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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 28.09.1916
- Strukturtyp
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- 1916-09-28
- Erscheinungsdatum
- 28.09.1916
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- Deutsch
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Redaktioneller Teil. .st- 226, 28. Septeinber 1818. Bekanntmachung. Wir teilen mit, daß das Kaufhaus Hansa G. m. b. H. in Frankfurt a. M. die Bestimmungen der Verkanfsordnung für den Verkehr des Deutschen Buchhandels mit dem Publikum und die Verkaufs- besttmmungen der Kreis- und Ortsbereine für seine Buch- und Musikalienabteilung als bindend anerkennt. Die genannte Firma hat den von uns geforderten Verpstichtungsschein unterzeichnet und eine Kaution hinterlegt. Leipzig, am 26. September 1816. Der Vorstand des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler zu Leipzig. Artur Seemann. Georg Krehenberg. Curt Fernau. Karl Siegismund. Max Kretschmarin. Leihbibliothek und Buchhandel?) Eine Organisationsfrage? Von Fritz Mack. Die Klage, daß in Deutschland verhältnismäßig wenig Bücher gekauft werden, ist schon sehr alt. Sie ist auch nicht da durch gegenstandslos geworden, daß die Entwicklung auf dem Büchermarkt allmählich zu englisch-amerikanischen Verhältnissen geführt hat, dergestalt, daß einige wenige Bücher von Autoren, die gerade »modern« sind oder die eine stoffliche Sensation ent halten, es zu riesigen Auflagezisfern bringen, während die Mehr zahl der literarischen Neuerscheinungen in den Regalen der Buchhandlungen verstaubt. Dabei weiß man, daß auch diese Bücher viel gelesen werden. Aber — gekauft werden sie nicht. Viele Köpfe haben sich mit der Deutung dieser in mehr fachem Betracht bedauerlichen Tatsache beschäftigt. Den brei testen Raum in den Erklärungsversuchen nimmt der Hinweis ein, daß es in Deutschland zu wenig Menschen gäbe, die sich den Betrag von 3—4 «kk als Ausgabe für den Erwerb eines Buches leisten könnten. In gewissem Sinne scheint der Erfolg der Bibliotheken mit 1 ^k-Büchern, vor allem aber ihre stets wachsende Zahl, für die Richtigkeit dieser Annahme zu sprechen. Man kann in der Tat zugeben, daß die Billigkeit dieser Bücher der beste Anreiz zum Kauf ist. Aber eben doch nur bei dem Teil des Lesepublikums, der wirklich in feinen Ausgaben so genau zu rechnen gezwungen ist. Wie steht es aber mit dem auch bei uns recht stattlichen Kreis Wohlhabender, die gar nicht daran denken, drei bis vier Mark für ein Buch, das sie lesen wollen, auszugeben? Es macht diesen Menschen nichts aus, für den viel kürzeren und flüchtigeren Genuß eines Zirkus- oder Variete- Abends oder für die häufig recht fragwürdige Unterhaltung eines Schwank- oder Operetten-Abcnds ein Mehrfaches der Summe auszugeben, die die Anschaffung eines guten Buches kosten würde. Und das oft mehrmals in der Woche oder im Monat. Finan zielle Bedenken scheiden also hier als Erklärung für die Kauf unlust aus. Die Ursache dieser, Buchhandel und Autor in gleicher Weise schädigenden Erscheinung liegt wo anders: es ist auch dem wohlhabenden Buchinteressenten zu leicht gemacht, *1 Es ist nicht das erstemal, daß gegen die Leihbibliotheken Sturm gelaufen wird. Sie haben noch immer standgehaltcu und werden auch diesem Angriffe nicht erliegen. Verdanken sic doch ihr Dasein weniger der Untcrnchmnngslnst des Bnchhandcls als vielmehr einem Bedürf nisse des Publikums. Damit hätte die Gesetzgebung ebenso zu rechnen wie mit der Schwierigkeit eines Leihverbots mit dinglicher Wirkung gegen Dritte. Das; Leistung und Gegenleistung bei Büchern in einem so großen Missverhältnis zu einander stehen, trisft zndem nur auf einen Teil zu: viel schlimmer ist oft der Gegensatz, in dem Modebitchcr und solche Werke zu einander stehen, in die der Schriftsteller sein Bestes hincinlcgte, und nach denen keine Leihbibliothek fragt. Dieses Mißverhältnis