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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 31.03.1921
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- 1921-03-31
- Erscheinungsdatum
- 31.03.1921
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X- 74, 31. März 1921. Redaktioneller Teil. für den Verleger — ist. Die Anfrage der Papierzeitung hatte die Tendenz, nachzuweiscn, datz der Einslutz des Papierpreises bei der Gesamtkalknlalion auf den Ladenpreis nahezu gleich Rull sei. Es war dort gesagt, das; der Papicrwert eines Vucl>er bon »/( 25.— Ladenpreis ungefähr 2.— betrüge, d. h. ^ der auf >6.— geschätzten Herstellungskosten. Selbst eine erhebliche Verbilligung des Papiers könne deshalb den Ladenpreis nicht so Herabdrücken, datz dadurch der Absatz des Buches irgendwie gesteigert würde. Herr Geheimrat S. hatte darauf im Börsen blatt Nr. 2l vom 28. Januar eine Antwort gegeben, die um das Rechnerische sorgsam herumging und sich dafür in allge meinen Betrachtungen darüber auslietz, datz man während des Krieges nicht so hohe Auflagen drucken konnte wie vor dem Kriege; datz der Ladenpreis eines Buches um so billiger wird, je höher die Auflage; daß der Absatz um so größer wird, je niedriger der Ladenpreis: alles Wahrheiten, die Wohl eigentlich nicht so ganz neu sind und zur Beantwortung der Frage nicht sehr die! beitragen. Eine Zellulosesabrik war daher nicht recht befriedigt und fragte nochmals. Darauf gab nun Herr S. eine Antwort (Bbl. 1921, Nr. 36), die zu wahrhaft staunenswürdigen Ergebnissen kommt. Ich stelle sie hier zusammen und ergänze sie durch den Anteil, den Verleger und Sortimenter nach dem von Herrn S. -kalkulierten- Ladeirpreis haben müssen. Da cs sich bei dem gewählten Beispiel um einen »kleinen, sicheren Ab nehmerkreis- handelt, wird der Verleger schwerlich mehr als 257» Rabatt geben. Danach zeigt sich folgendes Bild: Vor dem Kriege (20 Bogen und 2000 Auflage). je Stück 7> vom Ladenpreis Satz und Druck 900.- -.45 5,60 Papier 700.- —.35 4,35 Buchbinder 500.- -.25 3,10 2100.- 1.05 13,05 Honorar 1000.- -.50 6,25 3100.- 1.55 19,30 Verleger 4.45 55,7 Sortimenter 2.- 25,0 Ladenpreis nach S.s Ansatz 8.- 100,00 Nachdem Kriege (2 OBogenund2000 Auflage). je Stück °/o vom Ladenpreis Satz und Druck 9000- 4.50 9,4 Papier 12000.- 6.- 12,5 Broschieren 1200.- -.60 1,2 22200.- ll.10 23,1 Honorar 2400- 1.20 2.5 24600.- 12.30 25,6 Verleger 23.70 49,4 Sortimenter 12.- 25,0 Ladenpreis nach S.s Ansatz 4«.— 100,0 HI. Nach dem Kriege <2 OBogenundlOOOAuflage). je Stück 7» vom Ladenpreis Satz und Druck 8500.- 8.50 12,50 Papier 6000.- 6.- 8,85 Broschieren 600.- -.60 0,88 15100.- 15.10 22,23 Honorar 2000.- 2. 2,92 17100- 17.10 25,15 Verleger 33.90 49,85 Sortimenter 17.- 25,00 Ladenpreis nach S.s Ansatz 68.- 100,00 Diese Rechnung zeigt die erstaunlichsten Ergebnisse. Nach I beträgt bei einem Ladenpreise von 100.— der Materialwert nur 13.—. Das Buch wird also durch den »Verdienst- von Urheber, Verleger und Sortimenter zusammen auf nahezu das Achtfache seines Herstellungspreises getrieben. Von diesem Ver dienst erhält aber der Autor nur 1 Teil, der Sortimenter 4, der Verleger 10 Teile! Bei II ist das Verhältnis sogar 1:10: 20 und bei III 1:8,5: 17. Bei Rechnung II wird das Buch -nur» auf das Vierfache, bei III auf das Sechsfache gesteigert. Man sieht, nach dem Verfahren dieses »Vertreters der Pa- picrverbraucher- ist für den Buchhandel, ganz besonders aber für den Verleger, in ausgiebigster Weise gesorgt. Freilich will mir scheinen, daß der Urheber eines Buches auch ein gewisses Anrecht auf den Erlös seines Werkes hat. Er gehört zwar nicht z» den Papicrverbrauchern, wird deshalb von Herrn S. nicht mit vertreten. Trotzdem dürfte die Ansicht recht verbreitet sein, datz der Verleger die Pflicht hat, die literarischen und wirtschaftlichen Interessen seines Autors nach bestem Können wohrzunehmcn. Und diese »rohen Kalkuiationsbcispielc-, wie