^ «6 21. März IS1I Künftig erscheinende Bücher. BSHmbl-Nt f. «. Dtschn. «uch?»nd» K55L Verlag von Egon Fleischel Co., Berlin W 9 Wir versandten soeben unser Drittes Rundschreiben über Das Leben der Renee von Catte Noman von Elsa von Bonin Geh. M. 3.50; geb. M. 5.— Mit Amschlagzeichnung von Kurt Tuch ^ier liegt das Debüt eines Talentes vor, dem eine große literarische Zukunft in Aussicht stehen dürfte. An diesem außerordentlich bemerkenswerten Buche entzückt besonders neben dem eigenartigen Stoff ein objektiver, knapper, herber Stil, der eine Kultiviertheit und Meisterschaft zeigt, wie sie nur selten einem Erstlingswerk eigen sind. Elsa von Vonin erinnert manchmal etwas an Fontane, was wohl daher kommt, daß die Dichterin das Milieu fast noch besser kennt und fast ebenso präzis seine Äußerungen aufzufangen weiß wie der Altmeister. Zn das Bild der Leldin hat sie gewiß eigene Züge und in ihre Geschickte eigene Erlebnisse eingewoben. Aber sie drängt sich nie vor, macht sich nie wichtig. Man muß die Griffsicherheit bewundern, mit der Elsa von Bonin die Welt ihres Werkes gerundet und ihre Figuren mit einer prächtigen Selbstverständlichkeit gesehen und hingeseht hat. Inhaltsangabe: Renee von Catte ist eine märkische Iunkerstochter. Auf dem Gut Groß-Gehren wächst sie bei der leichten Zucht eines ver witweten Vaters, der sich mehr um seine Lunde und um seine Rehböcke, als um seine Kinder kümmert, ziemlich wild heran. „Kleiner Bub Renee" nennt sie Hannsbabo, der Bruder. Diesen, der bei den Gardekürassieren in Berlin Leutnant ist und bei seinen seltenen Besuchen den Duft und das Geräusch der großen, lauten, reichen Welt mitbringt, vergöttert das immer mehr vereinsamende Kind. And wie dieser Bruder ihrem kleinen Kinderleben Glanz und Liebe gab, so löst sich auch das Leben der älter gewordenen Renee erst von der Alltäglichkeit eines ostelbischen Landkomteßchen-Daseins los, als des Bruders Schicksalskurve sich ins Angewöhnliche abzweigt Als Militärattache nach Washington gesandt, kommt er von dort nach ein paar Zähren, mit einer amerikanischen Millionärstochter verheiratet, zurück. And an dieser kleinen, spinnwebfeinen Amerikanerin, an ihrer kindlich-kindischen Gefühlskälte, an ihrer spielerischen Liebenswürdigkeit, die eine Lieblosigkeit ohne gleichen ist, an dieser Kraft der Kraftlosen zerfällt und zerschellt die Liebe und zuletzt das Leben des schönen, stolzen, jungen Offiziers. Noch über den Tod hinaus aber sorgt er für das schöne, schwächlich - allmächtige Geschöpf, das ihn aus dem Leben getrieben hat: in ein paar echt-rührenden Abschiedszeilen trägt er der Schwester auf, bei Sarah zu bleiben. Renee tut es, sie zieht nach Berlin zu Sarah. Aber das leere, ziellose Leben in der großen Stadt hält sie nicht lange aus. Nach einigem Zrrlichtelieren in Aristokraten- und Artistenkreisen beginnt sie zu studieren, zu arbeiten, bloß um der Arbeit willen. Aber aus einer Reise, am Genfer See, vollendet sich und erfüllt sich Renees Dasein. Sie trifft eine feine, kranke Frau; eine Dichterin, deren Verse sie seit langem geliebt hat. Yvonne Capeller und Renee werden Freundinnen. And Renee bleibt bei Bvonne. Die Liebe zu einem andern Menschen hat die Liebe für einen andern Menschen, die unmittelbare die mittelbare besiegt. Aber Vvonne ist todkrank, und sie hat nur noch den einen Wunsch, von der Land eines geliebten Menschen den Tod zu erhalten, wenn sie denn nicht leben darf für diesen geliebten Menschen. Da gibt ihr Renee das er lösende Gift und löst sich zugleich selbst von dem nun sinnlos gewordenen Leben los. — Wir bitten, zu verlangen; Bestellzettel in der weißen Beilage. Lochachtungsvoll Berlin, März 19 11 Egon Fleischel L Co.