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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 12.02.1920
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1920-02-12
- Erscheinungsdatum
- 12.02.1920
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- Deutsch
- Sammlungen
- Saxonica
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- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
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«Srsendlatt s. d. Dlschn. Luchhandel. SicdaMonkll«r Teil. ^ 35, 12. Februar 1920. PeNonalnachrilvien. Richard Dehmel 1°. — Am 8. Februar ist vr. Richard Dehmci in Blankenese bei Hamburg im Alter von 56 Jahren gestorben. Nach dem Besuch der Stadtschule in Kremmen, von Gymnasien in Berlin und Danzig bezog Dchmel die Universität und promovierte 1887 in Leipzig mit einer Schrift über Versicherungsivesen. Von 1887 bis 1885 war er Sekretär des Verbandes deutscher FcncrvcrsichungLanslal- ten. Tann führten ihn größere Reisen »ach Frankreich, Belgien, Grie chenland, Schweiz, Holland. Noch während seiner Tätigkeit km Ver- jichernngSwescn versagte er die drei Gedichtsammlungen: »Erlösungen», »Aber die Liebe-, »Lebensblättcr». Nachdem er seinen bürgerlichen Berus ausgcgebc» halte, gründete er mit Bierbanm, Hcymel u. a. die Kunstgcnojsenschast »Pan», gab dann das Drama der »Mitmensch», Len Gcdichtband »Weib und Welt« und das pantomimische Drama -Luciser- heraus und verfasste mit seiner ersten Fra» zusammen das Kinderbuch »Fitzebutze». Einer späteren Zeit gehören das Epos »Zwei Menschen», die »Verwandlungen der Venus», die neue Ausgabe »Lc- bensblätter» und »Betrachtungen über Kunst, Gott und die Welt» <Es- says und Dialoges an. Ferner gab er eine Anzahl Kindcrdichtnngcn heraus, von denen hier »Der Buntscheck» und »Kindergarten« ge nannt seien. Von 1866—09 stellte er clnc zchnbändige Gesamtaus gabe feiner bis dahin entstandenen Schriften her und hat seitdem noch die Dramen »Michel Michael» und »Tic Mcnschcnsreundc«, die Gcdicht- bände »Schöne wilde Welt«, »Bolkesstimmi — Gottesstimme» und das Kriegstagebuch »Zwischen Volk und Menschheit- herauSgegebc». H. F. Eisele ft. — In Kreiburg i. Br. ist der Senior der dortigen Juristensakultät, Proscssor Or. Hermann Fridolin Eisele, im Alter von 83 Jahren gestorben. Ein Teil seiner Arbeiten, die sich meist ans Geschichte und Dogmatik des römischen und deutschen Privatrcchts be ziehen, erschien gesammelt in den »Abhandlungen zum römischen Zivll- prozeß» <1888> und in den »Beiträge» zur römische» Rechtsgeschichtc- s1888s. Leopold v. Schroeder ft. — In Wien ist der ordentliche Prosessor der indischen Philologie und Altertumskunde an der Wiener Universi tät, De. Leopold v. Schroeder, im Alter von 68 Jahren gestorben. Seine bekannten Vorlesungen über »Indiens Literatur und Kultur in historischer Entwicklung- <1887) sind seit langer Zeit vergriffen und gesucht. Seine »Rede:: und Aussätze, vornehmlich über Indiens Lite ratur und Kultur» erschienen 1913. Tic Kenntnis des Buddhismus hat Sch. durch eine mustergültige Übersetzung des »Dhammapadam», der wichtigsten zum buddhistischen Kanon gehörigen Sprnchsammlnng, gefördert. Mit den Anfänge» des indischen Dramas beschäftigt sich seine tiefgründige Arbeit »Mysterium und MimnS im Rigvcda» <1968). Seine Bühnenbearbeitungen von Kalidasas »Sakuntala» und ande ren indischen Dramen sind von hohem ästhetischen und