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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 17.07.1916
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1916-07-17
- Erscheinungsdatum
- 17.07.1916
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- Deutsch
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^ 163, 17. Juli 1916. Redaktioneller Teil. Maßnahmen den kaufmännischen, d. h. rechnerischen Gesichtspunkt vor anstellen«. Um sich von großen, zumeist spezialisierten Betrieben, die ei» unzutreffendes Bild geben Mächten, möglichst fernzuhalten, legt Heller seinen Belehrungen eine Druckerei mittleren Umfangs mit gemischtem Betriebe zugrunde, deren vielseitig interessierte Kund schaft sie auch vielseitig beschäftigt, in der also vielerlei vorkvmmt und reichlich Belehrungsmöglichkcit gegeben ist. Deren innere Organi sation wird in höchst interessanter Darstellung folgerecht klargelcgt. Dem Abschnitt: »Das System« folgen die anderen: »Kontor«, »Faktor«, »Setzerei«, »Maschincnsaal«, »Buchbinderei«, »Nachkontrolle und Lohn tontrolle«, »Buchführung«, »Papicrlagcr«. Eine zweite große Ab teilung gliedert sich in die Abschnitte: »Selbstkostenberechnung (Hand satz, Setzmaschine, Druckmaschine, Buchbinderei)«, »Geschäftsaufschläge«, Ausrechnung des Preises«. Ein Abschnitt über die meist verlangte Borkalkulation«, bei der der Verfasser mit Recht größte Vorsicht empfiehlt, findet anschließend hier seine Stelle. Weiter folgen ein Abschnitt über den »Einkauf«, der Gelegenheit gibt, auf die Gefahr des Schmiergelderunwesens hinzuweisen, und ein Schlußkapitel »Ge schäftspolitik«, das alle für den Geschäftsgang erforderlichen Maß nahmen nach außen hin zusammcnfaßt. Fast alle diese einzelnen Kapitel sind je nach in Frage kommenden Besonderheiten in mehrere Abschnitte zerlegt. Der Anschaulichkeit dienen zahlreiche Skizzen, Tabellen und Zettelvorörucke, die teils den Auftrag im Betriebslause begleiten und deren Ausfüllung von seiner fortschreitenden Erledigung Rechenschaft gibt, teils anderen Zwecken dienen. Die Klarheit der Ausführungen, die alle Einzelheiten des Be triebs, auch anscheinende Kleinigkeiten umfassen, zeigt nicht nur den bestens öurchgebildcten Fachmann, sondern auch den Kaufmann, der sich im NechnungS- und Wirtschaftswcsen gründlich auskennt. Es scheint uns außer Frage, daß eine allgemeinere Annahme der Heller- scheu Ratschläge und Anleitungen, zu deren Durchführung in manchem Betriebe die stille Geschäftslage der kriegerischen Gegenwart viel leicht beste Gelegenheit bieten könnte, dem Buchdruck von Nutzen sein würde. Auch daß der Kundschaft und an dieser hat der Leserkreis unseres Fachblatts seinen wohlgcmcssenen Anteil durch Befolgung wenigstens vieler technischen Einzelheiten seitens ihres Druckers eine vorzügliche Gewähr für ordnungsmäßige und sorgfältige Erledigung ihrer Aufträge geboten sein würde, darf ohne weiteres zugegeben werden. Wieweit sic sich allerdings mit manchen rechnerischen und wirtschaftliche» Anschauungen des Verfassers, namentlich in bezug aus Selbstkosten- und Preisberechnung, desgleichen auf den Wettbewerb isolierter« (nicht angeschlossencr) Betriebe befreundet, muß dem Einzelnen überlassen bleiben. Wir haben den Eindruck, als hielte sich der gewiegte Rechnungstechniker mit manchem anteiligen Aufschlag von Selbstkosten auf den Preis nicht streng genug in den Grenzen, die vom Verhältnis der Nachfrage zum Angebot bestimmt werden. Auf dem Preistarif der bnchdruckerischen Organisation fußend, dessen