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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 28.11.1906
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1906-11-28
- Erscheinungsdatum
- 28.11.1906
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- Deutsch
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seine Einbände mit Pastoralszenen oder chinesischen Motiven schmückte; die de Rome, Dubuisson, Tessier, Jubert, der für Marie Antoinette arbeitete; Pierre Anguerrand, dessen Ein bände sich durch große Einfachheit auszeichnen (Ende des 18. Jahrhunderts); von den Neuern vor allem der berühmte Trautz-Bauzonnet, der im Jahre 1830 aus Heidelberg in Paris eingewandert war und sich gern an die Meisterwerke seiner Vorgänger anlehnte; Thouvenin, CapS, Chambolle, Duru, NisdrSe, Cuzin, Leon Gruel, Lortic, Carayon, Petrus Ruban, Emile Mercier, Marius Michel usw. Der Verfasser verweist zu weiterm Studium auf eine ganze Liste von Büchern über die Geschichte des französischen Bucheinbands, ein neuer Beweis für dessen große Vergangenheit und Bedeutung. Unter künstlerischen Einbänden sind ausschließlich Ganz- leder-Einbände (reliursZ plsiuss) zu verstehen, deren Rücken und äußere Deckel (xlatch mit Verzierungen, Linien, Wappen, zum Teil ganzen Bildern in Golddruck versehen sind. Der artige Einbände werden den zu diesen Verzierungen ange wandten metallenen Klischees entsprechend mit der Bezeich nung rksrsr, »pstits ksrs«, ksrs spLoisux« oder rploin or« charakterisiert. Findet der Druck ohne Vergoldung statt (Blinddruck), so wird der Einband gaukrö oder sbtawpä ge nannt. Vielfach tragen auch die innern Deckelseiten wenig stens am Rande Verzierungen, die den Namen »äeutsllss« (eigentlich Spitzen) führen. Ein solcher Einband wird als »rsllurs cloubls« bezeichnet und kostet etwa viermal so viel als ein ge wöhnlicher. (Die genaue Kenntnis dieser und andrer Fachaus drücke dürfte für den Antiquar Wert haben, da sie in französi schen Auktions- und Antiquariatskatalogen stets wiederkehren. Ich habe deshalb die französischen Bezeichnungen stehen lassen.) Cim gibt im Anschluß hieran 16 recht gut ausgeführte Ab bildungen von als typisch zu betrachtenden, berühmten histo rischen Einbänden, die uns einen guten Begriff vom Kunst einband der früheren Jahrhunderte geben und deren charak teristische Seite er kurz und deutlich definiert. Hierzu gehören die sogenannten Klostereinbände, die Mosaikeinbände, die symbolischen, die nüchternen und schmucklosen jansenistischen, die punktierten Einbände, der berühmte Einband für Ludwig XII. mit dem Stachelschweinmotiv, der Salamander- Einband für Franz I., der im 16. und zu Anfang des 17. Jahrhunderts viel benutzte »Einband mit dem durch stochenen 8«, der Vließ-, Vogel-, Fanfaren-Einband (nach den in den Verzierungen vorkommenden Motiven so ge nannt) u. a. — Viele Bibliophilen gehen in dem durchaus logischen Bestreben, das äußere Erscheinen eines Buches in Einklang mit seinem Inhalt, bezw. seinem Titel zu bringen, — mehr wohl noch in der Sucht nach Originalität — bis zur Spielerei. So z. B. ließ ein Engländer ein Handbuch der Jagdliebhaberei in Hirschleder, ein andrer die Geschichte Jakobs II. von Fox in Fuchsleder, eine Geschichte des Schwarzwalds in schwarz Maroquin binden. Andre Lieb haber erfanden Einbände mit Geheimfächern, die an der Innenseite des Buchdeckels angebracht sind. Diese Geheim fächer, die im Mittelalter beliebt waren, enthalten Minia turen, Porträts, Hostien, ja sogar Reliquien von Heiligen in Form von Knochen- und Kleiderfragmenten, und Edelsteine, in neuerer Zeit automatische Überraschungen und Spieluhren. Eine andre Spielerei besteht darin, zwei Bücher verschiedenen Inhalts so aneinander zu binden, daß sie einen Buchdeckel gemeinschaftlich haben und von beiden Seiten aufgeschlagen und gelesen werden können. Gewisse Bibliophilen wählen eine und dieselbe Farbe für ihre ganze Bibliothek, ohne sich durch die dadurch