Suche löschen...
Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 29.03.1921
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1921-03-29
- Erscheinungsdatum
- 29.03.1921
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- LDP: Zeitungen
- Zeitungen
- Saxonica
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id39946221X-19210329
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id39946221X-192103297
- OAI-Identifier
- oai:de:slub-dresden:db:id-39946221X-19210329
- Nutzungshinweis
- Freier Zugang - Rechte vorbehalten 1.0
- Lizenz-/Rechtehinweis
- Urheberrechtsschutz 1.0
Inhaltsverzeichnis
- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Jahr1921
- Monat1921-03
- Tag1921-03-29
- Monat1921-03
- Jahr1921
- Links
-
Downloads
- PDF herunterladen
- Einzelseite als Bild herunterladen (JPG)
-
Volltext Seite (XML)
Redaktioneller Teil. .Xi 72, 29. März 1921. Im voraus sei zusammcnsassend bemerkt, daß Ostwalds Ar beit eine so reife, Ivlssenschastlich tiefgründige und an Forschungs ergebnissen so reiche gewesen ist, daß er die Farbenlehre geradezu zur wissenschaftlichen Disziplin gestempelt hat. Bei Oslwald be merken wir «in wirkliclies Beherrschen des ungeheuren Stoff gebietes und «in erstaunliches überschauen und Erfassen der Entwtcklungsmöglichkciten. Mit bewundernswerter Klarheit er kannte er die Einflußgebietc und zeichnete bestimmt den Weg vor, den Lehrer und Fachleute zu gehen hatten. Was danken wir also Ostwald? Vor allem eine Ordnung der Farben, den wissenschaftlich genauen Far- bcnkrcis, richtige Bestimmung der Eigenschaf ten der Farben (1. Farbton, 2. Weißgehalt, 3. Schwarz gehalt), Methoden der exakten Farbenmessung, Erkenntnis des Charakters der warmen und kalten Farben, Farbzeichen, die ersten wirklichen Harmo- niegcsetze (Urgesetzc), Schaffung echter Abkömm linge der bunten Farben (in den verschiedenen Sätti- gungs- und Brcchungsgraden), die Graulciter und edclste Harmonien. Geheimrat Ostwald hat als Erster den Versuch unternommen, »das neue Forschungsmitiel der exakten Farbcn- messung auf das alte Problem der Farbenharmonien anzuwen den, dasselbe Problem, wegen dessen Goethe seine vieljährigen Bemühungen um die Farbenlehre unternommen hatte-'). Welche Folgen sich daraus ergeben? Ein bewußteres, zielsicheres Schaf fen in farbigen Dingen als bisher, eine mit der Zeit deutlich in die Erscheinung tretende Veredelung und Verfeinerung des Far^ bensinns weiter Kreise, eine Einschätzung der Farbe als eines mächtigen Werbefaktors und eines Schmuckmittels ohnegleichen. Der Verfasser weiß sich frei von aller überschwänglichen Lobeserhebung. Seine Kenntnis der einschlägigen Literatur der letzten 120 Jahre behütet ihn vor einer Überschätzung einzelner Glieder der großen Arbeit?- und Erfolgskette Ostwalds, sic be wahrt ihn aber zugleich vor einer Unterschätzung mancher Einzel tat, die zwar nur den letzten Schritt einer langen Wanderung, die letzte Entwicklungsphasc eines Forschungsgebietes darstellt, aber dennoch erst den Erfolg selbst bedeutet. Was profitiert also Buchkultur und Buch reklame von der neuen Farbenlehre? Da, wie bereits oben angedeutet, die Ostwaldsche Farben lehre die verstandesmäßige Zusammenstellung edelster Harmo nien gestattet, so bleibt demnach die Schaffung schöner Farben- klänge in Zukunft nicht mehr ein Vorzug, der allein die künst lerisch Befähigten auszeichnet, sondern cs ist nunmehr jedem möglich (wie auf einer Tabelle die Zahlen), die zusammenge hörigen (und darum harmonischen) Farbtöne auszuwählen und zusammenzustellen. »Farbcnharmonie ist gleichbedeutend mit Zusammengehörigkeit bei Gleichartigkeit und Ausgleich bei Ver schiedenartigkeit farbiger Energien"). Diese Tabelle harmo nischer Farben ist »Der Farbkörper-"'), das zurzeit einzige Werk, das echte Abkömmlinge zahlreicher bunter Far ben enthält. Es ist nämlich ein grundsätzlicher Irrtum, wollte man beispielsweise glauben, das Verdünnen einer bestimmten Farbe, sagen wir Ultramarin, müßte (reine Bindemittel, reines Wasser, reines Weiß usw. vorausgesetzt) unter allen Umständen auch ein zum Ultramarin passendes helleres Ultramarin ergeben. Di« Verdünnung bewirkt tm angezogencn Falle ein Verschieben nach Grün, d. h. also, je Heller das Ultramarin wird, desto mehr verändert es seinen Farbton. Und nun kommt das über- Ostwald, »Die Harmonie der Farben-, Seite 47, Vertan llnesma G. m. b. H., Leipzig. ") Engel-Hardt, -Ter Farbenreiz im Druckwerk«, Syste matik der Aarbenharmonie und der Werbekraft der Farben. Ein Rat geber für alle, die im graphischen Gewerbe farbig schassen. S. 128, Leipzig-R. 1821, Verlag Julius Maser. »*') OstwaId, »Der Farbkörper--. Verlag Unesma 8. m. b. H., Leipzig. 