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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 02.12.1915
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- 1915-12-02
- Erscheinungsdatum
- 02.12.1915
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Redaltioneller Teil. ^r 280, 2. Dezember 1915. vor Erscheinen der kleinen Geschichte von Soldaten in Frankreich gehört hatten, oder von solchen, die verwundet oder auf Urlaub in England weilten. Merkwürdigerweise haben aber alle diese Sol daten immer allerhand Gründe gehabt, ihre Namen nicht be kannt werden zu lassen. Nur fromme Schwestern und Oberinnen werden namentlich erwähn!, übrigens hat der Heilige Georg bei diesen Nachforschungen noch Konkurrenz bekommen. Die Franzosen haben nämlich in ganz ähnlicher Weise den Heiligen Michael und die Jungfrau von Orleans zu ihrer Hilfe kommen sehen, selbstverständlich auch, ehe die Geschichte des Herrn Machen gedruckt war. — Die spiritistischen Zeitschriften (z. B. »Hie Oseulr Review« — »Ms lügbt«) haben sich der Sache bemächtigt; die Erzählung ist allenthalben — mit Erlaubnis natürlich — in Probinzblättern und auch in Broschürenform nachgedruckt wor den. Ihr Titel »Ms Lawinen« hat sich allmählich ganz von selbst in »Die Engel von Mons« (Me LnAsis ok Äons) verwan delt. Der Verfasser erklärt später selbst*), was diesem Vorgang zugrunde liegt. Für Heilige haben die Engländer keine rechte Verehrung mehr, das überlassen sie den Katholiken, und auch der Heilige Georg ist ihnen eigentlich nur noch ein nationales Schmuckstück, wie man es auf Schiffsschnäbeln gern anbringt (— das würde übrigens sein etwas merkwürdiges Verhalten ja zur Genüge erkläre»); vor Engeln aber haben sie noch großen Re spekt. Kurzum, die Popularität der Erzählung ist mit dieser Titeländerung nur gewachsen. Alle möglichen Blätter (»Mutk« — »Dm?» Topiss« — »llokn Kuli« — »Ms vaiix Odroniele« — »Ms Usw Lkureb ^Vssiclz-« — »Ms Obuisb Times« u. a.) haben sich damit beschäftigt, Predigten sind mit Bezug darauf gehalten, und Bücher und Broschüren sind schließlich darüber geschrieben worden. Zuerst hat Ralph Shirley, der Herausgeber der Zeit schrift »Ms Ooeuit Review«, in einem dünnen Heftchen**) aller hand Beweise und Zeugnisse für das Ereignis selbst zusammenge stellt und seine Möglichkeit auch noch durch Bezugnahme auf frühere ähnliche und beglaubigte Wunder bewiesen! Dann hat Arthur Machen selbst seine Erzählung zu sammen mit einigen anderen als Buch erscheinen lassen; zuerst mit einer etwa 27 Seiten langen Einleitung***), die in der zwei ten Auflage-)) schon auf 55 Seiten angewachsen ist. Darin ver teidigt er sich nicht ungeschickt gegen die Vorwürfe, die man ihm gemacht hat, erzählt die Entstehungsgeschichte seiner Kriegs- Novelle oder -legende, die übrigens an sich noch nicht 10 Seiten lang ist, und macht es mehr als wahrscheinlich, daß sie allein der Anlaß zu all den Berichten und Gerüchten über das Ein greifen der Engel bei Mons gewesen ist. Als Dritter kommt Harold Begbie, der »Auf der Seite der Engel« steht, indem er unter diesem Titels-)) eine Erwiderung auf Arthur Mächens Vorrede herausgibt. Der Gegenbeweis ist hier schon auf 126 Seiten angeschwollen. Wenn das so weiter geht, kann es noch gut werden. Er steht aus dem Standpunkte, daß der Verfasser die Kenntnis von dem Eingreifen der Engel bei Mons auf dem Wege der Telepathie erhalten habe (S. 19 ff), und daß darum seine Behauptung, es handle sich bei der Erzäh lung um eine »rein erfundene Geschichte«, durchaus unwissen schaftlich sei! Im übrigen wird der ganze Apparat von neuem aufgeboten und erweitert. Zu den Soldaten, den Schwestern und Oberinnen sind immer mehr »Zeugen« hinzugekommen: »ein« Depeschenretter (S. 40—41), »eine« deutsche Dame (S. 67—69), noch eine Dame, Mrs. Barclay (S. 79—80), die von »einem« Freunde erzählt, der wiederum von »einem Offizier, der von der Front kam«, »gehört« hat, daß . . . usw. usw. — Sehr scherzhaft ist der »Depeschenreiter«. Nachdem er die Wahrheit der Erscheinung von Engeln bestätigt hat, sagt er plötzlich: »Und *s Äacvsn: Tks Kavernen. 2. eck. 8. 19 kt. vistar. parallels. Xn aniveniio reearck dz- llaipb 8 birIez-. llonckon: Rewspaper kuvlleitz- da. 15 8. 