Suche löschen...
Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 13.01.1916
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1916-01-13
- Erscheinungsdatum
- 13.01.1916
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Zeitungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
- Digitalisat
- SLUB Dresden
- PURL
- http://digital.slub-dresden.de/id39946221X-19160113
- URN
- urn:nbn:de:bsz:14-db-id39946221X-191601136
- OAI-Identifier
- oai:de:slub-dresden:db:id-39946221X-19160113
- Nutzungshinweis
- Freier Zugang - Rechte vorbehalten 1.0
- Lizenz-/Rechtehinweis
- Urheberrechtsschutz 1.0
Inhaltsverzeichnis
- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Jahr1916
- Monat1916-01
- Tag1916-01-13
- Monat1916-01
- Jahr1916
- Links
-
Downloads
- PDF herunterladen
- Einzelseite als Bild herunterladen (JPG)
-
Volltext Seite (XML)
Redaktioneller Teil. 9, 13. Januar 1916. von Galizien!« Und dann die obligaten Fragen: »Können Sie mir etwas für ein zwanzigjähriges Mädchen empfehlen?« »Was gibt's für einen vierzehnjährigen Buben?« »Ich möchte einen modernen Roman. Aber, bitte, nur nichts vom Krieg!« Diesen Zusatz konnte man übrigens sehr oft hören. Es ist ein interessantes psychologisches Moment, daß der Krieg in der Literatur erledigt scheint. Vorläufig wenigstens. Solange er die Welt wirklich in Aufruhr erhält, will man im Reiche der Bücher lieber nichts von ihm wissen. Mag sein, daß sich das später ändern wird, daß man sich dann, wenn die Welt sorgenfrei aufatmet, zurückfindet in die wilde Bewegtheit des Welt geschehens. Aber jetzt flicht man davor. Weg von der Trübsal und hinein in andere Gedanken! Darum werden wohl so viele Bücher gekauft. Gute uud schlechte, aber sicher mehr gute — nur nichts vom Krieg! — Und noch etwas ist merkwürdig: Im Vorjahre, so erzählt der Buchhändler Hugo Heller, als gegen die französische und englische Literatur von allen Seiten energisch gepredigt wurde, da haben wir alle möglichen ausländischen Bücher verkauft, genau so, als ob es keinen Krieg geben würde. Und Heuer, da sich niemand recht um die Kampagne kümmerte, sind die internationalen Fäden wie abgeschnittcn. Kein Mensch verlangt nach fremdländischem Schrifttum, zumal nicht nach zeitgenössischem. Höchstens an Dickens oder Thaüeray oder Moliöre denkt man. Nur deutsche Bücher sind gesucht. Und das geschieht wahrscheinlich ohne Tendenz, nur deshalb, weil augenblicklich gar kein Kontakt mit der Fremde herrscht und von ihr wenig Kunde zu uns dringt. Man kauft die populärhistorischen Bücher der Reichs deutschen, weil wir selbst wenig Werke dieser Art besitzen, in der schönen Literatur werden jedoch gerade Heuer zumeist unsere Öster reicher gesucht. Daneben sehr viel über Musik, sei es in Briefen oder Biographien. Auch das alte Wien fesselt. In Jugendschriften besteht immer mehr die Tendenz, leichtfaßliche Werke der klassischen und modernen Literatur den Heranwachsenden zugängig zu machen. Die Buben freilich begehren Kriegslektttre. Aber es gibt jetzt vielfach Anhänger des Gedankens, das; das Gemüt der Jugend nicht verrohen dürfe, sondern das; man auch ihr helfen müsse, aus den Wirren des Krieges sich wieder herauszufinden. Kraft sollen' die Kommenden aus den Ereignissen