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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 23.06.1917
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1917-06-23
- Erscheinungsdatum
- 23.06.1917
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Saxonica
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Börsenblatt f. d. Dtschn. Buchhandel. Redaktioneller Teil. ^ 144. 23. Juni lS17. preis zu erhöhen. Das geht aus unserem individuellen Rechte, aus dem Rechte jedes Einzelnen hervor, und den müßten Sie einmal vor Gericht ziehen. Der lönnte Ihnen aber Nachweisen, daß bei Ihrem Rabatt sein Geschäft überhaupt gar nicht bestehen kann. Dann sollen Sie herein mit einer Klage. Zweitens ist folgendes gefährlich. Der Antrag Nitschmann bedenkt gar nicht, daß wir in einer Übergangszeit sind. Im ganzen Reiche nehmen die Buchhändler, wie gesagt, jetzt Aufschläge, und ein großer Teil der Sortimenter wäre in diesen drei Jahren pleite gegangen, wenn er diese Aufschläge nicht gemacht hätte. Meine Herren, nun sieht der Antrag Nitschmann nicht voraus, daß dieser Zustand solange fortdauern wird, bis erst durch den Frieden — noch nicht gleich mit dem Frieden, sondern nach dem Frieden — stetige Verhältnisse eingetreten sind und bis wir wissen, wie hoch der Wert des Geldes im Verhältnis zur Arbeit steht. Ist der Wert des Geldes im Verhältnis zur Arbeit so niedrig wie jetzt, dann kann auch nach dem Frieden kein Buchhändler mit einem Rabattsatz von durchschnittlich 2S oder 30h(> bestehen. Endlich be rücksichtigt der Antrag Nitschmann folgendes nicht, was wir schon längst in unserem Anträge gewünscht hatten. Wir haben gesagt: bei Gegenständen im Werte bis zu 60 Pf. muß der Rabatt höher sein als 30tzß; denn die Arbeit, die erforderlich ist, nm etwas für 60 Pf. zu bestellen oder kommen zu lassen, ist unter Umständen größer, als der Bruttorabatt beträgt. Meine Herren, das sind alles Mängel, die zu beseitigen wir Herrn Nitschmann und Genossen raten möchten, damit der Antrag nicht mehr Schaden anrichtet, als er Vorteile verspricht. Aber wir Vertreter des alten Vereins der Deutschen Buchhändler freuen uns trotzdem, daß unsere vierzehnjährige Arbeit jetzt endlich von Ihnen durch Ihren Antrag anerkannt wird, und daß wir mit Ihnen gemeinsam einen Schritt tun können, der uns nützen wird. Meine Herren, das, was Sie heute verlangen, wird ja abgelehnt werden, oder — Sie ziehen es selbst zurück: (Rufe: Nein!) — noch besser! — aber den Nutzen werden Sie verspüren, so wie wir den Nutzen aus unserer Arbeit ver spürt haben. Dieser oder jener Verleger, gedrängt durch sein humanes Gesühl oder durch die Rücksicht auf seinen Vorteil, ist im Lause der Zeit doch zu uns übergegangcn und hat Überlegung walten lassen. Insofern wird auch Ihr heutiger An trag, selbst wenn er abgelehnt werden sollte, seine Früchte tragen, und wir werden dann endlich in der Zeit der Not ge meinsam Vorgehen und gemeinsam etwas erreichen. Wie ja auch viele andere Leute in der Zeit der Not erst gesehen haben, daß Gemeinsamkeit das beste ist, — daß Friede ernährt und Unfriede verzehrt. (Rufe: Schluß!) So gebe ich zwar dem Bedauern Ausdruck, daß Sie mich durchaus haben verhindern wollen, zu sprechen, so daß ich genötigt war, an den Stcnographentisch zu treten, damit meine Worte überhaupt gehört werden konnten. Ich wünsche, daß es künftig auf der Hauptversammlung des Börsenvereins besser zugehen möge. (Händeklatschen bei einem Teile der Versammlung.) Vorsitzender Herr Kommerzienrat Artur Seemann-Leipzig: Bevor ich dem nächsten Redner das Wort erteile, bitte ich die Versammlung, ihre Ansicht darüber zu äußern, ob wir mit Rücksicht auf die vorgeschrittene Zeit eine Be schränkung der Redezeit einführen wollen. lZustimmung. — Rufe: ö Minuten! — 3 Minuten!) Zunächst haben sich einige Herren zur Geschäftsordnung gemeldet. Ich vermute, daß sie sich hierzu äußern wollen. Herr Bernhard Staar-Berlin (zur Geschäftsordnung): Meine Herren, ich muß meinem außerordentlichen Be dauern darüber Ausdruck geben, daß in dieser Weise ein Mann niedergcschrien worden ist, der seit mehr