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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 27.11.1915
- Strukturtyp
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- Band
- 1915-11-27
- Erscheinungsdatum
- 27.11.1915
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- Deutsch
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2,8, 27. November ISIS. Redaktioneller Teil. Wehr und gebrochenem Mut, dem Mute der Verzweiflung I Wer wagt zu hoffen, wer ist siegesfreudig dort, wo Neid und Lüge das Schwert führen? Gärt es nicht schon in den Völkern rings um in drohender Unzufriedenheit, liegt es nicht wie dumpfe Nie dergeschlagenheit auf den Gemütern? — Und bei uns Deutschen? Festes Zusammenhalten wie am ersten Kriegstage! Nie war Deutschland einiger! Der Burgfriede ist nicht eine stillschwei gende, noterzwungene Übereinkunft gewesen. In ihm kam die Sprache der Herzen von 70 Millionen zum Ausdruck. Hundert tausend« haben den Wert und die Macht der einigenden Begeiste rung an sich erfahren, haben Frieden geschlossen mit poli tischen und bürgerlichen Gegnern, haben Freundschaft ge lobt, wo bisher Feindschaft bestand. Verlorene Söhne haben sich aufgemacht, um Vater und Mutter die Hand zu reichen, damit sie in Frieden hinausziehen konnten in den Kampf. Entfremdete Gatten fanden sich wieder, um in Frieden aneinander denken zu können in der Zeit langer, banger Trennung. In leuchtend« Augen haben wir sehen dürfen, wenn das Lutherlied erklang: »Ein' feste Burg ist unser Gott lr. Der Friede, den das Lied in die Seele gießt, hat alle froh und fest gemacht, die es sangen. Dort, wo so mancher täglich dem Tode ins Auge schaut, wo täglich die Möglichkeit besteht, vor dem ewigen Richter erscheinen zu müssen, haben Tausende sich die Freudigkeit erworben, vor ihm erscheinen zu dürfen. Sie fürchten die Ewigkeit nicht; wie sollten sie den Tod fürchten? Sie trotzen ihm auf einsamer Wacht wie im wilden Sturm. Das ist Friede unter Waffen! Wer so dasteht, darf Weihnachten feiern unter Waffen! Und er darf Weihnachten feiern als Fest der Freude auch unter Tränen. Immer ist Weihnachten ein Fest der Freude ge wesen, wo froher Kinderjubel erscholl, wo der Weihnachtsbaum in Hellem Kerzenschein erstrahlte, wo in frohen Menschenaugen Gcbelust und Dankbarkeit aufleuchtete, — alles hatte «inen Klang und Gang zur Freude. Jetzt fällt vieles Glänzende und Klingende fort, und viele ernste Gesichter fleht man in dieser Weihnacht. Ist damit die Freude verbannt und erstorben? Ach, was wäre denn das für eine Freude, die an dem hängt und mit dem verschwindet, was da glänzt und klingt! Wir können das alles gut entbehren, und es wird gut sein, einmal stille, ernste Weihnacht zu feiern, innerliche Weihnacht, in der die Herzen sich erschließen. Wohl hat mancher viel verloren, mancher mutz schwer entbehren. Dieser denkt an die Lieben in der weiten Ferne, jener an Gefahren, an seine Wunden, vielleicht gar an seine Gefangenschaft oder an sein frühes Grab. Aber hätten wir auch alles verloren, was zuvor dem Leben Glanz und Freude gab, so haben wir doch noch die Freude an den Erfolgen unserer tapferen Heere, die Freude an den herrlichen Waffentaten unserer Söhne und Brüder, an der Errettung des Vaterlandes aus der Nieder tracht und schändlichen Gemeinheit unserer Feinde, an der Be freiung von der Bestialität vertierter Asiaten und unmenschlicher farbiger Horden! Nicht verloren kann uns die Freude gehen an den Zeichen der Liebe und Zuneigung unserer Freunde und Kameraden daheim und draußen vor dem Feinde. Singend zo gen unsere Truppen in die Schlacht, dem Tode entgegen, die Herzen voll froher Zuversicht, in Gewißheit des Sieges. So auch wollen wir in voller Gewißheit des Sieges srohen Herzens Weih nacht feiern als Fest der Freude, auch unter Tränen. In Ge - berfreude! Denn die Freude, die wir geben, kehrt ins eigne Herz zurück! So soll es sein, so wird es sein eine Kriegsweih nacht in der Zuversicht des Sieges! E. Opitz. Leben in Büchern. (Nachdruck gestattet.) Wir stehen unter dem Banne ungeheurer Geschehnisse. Der ganze Erdball hallt Wider von Krieg und Kriegsgeschrei. Die