hat man verschiedentlich versucht, Farben bücher anzulegen, über deren Vorzüge und Mängel hier kein Werturteil abgegeben werden soll. Es war naheliegend, eine Art Ur- oder Normalfarbenbuch für den internationalen Gebrauch zu schassen, ähnlich wie dies mit dem Urmaß des Meters von Lenoir geschehen war. Die Schwierigkeiten, die Aufstriche, Aufdrucke oder Färbungen auf Jahrzehnte hinaus unverändert zu erhalten, würden zwar durch Aufbewahrung in einem luft leeren und zugleich lichtabgeschlossenen Behälter vermindert, aber nicht behoben sein, weil es sich, wenn die ganze Einrichtung über haupt praktischen Wert haben sollte, nicht umgehen ließe, datz man von Zeit zu Zeit dieses Normalfarbenbuch zu Vergleichs- Zwecken dem Licht, der Lust und damit zerstörenden Einflüssen aussetzte. Mit seinem »Farbenatlas« hat Ostwald versucht, solch ein Normalfarbenbuch in einer kleinen Auslage herzustellen, und er hat damit die erste in sich abgeschlossene und auch tatsächlich zu Ende geführte Arbeit geleistet. Die wissenschaftliche Grundlage seines Systems besieht bekanntlich darin, datz die 100 Farben seines wissenschaftlich genauen Farbtonlreises auf eine unver änderliche Erscheinung, nämlich aus das Spektrum des Sonnen lichts zurückgeführt sind. Die meisten der Farbtöne seines lOOteili- gen Farbenkreises (mit Ausnahme der zwischen Rot 25 und Vio- lett 45 liegenden Purpurfarben und Rotviolett, die im Spektrum nicht vorhanden sind) lassen sich durch Angabe der Wellenlängen kennzeichnen. So etwa UBlau 50 durch Wellenlänge 440, Rot 25 durch Wellenlänge 700, Gelb 06 durch Wellenlänge 580 (Mil lionstel mm). So ist es tatsächlich möglich, beispielsweise nach Australien zu telegraphieren, man solle etwa Wolle mit einem Not särben, das dem Spektralrot von 700 Millionstel mm entspricht. Und mit Hilfe eines Spektralapparates läßt sich bekanntlich durch geeignete Maßnahmen jener Punkt im Spektrum genau festlegen, der die geforderte Wellenlänge besitzt und damit das gewünschte Rot zeigt. Der Vergleich dieses von den Nachbarfarben zu iso lierenden Rot mit entsprechenden Farbstrichen oder Probefärbun gen würde eine absolut sichere Ermittlung des gewünschten Farb tons ermöglichen und die Benutzung eines einzusendenden Farb musters unnötig machen. Und wie sich auf diese Weife heute eine ganz bestimmte Farbe ermitteln läßt, so auch in 50 Jahren oder später. Also auch dann würde ein Farbstrich durchaus entbehr lich fein. Führt man also dieses System Ostwald, dessen Be deutung vielfach aus Unkenntnis unterschätzt wird, allgemein ein, so ist damit tatsächlich die Farbe auf die sicherste Weise genormt, und da grundsätzlich keine Ursarbenstriche benötigt werden (wenn schon sie aus praktischen Gründen von Vorteil sind), so ist die 138 8 j Farbe von den durch Raum und Zeit bedingten Veränderungen ^ unabhängig. Für den Gebrauch in der Praxis sind natürlich allgemein verwendbare Normfarbenblätter unentbehrlich. Diese müßten allerdings von einer bestimmten Stelle aus Vertrieben, in der Herstellung überwacht und durch Eichungszeichen beurkun det werden. Die Anfertigung solcher Normsarbenblätter ist be reits in die Wege geleitet. Die verschiedenartigen Bedingungen, unter denen die Farben in den einzelnen Industrien zur Ver wendung gelangen, machen nun freilich die Schaffung von Normfarbenblättern in Form von Papier-, Stoff- oder Holzfärbungen, Aufstrichen oder Aufdrucken für die einzelnen Industrien nötig. Und da nicht alle auf