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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 10.05.1921
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- 1921-05-10
- Erscheinungsdatum
- 10.05.1921
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Redaktioneller Teil. 107, 10. Mai 1821. anrechnungsfähige Entgelte (Löhne) 74 898 500.— gezahlte Entschädigungen (Unfalllast) 99 919.54 Es fallen also auf 1000 .kl Lohn an Ent schädigungen 1.33 Die Unfalllast von .kl 1.33 pro 1000 ^l in der Gruppe »Buch handlungen« gezahlten Lohnes wäre nun in dem Gefahrtarife entsprechend zu verwerten. Der Gefahrtarif zeigt die Buchhand lungen unter Gefahrziffer 2,5 (Gefahrklasse 2,5). Hat man aber ^ 1.33 Belastung gleich Gefahrziffer 2,5 ein gesetzt, so muß bei gerechter Handhabung der Gefahrtari- sterung die konsequente Folge die sein, daß eine andere Gruppe der Lagerei-Berufsgenossenschaft im gleichen Verhältnis einge setzt wird. Wo also die Belastung mit Unfallentschädigungen auf 1000 ^ Lohn ^l 13.30, also das Zehnfache ist, da müßte auch das Zehn fache an Gefahrziffern, also 25 vorliegen. Und die Frage, um die es sich hier also handelt, findet also in dem Grade der Be- folgung oder Nichtbefolgung dieses Grundsatzes ihre Antwort. Leider kann nun nicht gesagt werden, daß der Grundsatz befolgt ist. So finden wir in den gleichen Unterlagen der Lagerei- Berufsgenossenschaft z. B. die Gruppe der Speichereien, Pack höfe usw. mit folgenden Zahlen vertreten: Anrechnungssähige Entgelte (Löhne) ^l 183 617 250.— Unfalllast .kl 2 468 637.95 Unfalllast auf 1000 ^l Lohn ^ 13.44 Ferner die Gruppe Stauereien, Schauereien und Schiffstaklcr: Anrechnungssähige Entgelte (Löhne) 179 501220.— Unfalllast ^l 8 008 714.22 Unfalllast auf 1000 ^ ^ 44.6A Im Falle der «rsteren Gruppe der Speichereien, Packhöfe usw. müßte also, weil die Belastung pro 1000 .kl Lohn mit Unsall- cntschädigungen rund zehnmal höher ist, die Gefahrziffer 25 be tragen, im letzteren Falle, der eine rund 33mal stärkere Unfall- belastung als die der Buchhandlungen aufweist, auch eine 33mal größere Gefahrziffcr, also 82,5, eingesetzt worden sein. Tat sächlich beträgt aber bei der Lagerei-Berufsgenossenschaft die Gefahrziffer der Speichereien, Packhöfe usw. 19 statt 25, und der Stauereien, Schauereien und Takeleien 32 statt 82,5. Gegenüber den Buchhandlungen in der Lagerei-Berufsgenossen- schaft sind also die beiden Gruppen viel zu gering belastet — oder wenn wir den Spieß umdrehen und von beiden Gruppen ausgehen: derBuchhandel ist viel zu hoch belastet. In der Praxis läuft aber das eine wie das andere darauf hin aus, daß der Buchhandel, weil die Beitragseinheiten an Hand der Olefahrziffern errechnet werden, weit mehr, als berechtigterweise gefordert werden kann, an Unfalllast aufbringen muß, während umgekehrt die beiden ihm gegenüberstehenden Gruppen, denen wir aus den Unterlagen der Lagerei-Berufsgenossenschaft noch andere anreihen könnten, zu Unrecht entsprechend günstiger abschneiden. Mit anderen Worten gesagt, mutz der Buch handel neben seiner eigenen Unfalllast auch noch einen erheblichen Teil der Unfalllast an derer mit ihm in der Lagerei-Berufsgenossen schaft vereinigter Gruppen tragen. Und diese ungerechte Belastung ist um so stärker, je mäch tiger die begünstigten Gruppen sind und je größer die Mehrlast ist, die durch dieneue Ge setzes-Novelle den Berufsgenossenschaften aufc rlegt ist. Es ergibt sich daraus die Folgerung, daß der Buchhandel neben dem grundsätzlichen Anlaß noch einen besonderen Kat, in den Kreis jener einzutreten, die eine dem Geiste der Gefahr- tarifierungs-Vorschriften der Reichsversicherungsordnung ge recht werdende Gefahrtarifierung an streben, insbesondere auch späterhin bei der in Aussicht stehenden Reform der Reichsversicherungsord- nung in besonderen Sicherungen gewährleistet sehen wollen. Deutsche Buchhändler in Ungarn. Von Maurus Johannes Reoay'). In den siinsziger Jahren des vorigen Jahrhunderts hielten deutsche Buchhändler Ungarn sür ein gutes Terrain in bezug aus Vertrieb und Verlag. Wir finden unter denen, die sich damals in Ungarn niedergelas sen haben, Namen, die später in Deutschland große Bedeutung erlangten, so: Geibel, Wigand, Hartleben, Verschiedene in Ungarn be stehende Buchhandlungen sind von Deutschen gegründet worden. Nicht alle sind in Ungarn geblieben, manche wieder nach Deutschland hinaus gezogen. Unter dem Einflüsse des deutschen Buchhandels und seiner großartigen Organisation haben sich dann