hervorgerufene Eintönigkeit abschrecken zu lassen. So berichtet Eugene Asse in seinem Buche Loui-bous tübliopüllssr von den Töchtern Ludwigs XV., daß, einer damaligen Mode entsprechend, die eine, Madame Adelaide, den roten Maroquin, die andre, Madame Victoire, den grünen und Madame Sophie den zitrongelben für ihre Einbände gewählt hatten. Eher zu empfehlen ist das System, den verschiedenen Literaturzweigen eine entsprechende Farbe zu geben und z. B. alle Bücher über Kriegswesen rot, solche über das Seewesen blau einzubinden, wie denn schon von den Rhap soden der Homerischen Gesänge erzählt wird, daß diejenigen, die die Ilias vortrugen, in Purpur, die Sänger der Odysseeischen Irrfahrten dagegen in blaue Gewänder ge kleidet waren. Am richtigsten und praktischsten aber dürfte es unzweifelhaft sein, jedem Einband ein mehr oder weniger individualistisches Gepräge zu geben, durch das das Buch auch äußerlich dem Besitzer immer vertrauter wird, wenn mir auch ein neueres (amerikanisches?) Prinzip viel für sich zu haben scheint, das z. B in einer großen wissenschaftlichen Bibliothek in Brüssel zur Anwendung gekommen ist und darin besteht, daß für jede Sprache eine verschiedne Farbe des Einbands gewählt wird. Daß Helle Farben durch das Licht leicht zersetzt werden und deshalb für Einbände nicht zu empfehlen sind, ist wohl allgemein bekannt; bei dickern Bänden kommt noch hinzu, daß diese Farben absolut nicht dazu passen — ganz wie Helle Kleider nur deu schlanken Frauen stehen. Vom Halbfranzband, der den Namen Liebhaber-Halb franz (äewi-rsliurs ä'^MÄtsur) führt, sobald außer dem Rücken auch die Ecken mit Leder überzogen, der Schnitt oben mit Gold versehen (ttzts äorss), die andern Schnitt seiten dagegen nur mit der Schere zurechtgeschnitten sind, geht der Verfasser auf den Halbleinwandband über, der je nach der Art der Befestigung des Buchs am Rücken »eartoimagö« oder »emboitage« genannt wird. Der schon erwähnte »oartonus-As Lraäslr, der nach einem um die Wende des achtzehnten Jahrhunderts in Paris in Mode gewesenen Buchbinder Bradel so benannt wird, ist in Frankreich für weniger wert volle Bücher sehr beliebt, wird daneben auch provisorisch für neu herausgegebene größere Werke gern gebraucht, die später erst den richtigen Einband bekommen sollen. Unter »rsliars olliuoissr verstehen die Franzosen einen Einband in Lepo relloform, nach Art unsrer Photographiealbums, wie sie, nach Bouchot, »speziell in Leipzig fabriziert werden«. Den in England, Deutschland und Amerika so allgemein ver breiteten praktischen Ganzleinenband und den fabrikmäßig hergestellten Originalband und deren Vorteile und Nachteile übergeht der Autor, der offenbar nur französische Verhältnisse berücksichtigen wollte, und wendet sich dann mit großem Interesse dem wichtigsten Teile der Buchbinderarbeit, dem Heften zu, das er uns genau beschreibt. Die Erfindung der Heftmaschine im vorigen Jahrhundert machte dem so genannten »greoguLgo« (Einschneiden) ein Ende, einem Jahr hunderte alten Mißbrauch, der darin bestand, behufs schnellerer Arbeit die Bogen ungenügend zu heften, und wo gegen schon im Jahre 1749 eine Zunftverordnung erlassen wurde. Die bekanntesten Heftmaschinen sind die des Deutschen Brehmer, des Schweizers Martini und des Amerikaners Smyth, während die Franzosen auf diesem Gebiete bisher nichts geleistet haben und ihre Maschinen vom Ausland beziehen müssen. Die Heftmaschine arbeitet nicht nur schneller, sondern auch unvergleichlich sorgfältiger und besser als die Hand des Buchbinders. Sie heftet in der Stunde 1500 Bogen, während ein geschickter Arbeiter im Tage unter Anwendung des Einschneide-Systems ebensoviel, ohne letzteres jedoch höchstens 300 Bogen, also etwa den fünfzigsten Teil zu heften imstande ist. Daß jedoch die künstlerischen Ein bände in gleicher Weise wie die Büttenpapiere auf diese maschinellen Hilfsmittel besser verzichten, dürfte trotzdem
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