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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 30.04.1927
- Strukturtyp
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- 1927-04-30
- Erscheinungsdatum
- 30.04.1927
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- Deutsch
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l«0, 30. April 1927. Fertige und Künftig erscheinende Bücher. Börsenblatt f. d. Dtschn. Buchhandel. 4191 Urteile von den geistigen Führern der Landschaft Die alte abgedroschene Redensart von dem Buche, das in die Hand eines Jeden gehört, drängt sich bei diesem Sagenbuche auf, so sehr man auch nach einer neueren Wendung sucht. Der alte Gräße ist heute ver altet, auch wohl nur noch antiquarisch zu finden. Hier aber haben wir in ganz vorbildlicher Ausstattung einen so vorzüglichen Ersatz, daß man den Vorgänger nicht mehr vermißt. Dabei ist Siebers Werk aus- wiffen kaum noch etwas von der Seele ihrer Heimat, wie sie sich in Sagen und Märchen kundgibt. Man sollte dieses Buch zu tausenden von Stücken alljährlich in den Schulen, voran den Volksschulen ver teilen, um das Band, das den Menschen an seine Heimat bindet, neu zu knüpfen. Man könnte der Jugend so em Stück Innerlichkeit geben, könnte Heimweh, Sehnsucht und Liebe zur Geschichte neu einpflanzen, die sonst im Betriebe von Fußball und dilettantischer politisiererei ja völlig verlorengehen. Es wäre mir eine herzliche Freude, wenn meine Freunde im deutschen, insbesondere im sächsischen, würden. Sie würden gleichzeitig einen Dienst an Volk und Heimat leisten, der der schönsten Überlieferung de» Sortiments würdig wäre! Sammlungen sächsischer volkssagen besitzen wir ja schon in großer Anzahl. Es sei nur erinnert an das grundlegende Sagenbuch A. Meiche, an die vogtländischen Sagen von Eisel, die erzgebirgischen von Sie ger», die Lausitzer von Haupt. Gleichwohl muß die neue Sammlung von Sieber» der sich auf dem Gebiete der Volkssage schon wiederholt bewährt hat, willkommen geheißen werden und verdient weiteste Ver breitung, vor allem unter den Freunden volkstümlicher Dichtung. Sie vermehrt nicht nur den Stoff, indem gut ausgewählten Sagen aus älteren Sammlungen neue, aus dem volksmunde geschöpfte hmzuge- fügt werden, sondern es ist auch das Gebiet wesentlich erweitert. Die politischen Grenzen Sachsens sind durchbrochen und aus mitteldeutschen Rolonisationsgebietes geworden, in dem auch Sagen eines großen Teiles der Provinz Sachsen und Nord böhmens Aufnahme gefunden haben. Recht gut ist auch der slawische Anteil an diesem Gagengut erörtert. Auch inhaltlich enthält das Buch mehr als der Titel erwarten läßt. Oer erste Teil ist ein Stück sächsischer Stammes- und Landesgeschichte, an die sich die historischen, z. T. auch ätiologische Gagen angliedern wie die Äste eines Baumes an den Stamm. Und wo von dem sächsischen Menschen gehandelt wird, da werden auch die Sitten und Bräuche aufgezählt, die an den Festtagen des Jahres in bäuerlichen Rreisen üblich sind. Vor allem aber enthält das Buch, was sonst keine Sammlung bietet, zahlreiche wertvolle Bilder, die Werke plastischer Runst wiedergeben oder aus alten publi- O-en-eFte/A/rFZ/'a? rm FLÄnüc/re/r Mischung hat wahrscheinlich auch jenes eigenartige Ineinander von Rationalismus und Gefühl erzeugt, das den sächsischen Volkswitz aus- zeichnet, das den Sachsen von anderen Volksstämmen abhebt — oft zu deren Vergnügen, oft auch zu deren Mißvergnügen —, und aus dem es meiner Ansicht nach vor allem zu erklären ist, daß die sächsische Land schaft auf verhältnismäßig engem Raume Rünstler und Denker wie Schumann