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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 06.12.1915
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- 1915-12-06
- Erscheinungsdatum
- 06.12.1915
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Nr. 283. MMMdeaHmMMViMaM ^rscheiat^werkt3gli«H. ri?hrl?ch?1^E ^ «au^2S2^?.^50M.; fürNicht°- ^über Lei) rdleje» UMMind^MMnmrUMÄNeNWnDWNMrMAiWa Leipzig, Montag den 6. Dezember 1915, 82. Jahrgang. Redaktioneller Teil» Aus dem spanischen Buchhandel. ii, <1 siehe Nr, 81,) Die Sommersaison, — Das Schulbüchergeschäft, — Die innere allge meine Lage und die besonderen Verhältnisse des Buch- und Papier handels. — Neuigkeiten und Kriegsliteratur, — Volks- und Partei stimmungen, — Propaganda, Die Bezeichnung »tote Saison« wendet Wohl niemand mit mehr Berechtigung an, als der spanische Buchhändler aus die Zeit der heißen Sommermonate. Wenn gegen Ende Juni der Himmel anfängt ungemütlich zu werden und die Quecksilber säule von dem Wanderfieber nach der Höhe befallen wird, packt der Städter, dem es Zeit und Geld einigermaßen erlauben, seine Siebensachen zusammen und wandert mit Kind und Kegel aufs Land, am liebsten ans Meer. Wenn es nicht nach einem der großen Seebäder, wie San Sebastian oder Biarritz, »langt«, so doch nach einen bescheidenen Fischerdörfchen, Die Hauptsache ist, daß man an der »?luzm« (am Strande) ist. Auswärtige Tou risten sind im Hochsommer natürlich nicht zu erwarten, nicht ein mal Mr, Spleen, so exzentrisch er sonst ist, hat sich bis jetzt zu einer Schwitztour durch Spanien entschließen können. In den Badeorten selbst wird verhältnismäßig wenig gelesen, sodatz sich nicht einmal in San Sebastian, dem belebtesten Bade orte, eine eigentliche Buchhandlung befindet. Etwas Lesestoff wird von einer kleinen Minderheit vor der Abreise noch eiuge- kauft; die übrigen begnügen sich mit ihrer Tageszeitung oder kaufen sich einen billigen französischen Roman, wenn sich wirk lich so etwas wie »geistiger Hunger« einstellen sollte. Der Spanier liebt mehr das Gespräch (»Is «Varia«), als die Lektüre, An jedem Spanier ist ein Redner oder Schauspieler verloren gegangen; mit einer fast unglaublichen Phantasie aus gerüstet, kann er sich stundenlang über die einfältigsten Sachen köstlich unterhalten. In normalen Zeiten wird niit den Reise büchern noch ein ganz ansehnliches Geschäft gemacht, da eine nicht unbeträchtliche Zahl der begüterten Familien nach dem Auslande reist (Schweiz, England, Rheinlande usw,). Diese Hilfsquelle ist seit Ausbruch des Krieges versiegt, da sich der Vergnügungs reisende nicht den Umständlichkeiten und Gefahren aus setzen will, die das Reisen und der Aufenthalt in den krieg- führenden Ländern, abgesehen von den Mehrkosten infolge Teue rung usw,, mit sich bringen. Die vergangene Hochsommersaison mutz deshalb als eine der stillsten in den Annalen des spa nischen Buchhandels bezeichnet werden. Doch »auf Regen folgt Sonenenschein«, sagt ein wahres Sprichwort, und so setzt auch hier nach der sommerlichen Stille der Herbst mit einer Lebhaftigkeit ein, die von keiner andern Iah- reszeit übertroffen wird. Gegen Mitte September fängt das Schulbücher- und Lehrmittelgeschäft an Knospen zu treiben, die sich in der ersten Hälfte des Oktober, namentlich in den Uni versitätsstädten, nach Einzug und Rückkehr der akademischen Jugend und der gelehrten Welt, zur vollen Blüte entfalten. Nach und nach kehren auch die auserlesenen Kinder der Göttin For tuna von ihren Landsitzen in