Völker Europas ringen um den endgültigen Sieg. Die Werk stätten und Fabriken ihrer Länder müssen den Anforderungen des Krieges dienen. Statt Kulturwerte werden Kriegswaffen und Kriegsgeräte geschaffen. Groß ist die Not und groß ist die Trauer. Vorüber sind die rauschenden Feste; denn unsere Väter und Söhne bluten draußen im Felde. Wir Hallen Einkehr und Wersen von uns ab, was leichtsinnig, was unecht war. Bleiben kann nur das Gediegene, das Erhebende, das geistig Hohe. Keine Kulturwerke haben sich in dieser großen Zeit blei bender erwiesen als die Bücher. Viele sind uns zu Freunden ge worden. Zu ihnen nehmen wir unsere Zuflucht in der Freude und Lust, in der Trauer und Not des Lebens. In den Büchern leuchtet die Sonne der Heimat. Bald klingen ihre Töne traut und lieblich und erwecken die Liebe zur schönen Natur. Bald sind es gewaltige Akkorde, die dem Vater land und seinen Helden gewidmet sind. Die Bücher tragen uns über die Grenzen der Heimat hinaus zu fernen Gestaden. Sie crwcitem den Blick; sie schärfen den Geist. Sie erwecken das Verständnis für andere Länder, andere Sitten, andere Anschauungen. Sie fördern den geistigen Reich tum des inneren Lebens. In seinen Büchern spiegelt sich das Leben eines Volkes. Sie geben Rechenschaft über seine Kunst, seine Religion, seine Kultur. In ihnen lacht und weint das Volk; in ihnen kommen seine Eigenschaften, die guten wie die bösen, zum Ausdruck. Zu ihnen greift der Gebildete wie der Mann des Volkes. Dem Arbeiter sind seine wenigen Bücher so vertraut und lieb wie dem Bibliophilen seine seltenen Erstdrucke, aus denen er den Geist der verschiedenen Zeiten beurteilt. Die deutschen Bücher sind eines der gewaltigsten Merkmale deutscher Kultur. Wir sind ein Volk der Leser und Denker. Auch der verheerende Weltkrieg vermochte es nicht, den Kultur wert des deutschen Buches zu unterdrücken. Seit sechzehn Mo naten kämpfen wir siegreich an allen Fronten gegen einen an Zahl überlegenen, haßerfüllten Feind. Seit sechzehn Monaten ziehen sie hinaus, unsere Männer und Jünglinge, in den grim- migen Kampf, viele von ihnen von einem Lieblingsbuche be gleitet. Das Große, das sie erlebt, das Gewaltige, das sie geleistet, es hat seinen geistigen Niederschlag im deutschen Buch gesunden. Und das deutsche Volk ist dankbar für die gebotene Gabe. Nicht nur in der Heimat wird die neu erstandene Literatur ge lesen. Zu Tausenden wandern die Bücher hinaus an die Front. Zu Tausenden finden sie in den Lazaretten hier und draußen ihre begeisterten Leser. Der Weltkrieg hat es nicht vermocht, unsere Bücher zu unterdrücken. Eines aber hat er bewirkt: er hat unsere Literatur von der Nachahmung des Fremden, von der weichlichen Unnatur befreit, die bei einigen deutschen Schriftstellern um sich zu greifen drohte. Es sind kräftige und echte Töne, die unsere heutigen Schriftsteller anschlagen, würdig der großen Zeit und der ge waltigen Ereignisse, die sie gebar. Unser Vaterland bereitet sich zur zweiten Kriegswcihnacht vor. Durch die gesamte Presse dringt der Ruf nach Weihnachts gaben sür unsere Heere. Neben Gaben materieller Art fordern alle Blätter ohne Ausnahme vor allem auf zur Sendung von Büchern an die Front. So mögen denn diese Zeugen unserer Kultur hinausziehen zu unfern Tapfern. Sie liefern ihnen den Beweis, daß die Hei mat ihrer wie ihrer Taten dankbar gedenkt, daß das geistige Leben von den Zurückgebliebenen auch in den langen Kriegs monaten hochgehalten worden ist. vr. Arnold Raeber. WaS wir im Felde lesen wollen. (Nachdruck gestattet.) Etwas geziert und doch treffend hat Hugo von Hofmanns thal einmal in einem Vortrage gesagt, die Gebärde des deutschen Menschen sei die mit dem Buch in der Hand. Man könnte meinen, das stimme nicht mehr ganz; im Gegenteil, der Krieg habe uns den Unwert eines tintenklecksendcn Säkulums gelehrt, und statt des Buches trügen wir die Waffe, und nur sie als beste und zuverlässigste Freundin. In der Heimat scheint man diese Ansicht zu hegen, denn unter den Liebesgaben, die von dorther kommen, spielen Bücher keine wichtige Rolle. Zeitungen werden
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