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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 25.10.1900
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1900-10-25
- Erscheinungsdatum
- 25.10.1900
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- Deutsch
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8192 Nichtamtlicher Teil. HS 249, 25. Oktober 1900. Nichtamtlicher Teil. Die Bücherproduktion in Deutschland und in anderen Ländern. Man begegnet so häufig in Artikeln über die Biicher- produktion der Behauptung, daß die deutsche Produktion eine doppelt und dreifach größere sei, als die der anderen Haupt-Kulturstaaten. So schreibt erst jüngst I)r. Ernst Schultze in seinem auch im Börsenblatt besprochenen Werke über freie öffentliche Bibliotheken: »Es wäre geradezu be schämend für uns, wenn wir, die ivir die größte Bücher produktion von allen Völkern der Welt besitzen — eine Pro duktion zweimal so groß wie die Frankreichs und dreimal so groß wie die Englands — unserem Volke diese Litteratur nicht zugänglich machen wollten.« Unsere Statistik weist bekanntlich eine Produktion von ca. 24000 jährlichen neuen Erscheinungen auf, während die Frankreichs mit ca. 12 000, diejenige Englands mit ca. 8000 und die der Vereinigten Staaten mit noch weniger verzeichnet ist. Aber wie stets, so ist auch hier die Statistik eine sehr gefährliche Weisheit, wenn sie nicht kritisch gewürdigt wird, und es dürfte an der Zeit sein, einem immer wiederkehrenden Irrtum cntgegenzutreten. In der Zahl der deutschen Bücher läuft eine außer ordentlich große Masse von Abhandlungen und Vorträgen, Berichten bis herunter zu den Leichenpredigten und Doktor dissertationen mit, die in anderen Ländern überhaupt gar nicht als Bücher gerechnet werden. Der weit mehr als in Deutschland auf eine Anzahl großer Firmen konzentrierte Verlagsbuchhandel des Auslandes befaßt sich mit der Produktion der in Broschürenform erscheinenden Schriften überhaupt nicht; die Bücherstatistik jener Länder umfaßt nur die wirklichen Bücher, die als solche offiziell behufs Erlangung des Urheberrechts geschützt worden sind. Wollte man das gesamte Schriftwesen jener Länder ebenso in die Bücher statistik hereinziehen, wie wir es thun, so käme wahrscheinlich eine ebenso große, wo nicht größere Anzahl von gedruckten Schriften heraus. Würde man die ca. 8000 Bücher der englischen Verleger aufreihen neben die gleiche Anzahl der vornehmsten und teuersten deutschen Bücher einer Jahresproduktion, so würde zweifellos das Ergebnis sein, daß jene englischen Werke einen sehr viel höheren Ladenpreiswert und einen viel größeren Umfang repräsentieren würden, als die entsprechenden deutschen Bücher. U. U. Drr »6uiü6 I6inkvui8abl6« der Weltausstellung. Wie man binnen vier Monaten ein Buch, das 2 Frcs. kostet, in der Auflage von 400 000 Exemplaren vertreiben kann, das zeigt uns die Pariser Zeitung -Nativ-, die in diesen Tagen die vierte Ausgabe ihres -zurückzahlbaren- Weltausstellungsführers ver anstaltet hat. Auch viele deutsche Ausstcllungsbesucher, deren Zahl ja Legion war, werden dieses kleine, kokett eingebundene Buch gekauft und in dankbarer Erinnerung haben, falls sie die mit dem Buch verbundene Lotterie — denn es handelt sich in Wahrheit mehr um eine Lotterie als um ein Buch — begünstigt hat. Die Buchhändler freilich werden es weniger freudig begrüßen, daß ihnen eine Zeitung ins Handwerk gepfuscht hat; aber auch sie wird es vielleicht interessieren, wenn wir sie mit dem -Mechanismus- näher bekannt machen, der dem Unternehmen des -Nativ- zu einem so beispiellosen Erfolg verholsen hat. Wir können jetzt um so unbefangener von dem -(kuicks rsivbonrsabls- sprechen, als wir nun, am Schluß der Weltausstellung, nicht mehr zu befürchten haben, zu seiner Reklame beizutragen. Die Geschichte des -zurückzahlbaren Führers- ist in manchem Betracht lehrreich zu erzählen. Im Juni, als die Ausstellung anfing, die Kinderschuhe auszutreten, also gerade zur rechten Zeit, erschien der -Führer- des -Nativ- in einer Auflage von 100 000 Exemplaren auf dem Platz. Er hatte vor andern, in der Hetzjagd der Konkurrenz viel zu früh erschienenen Führern wenigstens das voraus, daß seine Angaben nicht gar zu lücken haft und irrtümlich waren. Im übrigen sind die litterarischen Verdienste des 400 Seiten starken, mit Illustrationen ver sehenen, sehr handlichen Bandes nur mittelmäßig und stehen hinter denen anderer Ausstellungsführer, unter denen sich (neben außerordentlich schlechten) einige recht gute befinden, zurück. Es ist im wesentlichen eine