sie Herr S. selbst nennt, sind nicht etwa hiugcstellt als vereinzelte Fälle, in denen der Verleger sich solche Gewinne ausnahmsweise in die Tasche rechnen kann, sondern als typische Beispiele. »Vor dem Kriege setzte der Verleger... die Kalkulation wie folgt an:» Nach dem Kriege »mutz er kalkulieren». Und schließlich: »Aus den Kalkulationsbeispielen geht hervor, datz der Verleger früher etwa das Sechsfache des Herstellungspreises (einschließlich Honorar) als Ladenpreis ansctzte, jetzt dagegen nur (!) das Vier fache ansetzen kann-. Ter Gegenseite aber wird -jede Kenntnis der verlegerischen Kalkulation» abgesprochen. Was ergibt sich nun aus den S.schen Rechnungen zu der Frage der Papierzeitung? Diese hatte zur Vertretung ihres Standpunktes behauptet, das Papier mache irur etwa 87» des Ladenpreises aus. Nach S.s Rechnung Nr. I sind es 4,357», nach Nr. I112,57° und nach Nr. ui 97». Die letzte Rechnung also bestätigt die Behauptung der Papierzeitnng, die zu I weift sogar einen noch geringeren Anteil des Papiers aus, als selbst die Papierzeitung behauptet hatte! Aus allen drei Rechnungen aber geht hervor, datz selbst erhebliche Verminderung des Pa- pierprcises auf den Ladenpreis so gut wie gar keinen Einfluß haben könnte. Gesetzt z. B., datz bei der Rechnung l der Papier- Preis um volle 507» ermäßigt würde — ein unter den jetzigen Verhältnissen bedeutender Preisrückgang —, so würde sich der Ladenpreis um 16 H vermindern, mit andcrn Worten: er würde voraussichtlich unverändert bleiben, der Gewinn des Verlegers aber von 55,7 auf 57-58°/- steigen. Die Papiermacher also werden die Ausführungen des Herrn S. Wohl freudig aufgreifcn und für ihre Sache ins Feld führen. Aber noch andere dürften sich mit diesen Ausführungen beschäftigen. Zunächst wird der Sortimenter nicht begreifen, warum der Verleger doppelt so viel verdienen soll wie er selbst, der doch das Buch überhaupt erst an den Mann bringt. Sodann dürfte auch der Autor die Frage aufwerfen, ob cs wirklich ange messen erscheint, wenn der Urheber mit einem Zehntel oder gar einem Zwanzigstel dessen abgespeist wird, was der Verleger in seine Tasche leitet. Endlich hätte wohl auch der Käufer Ver anlassung, sich über die Verteuerung seines wichtigsten Kultur- gutes zu beklagen. Bisher hat man den Verfechtern des staat lichen oder gemeindlichen Monopolverlags immer entgegenge halten, daß niemand so billig arbeite» könnte wie der Verleger. Hier hat man nun einmal den klaren Beweis, geführt von einem »berufenen- Vertreter, wie groß die Gewinne sind, die in des Verlegers Tasche gleiten, die also wenn nicht ganz, so doch zu einem erheblichen Teile in die stets aufnahmcfreudige Tasche des Staates oder der Gemeinde geleitet werden könnten. Es sind also geradezu unheilvolle Folgerungen, die sich nach jeder Richtung aus den S.schen Berechnungen ergeben, und sie dürfen deshalb nicht in die Welt gehen, ohne daß ihnen ein nachdrücklicher Widerspruch folgt. Denn sie sind grundfalsch und in keiner Weise geeignet, zur Klärung der aufgeworfenen Frage beizutragen. Ich will ab- sehcn von solchen Sonderbarkeiten, daß einer 2000 Stück druckt, wenn er nur 700 sichere- Abnehmer hat, oder daß er seinem Autor bei 1000 Auflage 2000 .// zahlt, bei 2000 Auflage aber nur 400 ./( mehr. Bedenklicher ist cs schon, datz für eine Buch- Kinderarbeit, die vor dem Kriege für 500 zu haben war, nach dem Kriege nur 1200 eingesetzt werden. Jeder Fachmann weiß, wie ungeheuer auch die Buchbinderarbciten gestiegen sind. Eine Arbeit, die 1914 für 500 zu haben war, dürfte 1920 schwerlich unter 6000 .kk geliefert worden sein. Vollständig über sehen hat Herr S., datz Wohl ohne Ausnahme der Verlag im Kriege zu einer wesentlich schlechteren Papierqualität hat über gehen müssen, daß man also aus seiner Berechnung nicht an nehmen darf, daß von demselben Papier, von dem vor dem Kriege 405
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