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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 12.01.1916
- Strukturtyp
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- 1916-01-12
- Erscheinungsdatum
- 12.01.1916
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- Deutsch
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Redaktioneller Teil. ^ 8, 12. Januar 1916. der Mitglieder selbst in die Hand genommen, tritt also gleich sam als Treuhänder auf und erklärt, das; er bei Verkäufen von Sortimcntsgeschäften ohne Übernahme der Schulden seinen Mit gliedern empfehlen wird, dem Käufer das Rcchnungskonto zu schließen oder keine neue Rechnung zu gewähren. Es sei denn, daß der Sortimenter dem Vorstand des Deutschen Vcrlcgervcr- eins (Geschäftsstelle: Leipzig. Gerichtsweg 26) von dem beab sichtigten Ankauf Mitteilung gemacht hat, sodas; der Vorstand die erforderlichen Schritte zur Sicherung der Ansprüche seiner Mit glieder tun kann. Der Vorstand des Deutschen Verlegcrvercins. Arthur Meiner, Erster Vorsteher. Erinnerungen und Erlebnisse eines Nigaschen Buchhändlers. Von Georg Jonck. (Fortsetzng zu Nr. 3—7.) Nach Tobolsk waren etwa 1260 Reichsdeutsche und Öster reicher. vornehmlich aus Wcstsibirien. aber auch viele aus Lodz gebracht worden. Diejenigen, die über eigene Mittel verfügten, durften in der Stadt Wohnungen mieten und nach ihrem Gefallen leben, nur mußten sie um 7 Uhr abends zu Hause sein und sich wöchentlich zweimal bei der Polizei melden. Die Mittellosen, und das war die Mehrzahl, mußten in Räumen, die ihnen die Negierung anwies, oft in drangvoll fürchterlicher Enge wohnen. Für ihren Unterhalt bekamen sie für den Mann und Tag 9 Kop. von der Behörde. Ferner befanden sich in Tobolsk etwa 350 bei dem ersten Russeneinfalt aus Ostpreußen verschleppte Personen, darunter viele Knaben von 14—16 Jahren, die in einer alten Brennerei, einem elenden, baufälligen drei Stockwerke hohen Holzgcbäude, nntergebracht waren nnd von der Regierung beköstigt wurden. Diese Ostpreußen waren alle in dürftigster Sommerkleidung nach Sibirien gekommen. Da nahm sich der deutsche Konsul Noltc der Leute an und besorgte ihnen aus eigenen Mitteln Stiefel, warme Jacken nnd Mützen, sowie etwas Wäsche; dann veranlaßte er die Wohlhabenderen dazu, monatlich beliebige Sum men zu Unterstützungszwcckcn bei ihm einzuzahlcn. Rach seiner plötzlichen Abreise wurde das Begonnene von seinem Bruder, Herrn Richard Noltc, wcitergesührt. Beiträge kamen auch aus dem Auslande; ich entsinne mich, daß eine Geldsendung von mehr als 700 Rubeln ans Athen kam, die ein Herr Hinckfuß dort speziell für die Tobolsker Verschickten gesammelt hatte. So wurde cs möglich, den Armen zu den täg lichen 9 Kopeken einen Zuschuß von 2 Kopeken zu zahlen. Das klingt ja sehr wenig, für diese Ärmsten bedeutete es aber doch recht viel. Die Lebensmittel waren zum Glück sehr billig, Rind fleisch z. B. kostete das Pfund 8—15 Kopeken, Mehl das Pfund 5 Kopeken, Wild war säst umsonst zu haben, für einen abge zogenen Hasen zahlte man 5—10 Kopeken. Ilm diese 2 Kopeken täglich allen Bedürftigen zahlen zu können, waren monatlich etwa 600 Rubel nötig. Kurz vor meiner Abreise hatte die Amerikanische Botschaft in Petersburg aus Deutschland eine größere Summe zu Unter- sttttznngszwecken erhalten. Einen Teil davon, wenn ich nicht irre, gegen 1000 Rubel, hatte sie auch nach Tobolsk an den Gou verneur geschickt, dieser hatte das Geld dem Polizeimeister zur Verteilung übergeben. Dieser Herr machte sich die Sache leicht: er ließ eine Anzahl von ärmeren Reichsdeutschen zu sich kommen, gab dem einen 5 Rubel, einem anderen 10 Rubel und so fort, ganz nach Gutdünken, ohne sich nach der Bedürftigkeit der Be treffenden zu erkundigen. So konnte es Vorkommen, daß einer der auf diese Weise Beglückten zu Herrn Nolte kam nnd ihm erzählte, daß er eben vom Polizeimeister 10 Rubel erhalten habe, er brauche das Geld aber nicht und bitte ihn, es für seine Armen zu verwenden. Daraufhin wandte sich Herr Nolle an die Ameri kanische Botschaft mit derBitte, solchellnterstützungsgeldcr künftig an ihn zu senden, er kenne die Bedürfnisse der in Tobolsk befind lichen Reichsdeutschen genau. Dieselbe Bitte habe ich im Aus- 32 wärtigen Amt in