Suche löschen...
Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 02.05.1921
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1921-05-02
- Erscheinungsdatum
- 02.05.1921
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- LDP: Zeitungen
- Zeitungen
- Saxonica
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id39946221X-19210502
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id39946221X-192105026
- OAI-Identifier
- oai:de:slub-dresden:db:id-39946221X-19210502
- Nutzungshinweis
- Freier Zugang - Rechte vorbehalten 1.0
- Lizenz-/Rechtehinweis
- Urheberrechtsschutz 1.0
Inhaltsverzeichnis
- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Jahr1921
- Monat1921-05
- Tag1921-05-02
- Monat1921-05
- Jahr1921
- Links
-
Downloads
- PDF herunterladen
- Einzelseite als Bild herunterladen (JPG)
-
Volltext Seite (XML)
Redaktioneller Teil. X- 10k, 2. Mai 1921. Es ist ein trauriges Kapitel dieser Epoche, es zeigt, wohin man gelangt, wenn Unberufene, Unwissenheit und rohe Kraft zur Herrschaft kommen. Als ich, wie so viele andere in jenen Monaten, zeitweise auf eine rein vegetative Lebensweise ange wiesen war und daher die Mithilfe physischer Kraft in Anspruch nehmen mußte, berieten diese sogenannten »Hilfsarbeiter«, für deren Subsistenz ich die Nacht zum Tage gemacht und zermür bende Arbeit verrichtet hatte, ob sie im Sinne des Kollektiv vertrags zu dieser oder jener Leistung verpflichtet seien. Diese und ähnliche Vorkommnisse haben mich in diesen er regten Tagen um so mehr betrübt, als ich einen meiner Lieb lingspläne gefährdet sah. Es war meine Absicht gewesen, sogar mein fester Entschluß, meinen Anteil am Unternehmen den jenigen zu hinterlassen, die mit mir zusammen gearbeitet und mit dazu beizetragen haben, das Unternehmen auf seine heutige Höhe zu bringen. Auf diese mir einzig zweckdienlich erschei nend« Weise wollte ich unser Unternehmen »sozialisieren«. Bei diesem Bestreben war ich einigermaßen auch von Egoismus ge- leitet, indem ich den Fortbestand des Unternehmens durch die Mithilfe derjenigen sichern wollte, die auch durch ihre eigene Existenz an unsere Anstalt gebunden waren und von denen ich voraussetzen durfte, daß auch seelische Bande sie Weiler mit ihr verknüpften. Damit war es nun aus. Diese furchtbare Enttäuschung deranlaßte mich, mein« früheren Dispositionen zu ändern, ich nahm mein Testament und zerriß es ! Auch meine Sozialisierung war zusammen gebrochen. Diejenigen hatten sie zu Fall ge bracht, für deren Wohl sie bestimmt gewesen w a r. Kleine Mitteilungen. Biichcr zollfrei! — Vorsicht bei Bücherangcboten! — Uns wird ge schrieben: Die Ausführung der Zollvorschriften, durch die das besetzte Gebiet nunmehr betroffen ist, kann »v-esentlich dadurch erleichtert wer ben, baß auf den Postpaketen sowohl wie auf den Begleitadressen der deutliche Vermerk angebracht wird: »Gedruckte Bücher zoll frei!