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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 07.03.1921
- Strukturtyp
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- 1921-03-07
- Erscheinungsdatum
- 07.03.1921
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- Deutsch
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55, 7, März I92l. Redaktioneller Teil, Börsenblatt f. b. Dtschn. Buchhandel. Wenn trotz mehrerer schwacher Monate da» Gesamtergebnis tn den Kommissionsgeschäften tm allgemeinen als ein leidlich zu friedenstellendes noch angesehen werden kann, so ist das wirt schaftliche Gesamtbild immer iwch wenig erfreulich, und der Kommissionär darf sich der Sorge nicht verschließen, daß sich seine Lage durch die neuen drückenden Steuern und Lohnlasten noch weiterhin zu verschlechtern geeignet ist. Er wird cs sich deshalb nicht versagen dürfen, alle sich bietenden Möglichkeiten, den Ver kehr über Leipzig neu zu beleben, dienstbar zu machen, ES wird sich aber auch andererseits für die mitbeteiligten Kreise, d, h, für Verlag und Sortiment, die Notwendigkeit ergeben, zu erkennen, daß nur in einem engen Zusammenschluß der Interessen die seil Jahrhunderten bewähpte buchhändlerische Organisation Leip zigs neu gefördert und hierdurch zum Wähle der buchhändie- rischen Gesamtheit dauernd erhalten werden kann. Die Geschäftslage des B a r s o r t t m ent S hat keine wesent liche Veränderung erfahren, Di« Steigerung der Löhne, Ge hälter, oller sonstigen Betriebskosten, wie die Erhöhung der Warenumsatzsteuer übten auch weiterhin einen bedeutenden Ein fluß auf das gesamte Gcschäftscrgebnis des BarsortimcntS aus. Betrachtet man nur das reguläre Geschäft, so ist, trotz der ziffernmäßigen Umsatzsteigerung, in der Masse der auSgelieserten Waren ein wesentlicher Umsatzrückgang im Jahre 1920 einge treten, Wenn auch der Verlag wieder eine bessere Belieferung des BarsortimntS mit neuen Vorräten ermöglichen konnte, und die gebesserten Pcrsonalverhnltnisse die Bedienung der Kund schaft weit mehr als früher erleichterten, so standen doch der Er zielung früherer Umsätze nach wie vor die vom Barsortiment eingefllhrtcn Aufschläge für Verpackung, Tcuerungszuschlag usw, hindernd im Wege, Unter solchen Umständen weist die reine Betriebsbilanz des Barsortiments bereits so beträchtlich« Betriebsverluste aus, daß, wenn diese nicht au» dem vorübergehenden Sondergewinn im Auslandgeschäft gedeckt werden könnten, die Lage als äußerst kritisch bezeichnet werden müßte. Weite Kreise des Buchhandels bekunden nach wie vor immer wieder, daß sie ein Interesse daran haben, die während vieler Jahrzehnte segensreich bewährte Einrichtung de» Barsortiments auch ferner lebensfähig zu erhalten. Die Frage, ob und wie dies geschehen kann, wird hoffentlich die Zukunft lösen. Die bereits Im letzten Vierteljahr 1919 hervorgetretenen Schwierigkeiten in der Beschaffung von nichtgraphischen Ar tikeln, zum Teil auch graphischen, lähmten das sich gut anlassende Lehrmittelgeschäft, Nicht nur aus dem Ausland«, sondern auch im Jnlande war die Nachfrage eine äußerst rege. Während das Ausland tn den meisten Fällen zu Käufen schritt, war dies beim Inland nichr der Fall, da die den deutschen Schulen zur Verfil zung stehenden Geldmittel für die geplanten Anschaffungen nicht eusrcichten. Das Geschäft hätte auch für den Händler «in gutes sein können, wenn nicht die Hersteller durch zu lange Liefer fristen oder wiederholt erfolgte Aufschläge die Ausführung der erteilten Aufträge behindert hätten. Im allgemeinen war eine steigende Tendenz festzustellen, jedenfalls ist klar zutage getreten, daß ein bedeutender Bedarf an Lehrmitteln vorhanden ist. Besonders lag das Geschäft mit dem Auslande (ausgenom men die Sommermonate) von Anfang an gut. Das Inland- geschast besserte sich erst in der zweiten Hälfte des Berichtsjahres, in der in verschiedenen Provinzen besondere Mittel seitens der Regierung zur Verfügung gestellt wurden. Die Verkäufe bezogen sich in der Hauptsache auf naturwissen schaftliche Lehrmittel (Modelle, physikalische Apparate, Präpa rate), und hieran war in erster Linie das Ausland beteiligt. Die deutschen Schulen begnügten sich — ebenfalls ohne hier die Absntzzahlen des Auslandes zu erreichen — mit billigeren Wand bildern, weil sie hierfür noch einigermaßen die Mittel aufbrin gen konnten. In der Zeit vor dem Kriege waren die Verhält nisse umgekehrt. Entsprechend der Kaufkraft des Auslandes wurden speziell fremdsprachige Karten und Globcn verlangt und zum Teil in großen Mengen