Berlin persönlich vorgctragcn, nnd ich hoffe, es wird diese Angelegenheit jetzt zweckentsprechend geordnet worden sein. Unter den gefangenen Ostpreußen befand sich auch ein äl terer Herr von etwa 65 Jahren, Professor Sch. aus Loetzen, den die Russen bei einem Wohl etwas zu weit ausgedehnten Ferienausfluge aufgcgriffen hatten. Den Weg nach Augustowo hatte er mit allen andern zu Füß zurllcklegcn müssen, von dort aus waren sie mit der Bahn in ununterbrochener Fahrt in Bummelzügen bis Tobolsk befördert worden. Für ihren Lebens unterhalt auf der Reise halten sie die für russische Verhältnisse ganz außerordentlich hohe Vergütung von 20 Kopeken täglich er halten. Nach etwa 14 Tagen war die ganze Gesellschaft in To bolsk eingctrosfen und in die bereits erwähnte verlassene Bren nerei gesperrt worden. Das wenige Geld, das der Herr Pro fessor bei sich gehabt hatte, war unterwegs bis auf einen kleinen Nest ausgegeben worden, trotzdem erhielt er die Erlaubnis, in der Stadt bei einer verschickten reichsdcutschen Familie ein Zimmer zn mieten. Inzwischen hatte er dann mehrfach von seiner Familie aus Loetzen Geldsendungen erhalten. Bereits am Sonntag nach meiner Ankunft lernte ich den Herrn Professor kennen und hatte dann öfter die Freude, ihn bei mir zu sehen. Er hatte viele Eingaben wegen seiner Befreiung bei Regierung nnd einflußreichen Privatleuten eingereicht und hielt an der Hoffnung fest, doch schließlich die Erlaubnis zur Rück kehr in die Heimat zu erhalten. Und richtig, acht Tage, bevor ich Tobolsk verließ, erschienen am frühen Morgen Polizei und Militär bei ihm und brachten ihn auf den Dampfer, der nach Tjnmen abging. Es hieß, er müsse eilig nach Petersburg fahren, dort würde er den Reisepaß fürs Ausland erhalten. Er ist bis heute nicht in Deutschland angckommen! Vor wenigen Wochen erst teilte mir feine Gattin mit, daß er in der Paulsscstnng in Petersburg im Gefängnis fcstgehalten werde und in einer Zelle zusammen mit dem evangelischen Pastor Brehm aus Lhck, den die Russen nach Wladiwostok verschleppt hatten, wohne. Beide warten auf ihre Auswechslung. Was eine Haft in russischen Gefängnissen bedeutet, kann nur der ermessen, der sich in gleicher Lage befunden hat. Es sind jetzt über vier Monate her, seit ich in Deutschland eingctrosfen bin, und der arme Herr, der bei feinem Alter doch selbstverständlich pflegebedürftig ist, schmachtet noch immer in Rußland. *) Nach meiner Ankunft in Tobolsk hatte man mir etwa vier Wochen lang seitens der Behörden vollständig Ruhe gegönnt, ich fing schon an, mich mit dem Gedanken vertraut zu machen, hier unbehelligt bis zum Ende des Krieges leben zu dürfen. Da er schien eines Mittags ein Polizcibcamter bei mir in Begleitung eines Herrn, der sich als Arzt zu erkennen gab, und der erklärte, er sei von der Gouverncmcntsbehördc beauftragt, meinen Ge sundheitszustand daraufhin zu untersuchen, ob ich eine Weiterbe förderung im Schlitten nach Beresow (etwa 700 Kilometer nörd lich von Tobolsk), das sei eigentlich mein Bestimmungsort, er tragen würde. Nach erfolgter Untersuchung diktierte der Arzt dem Polizei- bcamtcn das Protokoll, aus dem hervorging, daß ich nicht be förderungsfähig sei. Die Herren verabschiedeten sich in sehr liebenswürdiger Weise. Nachher erfuhr ich, daß sic, bevor sie zu mir gekommen waren, sich bei der Wirtin nach uns erkundigt hatten. Diese hatte ihnen erzählt, daß wir sehr still lebten, ich sei krank und werde ärztlich behandelt. Wenige Tage nach dieser ärztlichen Untersuchung erschien eines Morgens ganz früh, bei einer Kälte von 32" U. derselbe Polizeibeamtc und fragte an, ob ich mich Wohl genug fühle, um zum Friedensrichter fahren zu können, es handle sich um eine Sache aus Riga; meine Frau sagte, das sei bei dieser Kälte Wohl nicht möglich, unsere Aufwartefrau, eine Russin, deren Mann im Kriege war, erklärte aber dem Beamten ganz kurz nnd ch Zn meiner Freude erhalte ich soeben von Herrn Professor Sch. aus Loetzen die Mitteilung, das; er endlich ansgewcchsclt nnd über Torncv- Haparande nach Deutschland entlassen worden ist. Die Behandlung im Gefängnis soll gut gewesen und ihm zur Beköstigung »sw. monat lich der Betrag von 80 Rubeln gezahlt worden sein.
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