8°. ***) Diese erste Auslage des Buches habe ich nicht gesehen. -)) Me Engels ok Äons. Me kowanen, anck ottrer iegencks ak ive aulvor. London: 81mpwn 1915. 133 8. 8". rlaroicl kexbie. London. Itolictsr L 8tougvtoa 1915. 126 8. 8°. dann die Granaten!«, auf Harold Begbies etwas erstaunte Frage: »Was ist's mit den Granaten?« aber erwidert er: »Ja, da platzt nicht weit vor dir eine Granate. Rauch und Staub steigen in die Luft, und dann siehst du inmitten des Rauches — nun, eine weibliche Gestalt, die dich, di« Arme ausgebreitet, anblickt. Das ist nicht etwa Einbildung. Ich hab's oft gesehen«. — Die deutsche Dame aber hat erzählt, daß es in Berlin gewal tiges Aufsehen erregt habe (wenn man nur hier etwas davon wüßte!), daß ein bestimmtes deutsches Regiment beim Angriff auf die Engländer ganz plötzlich und unfreiwillig zu völligem Stillstand verdammt gewesen sei. Weder die Soldaten noch die Offiziere haben es sich erklären können. Sie hat natürlich »einen« davon gesprochen. Die »äußerst abergläubischen Deut schen« haben schließlich gemeint, der Teufel habe seine Hand dabei im Spiele gehabt. — Die Engländer freilich wußten es besser — es waren »Die Engel von Mons«. — Endlich — wenn man auch noch nicht annehmen kann, daß die literarische Flut, die das epochemachende Ereignis hervorge rufen hat, schon im Verlaufen wäre, ist da noch ein Büchlein von T. W. H. Crosland *) erschienen. Unter dem Schlagwort »Such die Engel« (mit solch ähnlicher Formel werden gewöhn lich die in England so beliebten Rätselspiele — Puzzles — beti telt) erzählt auch er eine Kriegslegende, in der er nun die ganze Gesellschaft aufs gründlichste verspottet. Der an das Ma- chensche Buch anklingcnde Titel »Ms 8tlowmso« läßt sich deutsch nicht ebenso wenden; man kann hier vielleicht »Die Bänkelsänger« dafür sagen. Schon rein äußerlich sind beide Bücher Gegenstücke: im gleichen Format, das eine mit blauem, das andere mit rosa farbenem Deckel, hier und dort je eine lange Vorrede in Kursiv gedruckt, in ihren Drucktypen und ihrer ganzen Ausstattung ein- ander zum Verwechseln ähnlich. Der Text ist von vorn bis hinten mit allerhand Anspielungen und Bosheiten gegen Machen, Begbie u. a. gespickt. Die Geschichte selbst ist natürlich absichtlich albern: Die beiden gemeinen Soldaten »Swests and Obssss« ziehen sich, weil sie »schwer verwundet« sind, während der Schlacht bei Mons in einen feuchten Graben zurück und trösten dort einander mit Erinnerungen an die Heimat. Plötzlich ver wandelt sich die Szene. Sie sehen das Meer, am friedlichen Strande spielende Kinder und in Liegestühlen ruhende Damen und Herren. Ihre Gesichter sind schwarz geworden, und mit Harmonium und Gesang geben sie eine Vorstellung. Die zuhö rende Menge wird immer größer, eine weißgekleidete junge Dame sammelt für sie Geld in einer Muschel und leert diese schließlich in die Hände des Gemeinen Chccse, der dabei mit Be wunderung ihre leuchtenden bloßen Füße bemerkt und die unter dem Kleide hervorlugenden goldenen Engelsflllgel. Durch den Anblick sind die beiden von ihren Wunden natürlich geheilt — Als die Drückeberger wieder zu ihrer Kompagnie stoßen und zur Rede gestellt werden, tischen sie ihr Märchen auf und berufen sich zum Beweis dafür auf ihre Narben und das Geld, das sie mitbringen. Sie werden in Gewahrsam genommen, um auf ihren Geisteszustand untersucht zu werden. Da ist es also nichts mit dem Glauben an die Engel von Mons — und das ist das Tröstliche dabei. Berlin-Wilmersdorf. Philipp Rath. Unsere Berufsgeiwffen im Felde« I. Deutsche Armee. Neue Folge XXVII. — (XXVI siehe Nr. 275) Name und Vorname: Firma: Dienstgrad u Truppenteil: Adler II, Otto') Altmann, Walter Börner, Richard Bostelmann Dietrich, Karl i. H. Agentur d Rauhen Hauses in Hamburg i. H. I C. Hinrichtz'sche Buchh in Leipzig i. H B. G Teubner in Leipzig i. H. Boysen L Maasch in Hamburg i. H. Aaeniur d. Rauhen Hauses in Hamburg t Landw.-Jnf. Rgt. Nr. 1, Ers.-Bat. b. e. Arm -Bat. b. e. Intendantur. i. Inf -Rgt. Nr. 31, Ers -Bat. . e. Etapven-Telegr.- Direklion. I.auri6 ^915? 096^8.^ 8°. ^ ') Stehe auch Bbl. Nr. 218, 1911.
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