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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 20.11.1915
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- 1915-11-20
- Erscheinungsdatum
- 20.11.1915
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Redaktioneller Teil. ^ 270, 20. November 1915. Hieraus fleht man, daß das Interesse, bis auf wenige Aus nahmen, nicht allzu stark ist. Bemerken möchte ich aber zugleich, daß unsere Kompagnie zum größten Teil aus Erzgebirglcrn und Vogtländern besteht, also meist Arbeitern, Strickern oder Berg leuten. Von uns Einjährigen und einigen anderen Bllcherlieb- habern wurde der Lesestoff stets sehnsüchtig erwartet und mit Interesse gelesen. So haben wir einen kleinen Lesezirkel gebildet und bringen, nachdem alles sorgsam durchsludiert worden ist, das Gelesene in das nächste Feldlazarett. Denn hier ist ebenfalls jedes Buch willkommen. Ich selbst habe es an mir erfahren. Als ich im Lazarett lag und die wenigen dort vorhandenen Bücher von wenig künstlerischem Werte gelesen hatte, sehnte ich mich nach neuen Büchern. Hier könnte vielleicht von der Heimat ge- Holsen werden. Ich kann ja nur von meiner Kompagnie urteilen. Denn aus dem Bereich derselben kommt man nicht heraus. Wo soll man auch die Bücher hintun, wenn keine Zeit ist? Der Tornister ist ohnehin schon schwer genug, und wenn es fortgeht, fehlt Zeit, sie an andere Stellen zu schaffen. Jetzt im Winter wird die freie Zeit auch knapp. Da gibt es überall Arbeit, zumal bei dem star ken Regen, der jetzt schon wieder eingesetzt hat. Ich liege Nun schon seit August in der jetzigen Stellung, und wir sind noch nirgends anders hingekommen, so daß ich leider auch keine Adressen von Feldbuchhandlungen angcben kann, da ich nicht weiß, wie es hinter der Front aussieht. Wenn überhaupt Einrichtungen getroffen worden sind, so sind sie in den Etappen, und dann ist cs eben, wie in so vielen anderen Fällen auch: der Frontsoldat bekommt davon nichts zu sehen. F. H. R. XXX. Leitmeritz, 3. November 1915. 1. Meiner Ansicht nach besteht Wohl ein Bedürfnis nach guten Büchern, wenigstens zum großen Teile; dies äußert sich in dem Verlangen nach Kriegsberichten und Kriegscrzählungen. 2. Soviel ich weiß, sind Schenkungen in dieser Hinsicht seitens der Vereine in der letzten Zeit Wohl erfolgt, jedoch nicht an die im Felde stehenden Truppen, sondern an die in Spitälern und Erholungsheimen befindlichen Soldaten. 3. Zum Teil bereits durch 1. erledigt. Der Krieg hat bei den meisten der Teilnehmer die soziale Erziehung gefördert, was sich auf allen Gebieten des täglichen Lebens bereits bemerkbar macht. Auch in sittlicher Hinsicht ist durch diesen Krieg vieles er reicht worden, was lange Jahre des Friedens nicht zuwege brachten. In der Festigung des Familienlebens durch gegen seitige Achtung und Treue, in der Erziehung der Kinder, Eltern liebe usw. sind die Einflüsse des Völkerringens jetzt schon viel fach bemerkbar. Ebenso hat sich die religiöse Überzeugung im Volke zu einem mächtigen Faktor durchgerungen, der im kom menden Frieden sicher nicht zu unterschätzen sein wird. 4. Der korrekten Beantwortung dieser Frage stellen sich ver schiedene Schwierigkeiten in den Weg. Wohl scheint es sehr leicht zu sein, die im Felde stehenden Offiziere und Mannschaften durch Flugblätter, die etwa durch Vermittlung der zuständigen Erfatz- körper abzusenden wären, auf Bücher, Kriegsereignisse in Form von Erzählungen, Gedichten usw. behandelnd, aufmerksam zu ma chen, die als Weihnachtsgeschenke für die Angehörigen beson ders empfehlenswert sind. Auch die Bestellung könnte dann durch Beigabe einer Feldpostkarte leicht erfolgen. Dagegen bestehen in der Bezahlung des Kaufpreises große Schwierigkeiten, da es nicht möglich sein dürfte, die ohne dies (besonders zur Weihnachtszeit) stark beanspruchte Feldpost in dieser Weise zu belästigen. Es könnte demnach nur eine Ent richtung des Kaufpreises durch Beilegen von Briefmarken ohne besondere Arbeitsaufbürdung für die Feldpost in Frage kommen; wie aber die Heeresangehörigen in den Besitz der Briefmarken gelangen, ist eine Frage, die noch ihrer Erledigung harrt. Anders wäre es meiner Ansicht nach, wenn Angehörige der im Felde stehenden Soldaten, anstatt der oft durch ver spätetes Eintreffen dem Verderben ausgesetzten Geschenke sich mehr für Bücher entscheiden würden, die doch bei den langwie rigen Stellungskämpfen den Soldaten im Schützengraben manche 1518 gewünschte Ablenkung bieten. Ich würde mir hiervon Erfolg versprechen. 