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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 07.02.1920
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1920-02-07
- Erscheinungsdatum
- 07.02.1920
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Saxonica
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31. 7. Februar IWO. Redaktioneller Teil. Börsenblatt f. ». Dtschn. Luchhc.riveU Lettene untt^ kei-vorrZZencte Kleine Nitteilnnneu. Bekanntmachung über Druckpapicrpreise. Vom 31. Januar 19 2 0.— Auf Grund der Bekanntmachung über Druckpapier vom 18. April 1Ä16 (Neichs-Gesetzbl. S. 306) und der Bekanntmachung über das Jn- kraftbleibcn kriegswirtschaftlicher Bestimmungen nach Beendigung des Krieges vom 22. Dezember 1919 (Neichs-Gesetzbl. S. 2138) wird im Hinblick darauf, das; die Neichsstclle für Druckpapier zu einem Beschluß nicht gekommen ist, folgendes bestimmt: Maschinenglatted, holzhaltiges Druckpapier, das für den Druck von Tageszeitungen bestimmt ist, darf, soweit Lieferung in der Zeit vom 1. Februar bis 29. Februar 1920 erfolgt, nur zu folgenden Preisen abgesetzt werden: 8 2. Jeder Empfänger hat den Preis zu zahlen, den er fiir die letzte ihm vor dem 1. Juli 1915 gemachte Lieferung an den damaligen Lieferer zu zahlen hatte, zuzüglich eines Aufschlages: a) für Nollenpapier von 184.50 b) für Formatpapier von 188,50 für einhundert Kilogramm. In dem Aufschläge ist die von« 1. Februar 1920 ab eintretende Kohlenpreiserhöhung einschließlich Steuer mit- enthalten. 8 3- Im übrigen bleiben die Bestimmungen der Bekanntmachung über Druckpapicrpreise vom 23. Dezember 1919 (Reichsanzeiger Nr. 296) tu Geltung. Berlin, den 31. Januar 1920. N e i ch s w i r 1 s ch a f t s m i n i st e r. I. V.: vr. Hirsch. (Deutscher Neichsauzciger Nr. 27 vom 2. Februar 1920.) Eine neue Rechtschreibung? (vgl. Nr. 29). — Uber die in der Be sprechung zutage getretenen Auffassungen wird dem »Lokal-Anzeiger« von zuverlässiger Seite mitgcteilt, daß die überwiegende Mehrheit der Sachverständigen der Ansicht war, daß nicht, wie vor 20 Jahren, halbe Arbeit geleistet werden dürfe. Es wird eine möglichst lanttrene Recht schreibung erstrebt: auch sprach sich die Mehrheit für Weglassung der großen Buchstaben ans. Der Neichsschulausschuh wird voraussichtlich Mitte Februar in Beratungen eintreten. In Fachkreisen sei man der Ansicht, daß die Vereinfachung der deutschen Rechtschreibung in abseh barer Zeit verwirklicht werden wird. Für die Einführung der neuen Schulbücher ist eine Übergangszeit von mehreren Jahren vorgesehen. Die Umwandlung der Militärbildungsanstalten. — Für die Um wandlung der militärischen Bildungsanstalten in bürgerliche Er ziehungseinrichtungen neuzeitlicher Art hat das Neichsministcrium dcS Innern den bekannten Pädagogen und Schulrcsormer Oberstudienrat vr. Kerschenstciner (München) als Hauptmitarbeiter und Sachvcrstän- digenbeirat berufen. Wilson Nobelpreisträger? — Wie aus Stockholm berichtet wird, hat die interparlamentarische Gruppe des schwedischen NikSdags in ihrer Sitzung vom 27. Januar beschlossen, dem Nobelkomitce des nor wegischen Ctorthingd fiir den Friedenspreis der Jahre 1919—1920 Sen Präsidenten Woodrow Wilson und den Generalsekretär der inter parlamentarischen Union, L. Lange, vorzuschlagen. Die Gemeinde als Lieferantin. — Die Steglitzer Gemeindever tretung beschäftigte sich mit einem sozialdemykratischen Antrag, ge meindeseitig Schreibhefte und Zeichenblocks einzukaufen und zum Selbstkostenpreis an die Schüler abzugeben. Von den An tragstellern wurde darauf hingewiesen, daß Schreibhefte bereits 75 Pfg. und mehr kosten, und daß cs den Eltern schließlich kaum noch möglich sein werde, die für die Schule erforderlichen Materialien heranzuschaf fen. Nach längerer Aussprache stimmte die Versammlung dem An träge zu und beauftragte die Schuldeputation mit der weiteren Er ledigung. PerMMaqrimeli. Gestorben: Ende Januar der Buchhändler Max Gräfenhan in Eis te den im Alter von 71 Jahren. Er hinterläßt eine 91jährige Mutter. »Max« — unter diesem Namen war er in ganz Eisleben bekannt — war ein Original. Er verdient daher in der Erin nerung sestgchalten zu werden. Deshalb bat ich den Schrift steller Rudolf Sansoni, ihm einige Worte zum Gedächtnis zu schreiben. W. P r o b st. Eines Tages hat er sich davongemacht, hat seinen Kram stehen lassen, wie er gerade stand, hat sich hingelegt, ohne ein Wort zu ver