der Gegenwart schöpfen, ihr Gemüt aber darf nicht verhärtet werden. Und das; man im Kriege selbst nichts Krie gerisches lesen will, das ist längst bekannt. Einerseits sind es die Perlen deutscher Kunst, die von der Feldpost zur Weihnacht an die Front gebracht wurden, anderseits gute Humoristika. Vorzügliche bil lige Ausgaben auf leichtem, dünnem Papier sind zu diesem Zweck von allen Seiten auf den Markt gekommen. Sie werden in der Buchhandlung immer wieder gekauft, auch in der Buchhand lung der Vorstadt, in der man aus leicht erklärlichen Gründen leider bei weitem nicht von demselben glanzvollen Geschäftsgang sprechen kann wie in den Literaturvertrieben der innern Stadt. Läge in dein Wort »geistiger Luxus« nicht ein leicht mißzuverstehenöer Gegen satz, so müßte man es anwenden, wenn man in den letzten drei Tagen das reich flutende weihnachtliche Kaufgetriebe in den Buchhandlungen des ersten Bezirkes sah. Das Kriegschristkind ist zum machtvollen Förderer der Literatur geworden. 8lc. Die Bücherlicfcrnng im Müllkasten. Urteil des Reichsgerichts vom 7. Januar 1916. (Nachdruck verboten.) — Die Buchhandlung S. in Berlin hatte einen Laufburschen Erich Theelke angestellt, der aber scheinbar seiner Tätigkeit nicht viel Freude abgewinnen konnte. Im Juli 1915 hatte er den Auftrag empfangen, einige Zeitschriften im Werte von ./// 5.70 bei Kunden der Buchhandlung abzuliefern. Die Sache war ihm jedoch zu unbequem. Er warf die Bücher in einen Müllkasten und unterschrieb die nötigen Quittungen eigenhändig. Diese brachte er seinem Vorgesetzten. Die Sache kam natürlich aus Tages licht, uud der Bursche wurde vom Landgericht Berlin III am 18. Sep tember 1915 wegen Unterschlagung zu 10.— Geldstrafe und wegen Urkundenfälschung zu drei Tagen Gefängnis verurteilt. Der Revision des Angeklagten wurde insoweit stattgegeben, als das Reichsgericht entschied, das; eine Unterschlagung nicht stattgefunden hätte, da die Ab sicht der Aneignung nicht bestand. Das Urteil auf Unterschlagung wurde aufgehoben und auf Freispruch der Unterschlagung erkannt. (Ak tenzeichen: 2 v. 704/15.) Rabindranath Tagore von den Engländern interniert. — Der be kannte indische Dichter und Träger des Nobel-Literatur-Preises Na- bindranath Tagore ist nach einem der »San Francisco Chronicle« aus Indien zugegangenen Bericht in Kalkutta von den britischen Behörden interniert und seine beabsichtigte Reise zur Weltausstellung nach San Francisco vereitelt worden. Tagore soll in einer öffent lichen Versammlung die jetzige Behandlung der Hindubevölkerung durch die Engländer heftig kritisiert haben. Tie Universität Breslau im Kriege. — Die Friedrich Wilhelms- Universität Breslau zählt in diesem Wintersemester 2713 immatriku lierte Studierende, davon gelten 1873 als beurlaubt. In den einzelnen Fakultäten studieren: in der evangelisch- theologischen Fakultät 176, in der katholisch-theologischen Fakultät 297, in der rechts- und staats wissenschaftlichen Fakultät 460, in der medizinischen Fakultät 800 (darunter 86 Studierende der Zahnheilkunde) und in der philosophi schen Fakultät 980. Der Staatsangehörigkeit nach sind 2610 Preußen, darunter 2057 Schlesier und 251 Posener, ferner 62 aus den anderen deutschen Bundesstaaten und 41 