theatergeschicht lichem Interesse. Von der letzten großen ans drei Bände berechneten Arbeit des Gelehrten, der unlängst noch durch de» Titel eines theologi schen Ehrendoktors ausgezeichnet wurde, seiner »Arischen Religion», liegen die beide» ersten Bände <1814 und 1816s vor Philipp Schulz ft. — Am 3. Februar ist vr. zur. Philipp Walter Schulz im Alter von 55 Jahren in Berlin gestorben. Mit besonderem Eifer widmete sich Schulz dem Studium der persischen Miniatur malerei und veröffentlichte, ausgehend von seinen eigenen Sammlun gen, das Werk »Die persisch-islamische Miniaturmalerei», das vor allem eine wichtige Materialsammlung darstelli <2 Bände; 1814s. Außer diesem Werk erschien noch 1817 das Bllderwcrk »Ter Islam-, mit einer orientierenden Einleitung über das gesamte Kulturgebiet des Islams aus der Feder des Verstorbenen. Sprechfaul. Ohne Verantwortung der Redaktion: jedoch unterliegen alle Einsendung« b« Bestimmungen über die Verwaltung deö Börsenblatt».) Feindliche Propaganda in vornehmem Gewände. Auf die vom Verlaff Walöheim-Ebcrle A.-G-, Wien, betriebene Reklame hin und veranlaßt durch den Umstand, daß die Erzählung Wesel berührt, bestellte die Unterzeichnete Buchhandlung Mitte vorigen Jahres das in diesem Verlag erschienene Buch »Schattenbilder vom Nhei n«. Nach eingehender Prüfung des Inhalts und nachdem vom Verlag vor kurzem das Buch wiederholt als Weihnachtsgeschenk angepriesen wurde, sieht sie sich genötigt, den deutschen Buchhandel vor dem Vertrieb dieses Buches zu warnen. In prunkvollem Gewände — vornehmer Einband, große, schöne Leitern auf bestem Papier, künstlerischer Buchschmuck — wird hier zum Preise von ^ 25.— der deutschen Öffentlichkeit eine jener Schmäh schriften angeboten, wie sie der feindliche Propaganöadtenst während des Krieges zu Hunderttausenden in Form von Flugblättern und Broschüren in Front, Etappe und Heimat hat verbreiten lassen. Nct, äußerlich ist dafür die Tatsache schon ungemein bezeichnend, -aß die »Erzählung» nach Mitteilung des Verlages ursprünglich in englischer Sprache niebergeschriebcn und im Oktober 1918 in Zürich erschienen ist. Auch die feindliche Werbeliteratur ist ja vornehmlich im neutralen Aus lande verlegt worden. Die Darstellung selbst läßt keinen Zweifel liber ihre trübe Quelle. Irgend ein fahnenflüchtiger Feigling, der sich als preußischer Offizier und bayrischer Staatsangehöriger ausgibt, erzählt, wie er sein minderwertiges Dasein durch eine Flucht von Holland über die Nheinlande nach der Schweiz reitet. In ungeschicktester Art sind nun in die Erzählung alle die Schmähungen und Verleumdungen Deutschlands eingeflochten, die uns aus der feindlichen Hctzliteratnr sattsam bekannt und längst hundertmal widerlegt morden sind, und deren ewige Wiederholung nun doch allmählich langweilig wirkt. Auch die wegen ihrer Plumpheit geradezu Mitleid erregenden Fälschungen angeblicher deutscher Aktenstücke, die das Buch bringt, weisen alle die typischen Merkmale der in der feindlichen Falschmünzern'«', kstätte her- gestellten Erzeugnisse ans: es werden Behörden aufgcsührt, die cs in Deutschland nie gegeben hat (z. B. »Oberkommando deö badischen Operationsgebietes«, — an anderen Stellen sind ein »Armeeober kommando Köln« und ein »Oberkommando Bonn«, ebenso imaginäre Größen, erwähnt), der Inhalt der Schriftstücke ist ein zu rechtgemach tes Sammelsurium ans .Hetzartikeln, die Sprache entspricht nicht dem