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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 08.09.1927
- Strukturtyp
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- 1927-09-08
- Erscheinungsdatum
- 08.09.1927
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- Deutsch
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sfyr 210, 8. September 1927, Redaktioneller Dell. Börsenblatts, d. Dtschn. Buchhandel. gesunden wirtschastlichen Entwicklung im Wege steht und den Ausblick ins Freie versperrt. Es wird in unseren Verhand lungen viel zu viel auf dem Satzungsroß Hohe Schule geritten und mit Paragraphen jongliert, und cs wird viel zu wenig unsere Satzung nach dem inneren Geiste interpretiert, aus dem sie ge schaffen ist. Was bedeutet all die hohe Intelligenz an unseren Führer- stcllen, wenn sie nicht gepaart ist mit warmem Verstehen für gegenseitige Nöte. Wir brauchen viel mehr volle warme Herzen, viel mehr ernsten Willen zur Verantwortung dessen, was uns anvertraut wurde, und viel, viel weniger volle Aktentaschen, Wie oft ist in den letzten Jahren die wohlbegründete Forde rung an den Verlag gerichtet worden, die Zahlungstermine zu verlängern! Mit einer einmonatlichen Zahlungsfrist, wie sie im wissenschaftlichen Verlage durchweg eingeführt ist, kann das Sor timent nicht arbeiten, ganz abgesehen davon, daß dabei im Grunde genommen doch höchstens im Durchschnitt eine Kreditgewährung von 14 Tagen herauskommt. Der Bücherabsatz, über dessen Rückgang der Verlag im gleichen Maste wie bas Sortiment klagt, ist heute mehr denn je von der Kreditgewährung an den Käufer abhängig. Es werden einfach weniger Bücher gekauft, wenn die sofortige Zahlung zur Bedingung gemacht wird. Das sind Erfahrungen des Sortiments, die der Verlag nicht einfach igno rieren sollte. Die Folge ist heute, daß Lagerbestcllungen am Ende des Monats bei rechnenden Sortimentern aus den nächsten Monat verschoben werden, um das Absatzrisiko zu verringern. Damit ist unseres Erachtens dem Verlage nicht gedient, und seine kurze Kveditbefristung wächst sich zu seinem eigenen Schaden aus. Uns will es erscheinen, daß der Verlag viel zu sehr durch Gruppenbildungen untereinander sich auf derartige Dinge fest- legt, was ihn aber niemals hindert, eine Erörterung von Organi sation zu Organisation grundsätzlich abzulehnen. Wir brauchen unbedingt wieder ein dreimonatliches Ziel, um die durch die Kreditnot gefesselte Bewegungsfreiheit auch im Interesse des Ver lages für einen leichteren Bücherabsatz zu lockern. Wir verkennen durchaus nicht, daß die Kreditnot beim Verlage ebenso stark ist, doch halten wir das Mittel einer so kurzen Kreditbefristung zur Hebung seiner Nöte für durchaus verfehlt. Es ist doch heute so, daß im Buchhandel, und besonders im wissenschaftlichen Buch handel, selbst da, wo großer Umsatz bei tätiger Verwendung im Laufe von Jahrzehnten erzielt wurde, kein persönliches Verhält nis aufkommt zwischen Verleger und Sortimenter, daß dort einfach mit Kontofperrung gedroht wird, wenn die Zahlungen auf kurze Zeit im Rückstand blieben. Das im Handel geltende Wort »Geschäftsfreunde- steht nur ganz vereinzelt im Wörter buche besonders der wissenschaftlichen Verleger, Ein Vertrauen aus persönliche Ehrenhaftigkeit ist längst geschwunden. Das kommt auch daher, daß die Verlage immer mehr zu großen Wasserköpfen anschwellen, daß der Typ des Verlegers der frühe ren Jahre, der mit Liebe seine Schöpfung umfing und heraus gab, immer mehr verschwindet und an seine Stelle ein anderer Typ getreten ist, der mehr oder weniger unpersönlich seinen Büchern und deren Beziehern im Sortiment gegenübersteht, Prokuristen diktieren von hohen Schemeln, während die Inhaber inehr Wert daraus legen, sich an der wilden Autorenjagd zu be teiligen, auch hier schroff ohne Rücksicht auf das Jagdgebiet ihrer Verlagslollegen, Darum haben auch heute die besten Neuig keiten einen so kurzen Atem, weil das geräuschvolle Motorrad tempo der Produktion immer wieder das Geschaffene, und wäre es das Beste, unter die Räder nimmt. Und das angesichts einer gesunkenen Kaustraft und einer vom Geistigen stark abgekehrten Zeit, Aber dann ist das Sortiment schuld, verwendet sich nicht, ist rückständig, einfach weil es das Tempo des Drückens nicht mit dem gleichen Tempo des Schluckens beantworten kann. Und das gibt dann den berechtigten Hintergrund für direkte Lieferungen und Unterbietungen des Berlages, Ursache und Wirkung reichen sich hier wieder einmal die Hände, Ein besonders im Antlitz des Buchhandels stark ausgeprägter Zug, der sich nicht nur im geschäftlichen