Suche löschen...
Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 29.09.1927
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1927-09-29
- Erscheinungsdatum
- 29.09.1927
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- LDP: Zeitungen
- Zeitungen
- Saxonica
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id39946221X-19270929
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id39946221X-192709299
- OAI-Identifier
- oai:de:slub-dresden:db:id-39946221X-19270929
- Nutzungshinweis
- Freier Zugang - Rechte vorbehalten 1.0
- Lizenz-/Rechtehinweis
- Urheberrechtsschutz 1.0
Inhaltsverzeichnis
- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Jahr1927
- Monat1927-09
- Tag1927-09-29
- Monat1927-09
- Jahr1927
- Links
-
Downloads
- PDF herunterladen
- Einzelseite als Bild herunterladen (JPG)
-
Volltext Seite (XML)
X- 228, 29, September 1927, Redaktioneller Teil, handsnen Vorräte der geschaffenen Bücher zu wirken«, dem Ver leger eine rationelle Verwertung seiner älteren Bestände sehr erschwert wird, und daß er bei verhältnismäßig leichtem Absatz seiner Neuigkeiten zur ständigen Neuproduktion genötigt ist, weil sein Umsatz sonst innerhalb weniger Monate auf ein Bruchteil herabsinken würde. Dieser einseitige Neuigkeitenvertrieb des Sortiments ist oben bereits als zwangsläufig« Auswirkung des Systcnis der festen Ladenpreise charakterisiert worden. Freilich sind noch andere Faktoren als Ursache für die Aufblähung der Produktion des deutschen Berlages anzusühren. Ich muß hier auf die Lektüre meines Büchleins verweisen, in dem diese inter essanten Zusammenhänge untersucht und auf die Kartellierung zurückgeführt werden. Der außerordentliche geschäftliche Erfolg der beiden bereits mehrfach zitierten Bnchgcmeinfchasten erklärt sich in diesem Zu sammenhänge dadurch, daß es ihnen gelungen ist, über 4 Mil lionen bei ihnen jährlich stattfindender Bücherkäuse auf eine Auswahl von 120 Neuerscheinungen zu konzentrieren. Aus diese Weis« erreichen sie Auflagen von über hunderttausend Exem plaren. Die Verhältnisse werden freilich für den regulären Verlag und insbesondere für die Herstellung und den Vertrieb wissenschaftlicher Literatur immer anders liegen. Trotzdem kann die Wirkung des Systems der festen Ladenpreise in der Richtung einer Steigerung der Herstellungs- und Vertriebskosten des Ver lages schwerlich überschätzt werden. Die Entwicklung der Druck preise, derzufolge die Herstellungskosten geringer Auflagen pro zentual wesentlich schneller gestiegen sind als die der hohen Auflagen, sowie die Verminderung der durchschnittlichen Auf lagenhöhe infolge der Aufblähung der Erscheinnngsziffer und die Steigerung der Händlerrabatte haben die deutschen Bücher- prcise verdoppelt und gleichzeitig den Verdienst des Berlages aus ein unzureichendes Minimum hcrabgedrückt. Erst so wurde der Erfolg der Buchgemeinschaften in seinem vollen Umfange möglich. In meiner Arbeit habe ich versucht, diese Vorgänge rechne risch zu erfassen. Wenn es aber richtig ist, daß die Überproduk tion und die daraus folgende niedrige Auflagonhöhe des ein zelnen Werkes, daß hohe Berwaltungs- und Vertviebsspesen, ungesunde Rabattsätze bei überspitztem Wettbewerb und schließlich hohe Verkaufspreise, daß alle diese Mißstände durch die Kar tellierung gefördert worden sind, dann erscheinen die kleinen Bedenken als ziemlich nebensächlich, welche die Kritik als eine Folge der Umstellung der bisherigen Verbandspolitik vermutet. Auf diesen Artikel hin werden möglicherweise beim Börsen blatt Entgegnungen einlaufen und von diesem veröffentlicht werden. In diesem Falle wäre im Interesse einer fortschreiten den Klärung der Fragen wünschenswert, wenn bei der Ab fassung solcher Artikel nochmals meine Schrift zu Rate gezogen würde. Auf diese Weise könnte vermieden werden, daß Ein wände vorgebracht und Verhältnisse angedontst werden, die dort bereits hinreichend geklärt wurden, Herr vr, Winterhoff wird es verstehen, weyn ich zu seiner vorstehenden Kritik meiner Kritik seines Buches im Börsenblatt vom 4, August hier gleich kurz Stellung nehme. Er hebt ja selbst hervor, daß Kritik der Klärung diene und daß er sie des halb begrüße, und er kann versichert sein, daß ich ihm darin vollkommen zustimme, »daß die Betrachtung nur in einer Atmo sphäre reiner Sachlichkeit für den Buchhandel fruchtbar werden kann«. Erste Voraussetzung »reiner Sachlichkeit« gerade in einer wissenschaftlichen Arbeit scheint mir nun zu sein Vermeidung aller anfechtbaren, übereilten Verallgemeinerungen, Wie steht cs da mit dem Satz gleich am Anfang: »Daß es seit 1890 stetig bergab gegangen ist mit dem deutschen Buchhandel, bestätigt jeder ältere Buchhändler, der diese Zeit in seinem Berufe bewußt miterlebt hat«? Mit Verlaub, lieber Herr vr. Winter