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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 03.12.1915
- Strukturtyp
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- 1915-12-03
- Erscheinungsdatum
- 03.12.1915
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- Deutsch
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Redaktioneller Teil. 281, 3. Dezember 1915. die türkische, chinesische oder japanische Schrift aus ihm ver-s schwände? ' ^ Ästhetisch die Formen der Fraktur zu würdigen, indem man ihre einzelnen Bestandteile vorsührt, ist ein ähnliches Unter fangen, als wollte man durch Zerlegung einer Gazelle in ihre verschiedenen Körperteile, wie Knie, Huf, Hals und Ohren, den Nachweis erbringen, daß sie eigentlich nicht graziös liefe. Haken, Linie, Schleife, Punkt — alles einzelne ist da, fehlt leider nur das geistige Band. Dann ist ferner die von Soennecken als Gegenbeispiel ge brachte Schreibvorlage des Nürnbergers Johann Neudörfser von 1539 doch gar kein Beweis gegen die Brauchbarkeit der Fraktur. Es handelt sich hier doch um die Grille eines Schreibmeisters, nicht um bewußte Druckschriftvorlagen. Dabei wie schrullenhaft kraus, wie voller Krast, wie phantasiereich und echt deutsch ist das immer noch. Dagegen wirken die von Soennecken selbst ge gebenen Musterbeispiele öde und leer, wie eine restaurierte Kirche. Nun der Einwand, daß es unsere Jugend erleichtern würde, wenn sie nur ein Alphabet erlernen brauchte. Als ob nicht noch stets durch Herabsetzung der Anforderungen auch die Leistung selbst nachgelassen hätte! Als ob nicht das Borstellungsvermögen von Formen beim Durchschnitt unserer heutigen Jugend schon auf ein erschreckendes Miwgstnmß herabgedrückt wäre! Ganz etwas anderes ist die Frage, ob man beim Unterricht nicht mit derAntiqua beginnensollte,die wohl ohne weiteres zu bejahen wäre. Auch die Augenhygiene wird ins Feld geführt, es soll die Kurzsichtigkeit unserer Bevölkerung auf dem Gebrauch der Fraktur schrift beruhen. Das ist doch wohl etwas oberflächlich abgeschätzt. Liegt diese Kurzsichtigkeit nicht etwa an dem Mehr des Lesestoffs, den der Durchschnittsdeutsche gegenüber dem Fremden be wältigt? Könnte man da nicht auch die Sehschärfe der glücklichen Analphabeten Rußlands und Italiens oder gar der Somalineger gegen unsere Bildung ins Feld führen? Es haben hervorragende Augenärzte durch eingehende Unter suchungen bewiesen, daß die deutsche Druckschrift deutlicher ist als die Antiqua, weil sie das eigentümlich lange deutsche Wort bild besser vor Augen führt. Andere Ärzte behaupten natürlich das Gegenteil, aber das alles beweist eigentlich nur, daß es um des Kaisers Bart gehj,, Die Frage, ob Antiqua oder Fraktur der würdigste Aus druck für die hohe Kultur Deutschlairds sei, ist wirklich müßig. Ebenso könnte die Frage lauten: »Sind es Goethe oder Jean Paul, Mozart oder Bach?« Man möchte weder diese noch jene missen, denn es gäbe dabei doch nur zu verlieren. Vergegenwärtigt man sich denn garnicht, daß bei einer Preis gabe der Fraktur schon für die nächste Generation die Erstaus gaben unserer Klassiker, die von den Vorvätern ererbten Haus bibeln, alles, was die Blütezeit der Buchdruckerkunst geschussen hat, Bücher mit sieben Siegeln sein würden? Muß man denn immer erst in geplünderten und verödeten Kirchen stehen, um gewahr zu werden, welcher Schätze man sich leichtfertig entäußerte? Glücklicherweise liegt die Gefahr nicht sehr nahe. Haben wir bislang der sogenannten Weltkultur, d. h. der Herrschaft des Handels zuliebe unsere deutsche Schrift nicht geopfert, so steht zu hosfen, daß wir heute, wo wir uns als Volk siegreich gegen die feindliche Welt behaupten, noch weit weniger daran denken werden. Wahren wir darum auch auf diesem strittigen Gebiet den Burgfrieden. Freuen wir uns des doppelten Schatzes, den wir in den vielgestaltigen Formen unserer deutschen Antiqua- und Frakturschristen besitzen und lernen wir immer besser, jede von beiden am geeigneten Ort anzuwenden. Gilt doch auch von unserer Schrift, was Logau von der deut schen Sprache sagt: Kann die deutsche Sprache schnauben, schnarchen, poltern, donnern, krachen, kann sie doch auch spielen, scherzen, liebeln, güteln, kürmeln, lachen. KriegShumor aus Frauen- und Kindermund 19I4/I5. Zur Erbauung von alt und jung, besonders unserer Feldgrauen. 