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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 22.11.1915
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1915-11-22
- Erscheinungsdatum
- 22.11.1915
- Sprache
- Deutsch
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- Saxonica
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- ZeitungBörsenblatt für den deutschen Buchhandel
- Jahr1915
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Redaktioneller Teil. K 271, 22. November 1915. tätig waren, so hielt es schwerer, als manch einer ahnt, für Arbeiten Beachtung zu erwirken, die andere Aufgaben zu erfüllen strebten. Erst als ich im Jahre 1904 mit meinem Roman »Dodi« in Vel- hagen K Klasings Monatsheften Eingang fand, fühlte ich den rechten Boden unter mir. Ich habe in erster Reihe ja immer Erzähler sein wollen. Aber es trieb mich, je älter ich ward desto mehr, zu psychologischer Vertiefung der bunten Geschehnisse des Lebens, das ich sah und im In- und Auslande selbst erlebte. Der Zeit einen Spiegel Vorhalten das war mein künstlerischer Wunsch in all meinem Schaffen. Daß es mir nach dem Urteil der Leser oftmals gelungen ist, weiß der deutsche Buchhandel. Aber ich bin von der Not des Lebens manchmal gezwungen worden, ums Brot zu schreiben. Ein paar Kriminalromane habe ich verbrochen, deren ich heute nur mit einem gewissen Herzklopfen gedenke. Die Erträgnisse dieser Arbeiten sollten eS mir ermöglichen, mir und meiner Familie für ein paar Monate das Leben zu fristen, in denen ich nach innerer Überzeugung schaffen konnte. Diese Zeiten ragen in meiner Erinnerung wie sonnige Inseln aus dem Alltag — und die paar Geschichten, die in jenen Brvtarbeitferien um die Wende des Jahrhunderts entstanden, sind mir Lieblingsbücher ge blieben: »Weiße Seele«, »Väterchen«, »Was die Leute sagen«, »Es blasen die Trompeten«, »Der Taugenichts«, »Letzter Flirt«. Wenn es für meine späteren zahlreichen Bncherfolge einer Ent schuldigung bei der strengen Kritik bedarf, so will ich gern eingestchen, daß ich selbst — mit keiner meiner Darstellungen zufrieden war. Ich habe alle meine Gesellschaftsromane, die sich wohl leicht und mühelos lesen, immer wieder dnrchgearbeitet, habe sie nach ihrer ersten Ver öffentlichung in den Zeitschriften nochmals kritisch vor der Ausgabe in Buchform vorgenommen und bei jeder Neuauflage — noch bis znm Winter vor dem Kriege — immer wieder von Grund aus durch gefeilt. Das einzige Buch aber, das unbekümmert um alle Gesetze der Form entstand, mühelos, ohne jede Arbeit, ohne jede Feile, unter den wechselnden Eindrücken des Tages — das hieß hier des Kriegs dienstes, der Märsche, Gefechte und des Schützengrabens —, ist mein größter buchhändlerischer Erfolg geworden, mein Kriegsbüchlein: »An der Spitze meiner Kompagnie«, das Ullstein L Co. jetzt im vier hundertsten Tausend heransbringen. Außer diesem Büchlein haben Ullstein L Co. meinen Romanen »Die Sonne von St. Moritz«, »Fasching«, »Kleine Mama«, »Die verbotene Frucht«, »Tie Meisterin von Europa«, »Das flammende Kätchen«, »Die junge Exzellenz« zu großer, von mir einst ungeahnter Ver breitung verholsen. Diese glücklichen Bücherschicksale hoben viel von den drückenden Lasten auf, die die Schicksalsbücher meiner schrift stellerischen Anfänge mir auf die Schultern gewälzt hatten. Dankbar muß ich auch der werbenden Kraft Engelhorns gedenken, in dessen Bibliothek und größeren Ausgaben manche meiner Arbeiten er schienen, die mich in neue Kreise einführten: »Krühlingsstürme«, »Lebende Bilder«, »Paradiesvogel«, »Musikstudenten«, »Die lachende Maske«. Genau ein Jahr ist's her, daß ich die Feder des Erzählers nieder gelegt habe. Eine neue, mich ganz und gar ausfüllende Aufgabe trug der Krieg im Dezember 1914 au mich heran. Ich übernahm im Auftrag des Kronprinzen Nupprecht von Bayern die Grün dung und Leitung der Liller Kriegszeitung, als deren Mit herausgeber mein verehrter Kollege Ompteda mir bis in den Sommer dieses Jahres zur Seite stand. Wie dieses Kriegskind gewachsen und gediehen ist, das aus bescheidenen Anfängen entstand und heute in 80 000 Exemplaren zur unentgeltlichen Vertei lung an die Truppen der . . . Armee gelangt, ist allmählich auch in der Heimat bekannt geworden. Auf diesem verantwortungsvollen Posten sind mir nicht nur die Leiden und Freuden des Schriftleiters be schicken - die ich ja als Herausgeber von Velhagen und Klasings Monatsheften und Daheim ein Jahrzehnt hindurch auskostcte und genoß -, sondern ich bin auch noch Buchdrnckereibesitzer, Verlags buchhändler und Zeitungsspediteur in einer Person. Und keins meiner Bücher, denen eine glückliche Hand des Verlags, die Gunst von Pu blikum und Presse ein erfreuliches Schicksal bereiteten, ist mir so nahe getreten, wie die erste selbständige Verlagsschöpfung der Liller Kriegszeitnng, das Jubiläumsbüchlein »Lille in