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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 28.08.1908
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1908-08-28
- Erscheinungsdatum
- 28.08.1908
- Sprache
- Deutsch
- Sammlungen
- Zeitungen
- Saxonica
- LDP: Zeitungen
- Digitalisat
- SLUB Dresden
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- http://digital.slub-dresden.de/id39946221X-19080828
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200, 28. August 1908. Nichtamtlicher Teil. Börsenblatt s. d. Dtschn. Buchhandel. 9087 Verleger möchten hinfort mindestens einen Teil der Auf lage ungebunden lassen, und daß sie den Bibliotheken empfiehlt, mit Drahtheftung gebundene Bücher möglichst von der Erwerbung auszuschließen. Die endgültige Formulierung einer Erklärung und ihre Beförderung an die geeigneten Stellen wird dem Bereinsausschuß übertragen. Im Anschluß an diesen Punkt der Tagesordnung legt Ermisch-Dresden der Versammlung einige vom Buchbinder meister Thäler in Dresden gebundene Bände vor, die überhaupt nicht geheftet sind. Durch die zusammengelegten und im Rücken geleimten Bogen sind nahe dem Rücken schmale Schlitze seitlich durchgeschlagen und durch diese Schlitze Pergamentstreifen ge zogen, die als Bünde dienen. In Anbetracht der fortgeschrittenen Zeit wird in eine Besprechung nicht eingetreten. (Nach: Zentralblatt für Bibliothekswesen.) * Die -vailzr in der I'rauoo - Lritisll Lxlribition in London. — In der »Straßburger Post- <Nr. 911 vom 25. August 1908) plaudert deren gern gelesener Londoner Mit arbeiter über die Ausstellung einer großen Londoner Zeitung, der -vsil/ Nsil-, in der dortigen großartigen französisch-britischen Ausstellung. Mit seiner Erlaubnis bringen wir diesen kleinen Bericht gern hier zum Abdruck: Die vergoldete Kuppel des Pavillons der -vsil/ Ns.il. leuchtet weit über das Gebiet des Ausstellungsparks. Diese Zeitung hat sich nicht wie -6Iobs- und »Osil/ VelsArsxb- daran genügen lassen, ein Lesezimmer einzurichten, sondern hat in ihrem geschmack vollen achteckigen Gebäude Redaktions- und Setzerräume unter gebracht und in der Mitte eine Maschine aufgestellt, so daß man den ganzen Werdegang eines Zeitungsblattes studieren kann. Diese Maschine ist die größte und verwickeltste, die das Haus Hoe in New Mark mit Anwendung aller Vervollkommnungen der Neuzeit zu bauen vermag. Wenn man vor dem ungeheuren Stahl- und Eisengerüst steht, das etwa 30 w lang, 4 m breit und 6 m hoch sein mag, und all die Schrauben und Griffe, die Räder und Walzen in ihrem scheinbar wirren Durcheinander anstaunt, die sich dann auf den Wink des Maschinisten in wunderbarer Ordnung bewegen, dann entringt sich der dichtgedrängten Menge ringsum ein erstauntes Ah. Nicht viel anders als ein seetüchtiges Schiff setzt sich die gewaltige Maschine in Bewegung: hier gibt's noch etwas zu zupfen, dort eine Schraube zu spannen oder einen Tropfen Ol nachzugießen, aber dann, wie auf das Signal des Kapitäns -Volldampf voraus-, durch den leisesten Druck auf einen elfenbeinernen Knopf setzt sich das Werk in Bewegung, erst in langen, schweren Atemzügen, dann schneller, immer schneller. Die Räder schwirren, die schweren Rollen, auf denen das endlose Papier sich abwickelt, drehen sich, und in wachsender Geschwindig keit eilt das Papier den Jrrgang entlang, vorbei an Walzen, Platten, Messern, um, schneller als das Auge es beobachten kann, gedruckt, gefaltet, geschichtet, als fertige Zeitung zur Seite heraus zukommen. Eine solche Maschine druckt 200 000 Exemplare einer vier seitigen Zeitung in der Stunde oder hunderttausend einer sechs- bis achtseitigen, wie die -vs.il/ Nsil- es ist. In ihrem Pracht gebäude am Victoria LwdsrLwsnt hat die -vs.il/ Nsil- zwanzig solcher Riesen im Gebrauch, von denen das Stück seine 300 000 kostet. Ein solcher ungeheurer Aufwand an Geld ist nötig, um die auf Millionen sich beziffernde Auflage rechtzeitig fertigzustellen. Rechtzeitig — in diesem Wörtchen steckt das journalistische Kunst stück, von dem alles abhängt. Man lebt so schnell heutzutage, daß das, was vor wenigen Stunden geschehen ist, fast schon für veraltet gilt, und es ist ganz fabelhast, welche ungeheuren Geld summen aufgewandt werden, nur um sich gegenseitig den Rang abzulaufen. Man könnte wohl meinen, daß es sich da immer um die allerwichttgsten Dinge, um Geschehnisse, die die Welt er schüttern oder von denen das Wohl der Welt abhängt, handle. Fehlgeschossen l Es kann ein Mord, ein Urteil im Gerichte oder die Entscheidung in einem Wettlauf sein — was cs ist, daraus kommt es viel weniger an, als daß es etwas ist, was die große Menge interessiert. Der