die Stadt zurück, und körperlich ge stählt und gekräftigt, verlangen auch sie wieder nach geistiger Anregung und Erbauung, Das Schulbüchergeschäft spielt im hiesigen Buchhandel eine sehr wichtige Rolle, sodatz der Ausfall desselben für die Jahres bilanz vieler Sortimente maßgebend ist. Da die Buchhandlungen hierzulande gottlob noch nicht allzu reich gesät sind, kann sich jeder Sortimenter an der Konkurrenz beteiligen und etwas von der Ernte an sich bringen. Die Rabattierung der Schulbücher läßt allerdings noch viel zu wünschen übrig, doch wickelt sich das ganze Geschäft mit wenigen Ausnahmen, die Lieferungen an Schulen einbegriffen, gegen Kasse ab. An Lehrer und Schulen wird auf Verlangen auf günstig rabattierte Bücher ein Skonto von 5—10 7° gewährt, doch besteht keine allgemeine Sitte, Vorschriften existieren darüber nicht; jeder Buchhändler ist aber bemüht, die Rabattgewährung nach Möglichkeit zu vermeiden. An Studenten wird ebenfalls fast ausnahmslos nur gegen bar und ohne Rabatt verkauft, an Professoren und Bibliotheken von Gymnasien, Fakultäten und Hochschulen wird teils in Rech nung, teils bar geliefert, doch immer ohne Skonto, Ein alter Mißbrauch, gegen den der Buchhandel jahrelang vergebens gekämpft hat, ist jetzt im Aussterben, Eine große Anzahl von Professoren hat nämlich früher, um ihre, allerdiugs sehr be scheidene Besoldung etwas aufzubessern, eigene Lehrbücher für ihre Kurse geschrieben, die sie selbst verlegten und die dann als sogenannte »obras äs texto« für obligatorisch erklärt wurden und von den Studenten gekauft werden mutzten. Die Preise wurden außerordentlich hoch, der Rabatt für den Buchhändler dagegen äußerst niedrig (5—107°) angesetzt. Den Verkauf, der sich mit der Würde der Herren Professoren nicht gut vertrug, mutzte der Buchhändler Wohl oder übel über nehmen. Mit der ökonomischen Besserstellung der Lehrkräfte in den letzten Jahren und dem daraus folgenden Verbot, Lehrbücher an den Handelsschulkursen obligatorisch einzuführen, ist diesem Un fug endlich das Todesurteil gesprochen worden. Heute findet es umgekehrt die Mehrzahl der Herren Professoren und Gelehrten überhaupt unter ihrer Würde, Bücher zu schreiben, um nicht etwa in den Verdacht zu kommen, daß man es »notwendig« habe. Es ist deshalb hier schwer, Autoren für wissenschaftliche Werke zu finden; gewöhnlich ist man auf junge Kräfte angewiesen, die noch einen Nebenverdienst »brauchen« können, doch wird di« Zeit auch hier Wandel schaffen, wenn einmal die alten Sünden ver gessen sind. Das 'Schulbüchergeschäft hat dieses Jahr einen durchaus normalen und befriedigenden Verlauf genommen; die innere Lage Spaniens ist ja auch ganz beruhigend und im Durchschnitt gün stiger als im Vorjahre, Wenn auch die Ernte nicht allerorts günstig war, so haben sich doch die Exporteure nicht über die erzielten Preise beklagen können. Wenn einige Industrien in folge des Krieges daniederliegen, so haben andere — und deren sind nicht wenige — dafür bedeutend gewonnen, Frankreich braucht auch Menschenmaterial, sodatz viele Arbeitslose dort An stellung gefunden haben. Der politische Horizont hat sich ge klärt, und nach einer Flut leidenschaftlicher Hetzereien der Presse und Manifestationen der Massen sind die hervorragendsten Partei führer bei verschiedenen Gelegenheiten öffentlich für die absolute Neutralität Spaniens, von der Regierung wiederholt mit Nach druck proklamiert, eingetreten. Dadurch haben sich die bewegten 159S
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