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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 27.11.1915
- Strukturtyp
- Ausgabe
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- 1915-11-27
- Erscheinungsdatum
- 27.11.1915
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- Deutsch
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^ 276, 27, November 1915, Redaktioneller Teil, Versuch aus, Euch Bilder der Zukunft heraufzufiihren, wie sie in den schönsten Momenten mir vorschweben, da das Vertrauen, daß Gott Eure Waffen segne, am lebendigsten ist. Auch Eure Vor fahren stärkten sich gern in der Schlacht an dem Anblick der Heiligthümer, für deren Schutz st« sich opferten«. Und an die Zu- rückbleibenden sich wendend fährt er fort: »Möchte doch meine Stimme auch zu einem Jeden gelangen, der diesen grotzen Zeit punkt durch ängstliche Sorgen entehrt, damit nicht durch Zweifel über den Erfolg des jetzigen Kanrpfs selbst in bessern Seelen der Eifer erkalte, auf dessen Fortdauer und allgemeiner Verbreitung Deutschlands Rettung beruht!« Nach früherer politischer Gleichgültigkeit war Christian Gott fried Körner damals zu einem starken, ja leidenschaftlichen Pa triotismus gelangt. Seine Flugschrift ist, wie schon Adolf Stern bemerkt hat, ein denkwürdiges Zeugnis für die Übereinstimmung von Vater und Sohn. Die Ideen, für die der Sohn das Schwert zieht, vertritt der Vater mit der Feder, Wie richtig zeichnet er den deutschen Charakter, wenn er sagt: »Das-deutsche Volk soll jedoch nicht auf der Stufe des glücklichen Gewerbfleißes stehen bleiben, sondern es hat eine höhere Bestimmung, Durch den innern Trieb, die Gränzen des Sinnlichen und Irdischen zu überschreiten, hat es von jeher sich ausgezeichnet, und manches ist darüber vernachlässigt worden, was den Kindern dieser Welt besser gelingt, als den Kindern des Lichts, Daher oft eine we niger glänzende Außenseite, aber desto mehr Beispiele von le bendigem Gefühl für Wahrheit und Pflicht, von unermüdetem Forschen nach den verborgensten Schätzen der Erkenntniß, von Tiefe des Gemüthes in den Darstellungen der Kunst, und von brennendem Eifer für das Edle, Große und Heilige.« — Das Schriftchen geht dann aus die politischen Verhältnisse des damaligen Deutschland ein und schildert in beredten Worten die Vorteile, die aus einer Einigung des Reiches sich ergeben müßten. Die Wünsche des Verfassers gellen insbesondere der wirtschaftlichen und hygienischen Fürsorge, der Sittlichkeit, Re ligion, Sprache, Literatur und Kunst, die er in einzelnen Ab schnitten nacheinander behandelt. Wenige Monate nach Erscheinen des Büchleins ist Theodor Körner im Kampfe für die deutsche Freiheit gefallen. Sein Stern leuchtet heute mit Recht unscrm Volke Heller als der seines Va ters, der doch auch einer jener Männer war, deren bloße Existenz uns vor der albernen Beschuldigung der Barbarei schützen sollte. Abermals sind Deutschlands Hoffnungen auf den Ausgang eines gewaltigen Krieges gerichtet. In politischer Hinsicht umspannen sie Ziele, von denen Körner sich nichts träumen lassen konnte, Fragen wir uns dagegen, was von seinen Forderungen auf geistigem Gebiete für uns noch von Bedeutung sein kann, so ergibt sich, daß der größte Teil derselben seine Gültigkeit auch heute nicht verloren hat, über die Ausländerei z, B, dachte Körner, der in seiner Jugend England bereist hatte, nicht anders als wir: »Fremde Gewalt ist dem deutschen Volk, sobald es nicht durch innere Zwietracht geschwächt wird, weniger gefährlich, als fremde Sitte, die sich durch eine glänzende Außenseite empfiehlt. Ein Übermaß von Bescheidenheit verleitet uns, jede Eigenheit des Ausländers, die wir an uns vermissen, in einem verschönern den Lichte zu betrachten, Wohl uns, wenn wir bei dem jetzigen Kampfe zur Besonnenheit erwachen und es dahin kommt, daß Flachheit, Herzlosigkeit und all der Flitterstaat, mit dem eine modische Erziehung Prangt, nicht mehr für höhere Ausbildung gilt!