5. Fcldbuchhandlungen bestehen meines Wissens noch nicht. Wie diese einzurichtcn wären, damit sie ihrem Zwecke voll ent sprechen, ist schwer zu sagen. Nach meinem Dafürhalten müßte den verschiedenen Armee-Kommandos, unter Hinweis auf die gute Absicht, die Angelegenheit klargelegt werden und von diesen Seite aus Grund der Erfahrungen und unter Berücksichtigung der eigentümlichen Verhältnisse Rat und Unterstützung erbeten werden. Würde von diesen Stellen der Sache nähergetrcten, so würde dem ganzen Unternehmen dadurch ein authentischer Stempel aus gedrückt, der sicher zum Erfolge beitragen würde. ArthurWolf, z. Z. beim Ersatzbataillonsstab in Leitmeritz. XXXI. Schützengraben, 2. November 1915. Ja, es besteht ein Bedürfnis nach Büchern bei den Heeres- ungehörigen. Bei denen hinter der Front ist es natürlich größer als bei uns im Schützengraben. Wir haben hier zu wenig Zeit; 16 Stunden Dienst ist keine Seltenheit. Hin und wieder nimmt man doch gern ein Buch zur Haud und rennt herum, um eins zu finden. Dann hört man rufen: »Wer hat etwas zum Lesen?» Man liest, was man bekommt; bestimmte Richtungen kennt man nicht. Man sucht nur nach Stoff, um wenigstens für kurze Zeit sich anderen Gedanken hinzugeben. Leichte Romane und illu strierte Zeitschriften werden oft gewünscht. Ullstein-Bücher fin den sich öfters. Das Format und das Gewicht dieser Bändchen ist handlich, so daß man sie leicht mitnehmen kann. Größere und schwerere Bücher läßt man als unnötigen Ballast liegen, was sie wenigstens nach Meinung der einfachen Frontsoldaten sind. Aus Kriegsbüchern macht man sich überhaupt nichts mehr. Die Leute meinen, sie erlebten das, was darin steht, alles selbst. Ich habe bisher nicht wahrnehmen können, daß Gesell schaften oder Vereine Angehörige unseres Bataillons mit Bü chern beschenkt haben. Obwohl oft Liebesgaben aus der Heimat in die Schützengräben gesandt wurden, fand sich doch nie ein Buch darunter. Vielleicht ist es empfehlenswert, an die Heeresverwaltung mit dem Vorschläge der Gründung einer Schützengraben-Biblio thek heranzutreten. Lesehallen befinden sich ja schon in den festen Quartieren, wo die Truppen ihre Ruhetage verbringen. Leider sind diese Hallen zu vollgestopft mit gebundenen sehr alten Jahrgängen illustrierter Zeitschriften, die man irgendwoher ge schenkt erhalten hat. Ein gutes Buch ist nicht zu finden. Adressen von Feldbuchhandlungen sind mir nicht bekannt; ich glaube auch kaum, daß sie sich rentieren würden. Der einfache Soldat braucht seine Löhnung zur Auffrischung seiner Bekösti gung. Leider dasselbe Lied wie in der Heimat. Mit einer Schützengraben-Bibliothek wäre sicher vielen ge holfen, mancher Kamerad würde für seinen Geschmack etwas da rin finden. Die Interessen der Truppen hinter der Front sind mir leider nicht bekannt; Bllcherverkaufsstellen scheint es auch dort nicht zn geben. Bühning-Pfeifer. XXXII. Zeithain, 30. Oktober 1915. Es besteht sicher ein großes Bedürfnis nach Büchern der den Heeresangehöreigen, besonders bei denen im Felde. Die verschiedenen Generalkommandos werden sicherlich gern die Hand zu diesem guten Werke bieten und die Massenverbrei tung eines Rundschreibens gestatten. Über Feldbuchhandlungen ist mir nur bekannt, daß Herr Hermann Hillger im Ehrenamt Leiter der Feldbuchhandlungen der V. Armee ist. Ich benutze die Gelegenheit, um das Augenmerk der Re daktion auf die Zivilgefangenen zu lenken, da könnte durch eine kleine Bitte im Börsenblatt wohl etwas getan werden. Ich selbst habe eine Riesenliste mit weit über 1000 Büchern:
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