Verkehr, sondern ganz besonders auch in den Verhandlungen zwischen Verlag und Sorti ment bemerkbar macht, ist eine nervös« Gereiztheit und über- 1092 spannte Empfindlichkeit, wodurch häufig an sich einfache Dinge kompliziert, runde glatte Sachen kantig und spitz gemacht werden. Der Humor sollte viel mehr ein Bundesgenosse auf beiden Seiten sein, ein gutes Wort zur rechten Zeit glättet die Wogen und könnte die im Buchhandel auch so ausgeprägte Redelust dämmen, hitzige Köpfe kühlen und die Dinge vereinfachen. Die jahraus jahrein bei einem Kreisvereinsvorsitzenden ein laufenden Beschwerden Wersen ein Schlaglicht aus den Stand gesunkener Moral im Buchhandel, Wieviel krasser Egoismus hüben und drüben, wieviel Rücksichtslosigkeit gegen den Kollegen, wie wenig Auffassung noch dafür, daß man mit Unterzeichnung eines Verpflichtungsschcines sein Wort verpfändet hat! Wie oft wird uns von Bibliothekaren und Behörden versichert, daß Ver leger und Sortimenter am Orte neue Bücher Eit unter dem Ladenpreise anbieten und dadurch oft eine jahrelange mühevolle Werbearbeit satzungstreuer Kollegen zunichte machen. Di« Schamröte muß uns angesichts dieser Erscheinung ins Gesicht steigen, besonders darüber, daß der alte ehrenhafte Stand des Buchhandels so in den Augen derer sinkt, die aus fiskalischen Interessen verpflichtet zu sein glauben, diese unlauteren Ange bote zu unterstützen, Standesbewußtsein und Standesehre sind feste Schutzwälle des Buchhandels nach außen; sinken diese, wird der Buchhandel immer mehr zum offenen Einfallgebiet derer, die wohl seine Kulturnotwendigkeit bei festlichen Gelegenheiten mit schönen Worten unterstreichen, aber aus egoistischen Interessen ihn bei jeder Gelegenheit wirtschaftlich schwächen und ihn hin dern, seine kulturellen Aufgaben zu erfüllen. Und gerade des halb machen sich diese Kollegen doppelt schuldig. Die bittere Not der Zeit entschuldigt nie und nimmer die Preisgabe eingegange ner Verpflichtungen und sittlicher Grundsätze, ganz abgesehen davon, daß erfahrungsgemäß immer derartig« Schleudcrfirmen zuerst vor die Hunde gehen, Ihr Vorstand hatte !m vergangenen Fahre wieder eine ganze Reihe derartiger Beschwerden zu verfolgen. Sie gaben immer wieder mehr oder weniger dasselbe Bild und resultierten zu einen, nicht geringen Teile aus den oben gekennzeichneten inneren und äußeren Gegensätzen zwischen Verlag und Sortiment, Wie immer nahmen dahei Beschwerden, die das Schulbücher geschäft betrafen, einen breiten Raum ein. Dieses mit dem größten Risiko belastete Geschäft steht immer noch unter den un günstigsten Zeichen sowohl hinsichtlich der Rabattierung als auch der immer mehr um sich greifenden Ausschaltung des regulären Buchhandels zugunsten der Buchbinder und Schreibwarenhändler und der Einschaltung des Verlages durch direkte Lieferung an die Schulen, Immerhin ließe sich über die Höhe des Rabattes roden, wenn der dem Sortiment allein zufallende Massenumsatz, der allerdings ja heute auch schon durch den Tauschhandel alter Bücher in den Schulen stark beeinträchtigt ist, einen Ausgleich schüfe. An keiner Stelle ist die Parole: Das Buch dem Buch händler! mehr am Platze als im Schulbüchergeschäft, Gerade dies ist für den Buchbinder und Schreiblvarcnhändler das erste Einfallstor in den Buchhandel, Mit den Schulbüchern wird angesangen und dann der Handel mit den Brotartikeln des Sortiments bis zur Adreßbuchreife fortgesetzt, und dann ist der Kollege fertig und wird Mitglied des Börsenvereins dank der tveitherzigen Richtlinien für die Adreßbuchaufnahme und für die Abstempelung zum Vollbuchhändler, Ohne innere Bindung zum Buche, ohne sich mit den kulturellen Forderungen des Buch handels zu belasten und sich der damit verbundenen mühevollen Kleinarbeit zu unterziehen, wird hier der zweifellos kaufmännisch besser eingestellt« Typ -des sogenannten Buchhändlers geschaffen. Und das ist in erster Linie der Grund, weshalb der Schulbücher verlag so gerne das Sortiment umgeht und sich so hervorragend der Aufzüchtung immer neuer Luchhändlerischer Betriebe schuldig macht und dadurch das reguläre Sortiment wirtschaftlich schwächt. Hier verwechselt er Ursache und Wirkung. Dadurch erst wird >das Sortiment der schwächere Teil, daß man ihm seine Brot artikel entzieht und immer neue Konkurrenten am Orte aufzieht. Der Verlag wird an einem Orte kein Schulbuch weniger ver kaufen und lediglich an Spesen sparen, wenn er den Grundsatz verfolgt, nur an das reguläre Sortiment zu liefern und diesem die Lieferung an Buch- und Papierhändler zu überlassen. Hier
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