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Börsenblatt für den deutschen Buchhandel : 20.11.1915
- Strukturtyp
- Ausgabe
- Band
- 1915-11-20
- Erscheinungsdatum
- 20.11.1915
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- Deutsch
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»V 270, 20. November 1910. Redaktioneller Teil. sagen werde, mangels größerer Erfahrungen, will aber dennoch versuchen, meine unmaßgebliche Meinung zu Papier zu bringen. 1. Ein Bedürfnis nach Büchern besteht hier zweifellos, bei der Mehrzahl der Leute allerdings in nicht allzu großem Matze, Wohl aber bei der intellektuellen Minderheit. Leute, deren lite rarische Bedürfnisse im Frieden schon durch das Lesen der Zei tung voll befriedigt werden, haben natürlich im Felde auch kein sonderliches Verlangen nach besserer Lektüre. Dazu kommt, daß der schwere und anstrengende Felddienst dem Soldaten wenig Zeit und Ruhe läßt. Hat er aber einmal eine Mußestunde, so liest der Soldat in erster Linie die Zeitung, die mitunter sogar mit einer gewissen Regelmäßigkeit eintrifft, um sich auf dem lau fenden zu erhalten. Dann aber zeigt sich auch das Verlangen nach anderem Lesestoff. In meiner Kompagnie war es bald bekannt, daß ich allerhand Lesbares bei mir hatte. Gar oft hörte ich, wenn wir irgendeinmal zur Ruhe kamen: »Hast Du nichts zu lesen für mich?« — Es war mir natürlich immer eine Freude, da bejahend antworten und ein gutes Büchel in Um lauf setzen zu können. Selten aber hört man den Wunsch nach einem bestirnten Buche, schon deshalb, weil er Wohl noch viel sel tener erfüllt werden könnte. Anders liegt der Fall natürlich, wenn der Soldat ausnahmsweise einmal in eine größere Stadt in einen Buchladen kommt und Auswahl vorfindet. — Im allgemeinen ist man dankbar für jede Art guter Unterhaltungslektüre, die be vorzugt wird, um dadurch abgelenkt und auf andere Gedanken gebracht zu werden. L. Daß dem Lesebedürfnis durch Schenkungen der Vereine und Gesellschaften in ausreichender Weise Rechnung getragen worden ist, kann ich nicht finden. Ich weiß nicht, wie es ander wärts damit steht; bei meinem Truppenteil habe ich von Bücher schenkungen — von gelegentlicher Verteilung christlicher Schriften und Traktate durch Feldgeistliche abgesehen - noch nichts be merkt. 3. Welche Bücher im Felde gelesen werden? Nun, der Sol dat ißt nicht nur alles, nota baue wenn er Hunger hat, sondern er liest auch alles, was er gerade erwischt. Die Fälle, daß der Soldat »seinen Faust« im Tornister mit sich führt, kommen vor, selbstverständlich, nur sind sie nicht allzu häufig und bleiben - darüber sollten wir uns keiner Täuschung hingeben Aus nahmen. Wie ich schon andeutete, wird vorwiegend gute Unter haltungslektüre gewünscht, aber auch aktuelle Schriften, wie Bio graphien der Heerführer, Kriegstagebücher, politische Broschüren ufw., finden Anklang. Andere wieder bevorzugen praktische Lek türe, betreiben mit Eifer das Studium von Sprachführern, Schriften über Sternkunde, deren Kenntnis dem Sol daten zur Orientierung bei Nacht auf Patrouillen usw. von Nutzen sein kann, und ähnlichen Merkchen. Meist aber sieht man in den Händen der Kameraden die bekannten 20 «s- Bibliotheks-Bändchen, Reclam, Kürschner, Wiesbadener Volks bücher usw., die sich schon durch ihre Billigkeit, das kleine Taschen format, gediegenen Inhalt als Feld- und Schützengraben-Lektüre vorzugsweise eignen. Dicke, gebundene Bücher kann der Soldat nicht mit sich Herumschleppen, die Ullstein-Bücher gehen gerade noch, größere Formate haben selbst bei noch so wertvollem Inhalt wenig Aussicht zu größerer Feldverbreitung. Daß die kriegerischen Verhältnisse auf die Lebensanschau ungen und die literarischen Bedürfnisse der Heeresangehörigen eine Wandlung ausüben, glaube ich von einem großen Teil an nehmen zu dürfen. Diese Wandlung aber nach ihrer Richtung, ihrer Tiefe und Bedeutung für die Zukunft heute schon zu er messen, ist mir unmöglich. Nur das sei mir anzudeuten gestattet, daß diese Wandlung, wo sie wahrzunehmen ist, nach der ern steren, besinnlicheren Seite geht, daß das gewaltige Erleben des furchtbarsten der Kriege, der Tod so vieler Kameraden, die stän digen Gefahren dem Soldaten die Vergänglichkeit alles Irdischen besonders deutlich vor Augen bringen und ihn zu einer gewissen Selbstbesinnung und Verinnerlichung zwingen. Und noch ein an derer Punkt