und Wagner, Lessing und Fichte hervorgebracht hqt. Und doch gibt es kaum einen Volksstamm mit so wenig Rassenstolz und historischem Bewußtsein; was sich sicher aus der angedeuteten seelischen Struktur, daneben aber auch aus der schweren politischen und wirtschaftlichen Geschichte der Sachsen erklärt. wußtsein seiner Eigenart mitzuverhelfen. — Ein solches Selbstbe- wußtsein bedeutet nicht Partikularismus, sondern ist einer der Wege zum wertganzen des Volkes der dann schließlich bedingungen überhaupt führt. — So wünsche ich denn dem „DeutschenSagenschatz"und hierinsbesondereden„Sächsischen Sagen" freien Zugang — nicht nur in die Bibliotheken und Schulen, sondern auch indieHerzen derer, diemit wenig Büchern viel zu erleben vermögen. im Zauber der Gpukwesen erlebte, das Rätsel der seltsamen Menschen zu lösen suchte, indem es diese Menschen mit Rätseln umgab. Volks tum und Volkswescn öffnen sich dem aufmerksamen Leser und er hört die (Quellen rauschen, denen auch sein Blut entsprang, wenn auch die Unrast der Zeit längst diese Stimmen übertönt und übertäubte. Und nun gerade auf dem sächsischen Boden, wo zwei Volkstümer in jahr hundertelangem Ringen sich gemessen haben bis sie zu einem neuen ver schmolzen, gerade hier bewahrt die Sage alte Geheimnisse, die wohl geeignet sind, manche Rätsel der Jetztzeit besser zu verstehen. Dabei ein Meisterwerk der Runst des Herausgebers, der Roman eines Volkes aus seiner eigenen phantas»egedichtet, aber von der Hand eines feinsinnigen Helfers geordnet, stilisiert, ge schrieben, so daß das bunte Gewirr Zusammenhang erhält, daß sich Rernpunkte und Lerngestalten sammeln und ein in sich gegliedertes Ganzes wird, das sich spannend liest — ja wie ein Roman. Oz/L/av Fc/r/seH Das Thüringer Sagenbuch von Paul Ouensel ist endlich das, was unserer Heimat immer gefehlt hat. Es ist organisch aufgebaut, macht die verborgensten Winkel unseres schönen Waldlandes lebendig, bevölkert Berge und Täler, halbverfallene Stollen, versteckte Weiher und heimliche Gründe wieder mit den Gestalten, die unseren Vätern und Müttern einst Begleiter ihrer Tage waren. Gerade für das Landvolk scheint mir dies Buch darum recht empfehlens wert, weil es die Augen öffnet für verborgene Schönheiten und die Ohren für sinnige Rlänge, den Menschen also fester und tiefer verwurzelt in der Heimaterde, als es hundert- trockene Geschichtsvorträge und Bücher vermögen. 5c/re//ezr-^F, /vnzr^zr/rszznzr.' Daß man sich unseres Volkstums erinnert, daß man der Überlieferung wieder aufmerksame Beachtung schenkt, ^st ein günstiges Zeichen der deutschen Besinnung und Rräfngung. Der prächtige Band der Thü ringer Gagen mit seinem klaren Druck und reichhaltigen Bildschmuck empfängt dadurch besondere Wirkung, daß hier ein Dichter am Werke war. Paul Ouensel hat nicht nur mit sorgsamer Aufmerk samkeit den gewaltigen Stoff gesammelt und gesichtet, sondern auch gestaltet. So haben die mannigfachen Sagen wirk lich Leben und Wärme erhalten, frische, überraschende Gegenwart. Hinaus ins Volk mit solch segensreichen Gaben; Lehrer und Pfarrer mögen daraus Lenntnis Thüringer Wesens schöpfen, damit die unge bärdige Welle des Industrialismus nicht unser bestes Fruchtland über schwemme und vernichte! Dem Verlag aber sei Dank gebracht für sein schönes und würdiges Unternehmen. Dt« l/^/«tt« ancH St« 8o^/tnr«nt«r «t«5 «rvS«lr«n D«nt«cH«« 8tür»oi« ari, «t«»n orr«8tLon»« «tirSto «t««o, S«n,«tr»se»r,«i, t^cr/«rtankt r,«rt»i»r«r««. /cH tt«/«^« t»«t D«rrv«nSims s«5» att« SL««t« t« ZLomartsst«»«. Eugen Diederichs Verlag in Jena
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