viele ungarische Firmen ent wickelt: Stampfet, Aigner, Rath, Kilian, Dobrowsky L Franke, Bial L Freund, Aufrecht L Goldschmied und andere. WilhclmLausser kam anfangs der siinsziger Jahre aus Deutsch land nach Ungarn und trat bei der Firma Geibel in Budapest als Ge hilfe ein. Später lernte er Karl Stolp kennen und erössnete mit ihm im Jahre 1854 unter der Firma Lausser L Stolp eine Buchhand lung. Das Kapital stellte Stolp bei, denn Lausser war vollständig mit tellos. Die größere geistige Kraft war aber anscheinend Lausser, denn als die beiden Gesellschafter sich miteinander nicht vertrugen, war doch der Geldgeber Stolp derjenige, den Lauster ausschiffen konnte. Doch auch mit seinem Bruder Theodor, mit dem er dann das Geschäft unter der Firma Gebrüder Lausser weitersiihrte, harmonierte er nicht, das Gescllschaftsvcrhältnis dauerte nur ein Jahr, Theodor trat aus und gründete eine noch heute bestehende Leihbibliothek, und die Brüder ver kehrten volle 30 Jahre gar nicht miteinander. Ganz klein begann Wil helm Lauster seine Tätigkeit als Verleger, indem er zunächst nur prak tische Bücher hcrausgab, so die in deutscher Sprache verfaßte ungarische Grammatik von Samarjay und die deutsche Sprachlehre von Bauer. Kein einziges ungarisches Vcrlagswerk hat später jemals den Erfolg dieser Bücher erreicht; sie brachten es in kurzer Zeit auf mehr als 100 Auslagen. Er gab später das Sortiment aus und widmete sich ganz dem Verlage. Neben Lehrbüchern und Jugendschriftcn vernachlässigte er auch die Belletristik nicht, unter anderen gab er Casanovas Memoi ren in 22 Bänden sowie die großen Romane von Dumas und Sue heraus. Mit richtigem Empsindcn erkannte er, daß sich in den sechziger Jahren das Interesse des ungarischen Publikums hauptsächlich der histo rischen Literatur znwandtc, und auch aus diesem Gebiete hat er eine erfolgreiche Tätigkeit entsaftet. Außer ungarischer Literatur verlegte er auch deutsche, ja sogar auch slowakische Bücher. Wenn wir seinen nachträglich im Jahre 1888 herausgegebenen Verlagskatalog von 80 Sei ten durchsetzen, finden wir ungefähr 1500 Werke verzeichnet, allerdings sind auch Kommissionsartikel in großer Zahl vertreten. Lausser hat nie Ungarisch gelernt, alle seine Rundschreiben, seine Verträge waren i» deutscher Sprache abgefaßt, er verlangte von allen seinen Geschäftsfreunden, daß sie deutsch mit ihm korrespondierten, da bei war er aber stolz darauf, daß ihm der König von Ungarn das Goldene Verdienstkreuz mit der Krone verliehen hatte, und in jedem seiner Kataloge war diese Auszeichnung neben den Ausstellungsmedail len besonders vermerkt. Wenn man jetzt bei der Liquidation des Welt krieges Ungarns tausendjähriges Leben vernichten will und als Haupt- bewcggrund gegen dieses Land seinen angeblichen Chauvinismus, seine Unduldsamkeit gegen die Nationalitäten, seine Intoleranz gegen Anders sprachige, sein gewalttätiges Magyaristeren mit Feuer und Schwert an- siihrt, dann sollte man sich füglich auf den Kall Lauster bcrnsen und fragen, ob cs in den sünf Weltteilen ein einziges Land gibt, in dem es möglich wäre, daß jemand in solcher Lage, als Herausgeber von Werken der Nationallitcratur, sich nicht einmal die allerprimitivsten Elemente der Sprache der Nation angeeignet hat. Und es würde sich empfehlen, daraus hinzuweisen, daß alle die namhaften ungarischen Schriftsteller der nationalen Wiedergeburt in den sechziger und siebziger Jahren mit dem deutschen Verleger in seiner Muttersprache korrespondierten und Ver träge schlossen. Nur ein einziger machte eine Ausnahme, das war aber wirklich einer von den ganz Großen: Kranz Denk. Im Jahre 1883 schrieb er der Firma Lausser in Angelegenheit der Herausgabe der Werke Vörösmartys einen ungarischen Brief. Neun Jahre später ge langte wieder ein ungarischer Brief an diese Firma, doch aus dem ein fachen Grunde, weil der Betreffende nicht deutsch schreiben konnte. Es war der Kecskemöter Buchdruckereibesitzer Karl Szilädy. Er schrieb an Lauster: »Ich beherrsche die deutsche Sprache nicht so weit, um in ihr ohne besondere Mühe und Zeitverlust korrespondieren zu können; ein fehlerhaftes Manuskript aber, über das Sie lächeln müßten, gebe ich nicht aus der Hand. Aus diesem einfachen Grunde gibt es nur ein Mit tel für unseren Briefwechsel: Sie bedienen sich gefälligst auch weiter der deutschen Sprache, die ich gut verstehe, doch der gewiß gerechten G-gen- «70 Ans seinem Buche »Schriftsteller, Bücher, Verleger«.
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