ziemlich trockene und notdürftige Kata logisierung. Wer also das Buch lediglich wegen seines -führenden- Jnhalts zum Preise von 2 Frcs. gekauft hätte, wäre schwerlich auf seine Kosten gekommen. Aber der Witz des Unternehmens lag auf einem anderen Gebiete. Wie es der Titel versprach, wurde der Kaufpreis jedem vollständig vergütet und zwar durch Eintrittskarten in die hauptsächlichen -Attraktionen- der Aus stellung und in einige Pariser Theater, und par-cksssns ls marobs, wie die Franzosen sagen, eröffnete sich jedem Käufer die Aussicht auf einen Gewinn der all lloe veranstalteten Lotterie im kavillov ckv (knicks rsrvboursabls auf dem Obamp äs Nars. Daß außerdem jeder Ersteher auf acht Tage Abonnent des »Nativ- wurde, er wähnen wir nur als eines jener zahlreichen Mittelchen, durch die französische Zeitungen ihren Leserkreis zu vergrößern suchen. Zum Zweck der Lotterie war auf dem Marsfelde unter dem Eiffelturm eigens ein stattlicher Pavillon erbaut, der der automatischen Ver teilung der Gewinnlose diente. Unter der Kuppel desselben wölbte sich ein großes Reservoir in Kugelform, in dem durch hydraulische Kraft die 100 000 Blechkapselu jeder Ausgabe geschüttelt wurden, die die Gewinnchancen enthielten. 62 Röhren führten diese Hülsen in 62 automatische Apparate, aus denen sie der Käufer des -Iknicko- mittelst einer an verschiedenen Schaltern ausgelieferten Spiel marke hervorholte. Es blieb ihm nun nichts weiter übrig, als mit seinem Taschenmesser die Metallkapsel zu öffnen, um sich zu überzeugen, ob er außer den Eintrittskarten im Werte von 2 Frcs., die jede Kapsel enthielt, noch der glückliche Gewinner eines Bons geworden sei, der ihn berechtigte, in einem Pariser Kaufhause einen mehr oder minder wertvollen Gegenstand zu erheben. Bei diesen Gewinnen handelte es sich um keinen Pappenstiel. Konnte man doch, um nur einiges anzuführen, mit dem nötigen Glück einen eleganten Automobilwagen gewinnen oder ein vollständig und verschwenderisch möbliertes Landhaus in der Nähe von Ver sailles, ferner Zimmereinrichtungen aller Art, Kunstbronzen, Pianos, Billards, Toiletten und Hüte aus den ersten Pariser Ateliers, Gutscheine für Reisen an die See, in die Bäder und ins Gebirge mit achttägigen, Aufenthalt in den feinsten Hotels und sogar, um ihn nicht zu vergessen, einen lebendigen Esel mit Sattel- und Zaumzeug. An mittleren und kleinen Gewinnen war wahrhast erstaunlicher Ueberfluß bis herunter zu Seife, Schokolade, einein ! Bccber Champagner oder Bock Grütlibier, den man etavts xsäs . in der Bar des (knicks rsmdovrsabls trinken konnte. Bei der ersten Ausgabe des (knicks wurden 30000 Gewinne, bei der zweiten 34566, bei der dritten 50000 verlost, und die vierte Ausgabe, die gegenwärtig verkauft wird, zählt deren nicht weniger als 86000, so daß von vier Käufern mindestens drei gewinnen. Jede Lotterie brachte außerdem, wie schon gesagt, Eintrittskarten im Nennwerte von 200000 Frcs. Die vier Auslagen, deren jede 100000 Exem plare aufwies, folgten sich Schlag auf Schlag in den Monaten Juli bis Oktober und gingen und gehen noch ab wie warme Semmeln, obwohl die Reklame keine übertriebene war. Die Sache sprach eben für sich selber und das Lockmittel der Eintrittskarten und der zahlreichen und zum Teil sehr wertvollen Gewinne war zu verführerisch, als daß nicht mancher und besonders manche — denn die Damen waren vor allem erpicht — in dieser Lotterie das Glück mehr als einmal versucht hätte. Der Pavillon des (knicks rswbonrsabls war denn auch von früh bis spät umlagert, der Boden ringsumher von den geöffneten Metallkapseln wie von Nußschalen bedeckt, und der Spielteufel wütete — dank den nach giebigen französischen Lotteriegesctzen — unter dem Schatten des Eiffelturms aus das schönste. Man darf übrigens nicht glauben, daß sich der -Nativ», unter dessen Aegide, oder die Looists äss rsrvbonrsears aatomatiguss, unter deren Leitung die Sache ins Werk gesetzt wurde, in beson dere Kosten gestürzt hätte, um den Käufern die Eintrittsbillets und die sonstigen Gewinne liefern zu können. Diese wurden viel mehr von den Direktoren der Vergnügungsstätten und den Kauf häusern unentgeltlich zur Verfügung gestellt und kosteten dein -Nativ- keinen Pfennig. Bei der vierten Ausgabe beteiligte sich sogar der Norddeutsche Lloyd, indem er eine Reise von Cherbourg oder Genua nach New Port und zurück in erster Kajüte stiftete. Das ist einfach eine neue Art der Reklame, bei der sich schließlich jedermann gut steht: der -Nativ-, der 400000 Exemplare im
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