« Es wird dann seitens der französischen Behörden eine ent sprechend raschere Ablieferung dieser so bezeichneten Poststückc gewähr leistet. Ich verdanke diese Kenntnis einer Mitteilung der maßgebenden hiesigen französischen Zollbehörde. Bei dieser Gelegenheit möchte ich nicht unterlassen, die Verlags buchhandlungen im unbesetzten Gebiet darauf hinzuweisen, daß es für die Buchhandlungen im besetzten Gebiet unter Umständen zu großen Unannehmlichkeiten führen kann, wenn sie Prospekte, bzw. Zuschriften erhalten, die nach Auffassung der französischen Dienststellen geeignet sind, Frankreich oder die französische Armee zu verletzen. Sv hat meine Firma in den letzten Tagen zwei direkte Prospektsendungen erhalten, deren eine sich mit dem Verhalten der französischen Kolonialsoldaten befaßt, während die andere in auffälligem blau-weiß-roten Druck die Überschrift enthält: »Franzosen raus«. Es liegt auf der .Hand, daß der Empfänger derartiger Prospekte, die ihm unverlangt ins Haus fliegen, sich großen persönlichen und geschäftlichen Fährnissen ausgesetzt sieht, und ich sehe mich veranlaßt, auch im Interesse aller Kollegen im be setzten Gebiet, auf diese Tatsachen hinzuweisen, damit die Zusendung derartiger Prospekte an Firmen im besetzten Gebiet unterbleibt. Die Durchführung der Jmportabgabc in England. — Die eng lische Association der Händler für Ehemikalien und Farbstoffe hat die englische Zollbehörde gefragt, ob ein englischer Abnehmer auf eine eventuell von deutscher Seite an ihn gestellte Forderung eingehen soll, den Wert der deutschen Waren vor Lieferung bar zu bezahlen. Dabei sei vorausgesetzt, daß der englische Abnehmer seiner seits bereit sei, den Zoll zu tragen und an die englische Staats kasse abzuführen. Die Händler fragten nun, wie hoch der Zoll sei, wenn die Ware z. B. IVO Pfund Sterling koste und sie den deutschen Exporteuren 100 Pfund Sterling bar zahlten. Die Antwort der eng lischen Negierung darauf war: Für jede Ivv Pfund, die ein Importeur an einen Deutschen in bar zahlt, muß er 100 Pfund an die Zollbehörde abführcn. — Die -englische Negierung stellt sich also nicht auf den Standpunkt, daß vom Fakturenwert 50 Prozent Abgabe zu zahlen seien. In diesem Falle würde den englischen Importeur, der den Strafzoll zu tragen sich bereit erklärt, die Ware 150 Pfund Sterling kosten. Die englische Negierung geht vielmehr davon aus, daß der an den deutschen Exporteur in bar abgeführte T^etrag stets nur die Hälfte des Fakturen wertes darstcllen könne und demnach der gleiche Mtrag an das eng lische Schatzamt abgeführt werden müsse, in dem obigen Beispiel also 100 Pfund Sterling. Das ist eine Konsequenz, die sich bei Durchfüh rung der Jmportabgabc vom englischen Standpunkt aus kaum ver meiden ließ. Hätte nämlich die englische Negierung in anderem Sinne entschieden, so würde sie zugestimmt haben, daß der englische Händler oder Konsument die Jmportabgabc trägt. Es blieb ihr also nur übrig, den zweiten Standpunkt eiuzunehmcn. Da die deutsche Negierung sich weigert, die Bons des englischen Schatzamtes zu honorieren, so wird der englische Handel nunmehr vor die Wahl gestellt, die deutsche Ware entweder mit 100 Prozent über ihrem Fakturenpreis zu bezahlen oder auf ihre Einfuhr zu verzichten. Würde der englische Handel sich auch jetzt noch bereit erklären, den Zoll zu tragen, so würde zwar eben falls der englische Handel und Konsum belastet, und zwar doppelt so hoch, als wenn die Entscheidung der englischen Negierung im erstereu Sinne gelautet hätte, und die Jmportabgabc würde in noch größerer Höhe von den Engländern selber getragen. Aber die englische Negie rung hätte doch formell ihr Gesicht gewahrt. (Berliner Tageblatt.) 