5676 Börsenblatt f, d. Dtschn. Buchhanvet. Künftig erscheinende Bücher. ^ 206, 5. September 1918. Wendt Sr Klauwell, Verlagsbuchhandlung, Langensalza Soeben erscheint: Sie Ree einer SraueiidieilWihl Tatsachen und Möglichkeiten. Mit 73 Tabellen im Anhang, 5 Tabellen im Text. VII, 168 Seiten gr. Oktav. Ladenpreis 4 M. (X^er Gedanke einer Frauendienstpflicht ist alt. Er schließt sich organisch der männlichen Wehrpflicht an, von dem Gedanken ausgehend, daß jeder seinem Vaterlande in Zeiten der Not dienen muß: der Mann direkt mit den Waffen, die Frau in- direkt durch Stellvertretung der einberufenen Männer und durch Unterstützung im Inlande, um die Wirtschaftsmaschine, auf deren tadelloses Funktionieren im Kriege alles ankommt, in Bewegung zu halten. Der Gedanke einer Frauendienstpflicht ist schon in gewissem Grade Allgemeingut geworden, wie die Forderung allge- meiner charitativer Tätigkeit und allgemeiner — wenn auch meist nur theoretischer — Weiterbildung in Fortbildungsschulen beweist. Aber dies Ziel ist zu eng, soll die Frauendienstpflicht das sein, was sie sein sollte, eine Ergänzung und Unterstützung, ja eine Grundlage für die männliche Wehrpflicht. Der Gedanke einer Frauendienstpflicht wird aber nie aktueller sein, als in diesem Kriege, der uns schon so viele Beweise für die Notwendigkeit der Frauenhilfe zur Aufrechterhaltung unseres Wirtschaftslebens gegeben hat. Beispiele findet jeder genug. So haben wir einen grundlegenden Unterschied zwischen männlicher und weiblicher Dienstpflicht, und dieser Unterschied darf nie aus den Augen gelassen werden, soll das Bild nicht ein schiefes werden. Das oben angezeigte Buch will nun vor allen Dingen die Erörterung aus der bisherigen theoretischen zu einer praktischen machen. So mußte der Verfasser zunächst die Tatsachen darstellen, die einer weiblichen Dienstpflicht zugrunde liegen: die bis herige Stellung der Frau in Handel, Gewerbe, Landwirtschaft, ihre Körpereigenart und ihre ganz anders geartete Taug lichkeit als die uns vom Manne gewöhnte. Diesen Erörterungen mußten zahlenmäßige Grundlagen beigegeben werden, um die Beweise zu absoluten zu machen. Dies geschah in 73 Tabellen, die in einem Anhang beigefügt sind, um die Durcharbeitung des ersten Teiles nicht zu erschweren. Fm zweiten Teils mußten nun die Folgerungen ans den gefundenen Tatsachen gezogen werden, und dies geschieht in einer Art, die alles aufs trefflichste klarmacht: in der Beschreibung eines Frauendienstpflichtsystems, ausgehend von der Tauglich keit und Einstellung über die Ausbildung in Allgemeininstituten, dann in Sonderinftituten und -klaffen, bis hinauf zu der Rangordnung und der finanziellen Grundlage. Auch die rechtlichen Zusammenhänge mit dem Staate, die Mobilmachungs prinzipien sind gegeben. So entstand ein vollständiges Bild einer Frauendienstpflicht: nicht auf Atopien aufgebaut, sondern auf dem Boden der Wirklichkeit. Nicht eine Forderung: so muß es gemacht werden, und nicht anders, erhebt der Verfasser, sondern gibt die seiner Meinung nach aus den gegebenen Tatsachen folgernden Möglichkeiten, mit denen auseinanderzusetzen jedem ernsthaften Politiker und politisch Interessierten, vor allem auch den Verkehrswirtschaftlern eine Notwendigkeit ist. Wie die allgemeine Wehrpflicht aus einer lange schon vorhandenen Idee folgte und im Laufe der Zeit ausgcbaut wurde, so wird auch vielleicht dereinst aus dem Gedanken einer Frauendienstpflicht Wirklichkeit. And um die Ideen nicht I allzu weit von den Tatsachen abweichcn zu lassen und Phantasiegebilde zu schaffen, die nicht realisiert werden können, dazu soll das Buch dienen, indem es zur Kritik herausfordert und verlangt, sich nicht spielerisch, sondern ernsthaft mit I einem Problem zu beschäftigen, das vielleicht bald ein Kulturproblem ersten Ranges sein wird! Bezugsbedingungen: ord. 4.— M., bedingt 3.— M, bar 2.70 M. und 7/6. Zur Probe bis zu 2 Exemplaren mit 50°/», falls auf beiliegendem Zettel bestellt Wir bitten, sich für das Buch freundlichst verwenden zu wollen, da gerade zu jetziger Zeit ein großes Interesse an den hier gegebenen Fragen vorhanden ist. Langensalza, am Sedantage 1916 Wendt L Klauwell