380 raschendc: wir haben uns an diese falschen Abkömmlinge der Farben gewöhnt und weiden erst aus Grund der Ergebnisse der exakten Farbenmessung belehrt, daß die richtigen Abkömmlinge des Ultramarin scheinbar allmählich violetter werden, und müssen angesichts solcher aus verschieden gesättigten Stufen des näm lichen Farbtons zusammengestellten (sog. farbtongleichen) Har monien zugeben, daß der nunmehr erzielte Eindruck erst ei» wahrhaft harmonischer ist. Auch Orange verschiebt sich beim Auflichten von Rot weg, also muß man, wenn man Wert auf vollkommene Harmonie legt, bei zunehmender Verdünnung des Orange etwas Rot zusetzen usw. Ich habe in zahlreichen Vor trägen bereits darauf hingewiesen, daß der »Farbkörper- mit seinen 680 Farbnormen geradezu das Farbenklavicr darstellt, auf dem aber nicht allein der Farbkundige, sondern nach entsprechen der Aufklärung unter Umständen ein Kind erfolgreich zu spielen vermag und dem sich farbige Akkorde und Harmonien von edelster Schönheit entlocken lassen. Durch Schaffung entsprechender und wissenschaftlich genauer Farbenkreise (es gibt deren 28 ver schiedene in den entsprechenden Sättigung?- und Brechungs graden) ist dem farbig Gestaltenden ein weiteres wertvolles Hilfsmittel an die Hand gegeben, um unter Benutzung meiner Harmoniezeichen ein Aufsuchen harmonischer vollstän diger und unvollständiger Zwei-, Drei« und Vierklänge zu er möglichen, bzw. wesentlich zu erleichtern. Di« Harmoniezeichen (vgl. Fig. 1—6) stellen die Entfernungen, bzw. die Stellung der Farben im Farbeükrcis dar; die punktierten Linien bedeuten die weggelassenen Farben in unvollständigen Farbenklängen. Die Harmoniezeichen. Fig. i Fig. 2 Fig. 3 Fig. 4 Fig. !> Fig. ii GTGGGG Zweiklänge Drcikllinge Vierklang l. Die Vollständigen Farbenklänge. Am bekanntesten sind die Zweiklänge der sogenannten Komplementär« oder Gegenfarben, d. h. jener Farbenpaare, die im Farbenkreis einander gegenübcrstehen (z. B. 00 und 50, 08 und 58, 33 und 83 usw.), denn sie wirken bekanntermaßen har monisch (Fig. 1). Aber auch drei Farben, die in gleichen Ent fernungen voneinander im Farbenkreis stehen (Fig. 4), wirken harmonisch; solche Dreiklänge sind z. B. 00, 33 und 67; 17, 50 und 83; 25, 58 und 92 usw. Nahcliegenderweise werden Vierklänge aus dieselbe Weise gewonnen, man wählt also vier Farben aus, die im Farbenkreis gleichabständig sind (Fig. 6), z. B. 00, 25, 50 und 75; 08, 33, 58 und 83 usw. , 2. Die unvollständigen Farbenklänge. Läßt man von einem Dreiklang eine Farbe weg (Fig. 2), so wirken die verbleibenden zwei Farben auch noch harmonisch; dasselbe ist der Fall, wenn man eine oder zwei Farben eines harmonischen Vierklanges ausläßt (Fig. 3 und 5). Diese Klänge nennt man unvollständige Farbenklänge, zum Un terschiede von obengenannten vollständigen. Letztere nennt man auch totale, weil sie warme und kalte Farben zugleich enthalten, im Gegensatz zu den unvollständigen, die einseitig warm oder kalt wirken. Ein richtig eingeteilter Farbenkreis dient hauptsächlich zur Ermittelung harmonischer Farbenzusammenstellungen, sogenann ter Farbenklänge. Er möchte, da man in der Praxis des Farben druckes mit Zwei-, Drei- oder Vierklängen arbeitet, eine ent sprechende Teilbarkeit Ausweisen. Aus diesem Grunde bewähren sich zwölfteilige und vierundzwanzigteilige Farbenkreise am besten. Eine schematische Darstellung des 24teiligen Ostwaldschen Farbenkreises zeigt die umstehende Fig. 7; die Ziffern bedeuten die Farbtonkennzahlen, und zwar:
- Aktuelle Seite (TXT)
- METS Datei (XML)
- IIIF Manifest (JSON)
- Doppelseitenansicht
- Vorschaubilder