Mann, der an der Spitze der »Osil/ Nsil» steht, der das Blatt vor einem Dutzend Jahren gegründet hat, bewegt in seinem Kopfe nur ungeheure Zahlen. Alfred Harmsworth, oder um ihn bei seinem heutigen Namen zu nennen, Lord Northcliff, hat den Ehrgeiz, ganz England zum Leser seiner Zeitung zu machen. Daß er, der als blutarmer Advokat die Journalisten laufbahn begann, darüber zum Millionär wurde, ist ihm durchaus nebensächlich: es ist der Herrschergeist, der die Masse seinem Willen unterjocht, der ihn anspornt. Mit Kleinlichem gibt sich ein solcher Mann nicht ab; aber wenn einmal irgendwo etwas nicht klappt, wenn all die klugen Köpfe, die er beschäftigt, sich nicht Rat wissen, dann greift er ein, und — siehe da — alles geht wieder wie am Schnürchen. Als die -Osil/ Nsil- eine TageSauflage von einer Million erreicht hatte, meinte man, nun sei seinem Ehrgeiz und auch der Ausbreitungsmöglichkeit das Ziel gesteckt. Aber nicht doch. Auf einer Reise nach Schottland entdeckte er, daß man in Glasgow, in Edtnburg keine Londoner Zeitung vor fünf Uhr nachmittags bekommen könne. Was tat er? Am nächsten Tage errichtete er in Manchester eine Filiale der »vs.il/ Nsil«. Um 6 Uhr jeden Abend gehen die Stereotypplatten der Zeitung des nächsten Morgens nach der Druckerei des Manchester- Bureaus. Wichtige Nachrichten, die auf der Londoner Redaktion im Laufe der Nacht eintreffen, werden nach Manchester tele graphiert, und im Morgengrauen rast dann die »vsil/ Nsil- — Manchester-Ausgabe — in eigenen Expreßzügen nach Norden. So hat das Blatt einen Vorsprung von mindestens vier Stunden vor allen Londoner Zeitungen. Was dies bedeutet, weiß jeder, der die Wahrheit des Ausspruches jenes gewiegten Journalisten zu schätzen weiß, welcher sagte: -Der Wettkampf der heutigen Presse ist ein Wettrennen um den Frühstückstisch-. Wem es ge lingt, das Londoner Blatt selbst im Norden des Königreichs mit dem Tee und gerösteten Brotschnitten aufzutischen, der ist Sieger. Und der -vs.il/ Nsil- ist es gelungen, dank dem Unternehmungs geist, der Tatkraft, dem Geldbeutel ihres Führers. Der Erfindungsgeist moderner Techniker wird zu Hilfe ge nommen, um das Ziel zu erreichen; neben der Schnellpresse spielt neuerdings die Setzmaschine eine wichtige Rolle. An der Kla viatur der Linotypemaschtne arbeitet der Setzer mit solcher Ge schwindigkeit, daß z. B. das kolossale Material einer so umfang reichen Zeitung wie des »vs.il/ Tslsgrsxü- jetzt in sechs Stunden gesetzt werden kann. Das sind bei den sieben Riesenspalten der 24 Seiten des Blattes etwa anderthalb Millionen Buchstaben, die in dieser knappen Frist aus der Sinnlosigkeit des Setzer kastens zur bedeutungsreichen Ordnung der Gedankenträger er stehen. Aber welche Summen verschlingt es, um all diese modernen Erfindungen, diese Maschinen, diese eigenen Zeitungszüge von rasender Expreßgeschwindigkeit in den Dienst eines Blattes zu stellen I Das ist ein Rechenexempel, das erst unserem demokratischen Jahrhundert zu lösen Vorbehalten war, daß es nämlich möglich ist, Millionen — buchstäblich Millionen — daranzuwenden, um Pfennige einzunehmen und doch ein Geschäft dabei zu machen. Wie das Wundcrroß, auf dessen Rücken die vier Haymonskinder ritten, trägt die »vsil/ Nsil- Lord Northcliffe und noch eine ganze Reihe seiner Brüder. Sie kostet nur einen Halfpenny die Nummer und bringt eine Dividende von 40 vom Hundert. * Aquarell Ausstellung i« Berlin. — Der »Kunstherold bringt über die Aquarelle im Besitze Sr. Majestät des Deutschen Kaisers, die in der bevorstehenden Aquarell-Ausstellung der Berliner Akademie der Künste zu sehen sein werden, genauere Mitteilungen. Nur zum geringsten Teil kommen für die Aus stellung die zahlreichen Aquarelle in Betracht, die für den Kaiser auf seinen Reisen nach seinen Angaben gemalt wurden, wie etwa die Mittelmeer- und Manöverarbeiten von Professor Stöwer. Vielmehr handelt es sich fast ausschließlich um jene Kunstwerke, die, in Mappen auf der Bibliothek im kaiserlichen Schlöffe aufbewahrt, bisher dem Publikum unzugänglich waren. Ihre Sichtung wird der Vorsitzende der Ausstellungs-Kommission, Professor Kampf, in den nächsten Tagen beginnen. Nur die bemerkenswertesten Stücke können ausgewählt werden, da die Werke aus dem Besitze des Kaisers nur einen Saal füllen sollen. Besonders in Betracht kommen die zahlreich vertretenen Meisterschöpfungen Menzels und auch die Aquarelle Hildebrandts mit afrikanischen und indischen Motiven. Diese Kunstwerke sollen durch die Bewilligung einer Reproduktion der weiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Ob von den 1196»
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