hoff, das ist eine — nicht nur im Buchhandel — sehr beliebte, zu allen Zeiten wiederkehrcnde Redewendung, aber keine wissen schaftliche, wirklich ernst zu nehmende Feststellung, Sehr zahl reiche Buchhändler strafen sie durch die wohlverdienten, unbe- 1172 streitbaren Erfolge ihrer Geschäftsführung ohne weiteres Lügen, Selbstverständlich hat der Buchhandel seine Sorgen und Schwä chen. Um ihnen wahrhaft sachlich auf den Grund zu kommen, müssen wir uns aber von allen derartigen Verallgemeinerungen in erster Linie frei halten. Wer unbedacht verallgemeinert, bleibt schwer so vorurteilsfrei, wie es gerade für wissenschaftliche Arbeit unbedingtes Erfordernis ist. Sie schreiben weiter: »Daß ich bei der erst späten Formu lierung alles fortließ, was nicht als Ursache oder Wirkung der ,Krisis im deutschen Buchhandel als Folge seiner Kartellierung' zu begreifen war, ist selbstverständliche Forderung, die der wissen schaftlich Geschulte an jede logisch durchdachte Arbeit zu stellen pslegt. Andere Tendenzen, die hier und dort — wie ich nicht zweifle —'wirksam gewesen sein werden, wird man also in meiner Schrift nicht suchen dürfen«. Damit, lieber Herr !>,, Winterhofs, beweisen Sie selbst schlagend die Berechtigung, ja die Notwendigkeit meiner rein fachlichen Feststellung vom 4, August, daß ihre Darstellung der Dinge einseitig sei und die ganz be wußte Tendenz verfolge, die Krise des Buchhandels nicht an sich, sondern nur als Folge seiner Kartellierung zu zeigen. Eine rein sachliche, unvoreingenommene wissenschaftliche Darstellung eines Sachverhalts darf meines Erachtens niemals »alles fort- lassen, was nicht zum Thema Paßt«, muß vielmehr unbedingt unparteiisch alle erkannten wirksamen Tendenzen berücksich tigen und dann eben das Thema entsprechend formulieren, Mt der Logik des Anfbans steht diese, Forderung wissenschaftlicher Akribie durchaus nicht im Gegensatz; beides gehört im Gegenteil engstens zusammen. Es ist ein grundlegender Unterschied, ob man noch sorgfältiger Erwägung aller Möglichkeiten vor den Augen des Lesers, ihm die Nachprüfung gestattend, sich schließ lich für eine als allein in Frage kommend entscheidet oder ob man von vornherein nur eine einzige anszeigt und, ohne dem Loser eine Nachprüfung zu ermöglichen, behauptet, andere spiel ten keine Rolle, Ich bestreite Ihnen keineswegs die Kartel lierung des Buchhandels als die Quelle alles Übels zu bezeichnen und zu bekämpfen; wenn Sie als Wissenschaftler darin aber die alleinige Erklärung der Krise sehen lassen wollen, so hätten Sie meines Erachtens zugleich zu beweisen, daß irgendwelche maßgeblichen Ursachen sonst nicht vorhanden sind, nnd daß eine andere Erklärung nicht in Frag« kommen kann. Sie stellen dann weiter meine »theoretisierenden Erwägun gen« in Gegensatz zu den Forderungen des praktischen Lebens, »Übersieht man erst den Gang der Entwicklung >d«s deutschen Buchhandels und vermag man deren treibende Kräfte und Ur sachen richtig zu erkennen«, schreiben Sie, »so bedarf es , , . zn einer guten Führung .... nur eines gesunden Menschen verstandes, einigen Mutes und einiger Überzeugungskraft», Darin stimme ich Ihnen restlos zu, lieber Herr Di, Winterhoff, Es kommt aber nur ans das »richtig« erkennen an. Der Gegen satz von Theorie und Praxis spielt dabei gar keine Rolle, Theorie ist ja gerade »erkennen«. Und richtige Theorie und richtige Praxis sind immer einig. Im übrigen sind gerade die Fragen der Mengenpreise und der differenzierten Ladenpreisbesristung im Buchhandel durchaus keine müßigen Erfindungen oder Spie lereien theoretischer Forschung, sondern sehr lebensnahe Forde rungen der Praxis, wie die Verhandlungen in Homburg vor ztvci Jahren und erst jetzt wieder die Erörterungen in Pots dam deutlich gezeigt haben. Allerdings scheinen Sie nicht ganz erkannt zu haben, worauf es dabei eigentlich ankvmmt. Ich komme darauf später noch zurück. Zum rein Methodischen möchte ich hier nur noch bemerken, daß eine wirklich objektive wissen schaftliche Behandlung des ganzen Komplexes meines Erachtens eben auch diese Fragen, zumal sie die Praxis bereits aufgeworfen hat, unbedingt doch mit in den Bereich ihrer Betrachtung ziehen muß und sich am allerwenigsten (als Wissenschaftler!) auf die Ausspielung von Praxis gegen Theorie zurückziehen kann. Sie gehen dann in Ihren obigen Ausführungen noch einmal der Krise des Buchhandels zu Leibe und stellen sehr richtig fest, daß das Wesen der neuzeitlichen Wirtschaftskrisen auf einem Mißverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage beruhe. Das gilt in der Tat auch für den Buchhandel, Die Krise wirkt sich hier auch genau so aus wie sonst in der Wirtschaft und wie Sie
- Aktuelle Seite (TXT)
- METS Datei (XML)
- IIIF Manifest (JSON)
- Doppelseitenansicht
- Vorschaubilder