50-Prozent-Abgabe in Serbien. — Gemäß den Entschließungen der Londoner Konferenz hat die Negierung die Erhebung einer 50prozen- tigen Abgabe auf die deutsche Einfuhr beschlossen. Die Maßnahme ist bereits am 16. April in Kraft getreten. Verlagsansstellung und Autorcn-Vorlesungen. — Die Wundcr- lichsche Buch-Ausstellung in Leipzig, Windmühlenstraße 49. veranstaltet vom 2. bis 20. Mai d. Ji. in ihren Räumen eine Gesamtausstellung des Verlags Erich Neiß-Berlin, zu deren Besichtigung (Ein tritt frei) sie einladet. Um bei dieser Gelegenheit zwei der bedeutend sten Autoren zu Worte kommen zu lassen, wird am 2. Mai 1921, abends ^8 Uhr, Herr Eduard Stucken, sein Drama »Tristram und Asolt« vorlesen, und am 11. Mai 1921, abends >48 Uhr, Fräulein Olga Wojan (Mitglied der Tribüne) aus Klabunds Werken lesen. (Eintritt frei. — Garderobegebühr 1 Mark.) Amerikanische Schenkungen für die Universität Jerusalem. — Die 5000 in New Dort lebenden jüdischen Arzte haben sich im Zusam menhang mit dem Besuche Weizmanns und Einsteins in New Dork zu einem Verein zur Förderung der jüdischen Universität in Jerusalem zusammcnqeschlossen, an dessen Spitze l)r. Nathuow, vr. Hilkwit und vr. Nongy stehen. Auf der ersten Versammlung wurde beschlossen, eine Million Dollar für die Universität Jerusalem aufzubringen. Der Pittsburger Milliardär Nosenblum hat ebenfalls zu Händen Prof. Einsteins eine sehr erhebliche Geldspende für den Ausbau der Jeru salemer Universität überwiesen. Sprechsaar Ohne Verantwortung oer Redaktion; ledoch unterliegen alle Etnsendungev sei Bestimmungen über die Verwaltung des »Ujrsenblatts.s Direkte Bestellungen. Immer und immer wieder kommt man bei eilige» Bestellungen in peinliche Verlegenheit, weil sie statt nach Vorschrift direkt mit Post Über Leipzig expediert werden. Durch die entstehende, zum Teil recht große Verzögerung wird der Besteller ungeduldig, verliert sein Zu trauen zu seinem Buchhändler und verzichtet aus diese und jene Be stellung, die er bei prompter Bedienung aufgeben würde. Der Ausfall solcher Bestellungen bars siir den Verlag keineswegs gering cinge- schätzt werden. Solche Verzögerungen sind aber ganz besonders fatal für Krcmdenorte, die mit einer stets wechselnden Kundschaft rechnen müssen, bei der man sehr oft nicht wissen kann, wie lange sie am Platze bleibt. In vielen Fällen könnte man mit erheblichen Nachbestellungen rechnen, wenn mau sicher wäre, wirklich prompt bedient zu werden. In Leipzig ausliefernde Firmen könnten doch sehr wohl erst beim Kom missionär des Bestellers den Betrag erheben, wenn sie der betreffenden Firma nicht trauen, und dann die Bücher zur direkten Versendung bringen. Andernfalls fordere man die Firma zur sofortigen Einsen dung des Betrages auf, was in vielen Fällen immer noch viel rascher gehen dürste, als wenn die Sache über Leipzig gesandt wird. Für kleine Firmen, die selten Sendung durch Kommissionär erhalten »nd weit von Leipzig sind, ist ein verspätetes Eintreffen doppelt fatal. Das Mißtrauen ist aber in vielen Fällen ganz ungerechtfertigt und scheint mir in dem Maße nur beim Buchhandel vorzukommen, trotz seiner Organisation. Soliden Firmen ist bas aber sehr peinlich, schon des Bestellers wegen, der oft ohne weiteres annimmt, die Firma fei nicht prompt oder nicht leistungsfähig. A r o s a, 23. April 1S21. St. S t r e i f f - M a r t i.
- Aktuelle Seite (TXT)
- METS Datei (XML)
- IIIF Manifest (JSON)
- Doppelseitenansicht
- Vorschaubilder