Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 18.04.1916
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- 1916-04-18
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- 18.04.1916
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- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
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SV, 18. April 1916. Redaktioneller Teil zu stiften, und hat so manchen stützen und zu weiterer Arbeit.so wohl im eigenen Berufe, wie vorübergehend auch in anderen Be rufen, verhelfen können. Viele sind schweren Herzens mit Fragen und Wünschen zur Kriegs-Beratungsstelle gekommen; Kollegen und Kolleginnen aus aller Herren Ländern, Vertrieben und ihrer Existenz beraubt, haben sich Rat und Hilfe geholt. Manche haben auch der Arbeit der Kriegs-Beratungsstelle ihren Dank gezollt, der uns Freude bereitet und zu weiterem Schaffen und Wirken angespornt hat. Eröffnet wurde die Kriegs-Beratungsstelle am 10. Oktober 1914, besucht wurde sic bis zum ZI. Dezember 1915 von 525 Per sonen, und zwar von 394 Gehilfen und Gehilfinnen, worunter Berliner Ansässige und Flüchtlinge aus England, Rußland, Frank reich, Belgien, Italien und Serbien, in letzter Zeit auch schon aus dem Kriege zurückgekehrte Ausgemustertc waren, und 131 Markthelfern. Von elfteren erhielten 3V1 Stellungen, und zwar 57 (51 Herren, 6 Damen) kurze Aushilfe, darunter 50 in buchhändle- rischcn Betrieben, 74 (87 Herren, 7 Damen) Stellen arif längere Zeit, jedoch mit kurzer Kündigungsfrist, darunter 34 in buch- händlerischen Betrieben, 157 (115 Herren, 42 Damen) sogen. Tauerstellen, als solche mit gesetzlicher Kündigungsfrist, davon 142 in buchhändlerischen Betrieben. Von den Markthelfern erhielten rund 120 eine Stelle. Neuerdings wird die Kriegs-Beratungsstelle auch bereits von Kriegsinvaliden und solchen, die zwar noch !m Heeresdienste stehen, aber dauernd nur garnisondienstfähig sind, ausgesucht. Auch Kollegen, die in der Verwundcten-Sammelstellc oder in Lazarett-Behandlung sind, haben sich wegen stundenweiser Be schäftigung an uns gewandt. Erwähnenswert ist, daß viele auswärtige Chefs sich zur Er langung eines Gehilfen unserer Kriegs-Beratungsstelle bedienten. Da, wo nicht sofort eine Stellung nachgcwiescn werden konnte, halfen wir durch Raterteilung zur Erlangung von Geldunter- stützungen, aber auch von Kleidung usw. Ferner konnte die Kriegs-Beratungsstelle vielen durch Abgabe von Speisemarken (völlig kostenfrei oder zu ganz geringen Preisen) helfen. Es wurden im ganzen 2197 Spcisemarken ausgegeben. Hier von gaben wir 314 kostenfrei, 1297 für 30 4, 15 für 35 -f, 571 für 45 -4 ab. Zur Unterstützung notleidender Kollegen, Kolleginnen und Kollegenfrauen wurden durch die Kriegs-Beratungsstelle bis jetzt .tk 2110.55 gesammelt und dem »Untcrstllynngsverein Deutscher Buchhändler und Buchhandlungsgehilfen« überwiesen. Zwei Mitglieder der Korporation haben im vergangenen Jahre in aller Stille frohe Gedenktage begangen. Am I. September konnten wir Herrn Willibald Challier zum goldenen Jubiläum seiner Selbständigkeit be- glückwünschen und ihm zugleich für die treuen Dienste danken, die er der Korporation als Mitglied des Hauptausschusses durch viele Jahre gewidmet hat. Am I. Oktober beging Carl Hey man ns Verlag den Tag seines hundertjährigen Bestehens. Dem hochangesehencn Hause hat der Vorstand herzliche Glückwünsche zu dieser seltenen Feier Largebracht und ihm auch für die Zukunft reichen Segen gewünscht. Ader auch schmerzliche Verluste haben wir zu beklagen gehabt. Zwei Mitglieder der Korporation, die Herren EduardHartig und Hermann Ehbock, sind im Kampf für das Vaterland gefallen; ihrer sei hier mit besonderem Dank gedacht. Am 10. Mai starb im Alter von 76 Jahren Herr Leo Liep mannssohn, in dem einer der tüchtigsten Antiquare und einer der besten Kenner alter Handschriften dahingegangen ist. Liepmannssohn wurde am 18. Februar 1840 zu Landsberg a. W. geboren. Nach bestandenem Abiturientcnexamen trat er bei Asher L Co. als Lehrling ein, und unter der Leitung des Besitzers dieser Handlung, Alberl Cohn, der die hervorragenden Fähigkeiten seines Zöglings erkannte, bildete sich Liepmanns sohn schon in der Lehrzeit zu einem ausgezeichneten Antiquar aus. 1862 ging