gekauft, jedoch ließen die hohen Herstellungskosten oftmals angcbahnt« Ge schäfte nicht zum Abschluß kommen. An den Käu fen war mit Ausnahme von Nordamerika, England und einigen Balkanstaaten das gesamte Ausland beteiligt. Da» Lehrmittelgeschäst war dabei durch schwankende Preise, zahl reiche amtliche Vorschriften, unsichere Lieferfristen ein sehr schwie riges ; dazu kam auch die Personalfrage insofern, als es wirklich gut für diese Branche ausgebildete Personen nur wenige gibt. Während im Anfänge des Jahres Zahlungen im voraus whne weiteres geleistet wurden, beanspruchen die ausländischen Fir men heute bereits vielfach längeres Ziel, Vor allen Dingen legt sowohl das Inland als auch das Ausland großen Wert auf Erhalt von Qualitätswaren, Eine Belebung würde das Lehr- mittelgeschäft noch erfahren haben, wenn es den Verlegern graphischer Lehrmittel nicht durch zu hohe Herstellungskosten un möglich gemacht worden wäre, Neuansgabe» herauszubringen. Der Grosso-Buchhandel entwickelt sich weiter und die Umsätze vergrößern sich fortgesetzt, ES sind auch eine Anzahl von Firmen an die Öffentlichkeit getreten, welche sich Groß-Buch- handlungen nennen, die aber in ihrer Veranlagung mit den alten eingefllhrten Firmen nicht für gleichartig zu achten sind. Der Büchermarkt ist leider mit Stttenromanen und sonstiger Unter- Haltungsliteratur derart überschwemmt worden, daß hoffentlich bald ein Rückschlag dieser Erzeugnisse zu erwarten ist. Unter haltungsblätter sind viele eingegangen, die alten erhalten sich, er scheinen aber teilweise nur lcktägig. Die cingcsührten Modeblätter konnten ihre Auflage erhöhen, Kalender werden infolge höherer Berechnung weniger gekauft. Versicherungsblätter haben sich mit und ohne Erfolg vermehrt. Der Kolportage-Buchhandel leidet außerordentlich durch die hohen Löhne, Fahrgelder, Frachten und Rollgelder, Bei dem Vertrieb von Schulbüchern muß die größte Sorg falt aufgewendet werden, um sich vor Schaden zu schützen. Es werden daher nur beschränkte Lagerbestcllungen gemacht. Der Musikalien Handel blickt auf ein an und für sich günstiges Geschäftsjahr zurück, das im besonderen um die Weih nachtszeit gut tn Schwung kam, wenngleich er andererseits noch immer mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. Durch die fortgesetzt steigenden Teuerungszuschläge, zu denen sich der Ver lag gezwungen sah, wurde im kaufenden Publikum eine nach teilige Zurückhaltung hervorgerufen, die im wesentlichen in der Unsicherheit und Verschiedenartigkeit der Preisberechnungen be gründet log. Der Vorteil für das Sortiment bestand in der großen Erhöhung der Umsatzztffern infolge der gestiegenen Preise, wogegen die Absatzziffcr, nach den verkauften Mengen berechnet, fiel. Der entstehende Nutzen wurde freilich wesentlich vermindert durch die steigenden Unkosten jeder Art, insbesondere der Ge- hälter und Löhne, der Portt und Frachtspesen, sowie durch die teueren Mieten, Licht- und Heizungs-Unkosten, Durch das ener gische Eingreifen der Berufsorganisationen und die gerechte Einsicht seitens des Verlags wurde der Gewinnanteil des Sorti ments vergrößert, sodatz das Endresultat also — wie eingangs gesagt — immerhin als günstig bezeichnet werden kann. Während 1919 noch häufig die gangbarsten Werke bei dem Verleger lange Zeit fehlten, ist dank der Rührigkeit des Verlags und der steigenden Arbeitsleistung der Druckereien 1920 eine Besserung eingetretcn, die dem Sortiment zugunsten war. Leider standen die Editionen hierin noch zurück, da infolge der hohen Papierpreise die Herstellung großer Auflagen insbesondere bei umfangreichen kompletten Ausgaben klassischer Musik mit volks tümlich gehaltenen Minimalpreiscn teilweise undurchführbar war; leider litt auch das deutsche Sortiment unter der starken Ausfuhr der Editionen nach dem Ausland«, Das günstigste Geschäft machte der Musikalienhandel be dauerlicherweise auch 1920 noch immer nur mit der populären, ja man kann Wohl sagen, seichtesten Musik, den exotischen Tänzen in erster Linie, was eine beklagenswerte Verflachung des Ge schmacks des heute kaufkräftigsten Publikums erkennen läßt. Für die Verleger dieser Richtung hat das natürlich eine außerordent lich günstige Konjunktur ergeben, und cs sind auf diesem Ge biete neben den längst bekannten großen Unternehmungen unge zählte kleine unter ost-skrupellos, teilweise geschmacklos gewählter Firmenbezeichnung wie Pilze aus der Erde geschossen, nicht gerade zum Segen des soliden Verlags. Besonders in den Groß- 271
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