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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 27.11.1915
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1915-11-27
- Erscheinungsdatum
- 27.11.1915
- Sprache
- Deutsch
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- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Jahr1915
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Börsenblatt f. d. Dtschu. Buchhandel. Redaktioneller Teil. .V 276, 27. November ISIS. an viele Kameraden regelmäßig geschickt, aber ein gutes Buch verirrt sich nur selten an die Front, und auch in der Etappe ist es kein häufiger Gast. Man denkt offenbar daheim, unsere Feld grauen haben soviel mit dem Feinde und mit den nächsten Sorgen um Verpflegung und Unterkunft zu tun, daß sie weder Lust noch Muße für Lektüre finden. Öfter trifft das gewiß zu, und jeder von uns hat Zeiten ge habt, wo er froh war, wenn er die notwendigsten Lebenszeichen an seine Liebe» schicken konnte, und im übrigen sich jeder geistigen Betätigung entschlug, ja es als ein völliges, beinahe lächerliches Mißverständnis empfand, wenn ein teilnehmender Freund einmal fragte, ob etwas zum Lesen willkommen sei. Aber was die Regel zu werden schien, ward zur Ausnahme, namentlich im Stellungs krieg. Was man nicht für möglich gehalten hätte, es geschah. Man genoß lange Tage und Wochen völliger oder doch ver hältnismäßiger Ruhe. Jeder versuchte so gut es ging, kleine Wünsche seines lieben Ich zu befriedigen. Man verlangte nach Unterhaltung, nach dem Buch. Es war nicht da, und es fehlt in der Mehrzahl der Fäll« noch heute. Und es fehlt nicht nur den sogenannten Gebildeten, sondern auch dem einfachen Manne. Die Zeitung, die bis zur letzten Anzeige immer wieder gelesen und, von Hand zu Hand wandernd, wahrhaft zerlesen wird, reicht nicht aus. Man sehnt sich nicht bloß nach Nachrichten; man will eine Herzstärkung haben. Als der Krieg ausbrach, sollen die Buchhändler kaum soviel Neue Testamente und Taschenausgaben des »Faust« haben heran- schafsen können, wie verlangt wurden. Das hat jeder Daheim gebliebene mit Befriedigung vernommen. Aber die meisten haben vergessen, daß der unerschöpfliche Reichtum dieser beiden Bücher bescheidenere Schätze nicht ausschließt, ja, daß gerade diese zur Erholung und Entspannung gern begrüßt werden, sofern sie nur echt sind. Immer wieder bemerken wir, daß entschlossener als in Friedenszeiten die Kameraden seichte oder gar leichtfertige Bücher zurllckweisen. Was jeder gern nimmt, und was am mei sten vermißt wird, sind humoristische Werke, an denen freilich unser Schrifttum keinen Überfluß hat, wenn man das Wort Hu mor in seiner ganzen Tiefe und Fülle erfaßt, wie es hier am Platze ist. Allzu schwere Kost anzubieten, ist nicht ratsam. Selbst eifrige Leser, die sie sonst nicht scheuen, finden hier draußen nicht die innere Ruhe dafür. Und doch habe ich auch schon einen Ka meraden gehabt, der Spinozas »Ethik« im Tornister trug und an ihrer kristallklaren Reinheit seine Seele labte in einer Zeit dunkler Verwirrung. Ich meine, man kann keine Regeln aufstellen für das, was wir hier draußen lesen wollen und was nicht, es sei denn, daß man nicht mit offenbarem Schund die Feldpost belästigen und den Empfänger kränken darf. Es mutz der Heimat genügen zu wissen, daß wir zu lesen die Lust und die Möglichkeit haben; trifft man doch sogar z. B. in den paar Aller Buchläden immer Kameraden, die sich unter den französischen Büchern das ihnen Entsprechende aussuchen, zum großen Teil, weil sie nichts Hei misches haben. Den Angehörigen zuhause muß gesagt werden: Ihr kennt den Geschmack Eurer Lieben im Felde. Schickt ihnen öfter ein gutes Buch. Es braucht kein neuerfchienenes oder un bekanntes zu sein, und ein kriegerisches ist gewöhnlich nicht er wünscht. Im Gegenteil, es gibt Fälle, wo sich einer nach harten Tagen sehnt, einmal «ine ganz stille