deutscher Hand«, für das ich als Herausgeber und Verleger zugleich zeichnen durfte. Der Kriegsverlag des Liller Soldatenblattes wird hoffentlich nur eine kurze Dauer haben. Einen gefährlichen Wettbewerb mit den heimatlichen Verlagsgeschäften wollte ich ja nie herausfordern: es soll für mich kein neues Schicksalsbuch damit aufgeschlagen werden. Aber mich hat er den Buchhändlcrkreisen noch um einen Schritt näher gebracht. Habe ich doch nun auch einen ehrlichen Teil der Sorgen kennen gelernt, die die Herzen und Sinne und Geldbeutel der Zei tungsbesitzer, der Verlagsbuchhändlcr und Sortimenter bedrücken. Und als kriegsfreiwilliger Kollege darf ich darum an meinem Halbjahrhundert-Geburtstagc den deutschen Buchhändlern einen auf richtigen Gruß entbieten. Mit dem Wunsche guter Bücherschicksale für alle Werke, die aus der Not und dem Jubel dieser großen Zeit deutschem Geist und deutschem Gemüt entsprossen sind. Lille, November 1915. Paul Oskar Höcker. än. Kleine Mitteilungen. Bücher ins Feld. — Von den beiden Aufsätzen »Jetzt kauft Bücher« von Heinrich Lhotzky und »Bücher ins Feld« von Fedor von Zobeltitz, die im Börsenblatt Nr. 223 vom 25. September d. I. abgedruckt und den »Mitteilungen des Deutschen Verlegervereins« Nr. 320 vom gleichen Tage beigelegen haben, sind bereits zusammen über'200 000 Exemplare abgesetzt worden. Um zu ermöglichen, daß die zwei Ausrufe in weitere Kreise drin gen cs sollten möglichst alle Verleger die Aufrufe ihren Zeit schriften, nicht nur den populären, sondern auch den wissenschaft lichen, beilegen —, hat der Vorstand des Deutschen Verlegervcreins Staffelpreise für den Bezug größerer Mengen festgesetzt. Es wäre zu wünschen, daß davon recht reichlich Gebrauch gemacht würde. Zum Verbot medizinischer Literatur. — Vom Kriegsministcrium, Medizinalabtcilung, Berlin, ist unterm 13. November unter Nr. 608/11. 15 N. die nachstehende Antwort auf die in Nr. 242 abgcdruckte Eingabe des Deutschen Verlegervereins und der Vereinigung medi zinischer Verleger an erstgenannten Verein gerichtet worden: »Auf die Anfrage vom 12. 10. 1915, die Versendung medi zinischer Druckschriften in das Ausland betreffend, wird ergebenst mitgeteilt, daß in der Angelegenheit erneut Verhandlungen einge leitet sind. Alsbald nach deren Abschluß wird weiterer Bescheid erfolgen.« gez. Schnitzen. Die Zahl der deutschen Handelshochschulen, die bis zum vorigen Jahre 6 betrug, hat sich durch die Eröffnung der Handelshochschule Königsberg vermehrt, anderseits aber dadurch wieder vermindert, daß die 1901 in Frankfurt a. M. gegründete Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften als solche mit der im Oktober vorigen Jahres erfolgten Eröffnung der Universität Frankfurt a. M. zu be stehen aufgehört hat. Die Handelshochschuleinrichtungen der Aka demie für Sozial- und Handelswissenschaften sind jedoch ungeschmälert erhalten geblieben: sie sind der Universität Frankfurt a. M. im Rah men der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät derart cingegliedert, das; das Handelshochschnlstudium an der Universität Frankfurt a. M. unter denselben Voraussetzungen und in derselben Weise wie an der ehemaligen Akademie und den anderen deutschen Handelshochschulen betrieben und durch Prüfungen abgeschlossen wer den kann. PersonainachrichttK Ernennung zum Hofbuchdrucker. — Der Inhaber der Fa. Carl Hinstorffs Buchdruckerei und Verlag, Herr E. Erichson in Wis mar, ist vom Großherzog von Mecklenburg-Schwerin zum Hofbuch- drncker ernannt und ihm das Recht zur Führung der Fa. Carl Hin storffs Hosbuchdrnckerei erteilt worden. Johann Elbert 4. — Auf der Rückreise von einer im Aufträge des Neichskolonialamtes unternommenen Forschungsreise nach Ka merun ist in Granada in Spanien im Alter von 37 Jahren der Naturforscher Vr. Johann Elbert aus Frankfurt a. M. an den Folgen ! der Malaria gestorben, vr. Elbert hatte sich bereits durch seine große Forschungsreise im Jahre 1909 nach den Sumatrainseln einen Namen gemacht. Max Locwcngard 4-. — Ter Musikschriftsteller Max Loewengard ist am 18. November nach längerem Leiden im 56. Lebensjahre in Ham burg einem Herzschlage erlegen. Seit über zehn Jahren war er nach vorhergegangener literarischer Tätigkeit an der Berliner Börsenzeitung als Opern- und Konzertkritiker des »Hambnrgischen Korrespondenten« tätig: die Sicherheit seines künstlerischen Urteils wurde von Kennern gebührend geschätzt. Auch auf dem Gebiete der Komposition und musik theoretischen Schriftstellerei hat sich Loewengard, zum Teil mit Glück, versucht. Verantwortlicher Redakteur: Emil TbomaS. — Verlag: Der Bvrsenveretn der Deutschen Bnchkändler zu Leipzig. Deutsche? Buchhändlerhaus. Druck: Ramm L Seemann. Sämtlich in Leipzig. — Adresse der Redaktion und Expedition: Leipzig, Gerichtsweg 26 lBuchhäudlerhau-Zs. 1524
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