131. bis 150. Tausend. Volks- Ausgabe. KI.-8". 33 S. Berlin 1915, Deutsches Druck- und Verlagshaus. Brosch. 10 -1 ord. Auch in diesem Bändchen Kriegshumor entfaltet unser Bernfs- genosse E. Döring, Prokurist der Firma Deutsches Druck- und Verlagshans in Berlin, mit Geschick seine sorgfältig wählende Sam meltätigkeit, indem er die in den beiden hier bereits besprochenen Heften »Kriegshumor aus Frauen- und Kindermund« vereinigten Stucke in einer engeren Auswahl zusammenfaszt. Auch dieses neue Bändchen ist mit einigen Illustrationen geschmückt. Es darf wohl seiner Billigkeit wegen auf weiteste Verbreitung in den Familien, besonders aber in den Kreisen unserer Feldgrauen rechnen, denen der Gedanke, das; auch ihren Angehörigen daheim bei aller Sorge der Humor nicht ausgegangen ist, ein Trost sein mag. Kleine Mitteilungen. Eine Münchener Kommissionsbuchhandlung (vgl. Nr. 280). — Der Handelsregtstereintrag lautet nach den Münchener Neuesten Nachrichten wie folgt: Münchener Kommissionsbuch- handlung eingetragene Genossenschaft mit be schränkter Haftpflicht. Sitz München. Das Statut ist er richtet am 14. und 28. Oktober 1915. Gegenstand des Unternehmens ist der gemeinschaftliche Einkauf von Büchern und anderen Gegen ständen des Buchhandels im großen und Auslieferung im kleinen an Mitglieder und Nichtmitglieder. Die Bekanntmachungen der Ge nossenschaft erfolgen unter der Firma, unterzeichnet von den zwei Vorstandsmitgliedern oder vom Vorsitzenden des Aufsichtsrates oder seinem Stellvertreter. Sie werden in den »Münchener Neuesten Nach richten« veröffentlicht. Die Zeichnung des Vorstandes für die Ge nossenschaft geschieht in der Weise, daß die Zeichnenden der Firma ihre Namensunterschrift beisetzen. Zur Rechtsverbindlichkeit ist die Zeichnung oder Erklärung der zwei Vorstandsmitglieder erforderlich. Haftsumme: 100 Höchstzahl der Geschäftsanteile: 50. Vorstands mitglieder: Ernst Reinhardt, Verlagsbuchhändler, und Richard Kretschmar, Buchhändler, beide in München. Die Einsicht der Liste der Genossen ist während der Dienststunden des Gerichts jedem ge stattet. Licbeswcrben französischer Schriftsteller um Schweden. — »Stock holms Tidningen« meldet aus Paris, daß die französische Schrift- stellervercinigung in einer Depesche den Direktor des Stockholmer dra matischen Theaters ersucht hat, er möge in seinem Repertoire franzö sische Stücke spielen, die während der Kriegsdauer den Schweden von der Schriftstellervereinigung unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden. Von anderer Seite wird ans Paris berichtet, daß die französische Schriftstellervereinigung den drei nordischen Staaten das Uber setzungsrecht aller Novellen, Romane und Dich tungen sowie die Aufführung aller Kompositionen bis sechs Monate nach dem Friedensschluss unent geltlich zur Verfügung ge st eilt habe. (!) Eine deutsche Auslandsschule im Kriegsjahr. — Angesichts der Hctzarbeit der Entente in Rumänien verdient die Tatsache, daß die deutsche Schule in Galatz im Kriegsjahre ihre Schülerzahl bis auf 500 erhöhen konnte, wohl Interesse. In der Schule, die sich aus kleinen Anfängen heraus zu einer Knabenmittelschule und höheren Mädchenschule, verbunden mit Kindergarten als Vorstufe und Han delsschule als Abschluß, ausgewachsen hat, wurden für den kommenden ersten Jahrgang allein 66 Kinder angemeldet, eine vorher nie er reichte Zahl. Die Bedeutung dieses Fortschritts ergibt sich vor allem daraus, daß die Eltern der in der deutschen Schule untergebrachten Kinder mit den Lehrern die besten Zeugen gegen die Verleumder des Deutschtums werden. Auch als Mittelpunkt der deutschen Kolonie des Ortes hat sich die Schule bewährt. Personalnachrichten. Julius Klein ck. — In Budapest ist der Botaniker Julius Klein, emer. Professor der dortigen Technischen Hochschule und ord. Mitglied der ung. Akademie der Wissenschaften im 71. Lebensjahre gestorben. Er war Gründer, langjähriger Präsident und zuletzt Ehrenpräsident der botanischen Sektion der kgl. ung. naturwissenschaftlichen Gesell schaft. Verantwortlicher Redakteur: Emil Thema«. — Beklag: Der Börsen verein der Deutschen BuchhSndler IN Leipzig, Deutsche« ^Buchtiiiudlerhaus. " ^ - ' " ' ! lL86
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