Ansätze nach seiner Meinung allseitig dem entsprächen, was recht und billig sei, verlangt er gleichwohl nicht, daß jeder Drucker ihn kritiklos hinnehme. Er erwartet vielmehr und das mit Recht , daß jeder sich die Mühe nehme, selber zu rechnen, daß es Fälle geben könne, für die er zu hoch oder auch zu niedrig sei. Aber im allge meinen kommt er auf Grund seiner tiefgreifenden rechnerischen Er fassung selbst zu letzterem Ergebnis, d. h. daß fast in der Mehrzahl der Fälle der Ansatz des Preistarifs nicht genüge, um alle Selbst kosten zu decken und auch dem gebührenden Geschäftsnutzen gerecht zu werden. Daß unlauterer Wettbewerb unterdrückt werden müsse, damit wird auch der Kunde, der meist ja selber Geschäftsmann ist, einver standen sein. Aber nicht jeder bloß unbequeme Wettbewerb, komme er auch von Außenseitern, wird von unlauterem Denken und Handeln geleitet. Ihm möglichst freies Feld zur Betätigung zu lassen, liegt durchaus im Interesse der Kundschaft und dürfte schließlich auch dem Druckgcwerbe selbst zu gute kommen. Der Billigere braucht nicht notwendig unwirtschaftlich zu arbeiten. Und bei nüchtern-kritischem Durcharbciten aller von Heller zur Bildung des Gcsamtpreises heran geholten Posten wird vielleicht auch mancher billig urteilende Sach verständige finden, daß er den Wettbewerb aufnehmen kann, ohne sich Schaden zu tun oder umsonst zu arbeiten. Dem Buchhändler darf empfohlen werden, vom Inhalt des an regenden Buches möglichst eingehende Kenntnis zu nehmen. Es wird ihn in manchen Dingen belehren, auch da, wo es sein unmittelbares Interesse nicht berührt. Insbesondere sollte er dem rechnerischen Teil, der allerdings fast das ganze Buch erfüllt, seine Aufmerksamkeit zuwenden, nicht nur um kritisch nachzuprttfcn, sondern auch, um im eigenen Betriebe manche vielleicht bestehende Unklarheit zu beseitigen, luanche bisherige Unterlassung nachznholen. Auch dem im Buchdruck Unbewanderten kann die Hellersche Darlegung besonders der tech nischen Betriebsordnung interessante Einblicke geben. 6. Bekenntnisse eines Buchhändlers. Des Menschen »Dichten und Trachten soll auch eitel von Jugend auf sein«, weshalb niemand seinem Schicksal und seinem »Schicksel« entgehen kann, wenn ihm nämlich eine gütige Vorsehung eine größere Anzahl Lebensdauerkarten zumißt, als ein biederer Zweihänder nach dem Naturgesetz eigentlich beanspruchen kann. Mit dem »Schicksel« meine ich natürlich keine holde Schöne, sondern die redselige Frau Fama, die in unserer rasch arbeitenden Flugzeit in immer kürzeren Zeiträumen dem Bedürfnis nach einem »Jubiläum« durch Mittei lungen, sei es auch aus dem »Kürschner«, nachkommt. Sie liefert zu den früher üblichen 70jährigen Jubelfeiern alle 60er, 50er und die übrigen, ja zu den üblichen 25ern noch andere 30jähriger Natur. Ich halte das für eine weise Einrichtung, da einer, wenn er 25 oder die ersten dreißig, bei guter Fütterung auch noch 40 auf dem Buckel hat, mehr papierne, bei den heutigen Papierpreisen doppelt kostbare »Gratulationen« zu ertragen vermag, als ein 60- oder 70jähriger, und wenn sogar ein »Gratulant« in einem Anfall von Verschwendungs sucht mit flüssigen oder unflüssigen »Naturalien« beglückwünschen sollte, diese guten Sachen mit den Festgenossen noch selber mitgenießcn kann! Weniger gefährlich in dieser Richtung sind schon die 60er. Die nehmen, was sie kriegen, d. h. in aller Ruhe den un vermeidlichen Passagierschein ins Alter. Werden sie aber, wie dies seitens der um-unö-fernsichtigen Schriftleitung unseres Börsen blatts (auch hier kannte man kein Erbarmen) geschieht, sogar noch aufgefordert, sich über das, was sie etwa literarisch verbrochen haben, an der Schwelle des 7. Jahrzehnts zu verantworten, so kom men sie eben als bedächtige Leute nicht aus der Fassung. Sic zählen in faustischer Anwandlung und gretchenhafter Bescheidenheit ihre Knopflöcher: »Soll ich oder soll ich nicht?