10162 Börsenblatt f. d. Dtschn. Buchhandel. Künftig erscheinende Bücher. 221, 22. September 1908. Verlag non Z. Hirzel in Leipzig. In meinem Verlage erscheint Anfang Oktober: Die türkitche Revolution und ihre Aussichten von vr. lyladan Georgevltch Serbischer Ministerpräsident a. D. La. 7 Bogen. j)reis geheftet M. (L 1.70) Der ungeheure Umschwung, den die Verhältnisse auf der Balkanhalbinfel durch den augenblicklichen Erfolg der jungtürkischen Bewegung zu nehmen scheinen, drängt die Frage auf, ob diese Veränderungen von Dauer sein können, ob eine Regenerierung der Türkei, eine Verfassung und eine parlamentarische Regierung unter der Oberherrschaft der Osmanen überhaupt möglich seien. Eine Antwort zu geben hat der Verfasser dieser Broschüre versucht. Daß er, einer der gewiegtesten und auch im Auslande bekannten Balkandiplomaten, das Zeug dazu hat, ist wohl zweifellos. Er war mehr als 10 Jahre serbischer Minister, fungierte als Gesandter in Athen, drei Jahre als serbischer Gesandter in Kon stantinopel unter Abdul Hamid, dessen Vertrauen er besaß, und war zuletzt 1897—1900 Chef eines Ministeriums in Belgrad, in dem er neben dem Präsidium das Außere innehatte: er verfügte also über ungewöhnliche Gelegenheiten zur Beobachtung Die umfangreiche Einleitung ist der Darlegung der Ursachen der Revolution gewidmet. Der Verfasser findet sie in der Günstlingswirtschaft des durch und durch korrupten Palastes, verbunden mit der Unfähigkeit der hohen Pforte und in der kaum noch zu steigernden Unzufriedenheit in der Armee, die freilich auch künstlich, zum Teil vom Auslande her, aufgehetzt wurde. Die sich anschließende Schilderung der Vorgänge bei der Revolution und ihrer bisherigen Folge erscheinungen legt besonderes Gewicht auf den Eindruck, den die Ereignisse auf die christlichen Völkerschaften in der Türkei machten, auf die Armenier, Griechen, Bulgaren, Serben rc. Im Schlußkapitel begründet dann der Verfasser seine Ansicht über die Möglichkeit eines dauernden Erfolges der Bewegung. Den Inhalt der einzelnen Abschnitte möchte ich wie folgt skizzieren: I. Die Ursachen der Revolution im Jildis. II. Ihre Ursachen in der Armee. III. Das Zusammenwirken beider zur Herbeiführung des Umsturzes. IV. Die Möglichkeit einer Verfassung, die Zustimmung der Juristen auf Grund des Korans. V. Ein Armenier über diese Frage. VI. Die Stellung der Griechen zur türkischen Revolution. VII. Die öffentliche Meinung in Bulgarien, die Bedingungen der Bulgaren an die jungtürkischen Führer. VIII. Die Stellung der Serben zur türkische» Revolution. IX. Offizielle Erklärungen der regierenden Partei und der oppositionellen Parteien. X. Die Ansicht eines konservativen serbischen Staatsmannes über die Aussichten der türkischen Revolution. XI. Das Programm der neuen Regierung und sein Widerhall bei der öffentlichen Meinung Europas und bei den Großmächten. XII. Die Vorbedingung für einen vollen Erfolg der türkischen Revolution und die Aussichten im Falle des Gelingens. Die orientalische Frage berührt die vitalsten Interessen nahezu aller europäischen Staaten. Was hier mit voller Sachkenntnis vorgetragen wird, ist nicht nur für den Politiker beachtenswert, jeder, der sich durch das Gewirr der Zeitungsnachrichten hindurch ein klares Gesamtbild der neuen Lage schaffen will, wird und muß zu dem Buche greifen, dessen Absatzgebiet keinerlei Einschränkungen unterliegt, da es zunächst nur in deutscher Sprache veröffentlicht wird, die der Verfasser, der seine akademische Bildung in Deutschland empfangen und die Jahre seiner freiwilligen Verbannung in Österreich zugebracht hat, in einem für einen Ausländer ungewöhnlichem Maße beherrscht. Leipzig, den 22. September 1908. S. Hirzel.