Suche löschen...
Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 22.04.1921
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1921-04-22
- Erscheinungsdatum
- 22.04.1921
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- LDP: Zeitungen
- Zeitungen
- Saxonica
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id39946221X-19210422
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id39946221X-192104229
- OAI-Identifier
- oai:de:slub-dresden:db:id-39946221X-19210422
- Nutzungshinweis
- Freier Zugang - Rechte vorbehalten 1.0
- Lizenz-/Rechtehinweis
- Urheberrechtsschutz 1.0
Inhaltsverzeichnis
- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Jahr1921
- Monat1921-04
- Tag1921-04-22
- Monat1921-04
- Jahr1921
- Links
-
Downloads
- PDF herunterladen
- Einzelseite als Bild herunterladen (JPG)
-
Volltext Seite (XML)
Slr. S i 7.1» Leipzig, Freitag den 22. April lN21. 88. Jahrgang. Redaktioneller Teil. Wirtschaftsethisches im Buchhandel. Es ist schon mehrfach darauf hingewiesen Worden, in wie verheerender Weise sich das Verhältnis von Geist und Materie namentlich auch auf dem Gebiete des Buchgewerbes umgelehrt hat. Es braucht an dieser Stelle nicht noch einmal darauf hin gedeutet zu werden, in welchem Matze Papier, Porto, Lohn fllr Hilfsarbeiter!, Bindfaden, Leinwand, kurz alles Stoffliche und Dienende Anteil an der Verteuerung des Buches hat. Alles dies, das früher (mit Recht) weit geringer geachtet wurde als die geistige Leistung, belastet jedes einzelne Buch in einer Weise, daß auch dis sonst bewährten Fachkünste nicht mehr ausreichen, durch Höhe der Auslage oder Matern und Stehenlassen des Satzes die gewünschte Verbilligung zu erzielen. Alle diese Immerhin noch geistigen Maßnahmen scheitern einfach an der brutalen Tatsache, datz fllr jeden Druckbogen eben die ent sprechende Materie nötig ist und daß es lein noch so geistiges Mittel gibt, dieses Quantum zu verringern. Kalkuliert man dann das Buch, so kommt man zu dem für jeden Mann der Ethik und der Gerechtigkeit niederschmetternden Ergebnis, datz das Wort darin, also das, um dcssentwillen der arbeitende und denkende Mensch Bücher kaust, am allergeringsten bezahlt und bewertet wird, während die rein äußerlichen, mechanischen Mittel der Verständigung das ganze Kapital verschlucken. Das ist eine Umkehrung aller ethischen Begriffe und so recht ein Zeichen des Elends unserer Zeit. Ein Schmarotzertum des Materiellen macht sich hier breit, das allmählich alles Ideelle auf zufressen droht, — wenn wir nicht mit ganzer Macht Einkehr halten und Umkehr versuchen. Das ganze Buchgewerbe, Verlag, Sortiment, Drucker und Buchbinder sollten sich zusammentun zu dem Kampfe gegen die Preisteuerung von Porto, Papier, Blei. Leinwand, Kleister, und wie alle diese verächtlichen Äußerlichkeiten heißen. Denn alle diese Dinge haben eine zu nahe üble Ver wandtschaft mit dem Diklatsriedcn von Versailles, der ebenfalls rohe materielle Habgier an die Stelle geistiger Werte setzte, des irrigen Glaubens lebend, man könne die kranke Welt mit gegen ständlichen Wiedergutmachungen und Papiergeldzahlungen— man sagt Goldmark — heilen, während lediglich die Geistigkeit solches einigermaßen ausrichten könnte. Alles dient viel zu sehr dem rein Körperlichen und geht völlig auf in der Anbetung des »gol denen Kalbes«, das aus irgendeinem leblosen Stofs hergestellt ist. So stark ist die Unterwürfigkeit unter solche toten Gegenstände, daß man ganz verlernt hat zu fragen, ob es denn nicht eine andere Art und Form gebe, sich das Leben erträglich einzurichten. Heute ist es so, daß, wenn nur etwas recht sehr -baut» und von sich hermacht, wenn es wie Luxus aussieht und den Menschen aufdonnert, man sich ihm blindlings unterwirft. So zieht man denn Rauch in die Lungen und bläst ihn wieder aus, so jagt man Bier, Wein und Liköre durch die Kehle