Stistersche Novelle zu lesen, während er die Autofahrt eines Kriegsberichterstatters müde bei seite schiebt. Wenn Ihr Eure Wurstpakete zum Weihnachtsfest mit Liebe packt und ein grünes Zweiglein, ein buntes Band als Schmuck und Gruß verwendet, tut auch ein Buch dazu, ein leich tes, handliches, wie sie von unseren Verlegern für diesen Zweck so fürsorglich hergestellt werden, schreibt ein gutes Wort hinein, auf daß es eine wahre Liebesgabe sei. Ihr glaubt nicht, wieviel Freude Ihr macht, wie Ihr die Stumpfen erhebt, die Matten stärkt. Denn hier wird mit größerer Andacht als zuhause ge lesen, und was inan längst zu kennen glaubte, sehen wir hier mit anderen Augen an. Da gibt es etwa ein kleines Gedicht von Eichendorsf, das wir — wie oft — gelesen und gesungen haben, und da steht es in einem neuen Buch mit einer hübschen Zeich nung in einem neuen Zusammenhang und offenbart uns nicht nur seine, sondern unsers Vaterlandes, unseres Deutschtums Herrlichkeit, und mitten in der Fremde überfällt uns ein Sehnen, das stärkt und befreit, und wir fühlen die Macht des Gemüts, ohne die unsere Waffen zersplittern würden. Kanonier vi. Weiglin. ckn. Unsre« feldgrauen Gehilfen. Von ännem aldcn Leibz'ger. Ha, Fremde, man wird nich behender, Wenn m'r schon uff de sechzig geht lln nebenbei als Sordimender De Beene in d'n Bauch sich steht. Ze Ostern schon brummt — ungelog'n! — Der Schädel eenem hier un da, Doch gommt gar 's Christgind angeslog'n, So brummt r gleich rundum — ei ja! Un nn, in dieser Zeit, d'r großen, Wo ach! manch wackrer Herr Gommis (Bardong: »Gehilfe!«) den Franzosen Un sonst'gen Gerls steht vis ü vis: Da heert m'r nischt wie Gunden zetern, Weil dies un das nich brombt will gehn, Un gnurrt — kriecht nachts m'r in de Federn: »Nee, so ä Weltgrieg is nich scheen!« Un doch! wer trieg' nich gern de Birdc Un wo der Gunde, der nich schwieg. Wenn m'r ihm sagt mit Stols un Wirde: »De Herrn Gehilfen sein jm Grieg!« — Wohl liew' ooch ich de Weibsgesichter, Un finfe guirl'n jetzt um mich 'rum, Doch eh' m'r die bringt uff'n Trichter, Is, hoff' ich, längkst d'r Weltgrieg um! Ja, ihr da drauß'n an d'n Fronten! Was mir (doch seid m'r nich embeert!) Eich oft nicht sag'n wolld- noch gönnten, Heit' heert's: ihr seid uns lieb un wert! Un liewer als bei Bier nn Rett'gen Sitzt m'r daheem, wenn ab un zu Ihr brieflich un im Beersnbläddchen llns gebt än stilles Rangdevuh! Ja, ja, de Heimat, eier Bestes, Se is mit eich ins Feld gerickt! Was eich bekimmert — ihr vergeht es, Wenn ihr recht dies ins Oog' ihr blickt! Was gönnt'n wir drum Scheenres spenden Zum Weihnachtsfeste als ä Heft, Wo ihr an allen Eck- un Enden Eich lieb-vertraute Dinge trefft! Denn während ihr im Schmuck d'r Waffen Den Feind vergeiltet mit Geschick, Hamm wir gewirkt, um was ze schaffen, Was eich erfrei' 'nen Oogenblick! A jeder nehm' sei Heft un les' es, Un wenn beim Bunschglas oder so Ihm ä »Nu so was!« — »Ei Herrjescs!« Entschlipft — ei ja, dann sein wir froh! Eich amer brenn' das Herz wie Gohle, Erfahrt 'r, wie m'r eich vermißt Un wie de Biechermedrobole Eich dangkbar grießt zum Heil'gen Christ! Otto W e n ck. Wir und die Literatur! Liebes Börsenblatt! Das ist leicht gesagt, für einen Dreier Käse, aber ohne Maden! Deine Mitarbeiter sitzen am mit allen Finessen ausgestatteten Remingionfchreibtisch und brauchen nur nach rechts und links zu greifen, um jedwede Nachschlageliteratur zur Hand zu haben! Aber wir im Felde?! Welcher Buchhändler käme Deiner liebens würdigen Aufforderung, »sich mit einem geeigneten Artikel an der Weihnachts-Feld-Nummer Deines Blattes zu beteiligen, wo bei es wünschenswert wäre, tunlichst einen Zusammen hang mit dem Weihnachtsfeste herzustellen«, nicht gern nach? § Aber können vor lachen! Also ein Brett her, auf 2 Fässer gelegt, — soviel Inventar hat unser »Granatschlötzchen« allemal noch
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