verdient hervorgehoben zu werden. So mancher Kamerad hat erst jetzt durch die Schule der Entbehrungen ein- sehen gelernt, was es heißt, eine Familie, ein Heim, einen eigenen Herd zu besitzen, Schätze, deren Wert er früher häufig nicht ganz zu würdigen gewußt hat. Mancher eingefleischte Junggeselle bekannte mir: »Ja, wenn ich mal gesund nach Hause komme, wirb geheiratet«. — Es ist der Sinn für eine gemütvolle deutsche Häuslichkeit, der meiner Meinung nach durch den Krieg «ine wesentliche Stärkung erfährt, eine Bewegung, die Wohl auch zu einer besseren Wertung der übrigen ideellen Güter unseres Volkes und damit auch unserer literarischen Schätze führen kann. 4. Welche Wege einzuschlagen sind, um die im Felde stehen den Offiziere und Mannschaften zu veranlassen, ihren Angehörigen zu Weihnachten Bücher statt anderer Geschenke zukommen zu lassen, ist schwer zu sagen. Auf die Gefahr hin, selbst »olle Kamellen« vorzutragen, will ich doch in Anbetracht der Wichtig keit dieser Frage meine Gedanken zum Ausdruck bringen. In erster Linie sollte versucht werden, mit allen größeren Ta geszeitungen, die den Kriegern nachgesandt und von ihnen auf merksam gelesen werden, ebenso mit den in Feindesland er scheinenden Zeitungen (wie z. B. Aller Kriegszeitung) ein Ab kommen zu treffen zwecks gemeinsamer Arbeit. Sind diese ge wonnen und zum Abdruck der (vielleicht von den buchhändlerischen Vereinen usw.) zu liefernden, ansprechend abgefaßten Propa ganda-Feuilletons bereit, so ist schon viel gewonnen. Dann denke ich an den Druck von Weihnachts-Katalogen und -Prospekten, die so abgefaßt sein müßten, daß der Soldat mit Leichtigkeit für seinen Zweck Passendes finden und durch eine bereits vorge- druckte Feldpostkarle eine heimatliche Buchhandlung ohne viel Umstände beauftragen kann, das gewählte Gcschenkwerk dem Adressaten bzw. Zubeschcnkenden zu Weihnachten in seinem Auf trag zu übermitteln. Begleichung am besten durch Bank-Über weisung oder durch Feldpostanweisung, wobei jedoch zu berück sichtigen ist, daß letztere 2—4 Wochen braucht, um anzukommen, da feldseits nur 2—Zmal monatlich Postanweisungen abgeliefert werden. Zur Verbreitung der Weihnachts-Kataloge und -Prospekte empfiehlt sich der direkte Versand an alle bekanntgewordenen Feldadressen von Kunden, Offizieren usw. Außerdem wäre die Mithilfe aller deutschen Buchhandlungen im von uns besetzten Feindesland durch direkte Aufforderung zu erbitten. Dann aber sollten alle im Heer befindlichen Buchhändler gebeten werden, ihrerseits durch Verteilung von Katalogen usw. an Kameraden die Arbeit zu unterstützen. 5. Adressen von Feldbuchhandlungen sind mir nicht bekannt. Ich weiß nur, daß unsere Korps-Marketenderei neben andern Be darfsartikeln auch Bücher führt. Bis jetzt habe ich leider noch keine Gelegenheit gehabt, die Räume unserer Korps-Marketenderei zu betreten. Die Adresse lautet: An die Korps-Marketenderei des I. Bahr. Res.-Armcekorps. Ich vermute, daß auch andere Korps- Marketendereien gleichfalls Bücher verkaufen und daß daher ent sprechende Zuschriften Erfolg haben könnten. In Lille, Douai, Valenciennes und jedenfalls auch in anderen größeren franzö sischen Städten gibt es deutsche Zeitungs- und Zeitschriften-Ver- kaufsstände. Diesen Korps-Marketendereien und Zeitungskiosken wären Weihnachts-Kataloge usw. in genügender Anzahl zur Ab gabe an Bücher- und Zeitungskäufer gratis zur Verfilzung zu stellen. Adolf Askani, Infanterist in einem daher. Reserve-Regiment. XXIX. 1. November 1918. Auch ich glaubte, ein Bedürfnis nach Büchern müsse fast bei jedem Menschen bestehen, sind sie doch die besten Freunde und Tröster in bangen Stunden. So ließ ich mir aus der Heimat etliche Bücher schicken, und zwar aus den verschiedensten Ge bieten, u. a.: Herzog, Ganghofer, Höcker, Zobeltitz, Ompteda. Ich versuchte in unserem Graben eine kleine Bibliothek ins Leben zu rufen, und ich erhielt auch gebundene Werke, ferner Berliner Illu strierte, den Gemütlichen Sachsen, Meggendorfer-Blätter und Vel- hagen L Klasings Monatshefte. Aber der Erfolg der Bemühungen war gleich Null. Die Bücher wurden zwar gelesen, auch die Bil der der Zeitschriften angesehen, aber an ein Zurückgaben dachte keiner. Und ich konnte mich auch nicht um jedes Buch kümmern, dazu ist die Zeit im Schützengraben zu beschränkt. 1517
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