ohne Nutzen und Frommen, so hängt man eine Pelzschicht neben der andern aus den Pelzmantel und so baut man Perser-Teppiche und alte Schwerter um sich und glaubt, dadurch sei man ein Kulturmensch geworden. Niemals aber kommt den Verbrauchern der Gedanke, sich ernstlich zu fragen, ob denn dieser Verbrauch nötig, förderlich, ja ob er überhaupt in dieser Zeit erlaubt sei, wo er uns in ver stärktem Matze zu Schuldnern und damit zu Knechten des uns feindlichen Auslands macht. Und wenn Autofahrten ein kleines Vermögen kosten, dann wundert man sich nicht mehr über die Slratzendahnsahrk zu l Mark und den Einschreibbrief zu 1.8V. Ja, in der verzweifelten Anschauung, daß hier eine Lawine be gonnen habe, wird man solche zukünftigen Erwartungen mit einkallulieren — und verteuert dadurch das Geistige und Not wendige noch immer mehr. Diese Gedanken, die den Nachdenklichen schon lange beschäf tigen, sind neuerdings programmäßig auf die Fahne eines »Bundes der Erneuerung wirtschaftlicher Sitte und Verantwor tung» geschrieben worden. Dieser Bund hat ein Programm, das ohne Zweifel Beachtung und lebhafteste Förderung verdient und bei dessen Verwirklichung dem Buchhandel eine ganz besondere Ausgabe erwächst. Der Buchhandel ist seiner ganzen Natur nach Vertreter des geistigen Elements gegenüber dem materiellen, mag er nun für die schönen Künste oder fllr Wissenschaft, für Lehre, Erbauung oder Unterhaltung sorgen. Diese ideale Aufgabe aber kann der Buch handel nur dann restlos erfüllen, wenn er selber in seinen Reihen auf wirtschaftselhische Gesichtspunkte in hohem Maße hält. Wenn er also seine Kontore und Läden rein hält von dem Geiste, der in allererster Linie nur den Profit und nicht die kulturellen Auf gaben kennt. Selbstverständlich mutz auch hier auf Verdienen gesehen werden, da ohne materielles Einkommen auch die Kul turaufgaben nicht erfüllt werden können. Aber im Gegensatz zu manchem anderen, ganz auf Profit und Ware abgestellten Ge werbezweig ist es beim Buchhandel doch insofern anders, als er eben mit Geist handelt. Diese Tatsache soll und mutz alle seine Äußerungen und Maximen durchdringen. Darin liegt eine Abwägung der — immerhin schmalen — Einkünsle aus dem Buche fllr Verfasser, Verleger und Sorti menter, und in diesem Zusammenhang« darf sehr Wohl die — die beteiligten Kreise jetzt ja mehr als genug beschäftigende — Frage aufgeworfen werden, in welchem Maße sich diese Einkünfte auf die drei Beteiligten verteilen sollen. Wenn es heute vielfach so ist, wie auch jüngst im Sprechsaol des Börsenblattes gesagt wurde, daß der Sortimenter 35 und mehr Prozent, der Autor viel- leicht 107» und 157, bekommt, der Verleger aber von dem übrig bleibenden Nest zunächst einmal Papier, Drucker und Buchbinder bezahlen und dann das ganze unsichere Wagnis des Buches tra gen soll, so kann eine solche Verteilung sicherlich nicht als wirt schaftsethisch gerecht bezeichnet werden. Auch hier mutz bei aller Anerkennung der Notwendigkeit und der Bemühungen des Sorti ments doch gesagt werden, daß der Verteiler der geistigen Ware nicht gut einen viel größeren klingenden Gewinn daran sollte haben dürfen als der Verfasser und der Verleger, die viel näher an der Quelle der Ware stehen, denen sie also zu verdanken ist und die ihr Gut und Blut mit diesem Erzeugnis und seinem Glück verbinden. Diese Feststellung soll nicht im mindesten eine berufspolitische Spitze gegen das Sortiment haben. Aber aus den Tatsachen ergibt sich doch, daß eine derartige Verteilung nicht vereinbar ist mit der Forderung, datz wir in dem nieder gebrochenen Deutschland durch Geistigkeit wirken und die Bewertung der geistigen Arbeit wieder in die Höhe bringen müs sen, wenn wir nicht restlos unter dem Druck der Anbetung der S77
- Aktuelle Seite (TXT)
- METS Datei (XML)
- IIIF Manifest (JSON)
- Doppelseitenansicht
- Vorschaubilder