einem solchen Normfarbenblatte gezeigten Farben lichtecht sind, so müßten diese Blätter vor längerer Be lichtung oder vor Temperatureinflüssen durch entsprechende Schutzhüllen geschützt werden. Es steht zu erwarten, datz in we nigen Monaten Normfarbenblätter dieser Art zur Verfügung stehen werden. Die Frage ist nun, inwieweit Verleger und Sortimenter an der Normung der Farben interessiert sind. Es sei da nur an die Mitzstönde und Unbequemlichkeiten erinnert, die sich bemerkbar machen, wenn man sich veranlaßt sieht, eine gewünschte Druck farbe möglichst genau zu bestimmen oder sich an Hand von Farb mustern durch ungezählte Farbtonbezeichnungen mit zum Teil selt samsten Phantasienamen hindurchzuarbeiten. Wie einsach und zeitsparend würde hier ein allgemein eingeführtes Farbnormen- system wirken! Oder ein anderes Beispiel: In der Druckerei ik wurde ein bestimmtes Grün -Viktoria-Grün- genannt. Der Ver leger sah sich später veranlaßt, die neue Auflage der Drucksache in einer anderen Druckerei drucken zu lassen und ist höchlichst er staunt, daß dort eine ganz andere Farbe verwendet wurde, als das Von ihm gewünschte »Viktoria-Grü»--. Und dennoch darf er dem Drucker keinen Vorwurf machen, denn dieser hatte eben seine Farbe von einer anderen Firma bezogen, und es bestanden bis- lang noch keinerlei bindende Abmachungen zwischen den Farben fabriken, unter der nämlichen Bezeichnung auch ein und dieselbe Farbe zu bringen. Auch das würde also in Zukunft wegfallen. Oder man denke an die Ärgernisse, die infolge des Verschießens eines Einbandes entstehen können. Wäre es nicht ideal, wenn, wie dies angestrebt wird, für jeden Farbstoff, jedes gefärbte Pa- Pier, jeden gefärbten Einbandstosf der Grad der Lichtbeständtgkeit irgendwie beigegeben sein mutz? Würde der Verleger, der ein bestimmtes Werk vornehmlich für die Auslage im Schaufenster be stimmt hat, nicht sich allein, sondern all die Sortimenter vor Ärgernissen und Schäden bewahren, wenn er bei Herstellung seines Verlagswerkes einen Einbandstofs mit Lichtbeständigkcit 1 for derte? Würden Streitigkeiten nicht ungemein leicht zu beseitigen sein, wenn die Normung jenes Gebiet bereits erfaßt hätte? Man steht also, von welcher Bedeutung eine Normung der Farben für weite Kreise des Buchgewerbes sein wird, und es wäre wünschenswert, wenn diese Einsicht alle interessierten Kreise veranlatzte, dieser Bewegung auf jede Weise förderlich zu sein, und wenn diese Mitarbeit auch nur in einer sachlichen und damit unter Umständen produktiven Kritik bestände. Fünfundzwanzig Jahre Eugen Diederichs Verlag. Jena. Zum 14. September. Von Hanno Martin Elster. Eine Persönlichkeit wie die Eugen Diederichs', ein Verlag wie der Eugen Diedcrichschc beweisen, dasz die Verlegcrtätigkeit nicht jeder anderen geschäftlichen Wirksamkeit gleichsteht. Schöpferische Kultur arbeit wird geleistet. Diese schöpferische Kulturarbeit ist um so wir kungsvoller in ihrer Zeit, unter ihrem Volke, je fester sie geschäftlich basiert wird. Aber die finanzielle Grundlage allein genügt nicht: das grösste Kapital wird in kultureller Richtung nutzlos vertan, wenn sich innerhalb der Vcrlagstätigkeit nicht ein geistiger, schöpferischer, von Verantwortung erfüllter Vcrlegerwille daznfindet. Ist dieser vor- bandcn, so kann selbst der kapitalistische Teil nur gering sein: der knl- turschöpferische Wille ringt sich durch. Auch aus Unklarheiten heraus.
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