lieren, und ist nicht wieder aufgestanden. Von heute auf morgen ge schah das. Als man davon hörte, wollte mans darum fürs erste nicht recht glauben. Doch wars so. Denn der Tod ist ungefähr der einzige, dem man unbedingt glauben darf. Aber es ist hier noch etwas anderes da bei, daß man so mit einem vagen Zweifel aufhorchte, etwas, das einen selbst betrifft. — Er ist 76 Jahre alt geworden, aufs geratewohl ge raten, oder 10 Jahre älter gar, oder 10 Jahre jünger, oder 30 Jahre jünger möglichenfalls, denn so sah er noch aus, genau wie früher, als wir noch klein waren. Also das ists. Die Erinnerung an uns selbst, mit der er not wendig verbunden war, und davon ist nun mit ihm wieder ein Stück dahin. So was möchte man freilich nicht glauben. Aber so ist das einmal und nicht anders. Die Zeit steht nicht still. Sie zerrupft die Erinnerung Blatt um Blatt mutwillig wie Kinderhände eine Blume. Sie läßt sie, die Erinnerung, alt und grau werden, auch wenn mans nicht sicht. Maxens Perücke ist noch so braun wie vor 30 Jahren, sein faseriger Schnurrbart fast so. Man ist ein paar Jahre fort gewesen, ge zwungenermaßen, und steht nun wieder vor seinem kunterbunten, ver staubten Büchcrladen, und sicht ihn noch genau so mit dem zerfahrenen Ernst darin hantieren, wie es früher war. Denn auf einige Entfer nung erkennt man die Furchen nicht, die ihm die Zeit wie ein launi sches, boshaftes Frauenzimmer mit scharfen Nägeln eingckratzt hat. Und man ists zufrieden, als wärs nun wahrhaftig noch wie damals, als wir noch jung waren. Man brauchte damals notwendig ein Buch, einen Kommentar zu irgend einer kopfbrecherischen Schularbeit. Man stolpert echauffiert über die Stufen in den schmalen Gang vor dem Ladentisch. Er versteht, wie einem zumute ist, und beginnt ein Suchen. Er vergewissert sich noch einmal mit einem konzentrierten, ernsthaften, ein wenig miß trauischen Blick, den Schwerhörige an sich haben — er krankt auf beiden Ohren fast bis zur völligen Taubheit —, und dann hebt das Suchen an. Es muß unbedingt da sein. Er sucht sich albern und dumm. Staub wallt auf. Stapel stürzen ein. Was fällt, das fällt. Der Kommentar muß da sein. Kunden sammeln sich an. Sie mögen sich sammeln. Erst das Buch. Er weiß wohl, es ist nichts daran zu verdienen, an diesen verliehenen Kommentaren. Aber es gilt die Ehre der ganzen Zunft. Einige kauffähige Kunden gehen wieder unver richteter Dinge und wo anders hin. Laßt sie. Das Buch muß da sein. Und wahrhaftig, es ist da. Es ist verstaubt wie ein richtiger Hand langer. Man reißt cs an sich und sagt nicht einmal groß Dank dafür. Schlimmer noch waren die Nöte, wenn lange bestellte Ware, in wahrhaftem Bangen erwartet, aus Leipzig endlich eiutraf, von irgend einer der geheimnisvollen Zentralen, vor denen man im Lause der Zeit Grauen empfand, denn man wußte von ihm, daß dort »Lumpen« und »Vagabonden« saßen, einzig darum, die Geschäftsleute ihrer Verbin dung zu »schikanieren«. Und richtig, auch heute wieder. Der lauge er sehnte Ballen war kalt lächelnd unter Nachnahme ausgegebcn. Aber es war nichts da zum Nachnehmen, nicht einmal die Hälfte des Wertes, auch wenn man alle Taschen umkremptc, zum Teufel. Ach, wen» mau sie gesehen hätte, in Leipzig, die schwere Not. Man hätte sicher Kredit gegeben, auch auf ein Risiko hin. Aber sie sahen sie eben nicht, diese seine schwere Not und die seiner Getreuen. Geschäft ist Geschäft, sagt man, da sieh dn zu. Man spürte den »Vagabonden« doch heimlich de» Zug von großer Welt an, von weiten Beziehungen, die sich nicht auf Pfenniggcschäfte entlassen können. Aber was half das, der Ballen mußte cingelöst werden, man mußte seine Lehrbücher haben. Bis endlich — darauf hin kams hinaus, von jedem im stillen er hofft — die »Alte« — die Mutter — entspringen mußte, zwar schimpfend wie ein Rohrsperling, daß der Junge noch immer nicht ler nen wollte, seine sieben Sachen beieinander zu halten. Aber sie half. Und sie hoffte bis zuletzt. Sie verzieh ihm seine jungen 50 Jahre, auch wohl noch die 70, und hoffte. So war das damals. Und so steht er auch heute noch im Durch einander seiner Bücherregale und verkauft kleine, blaue Hefte an Schul kinder fiir ein paar> Pfennige. Und aus dem Erlöse dieser kleinen Heft chen in Oktav summiert sich im Laufe des Tages die Einnahme für den Lebensunterhalt des andern Morgens, aus der Hand in den Mund. 127
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