« Wenn auch die Bescheiden heit in jüngeren Jahren bei ihnen aus besagten Löchern hcrausschaute, der alte Adam wird verleugnet, und sie sperren sich gegen jegliche Äußerung oder »Kundgebung . Gar manche reden im bangen Ausblick auf den »Empfang zahlreicher Gratulanten« von der »beschaulichen Stille«, in der sie den »denkwürdigen Tag« begehen wollen, meinen aber im stillen: es muß doch etwas an meiner »Berühmtheit« sein, namentlich wenn sie als Buchhändler »mit oder ohne Gilde« fast täg lich den berauschenden Duft des üppigen Wachsens von »neu entdeckten Berühmtheiten« im geduldigen Anzeigenteil des Börsenblatts ein- atmen müssen. Sic schmunzeln selbstbewußt und hüllen sich in die durchlöcherte Schutzscheide der unter dem Aufdruck des bescheidenen Sinnes arbeitenden Firma Eitelkeit. Aber auch s o machen sic cs nicht jedem recht und meinen schließlich: »der Jubilar denkt, die Redaktion lenkt!«, besonders wenn dem Jubel-Opfer versichert wird: »cs kommt ja nur unter die Buchhändler!« Es bleibt also gewissermaßen in der lieben Familie, und der gegenüber darf kein Mann, wenn er vorsichtig sein will, sich als dickköpfig er weisen, dazu ist er als männliches Lebewesen viel zu gut dressiert. Also 'raus mit dem Wort: gegenüber Mit-Duldern vom Fach gilt kein »Nein!« Da nun nach dem Geburtsregister nicht bestritten werden kann, daß auch ich vor nun 60 Jahren (denken Sie: am 25. 7. 1856!) das ganz meinerscitige Vergnügen hatte, ein »geschätzter Mitbürger« zu werden, bin ich mit diesem erstatteten Jubilänms-Befähigungsnach- wcis der üblichen Beichtpflicht verfallen. Dieser gehorchend, nicht dem eigenen Triebe, bekenne ich folgendes: »Auch ich« — hoffentlich hören hier die lieben Berufsgenossen nicht erschreckt auf, weiter zu lesen, — »auch ich bin (von seinerzeitiger un- vcr- und verantwortlicher, schriftleidcnder und theaterkritischer Tätig keit abgesehen) schriftstellerisch erblich belastet! Aber (Gott sei Dank! Der Buchhändler) ich mute niemandem zu, das, was ich alles verfaßt, in oder außer Dienst zu lesen, gar zu verlegen und im Börsenblatt als ,genial' anzuzeigen, oder schließlich gar den, lieben Sortiment, auch noch .reihenweise auszustellen' bei lohnendem 25°..- Barpreis.« Warum nicht?! lächeln sie dreckig. Eben weil ich cs nicht nötig habe. So, so!, denkt der Berufsgenosse, der Protz, der hat's nötig! Wenn's auch gedruckt ist, ist's doch wahr! — versehe ich zerknirscht. Eben darum, weil die Produkte schon längst in besseren billigeren Papierzeiten erschienen, gelesen und sogar fast ganz vergriffen sind. (Soll auch Vorkommen!, murrt der glanbenssclige Berufsfreund.) Trotzdem (Der Gallsüchtige höhnisch lächelnd: Also doch!) bei meiner vieljährigen Inanspruchnahme in der Öffentlichkeit es zu einer neuen Auflage nicht kam und eine solche auch nicht drohend am Literatur himmel steht, komme ich dem Wunsche der Schriftleitung, einen Bei trag zur »Literaturgeschichte« zu liefern, hiermit nach; stehen doch in dieser noch ganz andere drinnen, und auf einen mehr oder weniger kommt's schließlich auch nicht an. Also: 939
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