als zehn Jahren sich der Not unseres Standes angenommen hat und für »ins Sortimenter eingetreten ist. Das ist kein einer Gesellschaft ge bildeter Männer würdiges Verhalten. Das wollte ich hier nur aussprechen. Vorsitzender Herr Kommerzienrat Artur Seemann-Leipzig. Das war nicht zur Geschäftsordnung, denn es bezog s.ch nicht auf die Behandlung unserer Geschäfte. Herr Fritz Hachmeister-Leipzig (zur Geschäftsordnung): Ich stelle den Antrag, daß sämtlichen Rednern eine Rede zeit von 5 Minuten bewilligt wird. Vorsitzender Herr Kommerzienrat Artur Seemann-Leipzig: Ist die Versammlung damit einverstanden, daß eine Redezeit von S Minuten gewährt wird? (Zurufe: 3 Minuten! — S Minuten!) Es liegen zwei Anträge vor. Ich bringe zunächst den weitestgehenden Antrag zur Abstimmung und bitte diejenigen, die Hand zu erheben, die für eine Beschränkung der Redezeit auf 3 Minuten sind. (Geschieht.) Das ist die Minderheit; der Antrag ist abgelehnt. Wer für eine Beschränkung der Redezeit auf S Minuten ist, den bitte ich, die Hand zu erheben. (Geschieht.) Die Beschränkung der Redezeit aus 8 Minuten ist angenommen. Herr Hans Speyer-Freiburg im Breisgau: Meine Herren, ich möchte hier doch Protest einlegen gegen eine : ußerung des Herrn Nitschmann. Herr Nitschmann hat behauptet, daß er das gesamte deutsche Sortiment vertrete. Ich behaupte, daß das nicht der Fall ist. Es gibt neben mir und neben den mir befreundeten Kollegen in Freiburg eine ganze Anzahl von Sortimentern, die von der Gilde absolut nichts wissen wollen (Leider!), die in der demagogischen Art und Weise (Erregte Rufe: Pfui!), wie die Anträge hier gestellt und begründet werden, und in dem ganzen Ton nichts weiter sehen als eine Störung der guten Beziehungen zwischen Verlag und Sortiment. (Bravo! und: Sehr richtig! bei einem, Un ruhe bei einem andern Teile der Versammlung.) Herr Nitschmann hat hier für die deutsche Buchverteuerungsgilde geredet, aber nicht im Namen des gesamten deutschen Sortiments. (Sehr richtig! bei einem Teile der Versammlung. — Rufe: Pfui! bei einem andern Teile der Versammlung.) Herr Albert Diederich-Pirna: Meine Herren, ich würde mich schämen, auf die Ausführungen des Herrn Speyer zu antworten. (Sehr richtig! bei einem Teile der Versammlung.) Ich will hier nur die Erklärung abgeben, daß die Gilde nicht daran denkt, ihren Antrag zurückzuziehen. Meine Herren, Sie haben uns wieder einmal geraten, Wasser in unfern Wein zu gießen. Dieser Rat ist uns seit zehn oder fünfzehn Jahren fortgesetzt erteilt worden. Seit zehn Jahren minde stens besuche ich jede Sitzung, die hier in Leipzig stattgefunden hat, sei es zu Kantate, sei es im Herbst, seien es Be sprechungen der verschiedenen Kreis- und Ortsvereine. Jedesmal sind wir mit vollen Hoffnungen hergekommen, jedesmal wollten wir etwas für uns erkämpfen, wollten wir unsere Existenzmöglichkeit sichern, und jedesmal hat es geheißen: meine Herren, was Sie wollen, ist ja ganz schön, Sie müssen es vielleicht auch erstreben, aber in der Form läßt es sich nicht durchführen; gießen Sie Wasser in Ihren Wein! Dann ist eine Kommission gewählt worden, es sind Leitsätze aus gestellt worden, und dann ist Wasser in den Wein gegossen worden, dann ist aus unserem Wein Wasser gemacht worden, und wir sind arm geblieben, uns hat man nichts zu trinken geboten. Das machen wir heute nicht mehr mit. Wir halten unsere Anträge aufrecht, und ich bitte alle die Herren, die gestern in der Gildcversammlung die Erklärung abgegeben haben, daß sie sich in der Verfolgung der Anträge durch nichts wollen beirren lassen, auch dann nicht, wenn noch so schweres Geschütz wider sie ausgefahren wird, bei unserem Anträge zu beharren und mit uns für den Antrag zu stimmen. Es werde» immer allerlei Einwände gemacht, es wird viel vom Austreten der großen Verleger geredet. Ein Verleger hat auch seinen Austritt erklärt. Er ist nach kurzer Zeit reuevoll in die Arme des Börsenvereins zurückgekehrt. Meine Herren, es ist auch jetzt wieder damit gedroht worden, daß Verleger austreten können, daß durch unser» 738
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