« Das trifft ganz und gar noch auf unsere Zeit zu. Wenn dann semer gefordert wird, daß »an Stelle der Galanterie« wahre Achtung vor den Frauen treten solle, ein Charakterzug, den schon Tacitus an den Deutschen gerühmt habe, so dürfen wir Neueren wohl hoffen, daß auch in diesem Punkte wieder manches bei uns besser werden möchte. Sehr zeitgemäß endlich klingt die Befür wortung der Ausbildung und Reinhaltung unserer Mutter sprache, Soviel da auch seit hundert Jahren geschehen ist, so hören und sehen wir doch täglich, wie nötig die Mahnung für uns immer noch ist. Für Schriftsteller und Künstler forderte Körner größere Freiheit. Sie ist ihnen ja Wohl im neuen Deutsch land in reichem Matze zuteil geworden. Was die Kunst betrifft, so haben wir sie inzwischen wiederholt bis an die Grenzen er laubter Freiheit, ja über diese hinaus gehen sehen. An der Frei heit, die der Schriftsteller genießt, hat der Buchhandel das leb hafteste Interesse. Bei ihrer Beschränkung denkt heute niemand mehr an den Inhalt, sondern eher an die Masse, Vor dem Kriege hatten wir eine literarische Überproduktion auf allen Gebieten; im Kriege haben wir eine literarische Überproduktion auf dem besonderen Gebiete des Krieges; nach dem Kriege werden in erster Linie die Verleger nachdrücklich die weitere Anschwellung gedruckter Papiermassen zu verhindern haben. So sehen wir die Hoffnungen des tapferen und feinsinnigen Mannes von 1813 heute in einzelnen Punkten erfüllt, in anderen sogar überboten. Die auf die sittlichen Grundlagen unseres Volkes hinziclenden Wünsche hegen wir weiter. Eine Hoffnung aber überstrahlt in diesen Weihnachtstagen des Jahres 1915 alle andern: sie, die Conrad Ferdinand Meyer in die Worte gesatzt hat: Und ein Reich will sich erbauen, Das den Frieden sucht der Erde, Mählich wird es sich gestalten, Seines heil'gen Amtes walten, Waffen schmieden ohne Fährde, Alammenschwerter für das Recht, Und ein königlich Geschlecht Wird erblüh» mit starken Söhnen, Dessen Helle Tuben dröhnen: Friede, Friede auf der Erde! Hans Kemper t. Herbftlaub ans der Mark. Einige Stunden mit den Kameraden draußen zu plaudern und sie dabei auf den Wellen der geistigen Bewegung in die Heimat zu geleiten: wer kann widerstehen, wenn er aufgefordert wird, an der Sendung teilzunehmen? Wir können nur Worte senden, die, so ehrlich sie auch ge meint sind, doch nur Worte sind. Sagt ein Händedruck, ein Blick den Zurückgekehrten nicht mehr? Nehmt bis dahin diesen Gruß aus der Heimat, Wir komme» zu Euch als Menschen ohne Masken und Larven, und wie Ihr dem Menschentum durch Euren Kampf und fortschreitenden Sieg den Weg bahnt in Gebiete, die es bisher entbehrten, so wollen wir mit den Waffen der Zukunft, der Ver nunft und des deutsch gedachten und gefühlten Idealismus er reichen, daß sich Eure Opfer lohnen. Verleger sein heißt: den Zeitgeist fühlen, die Individualität entdecken, Menschen sammeln, die schürfen, sichten, vertiefen, DerZeitgeist: 1871—72 derGründerkarneval, 1873 derKatzen- jammer, wie Lamprecht die Wirtschaftsgeschichte dieser Jahre kurz nennt. Der Austausch geistigen Strebens zwischen Deutsch land und Frankreich als Nachwirkung des Krieges, Dort Pessi mismus und Anlehnung an Schopenhauer, hier Optimismus, statt Freude Taumel. Doch es war nur eine kleine Gruppe von Men schen, die allerdings am meisten auffiel, weil sie am lautesten schrie. Ruhiger« bebauten desto fleißiger ihr Land vor den Toren Berlins, Andere sehnten sich nach der Natur und nach freier Gestaltung des Lebens, Nicht der Geldeswert allein sollte herr schen, sondern die schon im Altertum ausgestellten Forderungen, die den Menschen auf Erden glücklich machen, sollten Streben und Ziel der Gesellschaft sein. Um sie zu erreichen, forderte man zunächst die wirtschaftliche Unabhängigkeit und die Gerechtigkeit für alle Klassen, Man wollte sich satt essen, Licht und Luft haben, sich waschen und baden, gesunde Kinder zeugen und sie zu strebenden Menschen eiziehen. Das Schlagwort war und ist der größte Feind der deutschen Einigkeit im Innern, Deutsch« Wissenschaft ist gründlich, Ihre Forschung ist nicht kurz zu um schreiben, Man macht sie dennoch volkstümlich, man Prägt sie in Schlagworte um, und man wandelt in bester Absicht die hehrste deutsch« Tugend, um die uns die Antike beneidet hätte, die reine, unverfälschte Wahrheit, in ein unverstandenes Fremdwort, das den um das Brot werbenden Volksteilen zum Schlachtwort wird. Man nannte die Weltanschauung der damaligen staatsfeindlichen Schwärmer, für die man sie hielt, Materialismus, 1553
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