zeigt sich sedoch nicht nur im Buch handel, sondern zieht sich wie ein roter Faden durch unser ganzes Wirt schaftsleben: große Erfinder hat die Welt Hungers sterben lassen, wäh rend sic geschickten Machern Millionen in den Schoß warf. Wer hier Wandel schaffen will, muß tiefer greise» und darf nicht der Gesetzgebung Ausgaben znwcisen, die sie nicht lösen kann, wenn sie sich nicht in einen Widerspruch zum Volkscmpfinden setze» will. Red. i24tt sich den Genuß der Lektüre eines guten Buches zu verschaffen. Und zwar in doppelter Hinsicht: einmal wird er in jeder gut- geleitcten Leihbibliothek ein Verzeichnis der neuesten, jedenfalls aber der Bücher finden, deren Autoren gerade »Mode« sind. Er erspart sich also das für manche Menschen beschämende Nach fragen nach einem guten Buche. Man soll dieses Moment ja nicht unterschätzen. Es gibt in unserem Zeitalter zu viele Men scheu, die nicht Muße genug haben, um die literarischen Anzeigen der Zeitungen immer zu verfolgen, die auf der anderen Seite aber doch den Wunsch haben, literarisch so gut als möglich auf dem laufenden zu bleiben. Hier ist ein Fingerzeig für den rüh rigen Buchhändler, durch einen monatlich wechselnden Aushang im Schaufenster einem Bedürfnis abzuhelfen. Gewiß, es wird schon vielfach auf diese Weise das Interesse und die Kauflust der literarisch interessierten Kreise wach erhalten. Aber gerade in den mittleren und kleineren Städten, wo es am nötigsten wäre, ^ geschieht in dieser Richtung am wenigsten. Zum andern aber liegt in der Gelegenheit, für wenige Pfen nige sich die Kenntnis einer literarischen Neuigkeit verschaffen zu können, indem man sich das Buch aus der nächsten Leihbiblio thek einfach ausleiht, eine weitere sehr starke Ablenkung von dem Gang zum Buchhändler. Man hat sich auch in sonst sehr gebildeten Kreisen an diese bequeme Einrichtung so gewöhnt, daß man sich des doppelten Unrechts, dem Buchhandel und dem Autor gegenüber, gar nicht mehr bewußt wird. Das Psycho logische Moment der Gewohnheit spielt hier eine größere Rolle, als man gemeinhin anzunehmen geneigt ist. Dazu kommt, daß die ästhetischen und hygienischen Bedenken gegen die Benutzung von durch zahllose Hände und Familien, auch Krankenhäuser und Sanatorien gegangenen Büchern erst bei einem sehr kleinen Teil des bücherlesenden Publikums so stark abschreckend wirken, daß man lieber zum Erwerb des betreffenden Buches übergeht. Endlich darf man nicht die Augen davor verschließen, daß die Zahl derer, die den dichterischen und künstlerischen Wert eines Buches so einzuschätzen vermögen, daß der Wunsch rege wird, es ein zweites Mal zu lesen, noch kleiner ist. Die Erörterungen über alle diese Fragen beschäftigten sich vorwiegend mit der rein geistig-kulturellen Seite des Problems. Ich glaube, man kommt weiter, wenn man seine kaufmännisch technische Wurzel einmal bloßlegt: Wenn man annimmt, daß von jedem Buch eines bekannten Autors ca. 3—4606 Exemplare — ganz gering gerechnet— von vornherein in die Leihbibliotheken wandern, wenn man ferner auf jedes Exemplar nur 56 Leser rechnet — wieder äußerst gering veranschlagt —, so kann man sich ungefähr vorstellen, welche Auflagezifser das betreffende Buch ohne die Einrichtung der Leihbibliotheken erreichen könnte. Es ist hierbei durchaus noch nicht angenommen, daß jeder einzelne dieser 156—260 066 Leser auch Käufer wäre. Schon der zehnte Teil würde dem Autor, dem Verleger und dem Buchhändler einen ganz ansehnlichen Gewinn bringen. Haben aber beispielsweise die Bühnenautoren insofern von dem einmaligen Theaterbesuch jedes einzelnen die Nutznießung, weil ihre Tantiemen jeweils Prozentual von der täglichen Einnahme berechnet werden, so ist nicht einzusehen, warum die Buchautoren um so viel schlechter gestellt sein sollen. Es wäre deshalb nichts anderes als ein Akt wirtschaftlicher Notwehr, wenn sich Buchautoren, Verleger und
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