er zu Franck nach Paris, und dort gründete er am 1. Januar 1866 selber ein Antiquariat, das sich glücklich ent wickelte. Der Krieg 1870 Vertrieb Liepmannssohn aus Paris, und wenn er nach dessen Beendigung das Geschäft auch fortführte, so halten sich die Verhältnisse für die Deutschen doch so unerfreu lich gestaltet, daß Liepmannssohn cs nur noch bis 1872 in Paris aushiclt, daun sein Geschäft verkaufte und nach Berlin über siedelte. Nach kurzer Teilhaberschaft bei Asher L Co. gründet? er hier ein Sortiment und Antiquariat. Ersteres verkaufte er bald und widmete sich nun allein dem Antiquariat, in dem er, seinen Neigungen folgend, besonders Musik und Kunst Pflegte. Er hat sein Geschäft zu hoher Blüte und großem Ansehen gebracht; von seinen Katalogen wird gerühmt, daß sie jederzeit ein ausge zeichnete? Hilfsmittel für jeden Antiquar bilden und dauernde» bibliographischen Wert behalten werden. Ende 1903 verkaufte er sein Geschäft an Otto Haas und durste dann noch 12 Jahre eines gesegneten Alters in einem glücklichen Familienleben in schöner Muße verleben. Liepmannssohn war ein Freund ge selligen Verkehrs, aber ein Hervortreten in der Öffentlichkeit scheute er, und so ist er auch in den weiteren Kreisen des Buch handels wenig bekannt geworden. Er ist seinem Beruf aber bis an sein Lebensende mit warmem Herzen zugetan geblieben, und sein Name wird im Berliner Buchhandel so bald nicht vergessen werden. Am 30. Juni 1915 starb in Galizien den Tod fürs Vaterland Herr Eduard Hartig, Mitinhaber der Firma Speyer L Peters in Berlin. Geboren am 10. November 1884 in Halle a. S., erwarb er im Verein mit seinem Schwager, Herrn Kurt Warnecke, im Jahre 1911 die Firma Speyer L Peters in Berlin. Seiner großen Energie und rastlosen Tätigkeit gelang es, die altangesehenc Firma weiter anszubaucn und auch dem Antiquariat besondere Wege zu weisen. Mitten aus freudigem Schaffen und aus allen großen Plänen riß ihn seine bei Ausbruch des Krieges erfolgte Einberufung. Fast ein Jahr lang hat er für das Vaterland ge kämpft, bis auch er den Tod auf dein Schlachtfelds fand. Ein gerecht denkender Mann vornehmen Charakters ist mit ihm da- hingcgangen, der in späteren Jahren seine Kraft auch dem Wohl unseres Standes mit Freuden zur Verfügung gestellt hätte, wenn es ihm vergönnt gewesen wäre, nach siegreicher Beendigung des Krieges wieder zu friedlicher Arbeit zurückzukehren. Am 23. August ist der älteste unter den Berliner Buchhänd lern, Herr FerdinandBerggold.im gesegneten Alter von säst 90 Jahren gestorben. Wer hätte ihn nicht gekannt, den lieben, freundlichen alten Herrn, der noch bis in sein hohes Alter gern an allem Gemeinsamen im Berliner Buchhandel teilnahm, der früher nie in den Jahresversammlungen der Korporation fehlte und immer ein gern gesehener Gast im Verein Berliner Buch händler war. Berggold wurde am 14. April 1826 geboren. Er gründete 1864 eine Verlagsbuchhandlung, in der er als erstes Unternehmen eine Zeitschrift für weibliche Handarbeiten »Das Arbeitskörbchen« gründete, dann aber auch Schulbücher und praktische theologische Werke verlegte. Am 1. Januar 1898 über nahm er den »Verlag des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins« und gleichzeitig das Amt des Schatzmeisters dieses Vereins, das er bis zr>m 1. April des vorigen Jahres mit hingebender Treue verwaltet hat. »Bis zum letzten Atemzuge«, heißt es in einem Nachrufe des Vorsitzenden des Sprachvereins, »war der einzige Gedanke des Verstorbenen, trotzdem er seines hohen Alters wegen das Vereinsamt am I. April hatte niederligen müssen, die Sorgc um das Wohlergehen des Sprachvereins, eine Sorge, die zugleich der Sonnenschein seines Alters war.« Im Buchhandel hat sich der Heimgegangene als Schatzmeister des früheren Berliner Vcrlegervereins in vierjähriger Arbeit be tätigt und ebenso als gerichtlicher Sachverständiger. Auch die Korporation hat sich seiner Mithilfe erfreuen dürfen; er hat viele Jahre hindurch als Archivar für musterhafte Ordnung in den Korporationsakten gesorgt. Ihm ist der Tod als freundlicher Führer zur Ruhe nach einem langen, treuer, selbstloser Arbeit ge widmeten Leben erschienen. Wir werden ihm allezeit ein treues Andenken bewahren. 44i
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