Ausländer. Dazu kommen 318 Hörer. Die Gesamtzahl der Berechtigten ist mithin 3031. Personalimchnchlai. Verleihung des Eisernen Kreuzes. — Mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse wurden ausgezeichnet die Herren: Adolf Beschoren, Leutnant d. L. bei einer Fußartillerie- Munitions-Kolonne, Inhaber d. Fa. C. Höckner's Buchhandlung Nachf. in Dresden; W. Crefeld, Feldwebel im Ersatz-Landwehr-Jnfanterie-Negi- ment Nv. 61, zuletzt im Hanse Breer L Thiemann in Hamm; Wilhelm Grebe, Leutnant im Landwchr-Jnfanterie-Negi- ment Nr. 110, zuletzt im Hause Dietrich Reimer iu Berlin; Otto Hülsmann, Leutnant, Inhaber der gleichnamigen Firma in Essen; 1' Karl Ke m m e r m a n n, Feldwebel-Stellvertreter im Garde- Ersatz-Bataillon Nr. 6, zuletzt im Hanse Breer L Thiemann in Hamm i. W.; Curt Nother und Rudolf Nother *), Inhaber der Firma Curt Nothcr in Peine; Karl Zibulski, Leutnant d. Löw. in einem Neservc-Jn- fanterie-Negimcnt, in Firma Karl Zibulski in Groß-Umstadt, nachdem ihm bereits früher die Hessische Tapferkeitsmcdaille verliehen worden war. Kriegsauszeichnung. — Herr Georg Kleiter in Passau wurde mit dem im gegenwärtigen Kriege vom König von Bayern ge stifteten König Ludwig-Kreuz ausgezeichnet. Gestorben: am 1. Januar im Katharinenhospital zu Stuttgart der frühere Heidelberger Buchhändler Karl Groos, 1888 bis 1907 Besitzer des alten angesehenen, 1882 gegründeten Geschäfts, das er 1907 an Kieser L Werner verkaufte. Er zog nach München, wo er längere Zeit, bis 1914, im Verlage von Georg W. Dietrich tätig war. Anfang 1915 ging er nach Stuttgart, wo er vorübergehend in buchhändlerischen Betrieben arbeitete, bis ihn Krankheit an weiterer Arbeit hinderte. Seine früheren Angestellten und manche Freunde im Buchhandel werden mit Trauer die Nachricht von seinem Hinscheiden lesen; sie, wie seine Heidelberger Bernfsgenossen werden dem bescheidenen, ar beitsfrohen und ehrenwerten Manne, der sich allerorten Liebe und Verehrung erwarb, ein treues Andenken bewahren und schmerzlich bedauern, daß ihm Krankheit und widrige Familien verhältnisse die letzte Lebenszeit vergällt haben. L. Guido Baccelli -f. — Wie aus Nom gemeldet wird, ist dort der berühmte Kliniker Guido Baccelli im 84. Lebensjahre gestorben. Cr war einer der berühmtesten Arzte Italiens, der auch zu den Ver tretern der deutschen Wissenschaft in enger Beziehung gestanden hat. Am politischen Leben seines Vaterlandes hat Baccelli viele Jahre hindurch eifrigen und einflußreichen Anteil genommen und auf dem Gebiete der Medizin zahlreiche Arbeiten veröffentlicht. Sprechfaul. 'Ohne Verantwortung der Redaktion; jedoch unterliegen alle Einsendungen den Bestimmungen über die Verwaltung des Börsenblatts.» TLtetarrfdruek. Die Weihnachtszeit hat mir wiederum Gelegenheit gegeben, zu beobachten, daß Bücher, insbesondere solche der schönen Literatur, die auf dem Umschlag oder auf dein Futteral keinen Titelaufdruck tragen, unberührt im Lager stehen bleiben. Es läge also im eigenen Interesse der Herren Verleger, hier Abhilfe zu schaffen. Nürnberg, 7. Januar 1916. Bruno Hennings i. Fa. Heerdegen-Barbcck. *) Zur Zeit im Lazarett.
- Aktuelle Seite (TXT)
- METS Datei (XML)
- IIIF Manifest (JSON)
- Doppelseitenansicht
- Vorschaubilder