deutschen Kanzleistil, sondern einer französischen Fanfaronade. Über haupt kehren in dem ganzen Buch überall gewisse Eigentümlichkeiten des französischen Stils, charakteristische französische Wendungen wieder, und überall sind auch Floskeln und Sätze in französischer Sprache ein- gestrent, wie denn auch die ganze Empfindungswelt des angeblichen Bayern echt gallisch-französisch und so nndeutsch und unbayrisch wie nur möglich ist. Über die phantasievollen Schilderungen der Örtlich keiten von Wesel, Düsseldorf und Bonn wird jeder, der diese Städte kennt, in grenzenloses Staunen geraten, und die an einer Stelle mit- geteiltcn deutschen militärischen Kommandos finden sich, was jeder Rekrut dem Verfasser verraten kann, in keinem deutschen Militär reglement. Nach der reklamehaften Empfehlung des Verlags soll die Schilde rung »auch literarisch« bedeutend sein. Nun, literarisch ist sie ein geradezu schauerliches Machwerk übelster Hintertreppenliteratur, das sich den fabrikmäßig hergestellten Schinderhannesromanen würdig an die Seite stellt: das ganze Geschehen rollt sich programmätzig ab, jede kitzliche Situation löst spielend der als glücklicher Zufall prompt er scheinende Deus ex mackiorr; umständlich wird mitgeteilt, wie des ».Helden« Willenskraft mit Mokkaschlürfen, Torteessen, Zigaretten- ranchen, Schürzenjäger«! verbraucht wird, wie er, der anS reiner Menschlichkeit keinen schwerbewaffneten Feind im .Kampfe »morden« mochte, die Pistole in sadistischer Roheit auf einen kleinen Knaben rich tet und in seiner freien Zeit hin und wieder der Polizei oder dem Grenzüberwachungsdienst ein Schnippchen schlägt, von einer so grotesk erschreckenden Plumpheit, daß man immer in höchste Angst versetzt wird um sein Schicksal, weil man lveiß, daß jeder deutsche Hilfspolizist schon nach viernndzwanzigstündtger Dienstzeit auf solche Kniffe nicht mehr hereinfällt. Es ist ein »Dokument unserer Zeit«, daß ein deutscher Verlag, der künstlerisch ernst genommen sein will, sich dazu hergibt, im Dienste der feindlichen Propaganda nach Beendigung des Krieges ein so jäm merliches Machwerk wüstester Schundliteratur herauszubringen. Das Publikum hier in Wesel hat die richtige Empfindung für guten Ge schmack bewiesen und dieses »Kunstwerk« mit Entrüstung a b g c l e h n t. Wesel. FinckeL Mallinckrodt t. V. Trebst. Erwiderung. Der Verfasser der »Schattenbilder am Rhein« ist im Frühjahr ISIS in der technischen Abteilung unseres Unternehmens erschienen, um seine Erzählung ans eigene Kosten in Druck zu geben. Dieser einfache Drnck- auftrag wurde denn auch den Angaben des Bestellers gemäß auSge- fllhrt. Dem späterhin von Mitteln völlig entblößten Verfasser durf ten wir es nicht versagen, sein von Begabung zeugendes Buch kommis sionsweise in Verlag zu nehmen. Die Wahrheit der Erzählung zn bestätigen, sind wir nicht in der Lage, allein wir können bezeugen, daß deren Verfasser bayrischer Staatsangehöriger ist und in München lebt. Daß unser Verlag den von feindlicher Seite veranstalteten Hetzen gegen Deutschland fernstehe, bedarf keiner Erklärung. Verlag Waldheim-Eberle A.-G Verantwortlicher Redakteur: En, tlThomaö. — Verlag: Der Vürsenoeretn der Deutschen Buchhändler zu Leipzig, Deutsches Buchhändlerhau». Druck: Ramm L Seemann Sämtlich io Leipzig. Adresse der Redaktion und Expedition: Leipzig, Gerichtsweg 2g sBuchhändlerhauS».
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